Anerkennung informell erworbener Kompetenzen im europäischen Kontext

Eine kritische Darstellung der Verfahren am Beispiel des Vereinigten Königreiches


Seminararbeit, 2009

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 NVQ - SYSTEM
2.1 VERFAHREN ZUR ANERKENNUNG INFORMELL ERWORBENER KOMPETENZEN
2.1.1 APL
2.1.2 NVQ
2.2 KRITIKFELDER

3 ZUSAMMENFASSUNG

4 LITERATURVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

Die Berufsbildungspolitik der europäischen Union befindet sich seit gut zehn Jahren im Wandel. Mit dem Ziel der Angleichung der verschiedenen Bildungssysteme und Qualifikationsrahmen der Mitgliedstaaten entstand 1999 im Zuge des Bologna-Prozesses ein Paradigmenwechsel, der durch Beschäftigungsfähigkeit und lebenslanges Lernen auf nationaler und internationaler Ebene gekennzeichnet war und heute noch ist. (vgl. Le Mouillour/ Thiel 2009) An den verschiedensten Stationen wie Lissabon 2000, Stockholm 2001, Kopenhagen 2002 und Maastricht 2004 - um nur einige zu nennen - entwickelte sich ein Konzept zur Umsetzung des europäischen Qualifikationsrahmens (EQR), der für die Transparenz von Qualifikationen und Kompetenzen, die Anrechnung und Durchlässigkeit und die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen mit besonderem Bezug zum lebenslangen Lernen einsteht. (vgl. ebd.)

Als Vorbild für den EQR galt das bereits 20 Jahre vorher entwickelte NVQ-System des Vereinigten Königreiches. Als eines der ersten Länder Europas entwickelte das Vereinigte Königreich bestehend aus Großbritannien und Nordirland Mitte der achtziger Jahre erstmals Verfahren zur Dokumentation und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. Basierend auf einer niedrigen Produktivität aufgrund unzureichender Qualifikationen bei den Beschäftigten, mangelhaften Bildungsstandards, niedrigen Beteiligungsquoten an Bildungsmaßnahmen und ausgeprägten Unterschieden zwischen verschiedenen sozialen Gruppen, sah sich die Regierung gezwungen das allgemeine und vor allem das berufliche Bildungsniveau anzuheben. (vgl. Geldermann/ Seidel/ Severing 2009, S.228) Insbesondere bezüglich informeller Kompetenzen bestand ein großes Defizit, da in Prüfungen vorrangig auf die Abfrage von Wissen und nicht auf Fertigkeiten und Fähigkeiten Wert gelegt wurde. (vgl. Stegemann 2008, S.73) Um eben genannte Defizite abzubauen, „führte der National Council for Vocational Qualifications (NCVQ) […] im Jahre 1987“ (ebd., S.74) das NVQ-System und bereits einige Jahre früher das APL- Verfahren ein. Beide sollen später näher betrachtet werden. (Der National Council for Vocational Qualifications (NCVQ) wurde im Oktober 1997 mit dem National Curriculum Council (NCC) aufgrund von „Verflechtung, Effizienzsteigerung und Standardisierung allgemeiner und beruflicher Bildung durch gemeinsame Koordination“ (Bünning/ Hortsch/ Novy 2000, S.38 f.) zusammengelegt. Beide sind heute unter dem Namen Qualification and Curriculum Authority (QCA) vereint. (vgl. ebd.))

Zunächst muss ein Blick auf den Begriff der informellen Kompetenz gelegt werden, da insbesondere dieser für die weitere Darstellung eine entscheidende Rolle spielt. Peter Dehnbostel versteht darunter ein Erfahrungslernen während und durch Arbeit, das sich aus den jeweiligen Arbeits- und Handlungssituationen ergibt. Nach ihm entsteht es aus dem Prozess der „Situationsbewältigung und Problemlösung“ (Dehnbostel 2007, S.133) und unterliegt - außer im Rahmen formeller Lernorganisation - keiner professionellen pädagogischen Begleitung. (vgl. ebd.) Das Ergebnis stellt sich in dieser Lernform automatisch ein, „ohne dass es von vornherein bewusst angestrebt wird“ (ebd., S.49).

In Abgrenzung zu formalen und non-formalen Lernprozessen, bei denen das Lernen fremdorganisiert stattfindet, „das heißt Lernorte, Lernzeiten und Lerninhalte werden nicht allein durch das Individuum bestimmt“ (Annen/ Bretschneider 2009, S.189), werden „informelle Lernprozesse vom Individuum selbst bestimmt“ (ebd.), so Silvia Annen und Markus Bretschneider. Das dabei entstehende Lernen kann sich nebenbei ergeben, also unabhängig von Ziel und Absicht des Handelns auftreten, was auch als reflexives Lernen bezeichnet wird, aber auch unabhängig von institutionell organisierten Lernformen durch implizites, gezieltes und bewusstes Lernen erfolgen. (vgl. ebd., S.189 f.; Dehnbostel 2007, S.49 f.) Für beide Fälle kann das Beispiel „Schwimmen“ betrachtet werden, wobei die Differenz in der Situation liegt. Während man beim nebenbei Lernen lediglich unfreiwillig ins tiefe Wasser fallen muss und dadurch gezwungen ist schwimmen zu lernen, bezieht sich der zweite Fall auf den konkreten, intrinsisch geäußerten Wunsch schwimmen zu lernen, indem das Individuum selbst aus freien Stücken ins tiefe Wasser geht und schwimmen lernt.

Die Lernorte sind beim informellen Lernen vielschichtig. Es findet im „Prozess der Arbeit wie auch im Privaten, im Familien- und Freundeskreis wie auch im ehrenamtlichen Rahmen statt“ (Annen/ Bretschneider 2009, S.190). Die Ausrichtung sowohl auf die Arbeitswelt als auch auf die Lebenswelt macht das informelle Lernen zu einem ständigen Begleiter und trägt nachhaltig zum Erwerb von Fach-, Sozial und Personalkompetenz bei. (vgl. Dehnbostel 2007, S.49)

Basierend auf dieser umfangreichen Definition soll nun die Anerkennung solcher informell erworbener Kompetenzen am Beispiel des Vereinigten Königreiches näher betrachtet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Anerkennung informell erworbener Kompetenzen im europäischen Kontext
Untertitel
Eine kritische Darstellung der Verfahren am Beispiel des Vereinigten Königreiches
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Lehrstuhl für Berufs- und Arbeitspädagogik)
Veranstaltung
Verfahren zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V145747
ISBN (eBook)
9783640565825
ISBN (Buch)
9783640566341
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Europäischer Qualifikationsrahmen, EQR, National Vocational Qualification, NVQ, Kritik, informell, Kompetenzen, informelle Kompetenzen, Anerkennung, Anerkennungsverfahren, Acreditation of prior learning, APL
Arbeit zitieren
Michel Beger (Autor), 2009, Anerkennung informell erworbener Kompetenzen im europäischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145747

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