Die Medien in Russland sind seit jeher einem steten Wandel unterworfen. Die rechtliche Situation ändert sich von Tag zu Tag. Was heute gilt, kann morgen schon wieder ad acta gelegt werden.
Die Gründe dieses Wandels sind zahlreich. Hauptgrund ist die enge Verflechtung der russischen Medien mit der Politik. Die Medien waren und sind immer abhängig von dem jeweils regierenden russischen Präsidenten. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von epochalen Mediensystemen. Ich habe daher für meine Arbeit eine Gliederung nach den Regierungszeiten der letzten drei Präsidenten Mikhail S. Gorbatschow, Boris Jelzin und Vladimir Putin gewählt.
Ein Beginn mit der Regierung Gorbatschow ist sinnvoll, da er mit seiner Reformpolitik den Grundstein zur Entwicklung des Mediensystems gelegt hat. Vor diesen Reformjahren befanden sich die russischen Massenmedien „unter direkter staatlicher Kontrolle. Die vollständige Konzentration aller Medien in der Hand des Staates gab dem sowjetischen Regime ein Informationsmonopol. Es konnte seinen eigenen Standpunkt unwidersprochen als die alleinige Wahrheit präsentieren“ (Pleines 1997, S. 391).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Russlands Medien unter Mikhail Gorbatschow
2.1. Brechung von Tabuthemen
2.2. Ausdifferenzierung der Medien nach politischer Position
2.3. Konflikte zwischen Medien und ihren Herausgebern
2.4. Demokratisierung der Medien und der Gesellschaft
2.5. Alternative Medien
3. Russlands Medien unter Boris Jelzin
3.1. Die Privatisierung der Medien
3.2. Printmedien
3.3. Fernsehen
3.4. Hörfunk
3.5. Internet
3.6. Russlands Medienimperien – Verflechtung von Wirtschaft, Politik und Medien
3.6.1 die Izwestija-Lukoil-Affaire
3.6.2. Jelzins Wahlkampf
3.6.3. Wladimir Gusinski und NTW
4. Russlands Medien unter Vladimir Putin
4.1. Zerschlagung Gusinskis Medienimperiums
4.2. Verfall der Pressefreiheit
4.3. Auslandskorrespondenz
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den tiefgreifenden Wandel des russischen Mediensystems im Kontext der politischen Entwicklung von der Ära Gorbatschow über die Präsidentschaft Jelzins bis hin zur Regierungszeit unter Vladimir Putin. Das primäre Ziel ist es, die enge und oft prekäre Verflechtung zwischen Medien, wirtschaftlichen Interessen und politischer Macht zu analysieren und aufzuzeigen, wie sich diese Abhängigkeiten auf die Pressefreiheit und die mediale Landschaft in Russland ausgewirkt haben.
- Die historische Transformation des russischen Mediensystems in drei epochalen Regierungsphasen.
- Die Rolle der Privatisierung und die Entstehung einflussreicher Medienoligarchien.
- Mechanismen der staatlichen Einflussnahme und des Drucks auf kritische Berichterstattung.
- Die Entwicklung unterschiedlicher Mediengattungen wie Print, Fernsehen, Hörfunk und Internet unter den jeweiligen politischen Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
3.2. Printmedien
Die Printmedien verzeichneten unter Jelzins Regierung einen enormen Bedeutungsverlust. So sank die Auflage der Tagezeitung „Izwestija“ innerhalb der Jahre 1991 bis 1993 um 73 Prozent. Die demokratische Zeitung „Argumenty i Fakti“ verzeichnete einen Auflagenrückgang von 25 Millionen auf drei Millionen innerhalb der Jahre 1990 bis 1996. Die sozialistischen Zeitungen „Trud“ (Arbeit) und „Komsomolskaja Prawda“ büßten jeweils 18 - 20 Millionen Auflagen ein (vgl. Pleines 1997, S. 392ff).
Die Gründe für diesen Auflagenrückgang waren zum Einen soziologischer Art, zum Anderen finanzieller Art. Die klassischen sozialistischen Zeitungen hatten mittlerweile ihre Bedeutung verloren; ebenso die reformfreundlichen Zeitungen der Perestroika. Die Enthüllungen um das Sowjetregime interessierten die Bevölkerung nun nicht mehr. Eine Mobilisierung der Massen, wie sie die Perestroika-Presse vollzog, war nicht mehr notwendig und verlor beständig an Effektivität (vgl. Kerneck, Krasnopolskaja 1994, S. 118ff). Hinzu kam „die Anfang der 90er Jahre einsetzende Enttäuschung über den drastisch sinkenden Lebensstandard“ (Pleines 1997, S. 393), der zu einer zunehmenden Politikverdrossenheit führte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema des epochalen Wandels im russischen Mediensystem vor und begründet die Gliederung entlang der Regierungszeiten von Gorbatschow, Jelzin und Putin.
2. Russlands Medien unter Mikhail Gorbatschow: Hier wird der Beginn der Reformpolitik unter Glasnost und Perestroika sowie deren Auswirkungen auf die Berichterstattung und den Abbau von Tabus beschrieben.
3. Russlands Medien unter Boris Jelzin: Dieses Kapitel analysiert die chaotische Privatisierung der Medien, den Aufstieg der Oligarchen und die damit einhergehende neue Art der Medienabhängigkeit.
4. Russlands Medien unter Vladimir Putin: Hier wird die zunehmende Kontrolle der Medien durch den Staat, die Unterdrückung von Oligarchen-Imperien und die Einschränkung der Pressefreiheit thematisiert.
5. Schluss: Der Schluss fasst die aktuelle Lage der staatlich kontrollierten Medien zusammen und diskutiert die komplexen Gründe für die geringe gesellschaftliche Gegenwehr.
Schlüsselwörter
Russland, Mediensystem, Gorbatschow, Jelzin, Putin, Glasnost, Perestroika, Pressefreiheit, Medienoligarchie, Privatisierung, Medienkonzentration, Staat, Politik, Wirtschaft, Journalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel des russischen Mediensystems von der staatlichen Kontrolle zu Zeiten der Sowjetunion über die Phase der Privatisierung und Oligarchisierung bis hin zur erneuten staatlichen Zentralisierung unter Vladimir Putin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die politische Abhängigkeit der Medien, die Rolle von Medienoligarchen, der Einfluss wirtschaftlicher Interessen auf den Journalismus sowie die Entwicklung von Print- und elektronischen Medien in den verschiedenen politischen Phasen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Verbindung von Politik und Wirtschaft kontinuierlich auf die Unabhängigkeit der russischen Medien ausgewirkt hat und welche Strukturen hinter der offiziellen Medienlandschaft stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Aufarbeitung, die auf einer umfassenden Literaturrecherche basiert, um die historischen Entwicklungen und politischen Zusammenhänge in Russland chronologisch darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Regierungsperioden Gorbatschows, Jelzins und Putins, wobei jeweils spezifische Fallbeispiele für medienpolitische Entscheidungen, Konflikte und Veränderungen in den verschiedenen Mediensparten analysiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Medienoligarchie, Pressefreiheit, staatliche Kontrolle, Glasnost und die Machtverhältnisse zwischen Medienmachern und der Regierung definiert.
Wie wirkte sich die Regierungszeit von Boris Jelzin konkret auf die Medienvielfalt aus?
Jelzins Ära führte durch die Privatisierung zwar zu einer pluralistischen Medienlandschaft, diese war jedoch extrem instabil und direkt von den Interessen privater Investoren und Oligarchen abhängig, die die Medien für politische Ziele instrumentalisierten.
Wie begründet der Autor die Verschlechterung der Pressefreiheit unter Vladimir Putin?
Der Autor führt dies auf die gezielte Zentralisierung der Macht zurück, bei der kritische Medienhäuser durch finanziellen Druck (Schulden), rechtliche Maßnahmen und direkte staatliche Einflussnahme auf die Finanziers systematisch unter die Kontrolle des Kreml gebracht wurden.
- Arbeit zitieren
- Marion Hacke (Autor:in), 2003, Russlands Mediensystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14583