Gender Mainstreaming - Konzept oder Praxis?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Begriffs, Beispiel

3. Bereiche des Gender Mainstreaming in der Schule

4. Umfrage
4.1. Der Fragebogen
4.2. Die Auswertung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie der Titel meiner Hausarbeit schon verrät, möchte ich in dieser Arbeit auf das Thema „Gender Mainstreaming“ eingehen.

Gender Mainstreaming bezeichnet keine Fallstudie oder ähnliches, sondern ein politisches Ziel, was vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen wurde.

Dazu werde ich zunächst eine Definition des Begriffes und ein Beispiel angeben und einen kurzen Überblick geben, in welchen Bereichen wir Gender Mainstreaming in der Schule finden können.

Dabei gilt meine besondere Aufmerksamkeit der Frage, ob es sich bei Gender Mainstreaming bloß um ein Konzept handelt, oder ob dieses auch in die Praxis umgesetzt wird. Wie leicht oder schwer ist die Praxisumsetzung des Gender Mainstreaming?

Um Aussagen hierüber treffen zu können werde ich eine Umfrage in drei verschiedenen Altersklassen durchführen, in denen die Befragten Auskunft über ihre Erfahrungen mit Gender Mainstreaming zu ihrer Schulzeit geben.

In der Umfrage, sowie im Laufe dieser Hausarbeit wird mein Hauptaugenmerk immer dem Thema Rollentwicklung gelten. Wie erlebten die Befragten dies in Bezug auf das Thema Gender Mainstreaming und welche Auswirkung hatte dies auf ihr späteres Leben? Fühlen sie sich wohl in ihrer Rolle und haben sie ein stärkeres Rollenbewusstsein entwickelt?

Inwiefern hängt das Ergebnis mit dem Gender Mainstreaming zusammen?

Anschließend werde ich die Antworten der Befragung zu bestimmten Fragen anhand von Diagrammen auswerten um einen guten Überblick zu verschaffen.

Meine Vermutung hierbei ist, dass es heute eine Tendenz zum Gender Mainstreaming gibt, d. h. dass die jüngeren Befragten eher Erfahrungen mit dem Thema gemacht haben. Wobei es sich hierbei handeln kann wird aus der Definition des Begriffes Gender Mainstreaming und dem von mir angeführten Beispiel klarer.

Abschließend werde ich in meinem Fazit nach Begründungen für den Ausfall des Ergebnisses der Umfrage suchen.

2. Definition des Begriffs, Beispiel

Um den Begriff des Gender Mainstreamings zu erklären habe ich eine Definition von der Internetpräsenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gewählt.

Diese ist die Institution, die das Vorhaben Gender Mainstreaming ins Leben gerufen hat und somit die „Urquelle“ der Idee, somit also auch der Definition und des Vorhabens.

Gender Mainstreaming ist definiert wie folgt:

Gender Mainstreaming
bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.

Gender
kommt aus dem Englischen und bezeichnet die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechtsrollen von Frauen und Männern.
Diese sind - anders als das biologische Geschlecht - erlernt und damit auch veränderbar.

Mainstreaming
(englisch für "Hauptstrom") bedeutet, dass eine bestimmte inhaltliche Vorgabe, die bisher nicht das Handeln bestimmt hat, nun zum zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht wird. [1]

Ich finde diese Definition besonders gut, weil aus ihr klar deutlich wird, dass die Geschlechterrollen nur erlernt und somit wandelbar sind. Dies wird an dem englischen Begriff belegt, so dass auch die Übersetzung des Begriffes geklärt ist.

Außerdem ist die Definition einfach, aber sehr vielschichtig – sie berücksichtigt unterschiedliche Lebenssituationen von beiden Geschlechtern und ist somit auf viele Bereiche des Lebens übertragbar.

Dazu werde ich im Folgenden noch Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen nennen und eines genauer ausführen.

Das Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend führt auf der eigenen Internetpräsenz verschiedene Bespiele für den Gender Mainstreaming an. Diese sind aus den unterschiedlichsten Bereichen, so wie aus der Gesundheit, dem Nahverkehr oder aber dem Berufsleben.

Da das Berufsleben und die Berufswahl dem Thema Schule sehr nah kommt, da Schule auf den Beruf vorbereiten soll möchte ich dieses Beispiel hier einmal angeben:

Mädchen und Frauen begreifen ihre Berufstätigkeit oft als „Zuverdienst“ und sind eher bereit, ihren Beruf zugunsten der Familienarbeit einzuschränken, zu unterbrechen oder sogar ganz aufzugeben – mit entsprechenden Folgen für ihre Altersversorgung bzw. ihre Einkommensmöglichkeiten, wenn die Partnerschaft scheitern sollte. Gleichzeitig erhalten sie hierdurch die „Alleinkompetenz“ für Haushalt, Beziehungspflege und Kindererziehung, ohne dass dies aber ihr gesellschaftliches Ansehen steigern würde.[2]

Für junge Männer stellt sich dagegen oft erst gar nicht die Frage, ob sie ihre Berufstätigkeit zugunsten der Familie einschränken, sie fühlen sich wie selbstverständlich für das Familieneinkommen zuständig. Ihr Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit mit der Familie kommt fast zwangsläufig zu kurz, wenn sie ihr Leben überwiegend nach den beruflichen Anforderungen ausrichten. Teilzeitarbeit wird von der Gesellschaft eher Frauen zugeschrieben, für Männer wird sie weniger akzeptiert. All dies führt zu unterschiedlichen Lebens- und Erfahrungswelten bei Männern und Frauen, die Auswirkungen auf fast alle gesellschaftlichen Bereiche haben.[3]

Hieraus wir deutlich, dass für eine Gleichstellung von Frauen und Männern sich schon die Schule mit dem Thema Gender Mainstreaming beschäftigen muss. Wird dies getan kann im Sinne des Bundesministeriums das Rollenbild von Frauen und Männern geändert werden.

Wie die Umsetzung des Gender Mainstreaming in der Schule aussehen kann, werde ich im nächsten Teil etwas näher erklären.

3. Bereiche des Gender Mainstreaming in der Schule

Wichtig für Gender Mainstreaming in der Schule wäre, die typischen Rollenbetrachtungen von Männern und Frauen zu ändern um eine gendergerechte Gesellschaft zu erreichen.

So könnte die Schule für die Mädchen etwa Mädchentage einrichten, an denen die Schülerinnen Einblick in technische Berufe bekommen oder Jungentage, an denen die Jungen etwa Einblick in erzieherische oder linguistische Berufe bekommen.

Damit könnte erreicht werden, dass die Schüler und Schülerinnen leichter ihre eigene Rolle entwickeln und sich nicht nur an den „typisch“ von der Gesellschaft vorgegebenen Rollen orientieren.

Außerdem müssten in Schulen die Lehrer weitergebildet und gecoacht werden um die Konzepte des Gender Mainstreaming zu erreichen. „Auf der Strukturebene sollten Bedingungen geschaffen werden, um eine genderbewusste Organisation zu ermöglichen.“[4]

Es muss ein sozialer Rollenausgleich für Schüler und Lehrer erreicht werden. Dies bedeutet zum Beispiel in der Personalauswahl, dass sich für Frauen kein Nachteil ergibt, bloß weil diese vorrangig die Erziehungsaufgaben für ihre Kinder tragen.[5]

Außerdem würde die Anwendung des Gender Mainstreaming auf die Schule auch bedeuten, dass Schulbücher, Arbeitsmaterialen oder auch der Lehrplan neu gestaltet werden müssten, um Diskriminierungen und Hierarchien zwischen den Geschlechtern zu beseitigen.

„Gender beschreibt Männer und Frauen auch in ihren sozialen Verhältnissen zueinander und untereinander. Es erfasst damit Hierarchien und Diskriminierungen.“[6]

Auch für die Klassenbildung oder die Lehrerleitung spielt Gender Mainstreaming eine Rolle. Sind in einer Klasse mehr Jungen als Mädchen, so könnten in diesem Fall die Mädchen als „sozialer Puffer missbraucht werden, um Verhaltensauffälligkeiten und Selbstprofilierungsbedürfnisse der Jungen auszugleichen“[7].

Werden Klassen, in denen vorwiegend Jungen sind überwiegend von Frauen unterrichtet, so könnte den Jungen die Möglichkeit fehlen, sich mit Erwachsenen ihres Geschlechts auseinanderzusetzen und sie könnten Probleme bekommen ein Geschlecht zu akzeptieren.[8]

Außerdem gibt es spezielle Projekte, so wie das Projekt „Work Life Balance“, was sich besonders mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie beschäftigt. Hierbei ist es ein Ziel die Frauen für den Arbeitsmarkt zurück zu gewinnen und sie aus ihrer Mutterrollen herauszuholen, da „der Bedarf an qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nicht mehr gedeckt werden kann“.[9]

Eine Einbindung der Eltern in Aktionswochen oder eine Kooperation mit externen Fachkräften und Organisationen ist auch Teil des Projektes um die Mitarbeiter zu entlasten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.

Wie schon zuvor beschrieben bezieht sich meine Befragung zum Gender Mainstreaming nur auf den Bereich Schule. Die oben angeführten Bereiche zeigen, wie Gender Mainstreaming im Bereich Schule aussehen kann.

4. Umfrage

4.1 Der Fragebogen

Umfrage zum Thema Gender Mainstreaming in der Schule

Alter, Geburtsjahr: Geschlecht:

1. Warst du häufig in Klassen, in denen ein Geschlecht häufiger vertreten war als das andere? (nein/ja/weiß nicht)

Wenn ja, gab es deshalb Schwierigkeiten?

2. Über deine gesamte Schulzeit gesehen: gab es ein Geschlecht, was dich überwiegend unterrichtet hat? (ja/nein/weiß nicht/verschieden)

Wenn ja, welches? (männlich/weiblich)

Hättest du dir das lieber anders gewünscht?

3. Hast du in deiner Schulzeit einmal so etwas wie einen Mädchentag oder einen Jungentag erlebt? (ja/nein/weiß nicht)

Wenn ja, was wurde dort gemacht?

Wenn nein, hättest du es dir gewünscht?

4. Traten in Arbeitsmaterialien (Büchern o.ä.) öfter die Vertreter eines Geschlechtes auf? Zum Beispiel Textaufgaben in Mathe mit klugen Jungen, anstatt Mädchen? (Ja/Nein/Erinnere mich nicht)

Falls ja, in welchen Fächern mit welchem Geschlecht?

5. Findest du, dass du ein typisches Rollenbild deines Geschlechtes vertrittst?(ja/nein/ keine Meinung)

Fühlst du dich wohl dabei? (sehr wohl/ wohl/ nicht wohl)

6. Findest du, dass die Schule dich gut auf deine jetzige Rolle vorbereitet hat? (ja/nein/ weiß nicht) Verbesserungsvorschläge, Wünsche?

[...]


[1] www.gender-mainstreaming.net

[2] BmFSFJ, Website Gender Mainstreaming 2004

[3] BmFSFJ, Website Gender Mainstreaming 2004

[4] Gabriele Schambach: Grundsätze einer genderbewussten Organisationsentwicklung, aus: Schule im Gender Mainstream (Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Landesinstitut für Schule Soest). S. 46

[5] vgl. Gabriele Schambach: Grundsätze einer genderbewussten Organisationsentwicklung. Aus: Schule im Gender Mainstream. S.50f.

[6] Claudia Schneider: Gender Mainstreaming als Schulentwicklung. Aus: Schule im Gender Mainstream. S.56

[7] Adolf Bartz: Organisationsgestaltung in der Schule. Aus: Schule im Gender Mainstream. S.53

[8] vgl. Adolf Bartz: Organisationsgestaltung in der Schule. Aus: Schule im Gender Mainstream. S.53

[9] Kristian Folta: Work-Life Balance - Schule in Balance! Aus: Schule im Gender Mainstream. S.53

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gender Mainstreaming - Konzept oder Praxis?
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Mädchen und Jungen in der Schule
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V145951
ISBN (eBook)
9783640570706
ISBN (Buch)
9783640570621
Dateigröße
955 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender Mainstreaming, Gender Studies an Schulen, Umfrage Gender Mainstreaming, Evalution zur Umsetzbarkeit des Gender Mainstreaming an Schulen, Schule Gender, Erziehungswissenschaft, Didaktik, Pädagogik
Arbeit zitieren
Melissa Naase (Autor), 2006, Gender Mainstreaming - Konzept oder Praxis?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145951

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