In einer zunehmend globalisierten Welt sind transnationale Prozesse und Entwicklungen allgegenwärtig und prägen das Leben in vielfältiger Weise. Dieser Wandel manifestiert sich nicht nur in der globalen Wirtschaft und Kommunikation, sondern auch im gesellschaftlichen Zusammenleben der Menschen. Die steigende kulturelle Vielfalt bereichert den sozialen Alltag durch verschiedene Perspektiven, birgt jedoch auch Herausforderungen, die im Kontext kultureller Diversität auftreten.
Angesichts dieser Entwicklungen gewinnt die politische Bildung eine herausragende Bedeutung. Sie muss Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten, in einer globalisierten Welt mit ihrer kulturellen Vielfalt umzugehen und sie zu verstehen. In den letzten Jahrzehnten hat sich in pädagogischen Fachdebatten eine kontinuierliche Auseinandersetzung darüber entwickelt, wie auf die aktuellen globalen und kulturellen Veränderungsprozesse im Klassenzimmer reagiert werden kann. Dabei werden die Konzepte des interkulturellen Lernens und der interkulturellen Kompetenz als Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts betrachtet und erhalten im Rahmen der politischen Bildung der Schülerinnen und Schüler eine besondere Bedeutung.
Diese Hausarbeit widmet sich der zentralen Fragestellung, inwiefern die politische Bildung zur Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen geeignet ist. Dabei gliedert sie in vier Kapitel. Das erste Kapitel führt eine Begriffsbestimmung des interkulturellen Lernens sowie eine kritische Rezeption des Konzepts ein. Im Anschluss daran bietet das zweite Kapitel eine thematische Einführung in die grundlegenden Inhalte und Zielsetzungen der politischen Bildung. Das dritte Kapitel vertieft die Korrelation zwischen politischer Bildung und dem Konzept des interkulturellen Lernens. Hierbei erfolgt ein Abgleich mit dem hessischen Kerncurriculum im Fach Politik und Wirtschaft sowie eine Erläuterung eines exemplarischen didaktischen Ansatzes, der darauf abzielt, interkulturelle Kompetenzen im Politikunterricht zu vermitteln. Abschließend bietet das vierte Kapitel ein Fazit, das die Leitfrage beantwortet und die Erkenntnisse der vorangegangenen Kapitel zusammenfasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thematische Einführung: Das interkulturelle Lernen
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Kritische Reflexion des interkulturellen Lernens
3. Politische Bildung: Grundlegendes und Zielsetzung
4. Politische Bildung und Interkulturelles Lernen
4.1 Interkulturelles Lernen innerhalb des Politikunterrichts
4.2 Didaktische Methode
5. Fazit
Anhang
Anhang 1: Arbeitsblätter mit Rollenkarten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, inwiefern die politische Bildung dazu geeignet ist, interkulturelle Kompetenzen bei Schülern zu vermitteln, um sie auf ein Leben in einer pluralistischen Gesellschaft vorzubereiten.
- Grundlagen des interkulturellen Lernens und dessen kritische Reflexion
- Die Rolle der politischen Bildung und deren Zielsetzungen
- Verschränkung von interkulturellem Lernen und politischer Bildung
- Implementierung im hessischen Kerncurriculum für Politik und Wirtschaft
- Didaktische Ansätze zur Förderung interkultureller Handlungskompetenz
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsbestimmung
Ein Definitionsversuch des interkulturellen Lernens fordert zunächst eine Herleitung des Begriffs der Interkultur, welcher das Konzept des interkulturellen Lernens zugrunde liegt. Das Kasseler Institut für Interkulturelle Kompetenz und Didaktik (IKUD) definiert den Interkulturbegriff wie folgt:
„Eine „Interkultur“ entsteht durch den Prozess des Aufeinandereinwirkens verschiedener, mindestens zweier Kulturen, die in Interaktion oder Kommunikation miteinander stehen. [...] Sie beschreibt kein statisches Abhängigkeits- oder Dominanzverhältnis der Kulturen. Die beteiligten Kulturen oder Teile dieser werden in diesem Prozess nicht addiert, sondern bilden, sich gegenseitig beeinflussend, eine neue „Kultur“, eine Interkultur“ (IKUD)
Angemerkt werden sollte hierbei, dass nicht die kulturellen Systeme selbst diejenigen sind, welche einander begegnen, sondern jene in diesen kulturellen Bezugssystemen agierenden Akteure, welche die „Erfahrungen des Andersseins“ (Pries, K., Pries, L. & Wannöffel 2011, S. 21), begegnenden Menschen gegenüber, in sich tragen. In dieser Hinsicht erscheint die Perspektive einer Interkultur, welche sich aus der Synthese zweier Kulturen ergibt, durchaus als irreführend einzustufen und den Fokus auf die Akteure selbst zu vernachlässigen (vgl. ebd. S. 23). In diesem Sinne wäre es geeignet, den Begriff der Interkultur in einem weiten Sinne als einen „Interaktionskontext, bei dem Personen mit unterschiedlicher kultureller Zugehörigkeit interagieren“ (Pries & Maletzky 2018, S. 55) zu definieren, um ebenso Abstand von homogenisierenden und kohärenzorientierten Kulturbegriffe zu nehmen (vgl. Bolten 2016, S. 31). Damit stellt das eigene kulturelle Sinngefüge der Akteure die Norm da, welche nicht hinterfragt wird und das Handeln und den Alltag der Akteure prägt. Durch
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage zur Eignung politischer Bildung für die Vermittlung interkultureller Kompetenzen und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2. Thematische Einführung: Das interkulturelle Lernen: Dieses Kapitel definiert wesentliche Begriffe des interkulturellen Lernens und hinterfragt kritisch gängige Konzepte der kulturellen Differenz sowie das Risiko der Essentialisierung und Stigmatisierung.
3. Politische Bildung: Grundlegendes und Zielsetzung: Hier werden das Selbstverständnis der politischen Bildung, das Ziel der Mündigkeit und der Beutelsbacher Konsens als zentraler Rahmen beleuchtet.
4. Politische Bildung und Interkulturelles Lernen: Dieses Kapitel verknüpft beide Felder, analysiert die Vorgaben im hessischen Kerncurriculum und stellt didaktische Methoden wie das Rollenspiel zur Kompetenzförderung vor.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung durch Lehrpersonen, um Stigmatisierungen im Lernprozess zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Interkulturelles Lernen, Interkulturelle Kompetenz, Beutelsbacher Konsens, Politisches Handeln, Kerncurriculum, Mündigkeit, Diversität, Transnationale Prozesse, Rollenspiel, Politikunterricht, Diskriminierung, Pluralismus, Kulturelle Differenz, Partizipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag die politische Bildung zur Vermittlung interkultureller Kompetenzen leisten kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition interkulturellen Lernens, die Zielsetzung politischer Bildung, die schulische Implementierung dieser Inhalte und didaktische Strategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird erforscht, inwieweit politische Bildung geeignet ist, Schülern interkulturelle Kompetenzen im Kontext einer globalisierten, pluralistischen Gesellschaft zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Diskurse und einer Analyse der curricularen Vorgaben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Einführung, eine kritische Reflexion des Lernkonzepts, die Darstellung der politischen Bildung und eine Analyse der praktischen didaktischen Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind interkulturelle Kompetenz, politische Mündigkeit, Curriculum, Partizipation und kritische Reflexion.
Warum ist der "Beutelsbacher Konsens" für die Untersuchung relevant?
Er bildet einen regulatorischen Rahmen für den Politikunterricht, der insbesondere das Kontroversitätsgebot und das Überwältigungsverbot vorgibt, was für die Behandlung interkultureller Themen entscheidend ist.
Welche Rolle spielen die Rollenkarten im Anhang für die Praxis?
Sie dienen als konkretes didaktisches Beispiel für die Simulation unterschiedlicher Perspektiven im Unterricht, um Empathie und Rollenverständnis zu fördern.
- Citation du texte
- Leotrina Gocaj (Auteur), 2023, Kulturelle Diversität im Schulalltag. Die Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen innerhalb der politischen Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1459460