Was mit einer reichseinheitlichen Stempelsteuer – verursacht durch den gewaltigen Finanzbedarf im Ersten Weltkrieg – begann, entwickelte sich entlang einer Kette von Reformen hin zur heute gültigen Umsatzsteuer. Mit einem Steueraufkommen in Höhe von rund 176 Mrd. € im Jahr 2008 stellt sie die derzeit ergiebigste Steuerquelle der Bundesrepublik Deutschland dar.
Die Grundlagen des materiellen Umsatzsteuerrechts ergeben sich im Wesentlichen aus der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie (MwStSystRL), die am 1.1.2007 in Kraft getreten ist und im Grunde eine Neufassung der bis dahin gültigen 6. EG-Richtlinie(EG-RL) darstellt. Da die MwStSystRL die europäischen Bürger nicht unmittelbar verpflichtet, sondern ausschließlich an die Mitgliedsstaaten der EU gerichtet ist, bedarf es einer Transformation in das jeweilige nationale Umsatzsteuerrecht, was auf deutscher Ebene in Form des Umsatzsteuergesetzes (UStG) und der Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UStDV) umgesetzt wird. Die Verwaltung ist darüber hinaus an die Umsatzsteuerrichtlinien (UStR), die Schreiben des BMF sowie an die Erlasse der jeweiligen Finanzministerien der Länder und die Verfügungen der Finanzdirektion gebunden.
Ein zentraler Begriff des Umsatzsteuerrechts ist das Recht des Unternehmers auf Vorsteuerabzug, das nach ständiger Rechtsprechung einen fundamentalen Grundsatz des durch das Gemeinschaftsrecht geschaffenen gemeinsamen Mehrwertsteuersystems darstellt. Aus Sicht des Staates erweist sich dieses Recht als mit geringem administrativen Aufwand verbunden, gleichzeitig führt die hierbei nötige Selbstständigkeit der Unternehmer jedoch zu einer erhöhten Betrugsanfälligkeit des Systems. Der Gesetzgeber versucht daher, diesem Risiko durch eine Vielzahl vom Einzelmaßnahmen und Regulierungen zu begegnen und knüpft die Be-schränkungen des Vorsteuerabzugs an strenge Voraussetzungen. Diese Maßgaben sind der Gegenstand dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
- ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
- 1 EINLEITUNG
- 1.1 Problemstellung
- 1.2 Gang der Untersuchung
- 2 VORSTEUERABZUG
- 2.1 Bedeutung des Vorsteuerabzugs im Umsatzsteuersystem
- 2.2 Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug
- 2.2.1 Persönliche Voraussetzungen
- 2.2.2 Sachliche Voraussetzungen
- 2.2.2.1 Vorsteuerabzug aufgrund Rechnung mit gesondertem Steuerausweis
- 2.2.2.2 Vorsteuerabzug ohne gesonderten Steuerausweis in einer Rechnung
- 2.3 Einschränkungen des Vorsteuerabzugs
- 2.3.1 Nutzungsartbedingter Ausschluss vom Vorsteuerabzug
- 2.3.2 Aufwandsartbedingter Ausschluss vom Vorsteuerabzug
- 2.3.3 Umsatzartbedingter Ausschluss vom Vorsteuerabzug
- 3 VORSTEUERAUFTEILUNG
- 4 VORSTEUERBERICHTIGUNG
- 4.1 Tatbestandsvoraussetzungen
- 4.2 Berichtigungszeitraum
- 4.3 Berichtigungsverfahren
- 5 FAZIT
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Thematik der Vorsteuer und der Vorsteuerberichtigung im deutschen Umsatzsteuerrecht. Ziel ist es, die grundlegenden Prinzipien des Vorsteuerabzugs sowie die Voraussetzungen und Einschränkungen dessen Anwendung zu beleuchten. Des Weiteren soll die Thematik der Vorsteuerberichtigung im Detail betrachtet werden, einschließlich der Tatbestandsvoraussetzungen und des Berichtigungsverfahrens. Die Arbeit dient somit dem tieferen Verständnis der Funktionsweise des Umsatzsteuerrechts und der Bedeutung des Vorsteuerabzugs für Unternehmen.
- Bedeutung des Vorsteuerabzugs im Umsatzsteuersystem
- Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug
- Einschränkungen des Vorsteuerabzugs
- Vorsteueraufteilung und Berichtigung
- Anwendungsbereiche und Rechtsprechung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die die Problemstellung und den Gang der Untersuchung beschreibt. Das zweite Kapitel beleuchtet den Vorsteuerabzug und seine Bedeutung im Umsatzsteuersystem. Es werden die persönlichen und sachlichen Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug sowie die relevanten Rechtsprechungsfälle und Einschränkungen des Abzugs erläutert. Im dritten Kapitel wird die Vorsteueraufteilung behandelt. Das vierte Kapitel widmet sich der Vorsteuerberichtigung, inklusive der Tatbestandsvoraussetzungen und des Berichtigungsverfahrens. Die Arbeit schließt mit einem Fazit ab.
Schlüsselwörter
Vorsteuer, Vorsteuerabzug, Vorsteuerberichtigung, Umsatzsteuerrecht, Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie (MwStSystRL), Umsatzsteuergesetz (UStG), Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UStDV), Umsatzsteuerrichtlinien (UStR), Bundesministerium der Finanzen (BMF), Rechtsprechung, Unternehmen, Steuerrecht, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Vorsteuerabzug?
Der Vorsteuerabzug erlaubt es Unternehmern, die ihnen von anderen Unternehmen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer von ihrer eigenen Steuerschuld abzuziehen.
Welche Voraussetzungen müssen für den Vorsteuerabzug erfüllt sein?
Es müssen persönliche (Unternehmereigenschaft) und sachliche Voraussetzungen (ordnungsgemäße Rechnung mit gesondertem Steuerausweis) vorliegen.
Was versteht man unter einer Vorsteuerberichtigung?
Ändern sich die Verhältnisse, die für den ursprünglichen Vorsteuerabzug maßgebend waren (z.B. Änderung der Nutzung eines Gebäudes), muss der Abzug nach § 15a UStG berichtigt werden.
Gibt es Einschränkungen beim Vorsteuerabzug?
Ja, der Abzug kann aufgrund der Nutzungsart (z.B. für steuerfreie Umsätze) oder der Aufwandsart (z.B. bestimmte Bewirtungskosten) ausgeschlossen sein.
Welche Rolle spielt die Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie?
Die MwStSystRL bildet den europäischen Rahmen, der in nationales deutsches Recht (UStG) transformiert werden muss, um das Mehrwertsteuersystem zu harmonisieren.
Was passiert bei einer Vorsteueraufteilung?
Wenn ein Unternehmer Eingangsleistungen sowohl für abzugsfähige als auch für nicht abzugsfähige Umsätze nutzt, muss die Vorsteuer anteilig aufgeteilt werden.
- Arbeit zitieren
- Kathrin Rienecker (Autor:in), 2009, Vorsteuer und Vorsteuerberichtigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145730