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Selbstreflexivität im Film am Beispiel von Jean-Luc Godards "À bout de souffle"

Title: Selbstreflexivität im Film am Beispiel von Jean-Luc Godards "À bout  de souffle"

Seminar Paper , 2006 , 14 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: M.A. Marius Nobach (Author)

Film Science
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Ein Filmemacher dreht einen Film und dieser richtet sich an den Zuschauer. Geht man von dieser simplen Aussage aus, so scheint der Zuschauer dem Film gegenüber nur eine passive Rolle auszuüben. Verschiedene Semiologen sind jedoch zu dem Schluss gekommen, dass Filme dem Zuschauer auch eine aktivere Rolle zuschreiben können, wenn man davon ausgeht, dass der Prozess des Filmemachens erst durch die Rezeption des Zuschauers seinen endgültigen Sinn erfährt, also vergleichbar mit einem mündlichen Austausch wird.
Im Film freilich gestaltet sich das Auffinden eines Enunziationsprozesses weitaus schwieriger als in einem Gespräch, wo es relativ einfach ist, den einzelnen Partizipanten einer Enunziation ihre Rollen zuzuweisen, und das einen interaktiven Diskurs darstellt. Im ersten Teil dieser Hausarbeit versuche ich darzustellen, inwieweit man trotzdem sagen kann, dass ein Film Teil eines Diskurses ist, an dem Filmemacher und Zuschauer als enunziative Pole beteiligt sind. Dabei nehme ich speziell auf den Bereich der Selbstreflexivität Bezug.
Im zweiten Teil der Hausarbeit zeige ich beispielhaft anhand von Jean-Luc Godards Film À BOUT DE SOUFFLE [AUSSER ATEM] (Frankreich 1960), wie dieser Regisseur schon in seinen ersten Film selbstreflexive Bezüge eingearbeitet hat, die auf das Medium an sich und dessen Geschichte verweisen. Dabei gehe ich zuerst auf allgemeine Referenzen, die sich auf bestimmte Aspekte der Filmgeschichte richten, ein, anschließend auf Verweise auf spezielle Filme und daraufhin auf die Art, wie die Charaktere in À BOUT DE SOUFFLE in der Tradition von Charakteren aus anderen Filmen stehen. Zum Abschluss lege ich dar, dass À BOUT DE SOUFFLE auf seine eigene Identität als Film aufmerksam macht, indem Godard dem Zuschauer den Blick auf den Prozess des Filmemachens ermöglicht und ihn damit zum Nachdenken über dessen Kinoerfahrungen und vielleicht sogar zum Verständnis filmischer Prozesse bringt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Selbstreflexivität im Film

3. Selbstreflexivität in À bout de souffle

3.1. Das Erbe der Cinémathèque française – Verweise auf die Filmgeschichte

3.2. Der Film als Film unter Filmen – Verweise auf andere Filme

3.3. Die Selbstinszenierung der Charaktere in À bout de souffle

3.4. Die Zerstörung der filmischen Illusion – Bekräftigung des Filmcharakters

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Selbstreflexivität im Spielfilm am Beispiel des Nouvelle-Vague-Klassikers „À bout de souffle“ von Jean-Luc Godard. Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Regisseur durch den bewussten Bruch mit konventionellen narrativen und ästhetischen Regeln den Zuschauer aus einer passiven Konsumhaltung löst und den Film als ein konstruiertes Kunstmedium erfahrbar macht.

  • Grundlagen der filmischen Enunziation und Selbstreflexivität.
  • Explizite und implizite Verweise auf die Filmgeschichte und andere Werke.
  • Die Inszenierung der Charaktere in Anlehnung an das Rollenbild des „Film noir“.
  • Formale Regelverstöße wie Jump Cuts und Kameraverschiebungen als Mittel der Meta-Erzählung.
  • Die Rolle des Zuschauers im interaktiven Diskurs mit dem Filmmedium.

Auszug aus dem Buch

3.4. Die Zerstörung der filmischen Illusion – Bekräftigung des Filmcharakters

Godard bricht allerdings keineswegs nur Regeln, die bestimmte Genrekonventionen oder die Charakterzeichnung betreffen, Regelbrüche, die eine gewisse Filmerfahrung der Zuschauer voraussetzen, damit sie als solche erkannt werden. Weitaus auffälliger sind vielmehr diverse formale Regelverstöße, mit denen Godard die konventionellen ästhetischen Erwartungen unterläuft und die jedem Betrachter auffallen dürften. Mithilfe dieser formalen Regelbrüche verweist À bout de souffle am deutlichsten auf sich selbst: Ein Film, der sich selbst als Film zu erkennen gibt.

Unter diesen Regelverstößen sind als erstes die Kameraverschiebungen über die Handlungsachse hinaus zu nennen. Die Handlungsachse (oder auch 180°-Linie) nicht zu überschreiten, zählt zu den Grundprinzipien des klassischen Hollywoodkinos, da ein Überschreiten derselben zur Folge hat, dass der Zuschauer nicht länger den Eindruck hat, dass die Bewegung auf der Leinwand kontinuierlich abläuft. Godard bricht mit dieser Tradition zum Beispiel in der Szene, in der Michel von zwei Polizisten auf Motorrädern verfolgt wird (0:04:18). Innerhalb dieser Szene kommt es zu einem Achsensprung (0:04:27), der die Illusion des Zuschauers, eine Verfolgungsjagd mitanzusehen, beeinträchtigt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die semiotische Problematik der Enunziation im Film ein und stellt die Forschungsfrage, wie Godards „À bout de souffle“ als selbstreflexives Werk den Zuschauer zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Medium anregt.

2. Zur Selbstreflexivität im Film: Dieses Kapitel erläutert theoretische Konzepte der Enunziation und definiert den selbstreflexiven Film als ein Werk, das seine eigene Konstruktion und die Position des Zuschauers zum Gegenstand der Erzählung macht.

3. Selbstreflexivität in À bout de souffle: Das Hauptkapitel analysiert die verschiedenen Ebenen der Selbstreflexivität im Debütfilm Godards, von filmgeschichtlichen Referenzen bis hin zu bewussten formalen Brüchen.

3.1. Das Erbe der Cinémathèque française – Verweise auf die Filmgeschichte: Hier wird untersucht, wie die filmtheoretische Vorbildung der Nouvelle-Vague-Regisseure in explizite und implizite Zitate der Kinogeschichte in „À bout de souffle“ einfließt.

3.2. Der Film als Film unter Filmen – Verweise auf andere Filme: Das Kapitel befasst sich mit den direkten und indirekten Verweisen auf konkrete Werke und deren Funktion, den Status von Godards Film als Teil eines cineastischen Paradigmas zu etablieren.

3.3. Die Selbstinszenierung der Charaktere in À bout de souffle: Hier wird analysiert, wie die Protagonisten durch die Imitation von „Film noir“-Rollenbildern, insbesondere durch Michels Fixierung auf Humphrey Bogart, ihre eigene Künstlichkeit betonen.

3.4. Die Zerstörung der filmischen Illusion – Bekräftigung des Filmcharakters: Dieses Kapitel diskutiert formale Regelverstöße wie den Achsensprung und Jump Cuts als zentrale Mittel, um die filmische Illusion zu durchbrechen und den Produktionsprozess sichtbar zu machen.

4. Schluss: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass Godard durch seine spezifische Technik den Zuschauer dazu zwingt, seine Rezeptionsgewohnheiten zu überdenken und das Kino als ein Medium zu begreifen, das einen bewussten Diskurs einfordert.

Schlüsselwörter

Selbstreflexivität, Jean-Luc Godard, À bout de souffle, Nouvelle Vague, Film noir, Enunziation, Jump Cut, Meta-Film, Filmgeschichte, Filmtheorie, Filmanalyse, Kino-Konventionen, Diskurs, Regie, Filmästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Selbstreflexivität in Jean-Luc Godards Film „À bout de souffle“ und analysiert, wie der Regisseur die Distanz zwischen Film und Zuschauer durch bewusste Regelbrüche aufhebt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf filmtheoretische Grundlagen der Enunziation, die Einbettung des Films in die Filmgeschichte, die Charakterdarstellung im Kontext des „Film noir“ sowie die Analyse formaler filmischer Stilmittel.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den Nachweis zu erbringen, dass „À bout de souffle“ durch seine selbstreflexiven Elemente nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern das Medium Film selbst zum Thema macht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse angewandt, die auf semiotischen Ansätzen von Autoren wie Christian Metz sowie auf filmhistorischen Analysen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von filmgeschichtlichen Verweisen, die Untersuchung der Rollenmodelle der Charaktere und die Dekonstruktion filmischer Illusion durch formale Mittel wie Montage und Kameraführung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Selbstreflexivität, Nouvelle Vague, Film noir, Enunziation, Meta-Film und filmische Diskursivität.

Wie trägt die Identifikation des Hauptcharakters mit Humphrey Bogart zur Selbstreflexivität bei?

Indem Michel sein eigenes Verhalten und seine Beziehung zu Patricia an den Mythen des „Film noir“ ausrichtet, wird seine Figur als bloße Imitation entlarvt, was die Künstlichkeit der gesamten Filmhandlung unterstreicht.

Warum werden Jump Cuts in der Arbeit als zentrales Element hervorgehoben?

Jump Cuts dienen als formales Mittel, das die zeitliche und räumliche Kontinuität bricht, den Zuschauer aus der Illusion reißt und den Blick auf den technischen Prozess des Filmemachens lenkt.

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Details

Title
Selbstreflexivität im Film am Beispiel von Jean-Luc Godards "À bout de souffle"
College
University of Cologne  (Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft)
Course
Aufbaukurs Film
Grade
1,7
Author
M.A. Marius Nobach (Author)
Publication Year
2006
Pages
14
Catalog Number
V145632
ISBN (eBook)
9783640562152
ISBN (Book)
9783656204879
Language
German
Tags
Selbstreflexivität Jean-Luc Godard À bout de souffle Nouvelle Vague Enunziation Christian Metz Filmgeschichte Film Noir Film im Film Intertextualität Selbstinszenierung Humphrey Bogart Zerstörung des Illusionscharakters Sprung über die Handlungsachse Ellipse Jump Cuts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Marius Nobach (Author), 2006, Selbstreflexivität im Film am Beispiel von Jean-Luc Godards "À bout de souffle", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145632
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