Sowohl in der theoretischen Betriebswirtschaftslehre als auch in der Unternehmenspraxis finden sich zahlreiche Managementkonzepte, die zur Lösung verschiedenster Probleme in der Unternehmensführung angeboten werden.
Diese werden von verschiedenen Akteuren aus dem akademischen Bereich, der Beratungsbranche und den Unternehmungen geschaffen, diskutiert, verbreitet und genutzt.
Der Begriff des Managementkonzeptes ist in der Literatur nicht genau definiert. Damit wird durch eine uneinheitliche Verwendung und unterschiedliche Auslegungen des Begriffes häufig keine Trennschärfe zu ähnlichen Begriffen mit anderer Bedeutung, wie z.B. Managementmoden oder Managementmodellen, erreicht.
Der intendierte Zweck von Managementkonzepten liegt in der Verbesserung der Marktsituation eines Unternehmens durch ökonomische oder legitimatorische Nutzenerhöhung. Dazu werden den Entscheidungsträgern einer Unternehmung allgemeine Gestaltungs- und Handlungsempfehlungen gegeben, die ggf. an das jeweilige Umfeld angepasst werden müssen.
Die Funktion von Managementkonzepten muss differenziert betrachtet werden; hier ist insbesondere eine Unterscheidung in offizielle und latente Funktionen sehr wichtig, um die jeweilige Intention erfassen zu können. Die offiziellen Funktionen sind erkennbar auf das Wohl der Unternehmung gerichtet. Latente Funktionen werden häufig durch mikro-politische Prozesse hervorgerufen. Daneben wird die Wirkung des Unternehmens und des Managements von innerhalb und außerhalb betrachtet und bewertet.
Die wissenschaftlich-theoretische, insbesondere klassifizierende Auseinandersetzung mit Managementkonzepten ist im Gegensatz zu ihrer Anzahl und ihrer Präsenz in der betriebswirtschaftlichen Literatur bislang nur äußerst begrenzt vorhanden. Die Perspektive der veröffentlichten Arbeiten unterscheidet sich sehr stark, ebenso wie die Auswahl der zu klassifizierenden Konzepte. Dadurch ist ein direkter Vergleich der bisherigen Literatur deutlich erschwert. Einige Autoren konnten jedoch eine nachvollziehbare und aus der jeweiligen Sicht sinnvolle Einteilung vorhandener Konzepte vornehmen. Eine Klassifikation ist jedoch auf Grund der Schwierigkeit einer fehlenden Trennschärfe nicht gelungen, so dass man bisher eher von Typologien ausgehen sollte.
Die maßgeblichen Akteure im Kontext von Managementkonzepten sind akademische Einrichtungen, Unternehmensberater und Unternehmen. Die Wissenschaft gilt als Urheber von Managementkonzepten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung Managementkonzept
2.1 Begriff des Managements
2.2 Begriff des Konzeptes
2.3 Begriff des Managementkonzeptes
2.4 Despektierliche Begriffe
3 Funktionen von Managementkonzepten
3.1 Offizielle Funktionen von Managementkonzepten
3.1.1 Wissenstransfer
3.1.2 Objektivierungsfunktion
3.1.3 Ökonomischer Nutzen
3.2 Latente Funktionen von Managementkonzepten
3.2.1 Politfunktion
3.2.2 Durchsetzungsfunktion
3.2.3 Legitimierungsfunktion
3.2.4 Risikoreduktion durch Managementkonzepte
4 Klassifikationen von Managementkonzepten
4.1 Inhaltliche Konzepte und Vorgehenskonzepte nach Ulrich
4.2 konstruktivistisch–technomorpher und systemisch-evolutionärer Ansatz nach Malik
4.3 Systematisierungsansatz nach Eschenbach und Kunesch
4.4 Bibliometrische Einteilung nach Teichert und Talaulicar
4.5 Lebenszyklische Einteilung nach Fink
5 Relevante Akteure in der Entstehung und Verbreitung von Managementkonzepten
5.1 Akademische Akteure als Urheber und Kritiker von Managementkonzepten
5.2 Berater als Distribuenten und Erzeuger von Managementkonzepten
5.3 Unternehmen als Nutzer und Produzenten von Managementkonzepten
6 Kritische Würdigung
6.1 Definition des Managementkonzeptes
6.2 Funktionen von Managementkonzepten
6.3 „Klassifikationen“ von Managementkonzepten
6.4 Relevante Akteure im Umfeld von Managementkonzepten
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Begriff des Managementkonzepts zu klären, seine Funktionen zu differenzieren und verschiedene wissenschaftliche Klassifikationsansätze sowie die beteiligten Akteure kritisch zu würdigen, um ein fundiertes Verständnis dieser Instrumente in der Unternehmenspraxis zu etablieren.
- Etymologische und funktionale Begriffsbestimmung von Management, Konzept und Managementkonzept
- Unterscheidung zwischen offiziellen und latenten Funktionen (z. B. Polit- und Legitimierungsfunktion)
- Kritische Analyse deduktiver und empirischer Klassifizierungsmodelle für Managementkonzepte
- Rollenverteilung und Interaktionsbeziehungen zwischen Wissenschaft, Beratern und Unternehmen
Auszug aus dem Buch
2.4 Despektierliche Begriffe
Der Begriff der Mode bezeichnet unter anderem eine in einem bestimmten Zeitraum und einer bestimmten Gruppe als zeitgemäß geltende Art, bestimmte Dinge zu tun. Im zyklischen Wandel wechselt infolge gesellschaftlicher Prozesse die als zeitgemäß geltende Art, die gleichen Dinge zu tun.
Der Verlauf von Managementkonzepten lässt sich graphisch als Glockenkurve darstellen. Sie unterliegen einem ähnlichen Zyklus wie die allgemeine Mode. Zu Beginn gibt es wenige Pioniere, die dieses neue Konzept aufgreifen. Im weiteren Verlauf kommt es zur Nachahmung, bis die Verbreitung ihr individuell unterschiedlich hohes Maximum erreicht hat. Es folgt ein Abflauen, das entweder in der Bedeutungslosigkeit enden oder sich auf einem stabilen Niveau halten kann. Dies entspräche im Bereich der Mode dann einem sogenannten Klassiker.
Die meisten zyklischen Verläufe lassen sich sehr gut mit dem Verlauf von Moden vergleichen. Daher muss man davon ausgehen, dass die Autoren, die diesen Begriff benutzen, ihn in einer eher despektierlichen Weise benutzen. Einige Autoren gehen noch weiter und verwenden die Ausdrücke „Gimmick“ oder „Wundermethoden“, die einige Manager einzusetzen bereit seien, um die eigene Position oder einen wettbewerbsstrategischen Vorteil zu sichern.
Auch wenn der Begriff der Mode für den Verlauf eines Managementkonzeptes beschreibend sein kann, ist er in einem wissenschaftlichen Zusammenhang eher abfällig zu werten. Die Ausdrücke des Gimmick und der Wundermethode sind dagegen nicht mehrdeutig zu interpretieren und zeigen die ablehnende Haltung der Autoren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Managementkonzepten für die Unternehmensführung ein und benennt die Problematik der unscharfen Begriffsabgrenzung sowie die Notwendigkeit einer funktionalen Differenzierung.
2 Begriffsbestimmung Managementkonzept: In diesem Kapitel werden die Grundbegriffe Management und Konzept etymologisch und inhaltlich definiert, um daraus eine für die Arbeit gültige Definition des Managementkonzepts als Management-Werkzeug abzuleiten.
3 Funktionen von Managementkonzepten: Dieses Kapitel unterscheidet differenziert zwischen offiziellen Zielen wie Wissenstransfer und ökonomischem Nutzen sowie latenten Funktionen wie politischer Einflussnahme und Legitimation.
4 Klassifikationen von Managementkonzepten: Hier werden verschiedene deduktive und empirische Ansätze, darunter die von Ulrich, Malik und Teichert/Talaulicar, vorgestellt und auf ihre Eignung zur Einordnung von Managementkonzepten geprüft.
5 Relevante Akteure in der Entstehung und Verbreitung von Managementkonzepten: Dieses Kapitel beleuchtet das Zusammenspiel von Wissenschaftlern, Beratern und Unternehmen und zeigt, dass diese in einem multidirektionalen Netzwerk agieren.
6 Kritische Würdigung: Hier werden die vorangegangenen Definitionen, Funktionen und Klassifizierungen reflektiert und kritisch hinterfragt, insbesondere im Hinblick auf deren praktische Anwendbarkeit und theoretische Fundierung.
7 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die unterstreicht, dass eine Typologie kombiniert mit empirischen Daten die sinnvollste Einordnungsmöglichkeit darstellt.
Schlüsselwörter
Managementkonzepte, Unternehmensführung, Wissenstransfer, Legitimierungsfunktion, Managementmode, Strategische Beratung, Klassifikation, Typologie, Akteure, Systemorientiertes Management, Wettbewerbsvorteile, Unternehmensberatung, Rationalmodell, Innovationskraft, Betriebswirtschaftslehre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Managementkonzepten als Instrumenten der Unternehmensführung, analysiert deren Entstehung, Verbreitung und kritische Würdigung im Kontext betriebswirtschaftlicher Forschung und Praxis.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Begriffsdefinition, der Unterscheidung offizieller und latenter Funktionen, verschiedenen Klassifikationsmodellen sowie der Interaktion der beteiligten Akteure (Wissenschaft, Berater, Unternehmen).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Ordnung in die uneinheitliche Begriffslandschaft zu bringen und die funktionalen Wirkungsmechanismen sowie die Typisierungsansätze für Managementkonzepte wissenschaftlich fundiert darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich primär um eine theoretisch-analytische Arbeit, die bestehende Literatur und Modelle zusammenführt, kritisch würdigt und diese um eine interaktive Betrachtungsweise der Akteure ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, eine detaillierte Analyse der Funktionen, eine Gegenüberstellung bekannter Klassifikationsansätze sowie die Untersuchung der relevanten Akteure im Markt für Managementwissen.
Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit zentral?
Zentrale Begriffe sind neben Managementkonzept und dessen Funktionen insbesondere der Begriff der Managementmode, die Legitimierung sowie die Rollen von Akademikern, Beratern und Unternehmen.
Warum werden auch „despektierliche Begriffe“ im Buch behandelt?
Diese Begriffe werden behandelt, um die kritische Haltung gegenüber bestimmten Management-Moden und die häufige Instrumentalisierung von Konzepten durch Berater oder das Management reflektieren zu können.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen „offiziellen“ und „latenten“ Funktionen?
Offizielle Funktionen dienen der Wissensvermittlung und Problemlösung zum Wohle des Unternehmens, während latente Funktionen oft mikropolitisch motiviert sind und der internen oder externen Image-Legitimation dienen.
Wie bewertet der Autor den Nutzen von Klassifikationen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine starre Klassifikation oft zu stark vereinfacht, weshalb er Typologien oder mehrdimensionale Einordnungen für praxisnäher und robuster hält.
- Quote paper
- Arne Behm (Author), 2009, Managementkonzepte - Begriff, Funktion, Klassifikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145724