Die gesellschaftliche Bedeutung der Arbeit


Seminararbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 DIE GESELLSCHAFTLICHE BEDEUTUNG DER ARBEIT
2.1 WAS BEDEUTET ARBEIT IN DER GESELLSCHAFT?
2.2 ARBEIT ALS SCHLÜSSELSTATUS UND IDENTITÄTSGEBER
2.3 ARBEIT UND GESELLSCHAFTLICHE INTEGRATION
2.3.1 BEGRIFFSDEFINITION: INTEGRATION
2.3.2 DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN ARBEIT UND GESELLSCHAFTLICHER INTEGRATION
2.4 ERWERBSLOSIGKEIT

3 ZUSAMMENFASSUNG

4 LITERATURVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

„Leben wir, um zu arbeiten, oder arbeiten wir, um zu leben?“ Eine Frage, die durchaus sinngebend für unsere heutige Gesellschaft zu sein scheint. Welches der beiden Konstrukte, Leben oder Arbeit, wird wohl einen höheren Stellenwert haben und damit bestimmend auf das andere einwirken?

Begibt man sich auf diesen Pfad, so wird schnell klar, dass es sich nicht pauschal sagen lässt, welches der Beiden die Präferenz erhält, denn immerhin erfahren wir durch die Arbeit unseren Täglichbroterwerb, was ohne Zweifel für die Arbeit als maßgebliche Instanz spricht. Auf der anderen Seite stellt die Arbeit ein zentrales Projekt unseres Lebens dar, in dem sich unser Körper, unser Geist und damit unsere gesamte Biografie entwickeln und so die eigentliche Bestimmung des Menschen zu Tage tritt, die Arbeit. Wie diese Beziehung zwischen Arbeit und Leben aussieht, wird sich unter anderem am Ende der Ausführungen zeigen. Zunächst gilt es aber als unbedingt notwendig den Begriff „Arbeit“ näher zu beleuchten.

Eine ähnliche Unterteilung wie oben trifft auch Gerhard Bäcker. Er sieht in der Arbeit zum einen die bloße Existenzsicherung der eigenen Bedürfnisse sowie der Bedürfnisse enger Angehöriger, da durch die Arbeit Güter und Dienste produziert und bereitgestellt werden müssen. Reiner Eggerer folgt dieser Aussage und sieht in der Arbeit die „Summe körperlicher und geistiger Tätigkeiten der Menschen zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen.“ (Eggerer 2003, S.1) Diese Tätigkeit greifen auch Rolf Arnold und Phillip Gonon auf, indem sie die Arbeit im weitesten Sinne als manuelle Tätigkeit bezeichnen, wobei sie im engeren Sinne den Begriff der „Aktivität“ benutzen. (vgl. Arnold/ Gonon 2006 ,S. 78)

Bäcker sieht aber auch noch eine prägende und persönlichkeitsbildende Funktion in der Arbeit, die es jedem ermöglicht sich sozial und gesellschaftlich zu positionieren. (vgl. Bäcker 2000, S.389) Diese Funktion ist womöglich die anfangs beschriebene „Wir leben um zu arbeiten“ - Funktion. Durch die Arbeit erhalten wir Fähigkeiten und Bestimmungen, die unser Leben in geordnete Bahnen lenken und zum gesellschaftlichen Sinngehalt eines modernen Lebenslaufregimes beitragen. Arbeit ermöglicht dadurch die Verwirklichung und Erfüllung des Selbst, obwohl diese Statusbestimmung auch umgekehrt wirken kann. Dies trifft häufig die Menschen, die von Erwerbslosigkeit betroffen sind und nur schwer ihren Standpunkt in der Gesellschaft festigen können.

Halten wir also zunächst fest, dass Arbeit sehr facettenreich ist. Dennoch ist klar geworden, dass diese verschiedenen Bedeutungen und Funktionen der Arbeit auch zusammenhängen. So ist Arbeit eine Tätigkeit zur Erhaltung der eigenen Existenz, deren Wert sich aber auch auf die Gesellschaft überträgt und von dieser akzeptiert und honoriert wird.

Mit Hilfe dieser Definition des Begriffs „Arbeit“ wird nun weiter auf die bereits angesprochenen Funktionen eingegangen, um letztendlich die Frage zu beantworten, welche Rolle die Arbeit in der Gesellschaft spielt und welche Risiken sie mit sich bringt. Diesbezüglich wird im Folgenden zunächst einmal geklärt, wie sich Arbeit in der Gesellschaft darstellt. Anschließend wird die Arbeit in Bezug auf seine gesellschaftlichen Auswirkungen betrachtet, um angrenzend daran die Bedeutung der Erwerbslosigkeit für die Gesellschaft zu verdeutlichen.

2 DIE GESELLSCHAFTLICHE BEDEUTUNG DER ARBEIT

2.1 WAS BEDEUTET ARBEIT IN DER GESELLSCHAFT?

Stellen wir uns einen Schüler vor, der sich vor Hausaufgaben kaum retten kann. Auf die Bitte seiner Mutter den Müll rauszuschaffen, antwortet er genervt: „Ich kann nicht. Ich muss arbeiten!“.

Es steht außer Frage, dass er die Unwahrheit sagt. Doch hat diese Arbeit der Schulaufgaben irgendeine Bedeutung für die Gesellschaft? Ja, könnte man vorschnell sagen, denn im Grunde werden seine schulischen Leistungen irgendwann einmal Einfluss auf die Gesellschaft haben. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass Menschen arbeiten, wie zum Beispiel eine Hausfrau, deren Aufgabe es ist die Wäsche zu waschen, das Geschirr zu spülen und die Kinder zu hüten, oder einen Hobbygärtner, der pflanzt, gießt und jätet. Beide würden ihr Tun stets als Arbeit bezeichnen und gehören doch nicht zu dem Kreis der „Arbeitenden“. In der Gesellschaft wird Arbeit deshalb mit Erwerbsarbeit gleichgesetzt, was bedeutet, dass der Schüler im gesellschaftlichen Sinne erst arbeitet, wenn er einen Beruf erlernt hat, die Hausfrau erst arbeitet, wenn sie als Putzfrau, Köchin oder Babysitterin angestellt wird und der Hobbygärtner erst arbeitet, wenn er sein Hobby zum Beruf macht, wobei die Tätigkeiten der Einzelnen weitgehend dieselben bleiben (vgl. Eberle 1991, S.3).

Arbeit in der Gesellschaft bedeutet im weitesten Sinne für die Gesellschaft zu arbeiten. „Man arbeitet […] nicht allein und nur für sich selbst, sondern immer mit anderen und für andere“ (Baethge 1990, S.67). Die Gesellschaft verleiht jedem „Arbeitenden“ dabei einen Status, der ihn definiert und der ihn im gesamten sozialen Gefüge auszeichnet. Auf diesen Status wird im Folgenden eingegangen.

2.2 ARBEIT ALS SCHLÜSSELSTATUS UND IDENTITÄTSGEBER

Die Arbeit bildet sich heute immer mehr zu einer persönlichkeitsprägenden Instanz heraus, die dem Schubladendenken des Menschen immer mehr Nachdruck verleiht. So folgt in einem Gespräch meist auf die Frage nach dem Namen, die Frage nach der Tätigkeit und was man denn so macht. Man spricht hierbei von der Identität einer Person, die eine Positionierung im gesellschaftlichen Gefüge ermöglicht. Doch die Identität positioniert nicht nur, sie bietet auch Bewertungen an, die je nach Beruf unterschiedlich ausfallen. Sagt man zum Beispiel, dass man Angestellter einer Putzfirma ist oder in einem Nachtclub auf einer Partymeile arbeitet, liefert das zwar einen Erkenntnisgewinn für den Gesprächspartner, hilft aber nicht gerade bei der Integration in die Gesellschaft. Zu diesem Thema wird weiter unten noch ausführlich Stellung genommen. Fest steht also, dass die Arbeit einen zentralen Pfeiler der Identität ausmacht und eines der Hauptkriterien für das soziale Prestige ist, das jemandem zuerkannt wird. Besitzt man keine Arbeit, sind weder Ortung und Bewertung noch die Positionierung einer Person möglich. Man ist dadurch für die Gesellschaft nicht fassbar und nicht in die oben beschriebenen Schubladen einzuordnen. (vgl. Eberle 1991, S.4)

Wodurch gelangt man nun zu dieser Identität? Nach Baitsch und Schilling entsteht das „Bewusstsein von Identität […] durch soziale Interaktions- und Kommunikationsprozesse“ (Baitsch/ Schilling 1990, S.26). Das heißt, die Identität wird über die Sprache vermittelt und entsteht nicht aus gesetzlichen Normierungen heraus, sondern aus der ständigen Kommunikation eines Individuums mit seinen Mitmenschen. In dieser entwickelt sich die Identität lebenslang und verändert sich „in ihrer Differenziertheit und Organisation“ (ebd.), sodass man das Gefühl hat, „die gleiche, wenn auch nicht dieselbe Person“ (ebd.) zu sein.

Der Ursprung der Identitätsbildung befindet sich im jungen Erwachsenenalter, in dem die Jugendlichen ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen „erkennen, gewichten und mit ihren äußeren Bedingungen in Beziehung setzen“ (Baethge 1990, S.68), um dadurch zu Perspektiven und Planungen für ihr Leben zu gelangen. Dieses entstehende Lebenskonzept ist sehr eng mit der Identitätsbildung verbunden, denn das Finden eines Lebenskonzeptes ist das Ziel der eigentlichen Identitätsbildung. Da sich besonders bei Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft oft nicht klar strukturierte und eindeutig festgelegte Lebenskonzepte finden lassen, geht vor allem Martin Baethge von einer zunehmend schwierigeren Entwicklung der eigenen Persönlichkeit aus. (vgl. ebd., S.70) Basierend darauf kategorisierte er als Ergebnis einer Studie verschiedene Gruppen Jugendlicher in vier Lebenskonzept-Typen: der erste Typus besitzt ein arbeitsorientiertes Lebenskonzept, in dem die Planung für Erwerbsarbeit im Vordergrund steht und nach gesellschaftlicher Anerkennung und individueller Erfüllung getrachtet wird; der zweite Typus ist durch eine Balance zwischen Arbeit und Privatleben gekennzeichnet und besitzt die Fähigkeit eigene Bedürfnisse und Interessen in beiden Bereichen wahrzunehmen ohne einen dem anderen unterzuordnen; der dritte Lebenskonzept-Typ orientiert sich an der Familie und gewichtet seine Anteilnahme auch in diese Richtung, sodass der Bereich der Arbeit zwar durchaus nicht gleichgültig ist, aber deutlich hinter der Familie oder Partnerschaft anstehen muss; der letzte Typ besitzt ein freizeitorientiertes Lebenskonzept, bei dem sich der planerische Aufwand auf die Freizeit konzentriert und die Arbeit nur minderwertig betrachtet wird. (vgl. ebd., S.70 ff.) Die Verteilung der Grundgesamtheit fällt bei dieser Studie sehr positiv aus, denn fast zwei Drittel können zu den ersten beiden Typen zugeordnet werden, sodass diese Jugendlichen ihre Identität hauptsächlich oder zumindest zum großen Teil durch die Arbeit verstehen. Hier zeigt sich aber nicht nur die Tendenz eines Lebenskonzeptes, sondern auch der Wille und Drang sich eine Identität bereits früh in der Schulzeit anzueignen und dafür auch längerfristig zu planen.

Arbeit ist heutzutage eine essentielle Ressource für die Persönlichkeit und die Stellung eines Individuums in der gesellschaftlichen Hierarchie. Wie ein Preisschild einem Warenartikel, so verleiht die Arbeit einem Menschen ein Unsichtbares Schild, auf dem der Grad seiner Sozialisation und Lebenskonzeption zu stehen scheint. Dies ermöglicht erst die gesellschaftliche Integration, durch die die Arbeit eine bedeutende Funktion erhält. Im Folgenden wird weiter auf die Integration in die Gesellschaft anhand der Arbeit eingegangen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die gesellschaftliche Bedeutung der Arbeit
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Professur für Berufs- und Betriebspädagogik)
Veranstaltung
Konstrukte berufs- und betriebspädagogischer Theoriebildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V145745
ISBN (eBook)
9783640562749
ISBN (Buch)
9783640562350
Dateigröße
896 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeit, Gesellschaft, Arbeitslosigkeit, Bedeutung, Berufsbildung, Integration, Identität, Schlüsselstatus
Arbeit zitieren
Michel Beger (Autor), 2009, Die gesellschaftliche Bedeutung der Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145745

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