Der politische Antisemitismus im Kaiserreich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
10 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Lage der deutschen Juden um 1871

3. Der politische Antisemitismus
3.1 Die Entstehung des politischen Antisemitismus
3.2 Die antisemitischen Parteien
3.3 Die Agitationen 7

4. Die jüdische Antwort

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn man von Antisemitismus in Deutschland spricht, denkt man sofort an die Zeit unter Hitler oder gegebenenfalls an aktuelle Äußerungen von NPD- Fraktionsangehörigen. Dabei wird aber übersehen, dass Antisemitismus keine Erfindung des Dritten Reiches war, sondern dort erst in Form der geplanten Judenvernichtung in Konzentrationslagern seinen traurigen Höhepunkt fand.

Erste Formen des Antisemitismus bildeten sich schon viel früher und auch wenn im Schulunterricht oder in der Geschichtswissenschaft nicht oft die Rede davon ist, sollte sich der Antisemitismus wie ein roter Faden durch die deutsche Geschichte ziehen. So ist es nicht verwunderlich dass selbst illustre Gestalten wie Martin Luther oder Johann Wolfgang Goethe aus heutiger Sicht extrem verfassungsfeindliche Texte oder Kommentare gegenüber Juden verlautbarten.

Ich möchte mich jetzt aber mit der Zeit beschäftigen in der der Begriff des Antisemitismus salonfähig wurde und erstmals politische Züge tragen sollte. Gemeint ist die Zeit des Kaiserreichs.

Bereits vor jener Zeit war die Rechtslage der Juden sehr angespannt. Manche Länderverfassungen lesen sich dabei stellenweise wie die Nürnberger Rassengesetze. Doch diese Auszüge entsprechen nicht dem Mund verrückter Judenhasser, so wie wir heute gerne die Funktionäre des Dritten Reiches betiteln, um unsere eigene Geschichte etwas rein zu waschen, sondern der gesamten Meinung im Volk und einer jahrhundertenlangen Tradition.

Ich beschäftige mich damit, unter welcher Grundlage und mit welchen Zielen die erste Form des politischen Antisemitismus auftrat und welchen politischen Erfolg sie verbuchen konnte. Gleichzeitig untersuche ich dazu die jüdische Antwort. Dabei untersuche ich die Argumentationen mit denen sie sich gegen die rassistischen Angriffe wehren und beleuchte etwaige Gegenmodelle bzw. Emanzipationsbewegungen.

Die Quellenlage zu diesem Thema ist relativ unübersichtlich. Es gibt zwar zahlreiche Literatur zu den Themen des Antisemitismus oder Judentum in Deutschland/Europa, doch der politische Antisemitismus bildet darin meist nur einen kleinen Unterpunkt. So wird er zwar von vielen Geschichtswissenschaftlern aufbereitet, aber nur selten in einer gewissen Länge vertieft. Zeitgenössische Berichte und Schriften sind dagegen aufgrund der kurzen vergangenen Zeitspanne in aller Fülle vorhanden.

2. Die Lage der deutschen Juden um 1871

1871 schien die jüdische Emanzipationsbewegung zumindest politisch an ihrem Ziel angekommen zu sein: Die rechtliche Gleichstellung der Juden war in der Verfassung des Deutschen Reiches beinhaltet. Dies war die Forderung, welche die Juden in diesem Jahrhundert verlangten und aus der sich in den 30er Jahren auch die Emanzipationsbewegung entwickelte. Doch der Weg dahin war lang und mit einigen Rückschritten verbunden. Erste Hoffnungen wurden anfangs des 19. Jahrhunderts unter Napoleon erweckt, da Napoleon kurzzeitig für den deutschen Rheinbund in eine Gleichstellung der Juden empfahl, diese aber wieder verwarf. Nach dem Wiener Kongress 1815 waren die Rechte der Juden, abgesehen von lokalen Ausnahmen, wieder sehr beschränkt. Diese schlechte Lage konnte auch von den mittlerweile eintretenden Emanzipationsbewegungen kaum verändert werden. Neue Verbesserungsaussichten entstanden erst mit der Märzrevolution. Die Juden beteiligten sich aktiv an der Revolution und fochten für ihre liberalen Rechte.

Dabei entwickelten sie auch ein Nationalgefühl und konnten sich sowohl als Deutsche als auch Juden sehen. Auch nach der erfolgreichen Revolution schien in der verfassungsgebenden Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche die rechtliche Gleichstellung der Juden als gesichert. Doch mit dem Scheitern der Nationalversammlung und der Rückführung der Macht an die alten Amtsinhaber, erloschen auch die jüdischen Hoffnungen wieder.

Erst mit der Reichseinigung sollten die längst überfälligen Rechte für die Juden erfüllt werden. Im Ausland waren diese Gleichstellungsrechte weitestgehend verwirklicht. Lediglich der Osten um Russland war noch rückständiger, weshalb es auch zu jüdischer Migrationen aus dem Osten kam. Diese Migranten wurden in Deutschland geringschätzig nur als Ostjuden bezeichnet. Schließlich wurde im Norddeutschen Bund 1867 mit dem Freizügigkeitgesetz die rechtliche Lage verbessert, ehe am 3.Juli 1869 endgültig „die politische und rechtliche Gleichheit aller Bürger vom Religionsbekenntnis unabhängig“[1] per Gesetz beschlossen wurde. Dieses Gesetz wurde nach der Reichsgründung 1871 übernommen und besaß somit Gültigkeit für das komplette Deutsche Reich.

[...]


[1] Ellbogen, Ismar/ Sterling, Eleonore: Die Geschichte der Juden in Deutschland (Bearb.). Frankfurt am Main: Athenäum Verlag 1988 S:241

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der politische Antisemitismus im Kaiserreich
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
10
Katalognummer
V145696
ISBN (eBook)
9783640559527
ISBN (Buch)
9783640559909
Dateigröße
374 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antisemitismus, Kaiserreich
Arbeit zitieren
Florian Becher (Autor), 2008, Der politische Antisemitismus im Kaiserreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145696

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