Im Jahr 1685 erließ der Kurfürst von Brandenburg, Friedrich Wilhelm I., bekannt als der „Große Kurfürst“, das Edikt von Potsdam. Es war eine unmittelbare Reaktion auf das vom Französischen König Ludwig XIV. kurz zuvor erlassene Edikt von Fontainebleau, durch das das Edikt von Nantes aus dem Jahre 1598, in dem den Hugenotten, den Reformierten in Frankreich, weitgehende Toleranz eingeräumt worden war, aufgehoben wurde.
Diese Toleranz, schon zuvor immer mehr eingeschränkt, entfiel nun und stellte die Hugenotten unter mehr oder weniger starken Zwang sich zum katholischen Glauben zu bekennen.
Die Ausreise aus Frankreich war ausdrücklich nicht erlaubt, wurde aber dennoch von vielen Hugenotten als einziger Ausweg gesehen, und viele Tausende flohen aus Frankreich.
In dieser Situation bot Kurfürst Friedrich Wilhelm seinen Glaubensbrüdern –das Haus Hohenzollern gehörte seit 1613 ebenfalls dem Reformierten Glauben an- Schutz und Aufnahme in seinen Ländern. Es siedelten sich in der Folgezeit zwischen 16 000 und 18 000 Hugenotten, auch Réfugiés, (Glaubens-)Flüchtlinge genannt, in Brandenburg-Preußen an, immerhin 40 % aller nach Deutschland gekommenen Französischen Glaubensflüchtlinge.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Motive des Großen Kurfürsten zu diesem Schritt darzustellen und die Folgen der Einwanderung dieser nicht unwesentlichen Zahl von Glaubensflüchtlingen aus Frankreich für Brandenburg-Preußen zu untersuchen.
War es nur oder überwiegend Solidarität bzw. Mitleid mit den Glaubensbrüdern, die den Kurfürsten zum Erlass des Edikts veranlassten? Welchen Anteil spielten dagegen praktische Überlegungen? Und, vor allem, wurden die damit verbunden Erwartungen letzten Endes auch erfüllt?
Nach einer Darstellung der Situation in den Ländern des Kurfürsten vor 1685, und einer kurzen Schilderung der Entwicklung in Frankreich hin zum Widerruf des Edikts von Nantes steht das Edikt von Potsdam mit seinen 14 Artikeln im Blickpunkt, gefolgt von einer Untersuchung der
praktischen Durchführung des Edikts und der Bedeutung der eingewanderten Hugenotten für die weitere Entwicklung Brandenburg-Preußens, und schließlich ein abschließendes Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ausgangslage: Brandenburg-Preußen in den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg
2.1. Die Territorien, Heer und Verwaltung
2.2. Die konfessionelle Situation
3. Die Hugenotten
3.1. Geschichte und Situation der Hugenotten in Frankreich bis zum Edikt von Fontainebleau
3.2 Der Widerruf des Ediktes von Nantes durch das Edikt von Fontainebleau
4. Der Erlass des Edikts von Potsdam: Die Motive des Kurfürsten und die Bestimmungen des Edikts
5. Die Folgen des Edikts von Potsdam
5.1. Die praktische Durchführung des Edikts
5.2. Die Bedeutung der Hugenotten für Brandenburg-Preußen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Edikt von Potsdam von 1685, wobei insbesondere analysiert wird, ob der Erlass primär auf einer aufgeklärten Toleranz des Großen Kurfürsten gegenüber verfolgten Glaubensgenossen beruhte oder ob pragmatische wirtschaftsfördernde Überlegungen zur Stärkung des von Kriegen gezeichneten Brandenburg-Preußens im Vordergrund standen.
- Historischer Kontext von Brandenburg-Preußen nach dem Dreißigjährigen Krieg
- Entwicklung der Unterdrückung und Flucht der Hugenotten in Frankreich
- Detaillierte Analyse der Motive des Kurfürsten für die Aufnahme der Hugenotten
- Untersuchung der Bestimmungen des Edikts von Potsdam
- Bewertung der praktischen Integration und der ökonomischen wie kulturellen Folgen für Brandenburg-Preußen
Auszug aus dem Buch
Der Widerruf des Ediktes von Nantes durch das Edikt von Fontainebleau
Auch nach Ende der Religionskriege wurden die Hugenotten weiter unterdrückt und verfolgt, auf jede erdenkliche Art wurde zudem versucht, sie von ihrem Glauben abzubringen.46
Für Hugenotten traten nach und nach immer mehr Berufsverbote in Kraft,47 als drastischste Maßnahmen wurden von den Hugenotten die sogenannten Dragonaden empfunden, was bedeutete, dass Dragoner bei Hugenotten zwangsweise einquartiert wurden, um ihre „Gastgeber“ mit allen Mitteln dazu zu bringen, ihrem Glauben abzuschwören. Dabei machten sie vor Grausamkeiten und Vandalismus nicht Halt und zogen erst wieder ab, wenn sie ihr Ziel erreicht hatten.48 Als weitere brutale Maßnahme wurden Kinder zwischen sechs und 16 Jahren ihren reformierten Eltern weggenommen, um sie katholisch zu erziehen.49
Am 18.10.1685 erließ König Ludwig XIV. schließlich das Widerrufsedikt von Fontainebleau. In elf Artikeln wurden das Duldungsedikt von Nantes und alle seitdem zugunsten der Hugenotten erlassenen Gesetze, Edikte, Deklarationen und Verordnungen aufgehoben.50 Nach der zynischen Behauptung, dass „der bessere und größere Teil Unserer Untertanen von der besagten vorgeblich reformierten Religion die katholische angenommen hat“51 – was als Resultat der genannten Unterdrückungsmaßnahmen zumindest zum Teil tatsächlich zutraf -52 wurde gefolgert, dass „nun dieserhalb die Ausführung des Edikts von Nantes und alles dessen, was zugunsten der besagten vorgeblichen reformierten Religion angeordnet worden ist, den Nutzen verloren hat.“53
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Situation um 1685 ein und definiert das Ziel der Untersuchung bezüglich der Motive für den Erlass des Edikts von Potsdam.
2. Die Ausgangslage: Brandenburg-Preußen in den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg: Hier wird der Zustand des Staates nach den verheerenden Kriegen sowie die religiöse und administrative Ausgangssituation unter dem Großen Kurfürsten beschrieben.
3. Die Hugenotten: Dieser Abschnitt beleuchtet die Geschichte der Hugenotten in Frankreich sowie den Prozess ihrer zunehmenden Verfolgung, der in der Aufhebung des Edikts von Nantes gipfelte.
4. Der Erlass des Edikts von Potsdam: Die Motive des Kurfürsten und die Bestimmungen des Edikts: Das Kapitel analysiert die Beweggründe des Kurfürsten und detailliert die verschiedenen Artikel des Edikts, die den Hugenotten Privilegien und Schutz zusicherten.
5. Die Folgen des Edikts von Potsdam: Hier werden die Umsetzung der Einwanderungspolitik und die vielfältigen, langfristigen wirtschaftlichen sowie kulturellen Auswirkungen für Brandenburg-Preußen untersucht.
6. Fazit: Das Fazit führt die verschiedenen Motive zusammen und bewertet die Bedeutung des Edikts als einen entscheidenden Schritt in der preußischen Geschichte.
Schlüsselwörter
Potsdamer Edikt, Friedrich Wilhelm, Großer Kurfürst, Hugenotten, Frankreich, Brandenburg-Preußen, Toleranz, Wirtschaftsförderung, Glaubensflüchtlinge, Edikt von Fontainebleau, Réfugiés, Integration, Dreißigjähriger Krieg, Konfessionspolitik, Aufstieg Preußens
Hufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert das Potsdamer Edikt von 1685 und untersucht das Spannungsfeld zwischen religiöser Toleranz und pragmatischer Wirtschaftsförderung beim Kurfürsten Friedrich Wilhelm.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Die zentralen Themen sind die Situation Brandenburg-Preußens nach dem Dreißigjährigen Krieg, die Unterdrückung der Hugenotten in Frankreich sowie die Motive und Auswirkungen ihrer Aufnahme in Brandenburg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Einladung der Hugenotten primär aus Mitleid und Solidarität oder aus reinem wirtschaftlichem Kalkül zur „Peuplierung“ des Landes geschah.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine historische Quellenarbeit, die auf einer Literaturanalyse und der Untersuchung zeitgenössischer Dokumente, insbesondere des Edikts von Potsdam, basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Ausgangslage in Brandenburg, die Geschichte des Edikts von Nantes und dessen Widerruf, den Wortlaut des Potsdamer Edikts sowie die konkrete Integration der Flüchtlinge.
Welche Schlagworte charakterisieren diese wissenschaftliche Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Potsdamer Edikt, Hugenotten, Konfessionspolitik, Wirtschaftsförderung und der Aufstieg Brandenburg-Preußens.
Wie reagierte die einheimische Bevölkerung auf die Hugenotten?
Es gab Distanz und teils deutliche Ablehnung, da die Hugenotten durch kurfürstliche Privilegien besser gestellt wurden als die einheimischen Untertanen.
Welche langfristige Bedeutung hatte das Edikt für den preußischen Staat?
Das Edikt legte den Grundstein für eine Politik der religiösen Toleranz und förderte durch neue Berufe und technische Innovationen den wirtschaftlichen Aufstieg Brandenburg-Preußens.
- Arbeit zitieren
- B.A. Andreas von Bezold (Autor:in), 2009, Das Potsdamer Edikt von 1685 - aufgeklärte Toleranz oder pragmatische Wirtschaftsförderung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145675