Seit den achtziger Jahren ist Carl Einsteins Roman „Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders“ immer wieder Gegenstand literaturwissenschaftlicher Arbeiten gewesen. Im Mittelpunkt standen meist ein gattungstheoretisches Interesse und entsprechende Versuche, dieses Werk literaturhistorisch einzuordnen. Die unterschiedlichen Untersuchungen kamen nicht zuletzt aufgrund der Komplexität und der viel zitierten „Hermetik“ des Textes zu unterschiedlichen, teilweise gegensätzlichen Ergebnissen. Ein weiterer Bestimmungsversuch, ob es sich bei dem Roman überhaupt um einen solchen handelt und welcher literarischen oder kunsthistorischen Strömung er zuzuordnen sei, soll mit diesem Ansatz nicht vorgenommen werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, das Verhältnis zwischen Einsteins Sprachgebrauch und seiner Ablehnung gegenüber konventionellen Erzählformen genauer zu beschreiben. Dabei soll versucht werden zu zeigen, daß sich Einstein zwar von der Erzähltradition distanziert, diese jedoch nicht gänzlich überwindet, sondern einen ironischen Standpunkt zu ihr bezieht. Dieser äußert sich im Roman „Bebuquin“ vor allem durch einen eigenwilligen Umgang mit Sprache, denn - so meine These - Einstein geht es weniger um den Entwurf eines völlig neuartigen Erzählkonzepts im Sinne gattungstheoretischer Überlegungen, als vielmehr um eine „Umbildung der Sprache“, welche ihrerseits Veränderungen im Erzählverhalten impliziert.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Überwindung traditioneller Erzählmuster
- explizite Distanzierung
- implizite Distanzierung
- Bruch mit sprachlichen Konventionen
- Auflösung grammatischer Normen
- Auflösung semantischer Konsistenz
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist es, das Verhältnis zwischen Einsteins Sprachgebrauch und seiner Ablehnung gegenüber konventionellen Erzählformen genauer zu beschreiben. Es soll gezeigt werden, dass Einstein sich zwar von der Erzähltradition distanziert, diese jedoch nicht gänzlich überwindet, sondern einen ironischen Standpunkt zu ihr bezieht.
- Die Überwindung traditioneller Erzählmuster durch explizite und implizite Distanzierung
- Der Bruch mit sprachlichen Konventionen und die Auflösung grammatischer Normen
- Die Auflösung semantischer Konsistenz im Sprachgebrauch von Carl Einstein
- Einsteins ironischer Standpunkt zur Erzähltradition
- Die „Umbildung der Sprache“ als Mittel der Veränderung des Erzählverhaltens
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet das wachsende Interesse an Carl Einsteins Roman „Bebuquin oder die Dilettanten“ seit den 1980er Jahren und die Schwierigkeiten bei der Einordnung des Werks aufgrund seiner Komplexität. Die Arbeit konzentriert sich auf das Verhältnis zwischen Einsteins Sprachgebrauch und seiner Ablehnung gegenüber konventionellen Erzählformen, wobei sie argumentiert, dass Einstein eine ironische Distanz zur Erzähltradition einnimmt, die sich in einer „Umbildung der Sprache“ manifestiert.
Das zweite Kapitel befasst sich mit der Überwindung traditioneller Erzählmuster, wobei zwischen expliziter und impliziter Distanzierung unterschieden wird. Explizite Distanzierung zeigt sich in ironischen Kommentaren des Erzählers sowie in den Äußerungen der Figuren, die Vertreter ästhetischer und philosophischer Positionen repräsentieren. Implizite Distanzierung hingegen betrifft den Bruch mit Konventionen auf formaler Ebene, insbesondere im Umgang mit Handlung, Raum, Zeit, Figurenzeichnung und Erzählhaltung.
Das dritte Kapitel untersucht den Bruch mit sprachlichen Konventionen und die Auflösung grammatischer und semantischer Normen. Einsteins Sprachgebrauch zeichnet sich durch eine gewisse Inkonsistenz aus, die ihn von herkömmlichen grammatischen und orthografischen Normen abhebt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit Carl Einsteins Roman „Bebuquin oder die Dilettanten“, dessen Sprachgebrauch und dessen Verhältnis zu konventionellen Erzählformen. Wichtige Schlüsselwörter sind: explizite und implizite Distanzierung, „Umbildung der Sprache“, Bruch mit sprachlichen Konventionen, Auflösung grammatischer und semantischer Normen, ironischer Standpunkt zur Erzähltradition, literarische Moderne, Frühexpressionismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Carl Einsteins Roman „Bebuquin“?
Der Roman gilt als Schlüsselwerk des Frühexpressionismus und der literarischen Moderne. Er bricht radikal mit konventionellen Erzählformen und sprachlichen Normen.
Wie distanziert sich Einstein von der Erzähltradition?
Er nutzt sowohl explizite Mittel (ironische Kommentare) als auch implizite Brüche mit Konventionen in Bezug auf Handlung, Raum, Zeit und Figurenzeichnung.
Was versteht man unter der „Umbildung der Sprache“ bei Carl Einstein?
Einstein geht es nicht nur um neue Inhalte, sondern um eine fundamentale Veränderung des Sprachgebrauchs, die grammatische Normen auflöst und semantische Konsistenz in Frage stellt.
Warum wird der Text oft als „hermetisch“ bezeichnet?
Die Komplexität und der eigenwillige Umgang mit Sprache machen den Text schwer zugänglich, was in der Literaturwissenschaft zu vielen unterschiedlichen Deutungsansätzen geführt hat.
Welche Rolle spielt die Ironie im „Bebuquin“?
Die Ironie ermöglicht es Einstein, eine Distanz zur Tradition einzunehmen, ohne sie gänzlich zu überwinden. Sie dient als Werkzeug zur Dekonstruktion ästhetischer und philosophischer Positionen.
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- Astrid Lukas (Author), 2000, Nur gewöhnt man sich sprachlich ungern um... Zur Überwindung konventioneller Literatursprache in Carl Einsteins Bebuquin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14572