Die Nachkriegsjahre stellten für die deutsche Bevölkerung eine Zeit voller Ungewissheit, Entbehrungen und dem täglichen Kampf ums Überleben dar. Trotz der allgegenwärtigen Probleme bestand in der Öffentlichkeit direkt nach Kriegsende bereits Interesse an politischer Betätigung. Vor allem diejenigen Gruppen, die
während der vergangenen 12 Jahre Hitler-Diktatur ihrer politischen Gesinnung nur im Verborgenen nachgehen konnten, ergriffen ihre Chance, an der Gestaltung eines neuen Deutschland mitzuwirken. Doch nicht allein der Wille der Bevölkerung war
entscheidend für die Wieder- und Neubegründung von Parteien nach dem Zweiten Weltkrieg, auch die Ziele und Vorgaben der Besatzungsmacht spielten eine große Rolle. Besonders die französische Besatzungsmacht wurde in dieser Hinsicht lange
Zeit sehr negativ dargestellt, da ihre Politik von vielen Vorgaben geprägt war.
In dieser Arbeit soll nun untersucht werden, unter welchen Voraussetzungen sich deutsche Parteien nach dem Zweiten Weltkrieg neu- und wiedergründen konnten, unter besonderer Berücksichtigung der französischen Besatzungsmacht.
Hierzu soll zunächst die Struktur der Besatzungszonen in Südwestdeutschland geklärt und anschließend ein grober Überblick über die Vorgaben der Potsdamer Konferenz hinsichtlich der Parteigründung gegeben werden. Der Hauptteil der Arbeit widmet sich der Parteiwiederbegründung in der französischen Zone,
beginnend zunächst mit der Sonderrolle der Antifaschistischen Ausschüsse.
Anschließend wird ein chronologischer Überblick über die Zeit bis zur Zulassung erster politischer Parteien gegeben. Der letzte Teil stellt die Ursachen des gesonderten französischen Wegs hinsichtlich der Parteienzulassung dar, und untersucht hierfür, woraus die vorrangigen Ziele der französischen Besatzer bestanden und welche Auswirkungen diese Ziele hatten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Organisation der Besatzungszonen im deutschen Südwesten
3. Regelungen auf der Potsdamer Konferenz
4. Die Wiederbegründung der Parteien in Württemberg-Hohenzollern und Baden
4.1 Die Antifa-Ausschüsse als Vorläufer der politischen Parteien
4.2 Der lange Weg zur französischen Parteienzulassung
4.3 Beweggründe für den besonderen französischen Weg
4.3.1 Ziele der französischen Besatzungspolitik
4.3.2 Auswirkungen auf die Parteienzulassung
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die historischen Voraussetzungen und den spezifischen Prozess der Wiederbegründung deutscher politischer Parteien in der französischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg unter Berücksichtigung der französischen Besatzungspolitik.
- Struktur der Besatzungszonen im deutschen Südwesten
- Einfluss der Potsdamer Konferenz auf die Parteibildung
- Die Funktion der Antifaschistischen Ausschüsse
- Die französische Lizenzierungspolitik und ihre spezifische Begründung
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Antifa-Ausschüsse als Vorläufer der politischen Parteien
Direkt nach Kriegsende ließ keine der westlichen Siegermächte deutsche politische Parteien zu. Die Sowjetunion bildete hier eine Ausnahme, da sie bereits am 10. Juni, also noch vor dem Beginn der Potsdamer Konferenz, in ihrer Besatzungszone politische Parteien zugelassen hat. In der US-amerikanischen, der britischen und der französischen Zone hatten die Menschen diese Möglichkeit der politischen Beteiligung jedoch zunächst noch nicht. Hier bildeten sich sehr schnell nach Kriegsende Vorformen politischer Gruppierungen. Diese wurden zunächst geduldet, da sie dasselbe Ziel wie die Alliierten verfolgten, die Entfernung des Nationalsozialismus aus Deutschland. Diese sogenannten Antifaschistischen Ausschüsse oder auch kurz Antifa-Ausschüsse bzw. Antifas entstanden meist spontan direkt nach der Besetzung einer Stadt. In der britischen und der US-amerikanischen Zone wurden die Antifas relativ schnell wieder verboten, in der französischen Besatzungszone waren sie dagegen sehr erfolgreich, vor allem in Südbaden. Sie bestanden dort über ein dreiviertel Jahr, da sie von der französischen Besatzungsmacht nicht behindert, sondern sogar gefördert wurden.
Ihre Mitglieder waren zuerst sehr stark von Kommunisten und Sozialdemokraten bestimmt, umfassten aber kurze Zeit später beinahe alle politischen Gruppierungen. Zu ihnen zählten Angehörige ehemaliger Parteien des Bürgertums, sozialistische und christliche Gewerkschaftsmitglieder, Unorganisierte, Arbeiter und Angestellte, Angehörige des gewerblichen Mittelstands und Lehrer. Auch diejenigen Angestellten der kommunalen und staatlichen Verwaltung, die ihre Anstellung 1933 verlassen mussten, zählten zu den engagierten Mitgliedern der Antifas. Allen diesen Gruppen war gemeinsam, dass sie in den 12 Jahren des Hitler-Regimes nicht politisch aktiv sein konnten und nun am Aufbau eines neuen demokratischen Deutschland mitwirken wollten. Man kann im Prinzip von einer „Wiederformierung der politischen Opposition“ gegen die Nationalsozialisten sprechen, die eine illegale Vorgeschichte hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die schwierigen Nachkriegsjahre und die Fragestellung, wie und unter welchen Voraussetzungen Parteien in der französischen Zone neu gegründet werden konnten.
2. Organisation der Besatzungszonen im deutschen Südwesten: Dieses Kapitel erläutert die Aufteilung Deutschlands und die spezifische Grenzziehung der französischen Besatzungszone im Südwesten.
3. Regelungen auf der Potsdamer Konferenz: Hier wird der Einfluss der alliierten Beschlüsse auf die deutsche Nachkriegspolitik und die französische Sonderrolle bei deren Umsetzung thematisiert.
4. Die Wiederbegründung der Parteien in Württemberg-Hohenzollern und Baden: Dieses Hauptkapitel analysiert den gesamten Prozess der Parteienzulassung, von den Antifa-Ausschüssen bis hin zur offiziellen Genehmigung.
5. Schluss: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei die französische Politik nicht mehr als rein demokratiefeindlich, sondern als zielgerichtetes Handeln interpretiert wird.
Schlüsselwörter
Französische Besatzungszone, Parteienzulassung, Nachkriegszeit, Antifaschistische Ausschüsse, Demokratisierung, Besatzungspolitik, Wiederbegründung, Parteiensystem, Generalverwalter Laffon, Dezentralisierung, Politische Partizipation, Württemberg-Hohenzollern, Baden, Alliierte Großmächte, Entnazifizierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Entstehung politischer Parteien in der französischen Besatzungszone nach 1945 und untersucht die Rolle der französischen Besatzungsmacht bei diesem Prozess.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Besatzungszonenorganisation, der Einfluss der Potsdamer Konferenz, die Bedeutung der Antifa-Ausschüsse und die Ziele der französischen Militärregierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, unter welchen Voraussetzungen sich deutsche Parteien in der französischen Zone neu gründen konnten und warum die französische Besatzungsmacht einen gesonderten Weg einschlug.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse unter Einbeziehung primärer französischer Dokumente und relevanter Forschungsliteratur zur Nachkriegsgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der chronologischen Entwicklung der Parteienzulassung, den Funktionen der Antifa-Ausschüsse sowie der Analyse der französischen Beweggründe für eine kontrollierte Demokratisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Besatzungspolitik, Parteienzulassung, Dezentralisierung, Antifa-Ausschüsse und Demokratisierung von oben versus von unten.
Warum wurden die Parteien in der französischen Zone so spät zugelassen?
Die späte Zulassung diente dazu, das Nachkriegschaos zu beseitigen, eine solide Entnazifizierung sicherzustellen und eine geordnete Demokratisierung unter französischer Kontrolle zu gewährleisten.
Welche Funktion hatten die Antifa-Ausschüsse in der französischen Zone?
Sie dienten als Vorläufer politischer Parteien, halfen bei den täglichen Notwendigkeiten des Wiederaufbaus und fungierten als wichtige Übungsfelder für den demokratischen Parlamentarismus.
Wie unterscheidet sich die französische Parteienpolitik von anderen Besatzungsmächten?
Frankreich bevorzugte eine streng kontrollierte Parteibildung von oben nach unten, verbot eine reichsweite Vernetzung und strebte aus sicherheitspolitischen Gründen eine dauerhafte Dezentralisierung an.
Welche Rolle spielte Generalverwalter Laffon?
Laffon war maßgeblich für die Ausarbeitung und Umsetzung des französischen Konzepts der Parteienzulassung verantwortlich, wobei er versuchte, die politischen Parteien als Instrumente einer kontrollierten Demokratisierung zu etablieren.
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- Stefanie Leisentritt (Author), 2009, Besatzungsmächte und Lizenzierungspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145758