Nach dem Ende des 2. Weltkrieges am 08. Mai 1945 formulierten die alliierten Siegermächte im Juli 1945 im Potsdamer Abkommen neue Inhalte, Richtlinien und Ziele für das zukünftige Erziehungs- und Bildungssystem in Deutschland. Die Siegermächte wollten die Entwicklung demokratischer Ideen ermöglichen und das deutsche Erziehungswesen so überwachen und kontrollieren, „dass die nazistischen und militaristischen Lehren völlig ausgemerzt“ (Peiffer, 2001, S. 372) werden. Ziel der vier Siegermächte war es, das nationalsozialistische Gedankengut für immer zu verdrängen, mittels einer Umerziehung der Deutschen. Es kristallisierte sich allerdings enorm schnell heraus, „dass das Demokratieverständnis der sowjetischen Besatzungsmacht sich grundlegend unterschied von dem der westlichen Alliierten.“ (Peiffer, 2001, S. 372)
Nicht nur das Demokratieverständnis der Sowjetunion, sondern auch die wirtschaftlichen Ansichten unterschieden sich enorm. So schlossen sich die USA und England im März 1946 zur „Bizone“, einer Vereinigung auf wirtschaftlicher Basis, zusammen, während die Sowjetunion diese Idee missbilligte. Eine Trennung Deutschlands wurde immer wahrscheinlicher. Am 24. Mai 1949 wird die Bundesrepublik Deutschland gegründet, knappe fünf Monate später die Deutsche Demokratische Republik. Angesichts dieser Teilung entwickelten sich auch die Erziehungsziele und -konzepte der BRD und der DDR in eine unterschiedliche Richtung. Unterschiedliche Ziele und Methoden werden entwickelt und entfalten sich. In den folgenden Kapiteln werden die Erziehungskonzepte der BRD und der DDR vorgestellt. Des Weiteren werden die jeweiligen Methoden und Organisationsformen, mit einem besonderen Bezug auf das Fach Sport, erläutert. Im Vierten Kapitel wird sich anschließend mit dem Problem des Vergleichs auseinandergesetzt, sowie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Pädagogiken bzw. Erziehungskonzepte aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Erziehung in der BRD
2.1 Politische Erziehung
2.2 Auswirkungen auf den Sport
3 Erziehungskonzepte in der DDR – Die sozialistische Erziehung
3.1 Methoden und Organisationsformen
3.2 Auswirkungen auf den Sport
4 Die Erziehungsvorstellungen im Vergleich
4.1 Ein Vergleich auf politischer Ebene
4.2 Ein Vergleich in Bezug auf den Sport
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die grundlegenden Unterschiede in den Erziehungskonzepten der Bundesrepublik Deutschland und der DDR nach 1945, mit besonderem Fokus auf die politische Erziehung und deren jeweilige Instrumentalisierung im Fach Sport.
- Historische Entwicklung der deutschen Erziehungssysteme nach 1945
- Demokratische versus sozialistische Erziehungsvorstellungen
- Politische Erziehung und ihre Auswirkungen auf das Schulleben
- Instrumentalisierung des Sports zur Identitätsstiftung
- Vergleichende Betrachtung der Menschenbilder in Ost und West
Auszug aus dem Buch
3 Erziehungskonzepte in der DDR – Die sozialistische Erziehung
Dem persönlichen Erziehungsziel des Einzelnen wurde in der DDR keinerlei Bedeutung zugemessen. Ein persönliches Erziehungsziel des jeweiligen Erziehers hat dem gesellschaftlichem zu weichen, da die Erziehung im Sozialismus in Inhalt, Ziel, Methode, sowie Organisationsform von den Erwartungen der sozialistischen Gesellschaft bestimmt wurde (vgl. Niermann, 1974, S. 84). Das elementare Ziel der Erziehung in der DDR, welches 1965 amtlich in das Bildungsgesetz aufgenommen und später in der Verfassung der DDR festgeschrieben wurde, war es,
„die Kinder und Jugendlichen [der DDR, M.M.] zu allseitig und harmonisch entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten, deren wesentliche Merkmale aus dem allgemeineren sozialistischen Menschenbild abgeleitet“(Vogt, 1977 S.11)
wurden, zu erziehen. Die Herausbildung und Erziehung dieses Persönlichkeitstypus war der Kern aller pädagogischen und bildungspolitischen Bemühungen des Staates und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) (vgl. Bunke, 2005, S. 23). Es wird verdeutlicht, dass die sozialistische Erziehung besonders von patriotischen Merkmalen und Zielen gekennzeichnet ist. Insofern beinhaltet beispielsweise das Programm der SED einen Tugendkodex, der folgende „Zehn Gebote der sozialistischen Moral“ aufzählt:
„1. Du sollst Dich stets für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse [...] sowie für die unverbrüchliche Verbundenheit aller sozialistischen Länder einsetzen. 2. Du sollst Dein Vaterland lieben und stets bereit sein, Deine Kraft und Fähigkeit für die Verteidigung der Arbeiter- und Bauernmacht einzusetzen. [...] 4. Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringe, denn der Sozialismus führt zu einem besseren Leben für alle Werktätigen. [...] 7. Du sollst stets nach Verbesserung Deiner Leistungen streben, sparsam sein und die sozialistische Arbeiterdisziplin festigen. 8. Du sollst Deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten Menschen erziehen. [...]“ (Schmitt, 1980, S.40).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage im Nachkriegsdeutschland und die unterschiedlichen Erziehungsansätze der Siegermächte als Vorboten der deutschen Teilung.
2 Erziehung in der BRD: Erläutert die Entwicklung eines neuen, demokratischen Erziehungsleitbilds nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus sowie die Rolle der politischen Erziehung.
3 Erziehungskonzepte in der DDR – Die sozialistische Erziehung: Analysiert das Ziel der Schaffung einer sozialistischen Persönlichkeit durch staatlich gelenkte Erziehung und vormilitärische Strukturen.
4 Die Erziehungsvorstellungen im Vergleich: Setzt die beiden Systeme zueinander in Bezug und verdeutlicht die fundamentalen Unterschiede in der politischen Ausrichtung und der Sportförderung.
5 Fazit: Fasst zusammen, dass die DDR-Erziehung auf die Zweckbindung des Einzelnen an das Kollektiv setzte, während die BRD die Aufarbeitung der Vergangenheit und individuelle Freiheit betonte.
Schlüsselwörter
Erziehung, DDR, BRD, Sozialismus, Demokratie, Sport, Schulsport, politische Erziehung, Nationalsozialismus, SED, Menschenbild, Pädagogik, Kollektiv, Identität, Geschichtsbewusstsein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht vergleichend die unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen und pädagogischen Konzepte in der BRD und der DDR während der Zeit der deutschen Teilung.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die unterschiedlichen politischen Systeme, die Rolle des Staates bei der Formung der Jugend und der gezielte Einsatz des Sports als erzieherisches Instrument.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und vor allem die signifikanten Unterschiede in der erzieherischen Praxis herauszuarbeiten, um zu zeigen, wie unterschiedliche Staatsideologien die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen prägen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die historische Quellen und pädagogische Fachliteratur auswertet, um die Erziehungssysteme beider deutscher Staaten gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte der BRD und DDR separat vorgestellt, wobei jeweils die politische Erziehung und der Bereich Sport detailliert betrachtet werden, bevor diese in einem Vergleichskapitel gegenübergestellt werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Sozialistische Erziehung, Demokratisierung, Sportpädagogik, politische Instrumentalisierung und die Gegenüberstellung von Individualität und Kollektivismus.
Wie unterschied sich der Sport in der DDR von dem in der BRD?
Während der Sport in der DDR durch den Staat stark politisch instrumentalisiert wurde, um den Sozialismus zu stärken, wurde in der BRD der Fokus stärker auf den Sport als zweckfreien Ausgleich und individuelle Entfaltung gelegt.
Welche Rolle spielte die FDJ in der Erziehung der DDR?
Die FDJ diente als wichtiges Instrument, um Kinder und Jugendliche auch außerhalb der Schule politisch-ideologisch auf Linie zu bringen und sie zu "sozialistischen Kämpfern" zu erziehen.
Warum war die "Eigenwelttheorie" für den westdeutschen Sport nach 1945 so bedeutend?
Sie diente als Versuch, den Sport als einen von der Politik unabhängigen, zweckfreien Raum zu definieren, um sich bewusst von der vorherigen Instrumentalisierung durch das NS-Regime abzugrenzen.
- Quote paper
- Mareike Müller (Author), 2009, Erziehungskonzepte der BRD und DDR im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146094