Ziel der Arbeit ist es zu ermitteln, ob geschlechtsspezifische Unterschiede beim Ausdrücken von Emotionen im Rahmen von Beratungsprozessen bestehen. Daneben wird untersucht, ob sich das Geschlecht von BeraterInnen darauf auswirkt, ob und wie KlientInnen Emotionen zeigen. Darüber hinaus soll herausgearbeitet werden, ob das Zeigen von Emotionen sich positiv auf Beratungsprozesse auswirkt. Damit wird ein entscheidender Forschungsbeitrag geleistet, insofern die Thematik bisher noch kaum in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses gerückt ist.
Gleichzeitig sollen dabei auch bestimmte Geschlechterrollen kritisch hinterfragt werden. Stereotypien und Ressentiments sind immer noch weit verbreitet. Einerseits wird bis heute davon ausgegangen, dass Frauen im Allgemeinen mehr Emotionen haben als Männer. Andererseits hält sich die Überzeugung, dass Männer in der Lage sind, ihre Emotionen besser zu kontrollieren - weil sie weniger davon haben oder einfach über einen stärkeren Willen verfügen als Frauen. Diese Arbeit versteht sich auch als ein Beitrag zu einem großen gesellschaftlichen Projekt, dem es darum geht, das Geschlechterverhältnis neu zu definieren und endlich mit allen Vorurteilen aufzuräumen. Sie beschämen Frauen und Männer gleichermaßen und erweisen sich auch in Beratungsprozessen als überaus hinderlich. Der Anspruch der Arbeit ist es nicht nur, neue Erkenntnisse zu gewinnen, sondern auch einen Beitrag zu einer gleichberechtigten und freien Gesellschaft zu leisten.
Emotionen spielen eine wichtige Rolle in Beratungsprozessen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema steckt allerdings noch in den Anfängen. Die Arbeit trägt einen Teil dazu bei, das Thema der Emotionen für die Beratungswissenschaften zu erschließen. Im Zentrum steht dabei die Frage nach geschlechtsspezifischen Unterschieden beim Ausdrücken von Emotionen in Beratungsprozessen. Darüber hinaus wird untersucht, ob es sich positiv auf Beratungsprozesse auswirkt, wenn in der Beratung Emotionen ausgedrückt werden und welche Rolle das Geschlecht von BeraterInnen dabei spielt. Um das Thema aus verschiedenen Perspektiven angehen zu können, wählt die Arbeit ein triangulatives Forschungsdesign. Dabei kommen sowohl quantitative als auch qualitative Methoden zum Einsatz. Die Forschung umfasst eine Online-Umfrage, ein Beobachtungstagebuch und ExpertInneninterviews.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Allgemeine Einleitung
1.2 Methodisches Vorgehen und Abgrenzung
1.3 Hypothesen und Forschungsfragen
1.4 Ziel
1.5 Aufbau der Arbeit
2 Theorie
2.1 Beratung
2.1.1 Definition von Beratung
2.1.2 Abgrenzung der Beratung
2.1.3 Systemische Beratung
2.2 Emotionen
2.2.1 Zum Begriff der Emotion
2.2.2 Definition von Emotionen
2.2.3 Systematisierung von Emotionen nach Ekman
2.2.4 Die Komponenten emotionalen Erlebens
2.2.5 Ausdrücke von Emotionen
2.2.6 Emotionen im Kontext
2.2.7 Emotionen in der Beratung
2.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede
2.4 Zusammenfassung
3 Empirie
3.1 Der triangulative Ansatz
3.2 Forschungsdesign
3.3 Online-Umfrage
3.3.1 Methode
3.3.2 Forschungsdesign
3.3.3 Ergebnisse
3.4 Beobachtungstagebuch
3.4.1 Methode
3.4.2 Forschungsdesign
3.4.3 Ergebnisse
3.5 ExpertInneninterviews
3.5.1 Methode
3.5.2 Forschungsdesign
3.5.3 Ergebnisse
3.6 Zusammenschau der Ergebnisse
3.7 Resümee, Kritik und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, empirisch zu ermitteln, ob geschlechtsspezifische Unterschiede beim Ausdruck von Emotionen in Beratungsprozessen existieren und welchen Einfluss das Geschlecht der beratenden Person sowie der bewusste Ausdruck von Emotionen auf den Erfolg der Beratung haben.
- Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Ausdruck von Emotionen.
- Einfluss des Geschlechts von BeraterInnen auf KlientInnen.
- Positiver Einfluss des Emotionsausdrucks auf Beratungsprozesse.
- Triangulatives Forschungsdesign zur umfassenden Datenanalyse.
- Kritische Reflexion von Geschlechterrollen und Stereotypen.
Auszug aus dem Buch
2.2.5 Ausdrücke von Emotionen
Ziel dieses Abschnitts ist es, eine für die Fragestellung schlüssige Systematisierung zu entwickeln. Gleichzeitig gilt es, auf verschiedene Faktoren aufmerksam zu machen, die den Ausdruck von Emotionen beeinflussen können und bei der Auswertung der Ergebnisse beachtet werden müssen. Als Ausdruck fasst die Arbeit dabei mit Fiehler (1990, S. 98f) nur solche Botschaften, Symptome oder Vorgänge auf, die in einer Interaktion von einem Gegenüber rezipiert werden.
Grundsätzlich erscheint es sinnvoll, zwischen körperlichen und sprachlichen Ausdrücken von Emotionen zu unterscheiden.
Unter die körperlichen Ausdrücke von Emotionen fallen beobachtbare Zeichen wie Mimik, Gestik und Körperhaltung. Gleichzeitig umfasst diese Kategorie auch eine Reihe subtilerer Symptome, die in der Regel von den Personen nicht willentlich hervorgebracht werden und nicht unmittelbar beobachtbar sind. Das Spektrum reicht hier von Herzrasen über stockenden Atem bis hin zu spontanen Schweißausbrüchen. Diese Symptome können jeweils einzeln oder in Kombination auftreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Forschungsthema der Emotionen in der Beratung, Darlegung des triangulativen methodischen Ansatzes und Formulierung der zentralen Forschungsfragen.
2 Theorie: Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Beratung und Emotion sowie den Grundlagen der Gender-Theorie zur Fundierung der empirischen Untersuchung.
3 Empirie: Präsentation des triangulativen Forschungsdesigns und Auswertung der erhobenen Daten aus Online-Umfrage, Beobachtungstagebuch und ExpertInneninterviews.
Schlüsselwörter
Beratung, Emotionen, Geschlechtsspezifische Unterschiede, Gender, Triangulation, Online-Umfrage, Beobachtungstagebuch, ExpertInneninterview, Systemische Beratung, Psychologie, Soziologie, Basisemotionen, Kommunikation, Ausdrucksformen, Beratungsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht geschlechtsspezifische Unterschiede beim Ausdrücken von Emotionen in Beratungsprozessen und beleuchtet, ob der offene Umgang mit Gefühlen den Beratungserfolg beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die emotionspsychologische Grundlage im Beratungskontext, die Rolle von Geschlechterrollen (Gender) und die methodische Triangulation zur Analyse dieses Phänomens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es festzustellen, ob Männer und Frauen sich in ihrem emotionalen Ausdruck während Beratungen unterscheiden und ob die geschlechtliche Identität der BeraterInnen diesen Ausdruck beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet ein triangulatives Forschungsdesign, welches quantitative Daten (Online-Umfrage) mit qualitativen Daten (Beobachtungstagebuch, ExpertInneninterviews) kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Beratung, Emotionen, Gender) und einen anschließenden empirischen Teil, der die Methoden beschreibt und die gesammelten Daten detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Beratung, Emotionen, Geschlechtsspezifische Unterschiede, Gender, Triangulation sowie Beratungsprozess.
Warum ist der systemische Ansatz für diese Arbeit so bedeutend?
Der systemische Ansatz bildet die Basis für das Beobachtungstagebuch, da er Emotionen nicht nur als individuelles Problem sieht, sondern als Konstruktion innerhalb sozialer Interaktionen betrachtet.
Inwiefern hat die Corona-Pandemie die Datenerhebung beeinflusst?
Aufgrund der notwendigen Einschränkungen fanden einige der beobachteten Beratungen digital als Online-Beratungen statt, was die Wahrnehmung nonverbaler Signale wie Mimik oder Körpersprache erschwerte.
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- Regina Schöringhuemer (Author), 2021, Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Ausdrücken von Emotionen in Beratungsprozessen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1459909