Diese Arbeit betrachtet auf wirtschaftsethische Weise die Energiewende und untersucht kritisch die benötigten seltenen Rohstoffe für Elektromobilität. Die Bundesregierung von Deutschland hat jüngst das nationale Ziel ausgegeben, die installierte Leistung von Windenergieanlagen an Land bis 2030 zu verdoppeln und auf dem Meer sogar zu vervierfachen. Dies geschieht allen voran vor dem Hintergrund sich unabhängig von russischen Erdgaslieferungen zu machen und so den heimischen Energiebedarf selbst und klimaneutral decken zu können. Damit einher geht ebenfalls das Ziel, die auf Verbrennungsmotoren basierte Mobilität auf Elektromobilität umzustellen.
Neben der Herausforderung die dafür passende Infrastruktur aufzubauen, muss auch die hohe Nachfrage nach den Rohstoffen für die Akkus der Elektrofahrzeuge gestillt werden. Dazu zählen meist Rohstoffe, wie die sogenannten seltenen Erden, die im reichen Deutschland und Europa nicht zu finden sind und in Regionen abgebaut und gefördert werden müssen, deren Wohlstand weit unter dem hiesigen liegt. Die Förderung der seltenen Erden geschieht zu großen Teilen unter Bedingungen, die aus der europäischen Sichtweise deutliche ökologische und menschliche Defizite aufweist.
Im Rahmen dieses Assignments soll im Zuge dessen eine wirtschaftsethische Betrachtung durchgeführt werden, die die beschriebenen Verhältnisse diskutiert und die Frage beantwortet, ob der ökologische Nutzen für eine klimafreundliche Mobilität in Deutschland und Europa auf Kosten der Natur und Menschen umgesetzt wird, die in den Regionen leben, aus denen die Rohstoffe für die europäische Mobilitätswende kommen. Dazu werden im ersten Schritt rudimentär die Mobilität der Zukunft, die Bestandteile eines Akkus von Elektrofahrzeugen beschrieben und die Herkunft der darin enthaltenen seltenen Erden ermittelt. Darauf aufbauend wird die Förderung dieser Rohstoffe beschrieben und auf die ökologischen und gesellschaftlichen Folgen in den entsprechenden Regionen geschlossen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Mobilität der Zukunft
2.2 Ohne Rohstoffe keine E-Mobilität
2.2.1 Lithium
2.2.2 Mangan
2.2.3 Nickel
2.2.4 Kobalt
3. Wirtschaftsethische Betrachtung
3.1 Energie- & Mobilitätswende auf Kosten der anderen?
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die wirtschaftsethischen Implikationen der Energiewende im Verkehrssektor, insbesondere im Hinblick auf die globale Rohstoffgewinnung für Elektrofahrzeug-Batterien. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob der ökologische Nutzen klimafreundlicher Mobilität in Europa auf Kosten der Natur und Menschen in den Herkunftsregionen dieser Rohstoffe erkauft wird.
- Technologische Anforderungen der Mobilität der Zukunft
- Rohstoffbedarf für Lithium-Ionen-Batterien (Lithium, Mangan, Nickel, Kobalt)
- Ökologische und soziale Folgen des Bergbaus in den Förderregionen
- Wirtschaftsethische Analyse globaler Lieferketten
- Wirksamkeit des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes
Auszug aus dem Buch
3.1 Energie- & Mobilitätswende auf Kosten der anderen?
Wie in Kapitel 2 beschrieben, sind die genannten Rohstoffen neben anderen für die Umsetzung der Elektromobilität, welche vorrangig in Industrienationen wie Deutschland vorangetrieben wird, notwendig. Die Motivation zur Durchsetzung der Elektromobilität fußt auf der Annahme, dass es für die Eindämmung des Klimawandels notwendig ist, Treibhausgasemissionen drastisch zu minimieren. Dazu zählt im Verkehrssektor die Einführung von Elektrofahrzeugen, die im laufenden Betrieb nicht wie Fahrzeuge mit klassischen Verbrennungsmotoren, eben solche Emissionen ausstoßen. Die Förderung der für die Herstellung der in den Elektrofahrzeugen verbauten Batterien zieht beträchtliche Risiken nach sich. Die Enteignung zur Erschließung neuer Abbaufelder oder Kinderarbeit und sehr schlecht ausgestattete und bezahlte Arbeitskräfte sind nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs. Gemäß dem ökonomischen Prinzip ist der Preis bei der Anschaffung von Gütern zur Bedürfnisbefriedigung ein entscheidender Faktor.
Die Gesellschaft selbst hat durch Vereinigungen wie „Fridays for Future“ das Bewusstsein über das Vorhandensein und das Ausmaß des Klimawandels verdeutlicht und somit auch eine Nachfrage nach u.a. alternativen Mobilitätslösungen geschaffen. Diese geschaffene Nachfrage wurde ebenfalls durch die deutsche und europäische Politik unterstützt, die einen Beschluss zur Neuanmeldung von Fahrzeugen mit einem Verbrennungsmotor ab 2035 verbietet. (vgl. Norddeutscher Rundfunk - Anstalt des öffentlichen Rechts, 2022) Der Bau und Vertrieb von Elektrofahrzeugen liegt also nahe und die entsprechenden Unternehmen sehen und nutzen diese geschaffene und weiter wachsende Nachfrage. Ökonomisch betrachtet stellt sich auch ein entscheidender Nachteil für Elektrofahrzeuge dar – die deutlich höheren Anschaffungskosten im Vergleich zu einem klassischen Auto mit Verbrennermotor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die nationalen Ziele zur Energiewende und führt in die Problematik der Rohstoffgewinnung für die Elektromobilität ein.
2. Grundlagen: Erläutert die theoretischen Voraussetzungen zur Mobilität der Zukunft und detailliert die Gewinnung sowie die Risiken der Rohstoffe Lithium, Mangan, Nickel und Kobalt.
3. Wirtschaftsethische Betrachtung: Analysiert das Dilemma zwischen Klimaschutz in Industrienationen und den damit verbundenen ökologischen sowie sozialen Kosten in den Förderregionen.
4. Zusammenfassung: Fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die Rolle des neuen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes zur Entschärfung des identifizierten Dilemmas.
Schlüsselwörter
Energiewende, Elektromobilität, Wirtschaftsethik, Rohstoffgewinnung, Lithium, Batterietechnologie, Menschenrechte, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, ökologische Risiken, Klimaschutz, Bergbau, soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit, globale Lieferketten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die wirtschaftsethischen Herausforderungen, die mit der Umstellung auf Elektromobilität in Europa einhergehen, insbesondere unter dem Aspekt der globalen Rohstoffbeschaffung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Energiewende im Verkehrssektor, die spezifischen Anforderungen an Batterie-Rohstoffe sowie die damit verbundenen menschenrechtlichen und ökologischen Risiken im Bergbau.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob der ökologische Nutzen klimafreundlicher Mobilität in Europa auf Kosten der Natur und Menschen in den globalen Förderregionen erwirtschaftet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-diskursive Analyse zur Erörterung wirtschaftsethischer Zusammenhänge und reflektiert politikwissenschaftliche sowie ökonomische Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die notwendigen Rohstoffe wie Lithium, Mangan, Nickel und Kobalt vorgestellt, gefolgt von einer tiefgehenden wirtschaftsethischen Diskussion über die Konsequenzen des Rohstoffabbaus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Elektromobilität, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, ökologische Risiken, soziale Verantwortung und der Zielkonflikt zwischen Klima- und Umweltschutz.
Warum ist Kobalt für die E-Mobilität so kritisch?
Kobalt ist ein wesentlicher Bestandteil von Batterien, dessen Abbau häufig mit schweren Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit und unfairen Arbeitsbedingungen in der Demokratischen Republik Kongo verbunden ist.
Welche Rolle spielt das neue Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz?
Das Gesetz wird als notwendige, wenn auch hinsichtlich seiner Wirkung noch ungewisse Maßnahme betrachtet, um Unternehmen auf eine verantwortungsvollere Gestaltung ihrer globalen Lieferketten zu verpflichten.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2023, Energiewende im Fokus der Wirtschaftsethik. Kritische Betrachtung der Rohstoffe für E-Mobilität, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1457425