In der Archäologie besteht die Schwierigkeit, eine eindeutige Verbindung zwischen den Bezeichnungen und die damit verbundene Deutung von Wohnräumen und ihre Funktion innerhalb des Hauses klar darzustellen. Der Archäologe steht hierbei vor zwei schwerwiegenden Problemen:
I. Auftretende Missverständnisse bei der Verwendung antiker Termini in der Gleichsetzung von alten und neuen Bezeichnung von Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs.
II. Problem der über Deskription hinausgehenden Anwendung antiker Termini und ihre Übertragung auf archäologische Funde.
Im neuzeitliche Denken wird seit Beginn des 18. Jahrhunderts im europäischen Raum in der Wohnkultur eine klare Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz vorgesehen. Auch eine konkrete Trennung zwischen öffentlichen und privaten Räumen findet erst in dieser Zeit statt. So werden den Gemächern differenzierte Funktionen zugewiesen. Eine Anwendung dieser Vorstellung auf ein antikes Wohnhaus ist nicht möglich und spiegelt diese Gegebenheiten nur unzureichend wieder.
Anhand der Wanddekoration der einzelnen Räume und Ihrer qualitativen Gestaltung wird ersichtlich, welche Bedeutung diesen Gemächern beigemessen wurde. In detektivischer Kleinarbeit wird erst deutlich, welche Räume der Öffentlichkeit zugänglich und welche Privatgemächer waren.
Leider ist die ursprüngliche Dekoration der Mysterienvilla nur zum Teil bekannt. Einige Wandmalereien sind durch Neue ersetzt worden oder es wurden nicht alle Wände des 2. Stils in der Literatur berücksichtigt. Die Cubicula 19 bis 21 weisen laut Beyen hauptsächlich konservative Malereien vor und zählen zu den unbedeutenen und schlecht erhaltenen Zimmern. So sind vorwiegend Abbildungen der besser erhaltenen Dekorationen der Prunkräume im Westtrakt publiziert worden.
Inhaltsverzeichnis
1. Schwierigkeit der Anwendung der antiken Termini
1.1 Die römische Wohnkultur
1.2 Bedeutung der Cubicula
2. Die Villa der Mysterien
2.1 Lage und Entdeckung
2.2 Ursprünglicher Aufbau und ihre Umbauphasen
3. Künstlerische Gestaltung der „Ruheräume“ in der Villa der Mysterien
3.1 Merkmale des zweiten Stils
3.2 Cubiculum 3
3.3 Cubiculum 4
3.4 Cubiculum 8
3.5 Cubiculum 16
4. Die Stellung der Cubicula zu den jeweiligen Prunkräumen der Villa der Mysterien
I. Literaturnachweis
II. Internetseiten
III. Bildnachweise
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion und kunsthistorische Bedeutung der sogenannten „Cubicula“ in der Villa der Mysterien in Pompeji. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, inwiefern die architektonische und malerische Gestaltung dieser Räume Aufschluss über ihre tatsächliche Nutzung sowie ihre soziale Stellung innerhalb des Villenkomplexes gibt.
- Analyse antiker Begrifflichkeiten und deren archäologische Anwendbarkeit
- Untersuchung der Baugeschichte und Umbauphasen der Villa der Mysterien
- Detaillierte Betrachtung der Wanddekorationen im zweiten pompejanischen Stil
- Erforschung der Wechselbeziehung zwischen Cubicula und repräsentativen Prunkräumen
Auszug aus dem Buch
3.3 Cubiculum 4
Von der malerischen Gestaltung gehört das Cubiculum 4 zu den luxuriöser ausgestatteten Zimmern. Im Gegensatz zum Ruheraum 3 gehört dieses Zimmer zu den kleinen Räumen, die über zwei Alkoven verfügen.
Allerdings sind die Rückwände der Alkoven dieses Raumes während der letzten Umbauphasen zum Artrium und zum Cubiculum 3 durchbrochen worden (Abb. 9). Dadurch wurden auch hier große Teile der Wandmalerei zerstört. Erhalten sind lediglich die Seitenwände des Nordalkovens und ein Teil der rechten Rückwand. Wie schwer die Beschädigungen des Alkovens B sind, kann nicht mit genauer Sicherheit gesagt werden, da in der Literatur nur spezielle Ausschnitte dieses Bereichs behandelt werden.
Bei der Gestaltung des Raumes können unterschiedliche Entwicklungsprozesse des zweiten Stils festgestellt werden. Während die Wanddekoration des Procoitons und des Alkovens B noch in traditioneller Art und Weise mit Felderkonstruktionen wie im Cubiculum 3 gestaltet sind und Ausblicke auf Deckenkassetten gewährt werden; so gestattet der obere Wandabschnitt der rechten Seiten- und Rückwand des Alkovens A Einblicke in einen so genannten „Halbhof“ in abgekürzter Form (Abb. 10).32 Allerdings fehlt hier die Darstellung des Daches über dem Gebälk der rückwärtigen Portikus. Statt dessen geben doppelte offene Stützenreihen dem Besucher über die Scherwand hinweg die Ansicht auf Streifen des Himmels frei. Es handelt sich also um eine Peristyldarstellung ohne eine geschlossene Säulenhalle an der Hinterseite.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Schwierigkeit der Anwendung der antiken Termini: Dieses Kapitel erläutert die Problematik, antike Begriffe wie „Cubiculum“ funktional korrekt auf archäologische Wohnraumfunde zu übertragen.
2. Die Villa der Mysterien: Hier werden die Lage, die Entdeckungsgeschichte sowie die strukturelle Entwicklung und die diversen Umbauphasen der Villa detailliert beschrieben.
3. Künstlerische Gestaltung der „Ruheräume“ in der Villa der Mysterien: Dieser Hauptteil analysiert spezifisch die Wanddekoration und die illusionistische Malweise des zweiten Stils in ausgewählten Cubicula.
4. Die Stellung der Cubicula zu den jeweiligen Prunkräumen der Villa der Mysterien: Das abschließende Kapitel setzt die Erkenntnisse in Bezug zur Raumstruktur und verdeutlicht die Nutzung der Cubicula als Teil von eigenständigen Raumgruppen.
Schlüsselwörter
Villa der Mysterien, Pompeji, Cubiculum, zweiter pompejanischer Stil, Wandmalerei, römische Wohnkultur, Alkoven, antike Architektur, Raumfunktion, Illusionsmalerei, Prunkräume, Baugeschichte, Ausgrabungen, Dionysos, Wanddekoration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der funktionalen Deutung und künstlerischen Ausgestaltung der sogenannten „Cubicula“ (Ruheräume) in der Villa der Mysterien in Pompeji.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die römische Wohnkultur, die Interpretation architektonischer Fachbegriffe sowie die kunsthistorische Analyse der Wandmalereien im zweiten pompejanischen Stil.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch eine detaillierte Analyse der Wandgestaltung und der räumlichen Anordnung zu klären, welche spezifischen Rollen diese Zimmer im sozialen und täglichen Leben der Villenbewohner spielten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende kunsthistorische Analyse der Wanddekorationen sowie eine architektonische Auswertung der Grundrisse und Umbauphasen der Villa.
Was genau wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der detaillierten Beschreibung und stilistischen Einordnung der Wanddekorationen spezifischer Räume (Cubicula 3, 4, 8 und 16).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Begriffe sind Villa der Mysterien, zweiter pompejanischer Stil, Raumfunktion, Wandmalerei, Illusionsmalerei und die räumliche Kontextualisierung der Cubicula.
Warum ist die Übersetzung von „Cubiculum“ als „Schlafzimmer“ laut dieser Arbeit irreführend?
Die Arbeit legt dar, dass die antike Bezeichnung primär auf die Möblierung (Kline) verweist und diese Räume in der Praxis multifunktional genutzt wurden – etwa als Ruheraum, Treffpunkt oder sogar für politische Begegnungen.
Welche Rolle spielt die „Scherwand“ bei der Gestaltung der Cubicula?
Die Scherwand dient der Simulation von Raumtiefe, indem sie durch perspektivische Malerei illusionistische Ausblicke auf (fiktive) Portiken oder Landschaften gewährt, um das Zimmer größer wirken zu lassen.
- Arbeit zitieren
- Britta Heidel (Autor:in), 2003, Die Cubicula der Villa der Mysterien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14607