Das Selbstorganisationsphänomen in sozialen Prozessen


Seminararbeit, 1995

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Problemstellung

2. Darstellung des Selbstorganisationsphänomen in sozialen Prozessen nach Gilbert J.B. Probst
2.1. Verschiedene Systemarten auf verschiedenen Ebenen
2.2. Das systemische und kybernetische Denken als Basis
2.3. Prozesse der Ordnungsbildung in sozialen Systemen
2.3.1. Bedeutung des Konstruktivismus
2.3.2. intrinsische Charakteristiken
2.3.2.1. Selbstreferenz
2.3.2.2. Komplexität
2.3.2.3. Redundanz
2.3.2.4. Autonomie
2.4. Organisieren im sozialen System
2.4.1. Substantielles Organisieren
2.4.2. Symbolisches Organisieren
2.5. Organiseren im selbstorganisierenden System

3. Neuere Analysen zur Selbstorganisation
3.1. Neuerungen des Selbstorganisationprozesses nach Helmut Kasper
3.1.1. Luhmanns systemtheoretischer Ansatz
3.1.2. Weicks Modell des Organisierens
3.1.3. Kaspers Modell der “Handhabung selbstorganisierender Prozesse in formal organisierten Systemen”
3.2. Das gradualistische Konzept von Kirsch und Knyphausen
3.2.1. Über das entwickelte Konzept
3.2.2. Die “biologische Anwendungsstrategie”
3.2.3. Die Anwendung der allgemeinen Systemtheorie
3.2.4. Das gradualitische Konzept

4. Zusammenfassung aller Modelle und Herausarbeitung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten
4.1. Zusammenfassung der drei Konzepte
4.2. Versuch einer Abwägung

1. Einführung in die Problemstellung

“Ordnung ist von uns wahrgenommene Regelmäßigkeit und Zuschreibbarkeit.”[1]Ordnung vermittelt uns Konsistenz und Kontinuität. Sie gibt uns die Möglichkeit, sich bei komplizierten Institutionen oder komplexen Systemen zurechtzufinden und macht ein System überschaubar und zugänglich. Natürlich muß zwangsweise die Frage aufkommen, in wieweit Ordnung entstehen kann. Genauso muß man sich die Frage stellen, wie Ordnung garantiert werden kann. Prost kennzeichnet alles, was verantwortlich für Ordnungsbildung und Ordnungserhaltung ist, mit Organisation.[2]

Damit aber kann man das Ordnungsphänomen nicht allein erklären. Es gibt auch spontane Prozesse der Ordnungsbildung, die nicht unbedingt gelenkt und durch Menschenhand bewußt gesteuert worden sind. Hier bekommt gerade in den letzten Jahren der Begriff “Selbstorganisation” immense Bedeutung. Selbstorganisation ist generell eine Eigenschaft von Systemen. Selbstorganisation ist ein Meta-Konzept für das Verstehen von Entstehung, Aufrechterhaltung und Entwicklung von Ordnungsmuster. Ein Meta-Konzept ist es deswegen, da die Ordnungsprozesse immer aus ganzheitlicher Sicht zu sehen und nie isoliert zu betrachten sind. Rückschlüsse auf das ganze System ermöglicht dem Betrachter eine bessere Sichtweise und macht bestimmte Zusammenhänge und Vernetzungen verständlich. Teile eines Systems weisen immer Interdependenzen mit dem ganzen System auf.

Durch Selbstorganisation werden Zerstörungen und Unordnungen kompensiert. Während man in den Jahrzehnten zuvor eine “konservative Selbstorganisation”[3]predigte, in denen Stabilität und Anpassung im Vordergrund stand, untersucht man jetzt zunehmend Systeme und Ordnungsprozesse, in denen Instabilitäten, Abweichungen und Ungleichgewichte auftauchen. Dies faßt man unter den Begriff “Innovative Selbstorganisation”[4]zusammen.

In der neueren Systemtheorie ist dieser Begriff der “Selbstorganisation” unumgänglich geworden. Er wird immer mehr zum entscheidenen Status, wie man Systeme lenken und kontrollieren kann. Tragende Begriffe wie Renundanz, Selbstreferenz, Autonomie, Komplexität und Eigendynamik bekommen hier eine besondere Bedeutung.

Im folgenden Text möchte ich nach einer grundlegenden Standortbestimmung der Selbstorganisationsforschung auf das Buch “Selbstorganisation” von Gilbert Probst (Hamburg 1987) eingehen. In diesem Buch vermittelt er ein grundlegendes Wissen über das Selbstorganisationsphänomen und trägt wesentlich zum Verständnis der Selbstorganisation bei. Nicht außer acht lassen darf man dabei der immer wiederkehrende Hinweis auf den konstruktivistischen Ursprung, der diesem entwickelten Konzept zugrunde liegt. Selbstorganisation und Ordnung sind vom Beobachter konstruiert. Daher ist es notwendig, auch den Konstruktivismus in Grundzügen zu erläutern.

Die Anwendung dieses Konzeptes in Systemen schließt die Darstellung der Selbstorganisation in Probsts Werk ab. Dabei wird vor allen Dingen der Frage nachgegangen, wie man Selbstorganisation mit gängigen Managementtheorien integrieren kann. Die Berücksichtigung des Selbstorganisationsphänomens hat gerade in den letzten Jahren zu einem völlig neuen Managementverständnisses geführt, einem sogenannten visionären Management.. Dieses Management ist “auf das schillernde Konzept der Selbstorganisation ausgerichtet. Das visionäre Management - so weiß man heute - kann ohne die Organisation und Selbstorganisation nicht funktionieren.”[5]Bisher war es üblich, durch Management bestimmte Ziele zu erreichen. Beim visionären Management will man “keine Ziele mehr erreichen, sondern Abweichungen erzielen. Alles ist offenes Werden.”[6]Das heißt konkret, Selbstorganisation wird bewußt gefördert, gestaltet und gelenkt, damit dadurch das System Möglichkeiten erhält, sich der Umwelt anzupassen und ggf. zu verändern. Genau das ist das Ziel beim visionären Management. Wie man jetzt aber jetzt in diesem Sinne organisieren kann und was man genau berücksichtigen muß, beschreibt Probst am Ende seines Buches und gibt genaue Anweisungen über die Vorgehensweise beim “substantiellen” und “symbolischen Organisieren.”[7]Probst ist bei seiner Entwicklung seines Selbstorganisations-Konzeptes von der Annahme ausgegangen, daß Selbstorganisation immer in einem System vorhanden ist. Man kann sie nicht ausschließen.

Auf neuere Analysen zu diesem Thema werde ich daher eingehen, die von dieser radikalen Ansicht eines “Alles-oder-Nichts-Prinzips”[8]abweichen. Helmut Kasper führt nach einer kurzen Einführung in die Grundgedanken Luhmanns, die auch bei Probst einen enormen Einfluß haben, das Weicksche Modell des Organisierens an. Anschließend entwickelt er ein eigenes Konzept, daß besonders die Erwartungsstrukturen und die daraus resultierenden Widersprüche berücksichtigt.

Ein zweiter Aufsatz von Kirsch und Knyphausen entwickelt konträr ein gradualistisches Konzept der Autopoesie und wendet sich somit gegen das “Alles-oder-Nichts-Prinzip” bekannter Theorien. Ausgehend von einer “biologischen Anwendungsstrategie” versuchen Kirsch und Knyphausen der Frage nachzugehen, in wieweit Autopoesie mit Selbstbeschreibung und Selbstbeobachtung einhergeht. Das Ergebnis ist ein gradualitisches Konzept, in denen Organisationen mit verschiedenen Sinnmodellen charakterisiert werden. Nach einer Darstellung der beiden Aufsätzen aus der neueren Management-Forschung sollen im letzten Punkt meiner Ausführungen Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden.

2. Darstellung des Selbstorganisationsphänomen in sozialen Prozessen nach Gilbert J. B. Probst

2.1 Verschiedene Systemarten auf verschiedenen Ebenen

Spricht man von Selbstorganisation, so muß man erst einmal den Systemtyp definieren. Probst unterscheidet drei verschiedene Systemebenen, auf denen sich verschiedene Systemtypen manifestieren. Es gibt die physikalische Ebene, die biologische Ebene und die soziale Ebene. Die physikalische Ebene, auf denen Mechanische Systeme basieren, geht von Vernetzungen aus. Diese Vernetzungen ergeben ein Netzwerk von verschiedenen Strukturen, indem wir selbst ein Teil sind. Jedes Teilchen trägt zu dieser Komplexität des Netzwerkes bei. Komplementarität wird zum zentralen Faktor. Über instabile Prozesse, daß heißt durch Fluktuationen, enstehen neue Ordnungsmuster. Bei mechanischen Systemen, die auf der physikalischen Ebene aktiv werden, ist ihr Zweck von außen vorgegeben. Was immer abweicht, wird als zerstörend empfunden. Jede grundsätzliche Eigenschaft des Mechanischen Systems dient zur Erhaltung des Gleichgewichts. Abweichungen werden mittels bestimmter Reaktion korrigiert.

Natürliche Systeme, die auf der biologischen Ebene funktionieren, verfolgen ihren eigen Zweck. Und ihr Ziel heißt überleben. Natürliche Systeme beinhalten eine gewisse Eigendynamik. Das heiß konkret, daß auf Veränderungen mit Anpassung reagiert werden kann. Natürliche Systeme können sich aufgrund neuer Voraussetzungen verändern. Gerade die Umwelt steht immer in Beziehung mit dem jeweiligen System. Natürliche Systeme können sich an verschiedene Umwelten anpassen, um Störungen erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Das soziale System ist wandlungsfähig und nicht in bestimmten Grenzen zu determinieren. Ordnung entsteht auf der sozialen Ebene entweder “absichtlich und individuell oder gemachte, interaktiv aus individuellen menschlichen Handlungen entstandene”[9]. Der Zweck der sozialen Systeme kann in der Entwicklung der eigenen Möglichkeiten gesehen werden. Das Ssytem paßt sich nicht der Umwelt an, wie es mechanische Systeme tun, sondern gestalten sie aktiv mit. Eigenschaften werden neu gesachaffen oder integriert. Im Mittelpunkt stehen immer Handlungen, die als Produkt der Interaktion ihre Gültigkeit besitzen. Ein Netzwerk von Handlungen definiert ein Handlungssystem, ein Handlungsystem ist ein soziales System.

2.2 Das systemische und kybernetische Denken als Basis

Systemtheorie und Kybernetik bilden die Grundlage, um komplexe Systeme verstehen zu können. Das systemische und kybernetische Denken dient somit als Basis für das Konzept von Probst. Wichtig ist, daß das System als Ganzes betrachtet wird. Man kann nicht einen kleinen Teil des Systems untersuchen und definieren, vielmehr muß man es immer aus seiner Ganzheitlichkeit sehen. Zentrale Begriffe des systemischen und kybernetischen Denkens sind hier “Systemabgrenzung”, “Teil und Ganzheit”, das “Wirkungsgefüge”, “Struktur und Verhalten”, “Lenkung und Entwicklung” und die “Wahrnehmung”. Diese Begriffe sind nicht isoliert zu betrachten. Alle Teile wirken aufeinander und sind auch wieder beeinflußbar.

Bei der “Systemabgrenzung” gilt es vor allen Dingen abzuschätzen, was man untersuchen will. Welche Prämissen hat der Beobachter und in wieweit kann ich ein System abgrenzen. Systeme zeichnen sich durch eine enorme Komplexität aus, die niemals vollständig bewältigt werden kann. Auch dem muß man sich bewußt werden. Eine ständige Ungewißheit bleibt bestehen. Gefordert wird dadurch ein integriertes Management. “Die Frage, wie Teile zu einem Ganzen integriert werden können, die etwas >Neues< - ein System - darstellen, das nicht direkt aus seinen Teilen ableitbar ist, steht im Vordergrund.”[10]Auch die Tatsache, daß verschiedene Wirklichkeiten berücksichtigt werden müssen, da jeder eine andere Wirklichkeit konstruiert, muß berücksichtigt werden, wenn man eine Systemabgrenzung vornimmt. Jeder grenzt das System individuell verschieden ab.

Die logische Schlußfolgerung einer Systemabgrenzung führt schließlich zu dem Punkt, was Ganzheit und was nun ein Teil des Systems ist. Speziell die Fragen “wie kann die Varietät eines Systems unter Kontrolle gehalten werden” und “welche Teile oder Variablen können wir nicht beeinflussen oder sind nicht lenkbar?”[11]werden für den Beobachter relevant. Eine andere Frage lautet, welche Risiken bei einem Eingriff in das System bestehen. Der Beobachter muß sich der Komplexität bewußt werden, wenn er ein Teil untersucht. Er kann niemals ein Teil isoliert betrachten, sondern muß gleichzeitig die Vernetzungen und komplexen Zusammenhänge erkennen und in seinen Untersuchungen einbetten. Außerdem ist es notwendig, immer Rückschlüsse auf das Systemganze zu ziehen, damit man die Wirkung eines Teiles verstehen kann. Unter dem Aspekt des “Wirkungsgefüges” wirkt Probst dem Streben entgegen, “für eine Wirkung immer eine Ursache”[12]zu finden. Besonders Interdependenzen sind zu berücksichtigen, auch wenn Beobachtungsfehler möglich sind, die Probst mit “Komplexitätsfehler”[13]bezeichnet. Die erwähnte “Sündenbock-Theorie” verdeutlicht den Appell Probsts, in größeren Rahmen zu denken und viele Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Die “Sündenbock-Theorie” veranschaulicht dem Leser, in wieweit die Menschen immer noch eindimensional denken. Für irgendeinen Mißerfolg, einen Unfall oder einer Zerstörung wird eine Person zur Rechenschaft gezogen, ungeachtet dessen, ob er der alleinige Schuldige oder überhaupt Schuld an der Fehlentwicklung hat. Wenn ich das Beispiel auf einen typischen Fall projeziere, wird dieser Zusammenhang noch deutlicher:

Die Polizei verhaftet einen kleinen Dealer, der Drogen an der Schule verkauft hat. Sicher ist es jetzt sehr einfach, ihn als Sündenbock für die ganzen Drogenabhängigen einer Schule einzustufen. Dieses Denken ist allerdings wenig plausibel, könnte es doch noch andere Dealer geben, die Drogen verkaufen. Außerdem steht meistens noch jemand hinter dem kleinen Dealer, es ist also notwendig, Vernetzungen aufzudecken und im größeren Rahmen zu denken.

Probst bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, “systemisches und kybernetisches Denken ist: Denken in kreisförmigen Beziehungen und Netzwerken.”[14]

Ein System hat immer eine “Struktur” und auf eine Systemstruktur folgt immer ein Systemverhalten. Die Strukturen eines Systems sind zum Beispiel “Regeln”, “Normen”, “Organigramme” und “Vorschriften”. Diese Begriffe geben die Möglichkeit, ein System zu lenken. Und hier setzt die Kybernetik an. Systeme können bewußt gelenkt werden. Daher wird eine Analyse der Lenkungsmechanismen sinnvoll. Natürlich versucht man auch herauszufinden, innerhalb welcher Struktur Verhaltensmöglichkeiten realisiert werden können. Verhalten ist durch die Struktur steuerbar. Ein notwendiges Mittel für die Steuerung und Lenkung von Struktur und somit Verhalten ist die Kommunikation. Sie dient zur Informationsübertragung und macht eine Lenkung überhaupt erst möglich.

So definiert Probst Lenkung und Steuerung als “unter Kontrolle halten von Ordnungszustände eines Systems, sowie die Entwicklung von Systemen.”[15]Ordnung kann also durch eine bewußte Lenkung kontrolliert werden.

Die Lenkung des Systems ermöglicht es auch, ungewollte Zustände zu vermeiden, sie erst gar nicht aufkommen zu lassen. Was nicht gewünscht wird, kann durch Lenkung vermieden werden. Grundsätzlich ist aber zu beachten, daß die “Varietät des lenkenden Systems mindenstens gleich groß sein muß, wie die Varietät der Störungen, die auf das zu lenkende System wirken können.”[16]

Die Lenkung eines Systems ermöglicht dessen Entwicklung. Es kann reagieren, handeln und ablehnen. Je nachdem können zustandserhaltende, zielorientierte oder zweckorientierte Prozesse in Vordergrund stehen.

Als letzten Punkt führt Probst die “Wahrnehmung” auf. Probleme müssen erst erkannt werden, wenn man sie bewältigen will. Hier kommt man auch zwangsläufig zu der Frage, wie wir Wirklichkeiten auffassen. Unser Wahrnehmungsapparat konstruiert Wirklichkeiten, und der Beobachter ist ein Teil des zu beobachteten Systems.[17]

Systemisches und kybernetisches Denken ist also “transdisziplinär und konstruktivistisch.”[18]

2.3. Prozesse der Ordnungsbildung in sozialen Systemen

2.3.1. Bedeutung des Konstruktivismus

Das systemische und kybernetische Denken beinhaltet - wie bereits erwähnt - auch die Wahrnehmung. Natürlich kommt jetzt die Frage auf, wie eine Person seine Welt wahrnimmt. Nimmt jeder sie anders auf oder gibt es einen gemeinsamen Nenner?

Probst weist darauf hin, daß sein Konzept ein Modellversuch ist, der passen kann oder nicht. Sie sind nicht “Abbild einer objektiven Wirklichkeit.”[19]Wenn man untersuchen will, wie ein Mensch seine Welt wahrnimmt, muß man erst wissen, wie er die Welt sieht. Der Begriff der “Wirklichkeit” ist in der phänomenologischen Soziologie von tragender Bedeutung. Die Wirklichkeit ist differenzierbar in verschiedene Wikrlichkeiten, von der die Alltagswelt die wichtigste ist. Diese Alltagswelt ist eine objektivierte Welt. Objektiviert wurde diese Welt durch Institutionalisierungen von habitualisierten Handlungen. Durch Legitimation wird diese Welt “objektiv zugänglich und subjektiv ersichtlich”.[20]Wirklichkeit ist also produziert, eine Produktion des Menschen. Er konstruiert sie selbst. “Die soziale Welt entsteht aus den Interaktionen von Menschen, die selbst eingebunden sind in die ständige Interpretation der Aktionen anderer.”[21]Eine institutionale Welt wird als objektive Wirklichkeit erlebt. Das Wissen über die Gesellschaft ist demnach Verwirklichung im doppelten Sinne des Wortes: Erfassen der objektivierten gesellschaftlichen Wirklichkeit und das ständige Produzieren eben dieser Wirklichkeit in einem. Durch den Prozeß der “Sozialisation”[22]wird der Wissensbereich gelernt und als subjektive Welt erfahrbar. Das heißt, der Grundgedanke, der gerade für das Verständnis der Selbstorganisation so wichtig ist, geht also von einer nicht unabhängig von den Individuen enstandene Realität aus, sondern von einer individuell-konstruierten. Durch eine Objekitivation wurde diese für uns alle zugänglich gemacht.

2.3.2. intrinsische Charakteristiken

Das systemische und kybernetische Denken dient Probst als Basis für seine weiteren Ausführungen. Mit der Darstellung der intrinsischen Charakteristiken hebt Probst die entscheidenen Begriffe für das Verständnis der Selbstorganisation hervor. Mit Selbstreferenz, Komplexität, Redundanz und Autonomie gibt es vier zentrale Begriffe, die für das Verständnis und den Umgang mit sozialen Systemen unentbehrlich sind. Hier kommt vor allen Dingen das “Selbst” zum Tragen. Am sinnvollsten ist es, die vier Begriffe einzeln darzustellen:

[...]


[1]Probst, Gilbert: Selbst-Organisation, Hamburg 1987, S. 9

[2]ebenda, S. 9

[3]ebd., S. 18

[4]ebd., S. 19

[5]Gerd Gerken: Managementrolle: Visionär, in: Staehle, Wolfgang (Hrsg.): Handbuch Management: die 24 Rollen der exzellenten Führungskraft, Wiesbaden 1991, S. 91

[6]ebenda, S. 90

[7]Probst 1987, S. 91ff.

[8]Kirsch, Werner/Knyphausen, Dodo zu: Unternehmungen als autopoietische Systeme? in: Staehle, Wolfgang/Sydow, Jörg (Hrsg.): Managementforschung 1, Berlin 1991, S. 97

[9]Probst 1987, S. 23

[10]ebenda, S. 28

[11]ebd., S. 30

[12]ebd., S. 32

[13]ebd., S. 33

[14]ebd., S. 35

[15]ebenda, S. 38

[16]ebd., S. 40

[17]vgl. Berger, Peter L./Luckmann, Thomas: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, Frankfurt 1980.

[18]Probst 1987, S. 45

[19]ebenda, S. 45

[20]Berger/Luckmann 1980, S. 99

[21]ebenda, zitiert nach Probst 1987, S. 69

[22]vgl. ebenda, S. 139ff., Den Begriff der “Sozialisation” bekommt bei Berger/Luckmann eine immense Bedeutung, da durch Sozialisation die Wikrlichkeit erfahrbar wird und ein Mensch nur dadurch ein Teil der Gesellschaft werden kann.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das Selbstorganisationsphänomen in sozialen Prozessen
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Sozialwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Seminar Organisationstheorien
Note
1,0
Autor
Jahr
1995
Seiten
27
Katalognummer
V1458
ISBN (eBook)
9783638108997
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Darstellung des Selbstorganisationsphänomen in sozialen Prozessen nach Gilbert J.B. Probst, Neuerungen des Selbstorganisationprozesses nach Helmut Kasper. Das gradualistische Konzept von Kirsch und Knyphausen. 199 KB
Schlagworte
Selbstorganisation, Organisation, Luhmann, Systemtheorie, Probst, Soziale Prozesse, Helmut Kasper
Arbeit zitieren
Mike Offermanns (Autor), 1995, Das Selbstorganisationsphänomen in sozialen Prozessen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1458

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