Einführung
Das globale Finanzsystem wird derzeit einer außerordentlichen Bewährungsprobe unterzogen. Insbesondere die schwerwiegenden Probleme am internationalen Bankenmarkt sind in den Fokus der Öffentlichkeit getreten und zwingen die betroffenen Häuser zu enormen Wertberichtigungen und empfindlichen Einschnitten. Die Finanzinstitute verhalten sich abwartend aufgrund der teils eigenen Ideenlosigkeit, Wege aus der Krise zu finden, oder vertrauen auf die Selbstheilungskräfte der Märkte, die notfalls durch die in ertragreichen Zeiten so ungeliebten staatlichen Eingriffe oder Maßnahmen der Zentralbanken unterstützt werden sollen.
Ausgehend von der Aktualität der Ereignisse am globalen Finanz- und Kapitalmarkt werden mit der kritischen Analyse der Entstehung der Immobilienkrise die Grundlagen für die vorliegende Arbeit geschaffen. Auf den Ursachen aufbauend erfolgt dann ein differenzierter Blick auf die weitreichenden unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen und deren Ausweitung auf internationale Märkte, die durch das bestehende Misstrauen der Marktteilnehmer untereinander künstlich bewirkte Liquiditätskrise und den in seiner Funktionsfähigkeit gefährdeten Interbankenhandel.
Der Umgang mit den Liquiditätsschwierigkeiten und die Notwendigkeit des Entgegenwirkens soll durch die Betrachtung der verfügbaren Refinanzierungsmöglichkeiten erreicht werden, wobei explizit deren Effektivität in Krisenzeiten analysiert wird. Die Darstellung notwendiger Bilanzstrukturmaßnahmen in Form von Kreditportfoliomanagementstrategien mündet in der Überlegung, inwiefern im speziellen Pfandbriefinstitute aus ihrer strategischen Stellung einer stabilen Refinanzierungsform bestehende Marktturbulenzen nutzen können, um aus der Not der Krise eine Tugend zu machen.
Die zentrale Frage dieser Arbeit ist daher, unter welchen Voraussetzungen und mit Hilfe welcher Maßnahmen Finanzinstitute an den vorherrschenden Marktungleichgewichten partizipieren und die Krise als Chance nutzen können.
Als ein möglicher Lösungsansatz soll die strategische Überlegung von Kreditportfolioankäufen entwickelt und kritisch analysiert werden. Aufbauend auf einem Risiko-/Nutzenprofil erfolgt nach einer empirischen Analyse des vorhandenen Marktpotentials die Konzeption einer ausformulierten Handlungsempfehlung in Form einer standardisierten Ablaufrichtlinie, die entsprechenden Finanzinstituten als Orientierungshilfe bei der Behandlung von Kreditportfolioankäufen dienen soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Grundlagen der globalen Finanzkrise
2.1 Subprime-Krise
2.1.1 Immobilienblase am US-amerikanischen Häusermarkt
2.1.2 Zusammenbruch des Verbriefungsmarktes
2.1.3 Wertberichtigungen und Abschreibungsbedarf bei Banken
2.2 Ausweitung zur Bankenkrise
2.2.1 Vertrauensverluste im Interbankenhandel
2.2.2 Zentralbankinterventionen und staatliche Gegenmaßnahmen
2.2.3 Auswirkungen auf andere Märkte und Marktteilnehmer
2.3 Folgen und Lehren aus der Krise
3 Der Weg aus der Krise
3.1 Schwierigkeiten der Bankenfinanzierung
3.1.1 Liquiditätsmanagement
3.1.2 Refinanzierungsmöglichkeiten und Liquiditätsquellen
3.1.3 Kritische Betrachtung der Effektivität in Krisenzeiten
3.2 Die Krise als Chance
3.2.1 Krisenfestigkeit des Pfandbriefes
3.2.2 Relativer Wettbewerbsvorteil der Pfandbriefinstitute
3.3 Bilanzstrukturmanagement in Notsituationen
3.3.1 Verkauf von Aktiva in Form von Kreditportfolios
3.3.2 Motivation und Anforderungen an Käufer
4 Kreditportfolioankauf
4.1 Marktentwicklung/-situation
4.2 Attraktivität und Nutzen von Portfolioankäufen
4.3 Risikoeinschätzungen und besondere Anforderungen
4.3.1 Regulatorische Anforderungen nach Basel II
4.3.1.1 KSA vs. IRBA
4.3.1.2 Solvabilitätsverordnung (SolvV)
4.3.1.3 Mindestanforderungen für angekaufte Forderungen (§§ 142-146 SolvV)
4.3.1.4 Behandlung von Veritätsrisiken (§ 71 SolvV)
4.3.2 Rechtliche Anforderungen
4.3.2.1 Erhöhter Schuldnerschutz
4.3.2.2 Refinanzierungsregister als Schutz vor Verkäuferinsolvenz
4.3.2.3 Beachtung umsatzsteuerlicher Vorschriften
4.4 Transaktionsablauf
4.4.1 Teilnehmer und Funktionen
4.4.2 Dokumentation eines Standardablaufs
4.4.2.1 Anbahnung und Vorbereitung
4.4.2.2 Indikation
4.4.2.3 Due Diligence
4.4.2.4 Kaufpreiskalkulation
4.4.2.5 Zuschlag und Umsetzungsphase
4.5 Zukunftspotentiale
5 Fazit
6 Zusammenfassungen in Deutsch und Englisch
6.1 Zusammenfassung
6.2 Summary
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Chancen und Risiken von Kreditportfolioankäufen aus der Perspektive von Pfandbriefinstituten vor dem Hintergrund der durch die Subprime-Krise ausgelösten globalen Finanzmarktturbulenzen. Dabei wird analysiert, wie Institute durch eine strategische Nutzung von Portfolioankäufen auf Marktungleichgewichte reagieren und ihre Bilanzstruktur unter Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen optimieren können.
- Analyse der Ursachen und Folgen der globalen Finanzkrise
- Untersuchung der Liquiditätsproblematik und Refinanzierungsmöglichkeiten
- Bewertung der strategischen Vorteile von Pfandbriefinstituten in Krisenzeiten
- Konzeption eines standardisierten Transaktionsablaufs für den Kreditportfolioankauf
- Betrachtung der regulatorischen Anforderungen gemäß Basel II und Solvabilitätsverordnung
Auszug aus dem Buch
4.4.2.3 Due Diligence
Die größte Herausforderung der gesamten Transaktion bildet die Portfoliobewertung in Form einer Due Diligence (Sorgfaltsprüfung). Nur wenn es gelingt, zu jeder der im Kreditportfolio befindlichen Forderungen sämtliche Informationen zu Kreditnehmer und Sicherheiten zusammentragen, kann überhaupt eine ökonomisch sinnvolle Transaktion zu Stande kommen. Die Due Diligence wird in aller Regel von einem spezialisierten Dienstleister, Berater oder Wirtschaftsprüfer mit entsprechenden Erfahrungen absolviert.
Je nach Größe der Transaktion kann die Due Diligence in zwei Subphasen unterschieden werden – in die Phase der Vorbereitung des „Datenraums“ (Data Room) und die eigentliche „Portfolioanalyse und -bewertung“. In der ersten Phase erfolgt die Vorbereitung des sog. Data Room, in dem alle relevanten Informationen zu den ausgewählten Engagements des Kreditportfolios zusammengetragen werden. Bei sehr großen Transaktionen empfiehlt es sich, diese erste Phase noch einmal in zwei Schritte aufzuteilen. In einem ersten Schritt wird in einer Vorauswahl eine größere Anzahl von Investoren eingeladen. Diese können dann in einem sog. „roten Datenraum“ (Red Data Room) wenig detaillierte Informationen auf anonymisierter Basis zu Kunden und deren Kreditengagements analysieren. Dieser rote Datenraum darf aus datenschutzrechtlichen Gründen nur von sog. Berufsgeheimnisträgern (Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer) nach § 203 StGB betreten werden.
Nach weiterer Selektion der potentiellen Investoren erfolgt nun in einem zweiten Schritt die Einsicht der noch verbliebenen Kaufinteressenten in den „grünen Datenraum“ (Green Data Room), in dem sehr detaillierte Dokumente bereitgestellt werden, die die Vertragsbeziehungen und die Geschäftsabwicklung regeln und beschreiben, sowie Beihungs-, Wertermittlungsrichtlinien, Scoring-Tabellen und Bonitätsrichtlinien. Der grüne Datenraum wird vorwiegend von Mitarbeitern der entsprechenden Banken aus den Bereichen Markt, Marktfolge, Immobilienbewertung sowie der Rechtsabteilung betreten, um die grundsätzliche Kreditvergabepraxis der Verkäuferbank zu prüfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung skizziert das globale Finanzumfeld seit Sommer 2007 und definiert die zentrale Forschungsfrage nach den Möglichkeiten für Finanzinstitute, die Krise als Chance durch Kreditportfolioankäufe zu nutzen.
2 Grundlagen der globalen Finanzkrise: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Subprime-Krise, den Zusammenbruch des Verbriefungsmarktes sowie die systemischen Auswirkungen auf den Bankenmarkt und die Rolle der Zentralbanken.
3 Der Weg aus der Krise: Hier werden Strategien zur Bewältigung von Liquiditätsschwierigkeiten sowie die krisenbedingten Chancen für Pfandbriefinstitute und die Grundlagen des Bilanzstrukturmanagements in Notsituationen behandelt.
4 Kreditportfolioankauf: Dieses Kapitel detailliert die Marktentwicklung, regulatorische Hürden wie Basel II, den rechtlichen Rahmen und konzipiert einen standardisierten Transaktionsablauf für den Ankauf von Kreditportfolien.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Pfandbriefbanken durch ihre Stabilität und Liquiditätsausstattung besonders von der Krise profitieren können, sofern sie Kreditportfolioankäufe als strategisches Instrument einsetzen.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Subprime-Krise, Pfandbrief, Kreditportfolio, Verbriefung, Liquidität, Basel II, Due Diligence, Risikomanagement, Banksteuerung, Solvabilitätsverordnung, Kredithandel, Refinanzierung, Forderungsverkauf, Asset Backed Securities.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Finanzinstitute in der globalen Finanzmarktkrise ihre Strategien anpassen können und welche Rolle Kreditportfolioankäufe als Instrument der Banksteuerung spielen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Finanzkrise, den Anforderungen an das Liquiditätsmanagement, der Bedeutung des Pfandbriefes und der systematischen Abwicklung von Kreditkauf-Transaktionen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Maßnahmen Finanzinstitute an Marktungleichgewichten partizipieren und die Finanzkrise als Chance nutzen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es erfolgt eine kritische theoretische Analyse der Marktgegebenheiten, ergänzt durch eine empirische Betrachtung des Marktpotentials und die Erarbeitung einer standardisierten Ablaufrichtlinie für Portfolioankäufe.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Krise, die Refinanzierungsproblematik, die Vorteile von Pfandbriefen sowie die detaillierten regulatorischen, rechtlichen und prozessualen Anforderungen beim Ankauf von Kreditportfolien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Finanzkrise, Pfandbrief, Liquidität, Kreditportfolio, Basel II und Due Diligence.
Warum haben Pfandbriefinstitute einen Wettbewerbsvorteil in der Krise?
Sie verfügen aufgrund des stabilen Pfandbriefmarktes über eine vergleichsweise günstige und krisenfeste Refinanzierungsquelle, was ihnen bei Kaufverhandlungen für Kreditportfolien bessere Angebote ermöglicht als anderen Banken.
Welche Rolle spielt die Due Diligence bei Kreditkäufen?
Sie ist ein entscheidender Prozess zur Portfoliobewertung, bei dem durch Datenraum-Analysen und Stichproben die Werthaltigkeit und das Risiko der zu erwerbenden Forderungen geprüft werden.
Warum ist die Unterscheidung zwischen KSA und IRBA für die Kaufpreiskalkulation wichtig?
Die Einstufung beeinflusst die notwendige Eigenkapitalunterlegung nach Basel II. IRBA-Institute können Kredite oft effizienter unterlegen, was ihnen einen Kostenvorteil bei der Kaufpreisbildung verschafft.
- Arbeit zitieren
- Michael Frei (Autor:in), 2008, Chancen und Risiken von True-Sale-Transaktionen (Kreditportfolioankäufen) in Anbetracht der US-amerikanischen Immobilienkrise aus Sicht eines Pfandbriefinstitutes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145714