Diese Arbeit untersucht ein viel diskutiertes sozialpolitisches Instrument auf seine potentielle Wirksamkeit wider die negativen sozialen Folgen von Prekarisierung: Das bedingungslose Bürgereinkommen bzw. Grundeinkommen. Wenngleich es freilich nur eine potentielle Möglichkeit von vielen darstellt, ist es doch die wohl am kontroversesten diskutierte. Skeptiker sehen die Gesellschaft zu Grunde gehen, sollte es je eingeführt werden. Ihnen zufolge raubt es dem Menschen jegliche Motivation zur Arbeit und führte zum wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Kollaps, auf keine Fall jedoch sei es geeignet, die derzeitigen Probleme des deutschen Sozialstaates zu lösen. In den Augen der Befürworter hingegen ist es die "Antithese gegen gesellschaftliche Spaltung und Exklusion". Ihnen scheint es eine viel versprechende Alternative zum derzeitigen Sozialstaatsmodell zu sein, welches bei steigenden Kosten zu immer weniger Leistungen im Stande ist und die existenzielle Absicherung der Bürger auf lange Sicht nicht mehr garantieren kann.
Es wird, nach einer Einordnung der zentralen Begrifflichkeiten und der konkreten Zielsetzung, zunächst auf das desintegrative Potential von Prekarität bzw. Prekarisierung im individuellen wie im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang eingegangen. Im letzten Teil wird das bedingungslose Bürgereinkommen daraufhin untersucht, ob es diesen Negativentwicklungen etwas entgegenzusetzen hat oder sie gar umzukehren bzw. aufzulösen vermag.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Zentrale Begriffe und das Ziel dieser Arbeit
1.1 Zentrale Begriffe
1.1.1 Flexibilisierung
1.1.2 Prekär, Prekarität, Prekarisierung
1.1.3 Bedingungsloses Bürgereinkommen (Grundeinkommen)
1.2 Ziel dieser Arbeit
2 Soziale Desintegration durch marktgetriebe Flexibilisierung
2.1 Die Wurzel allen Übels: Marktgetriebene Flexibilisierung
2.2 Desintegrative Folgen – Die Spaltung der Gesellschaft
2.2.1 Per Gesetz zweitklassig
2.2.2 Finanzielle Unsicherheit, Zukunftsängste
2.2.3 Individualisierung und Vereinzelung
2.2.4 Status- und Anerkennungsverlust
2.3 Fazit: Gesellschaftliche Spaltung und sozialer Unfrieden
3 Das bedingungslose Bürgereinkommen – Sozialer Frieden oder Gesellschaftlicher Untergang?
3.1 Pro und Kontra
3.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit das bedingungslose Bürgereinkommen als soziales Sicherungsinstrument geeignet ist, um die desintegrativen Folgen der marktgetriebenen Flexibilisierung der Arbeitswelt abzumildern und den sozialen Frieden zu wahren.
- Analyse des Prozesses der Prekarisierung und seiner sozialen Folgen
- Untersuchung des desintegrativen Potenzials marktgetriebener Arbeitsmarktpolitik
- Diskussion des bedingungslosen Bürgereinkommens als intervenierende Variable
- Gegenüberstellung der Pro- und Kontra-Argumente zur gesellschaftlichen Wirksamkeit eines Grundeinkommens
- Evaluation der Möglichkeiten zur sozialen Re-Integration in einer sich wandelnden Arbeitswelt
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Per Gesetz zweitklassig
Als Ausgangspunkt oder Basis aller weiteren den Zusammenhalt gefährdenden Folgen von Prekarität und Prekarisierung ist der durch die Politik festgelegte Rahmen zu sehen. Diese rechtlich-institutionelle Dimension von Prekarität schließt prekär Beschäftigte tendenziell von institutionell verankerten sozialen Rechten und Partizipationsmöglichkeiten aus. Sie sind gegenüber Festangestellten in einer deutlich unkomfortableren Situation, obwohl es oft Arbeit verrichten, die sich von deren nicht unterscheidet. Sie verdienen weniger, haben weniger Mitbestimmungs-, Vorsorge und Schutzrechte und rangieren noch dazu im gesellschaftlichem Ansehen unter den Normalbeschäftigten. Die in der rechtlich-institutionellen Dimension verankerten Unterschiede sind also letztlich auf reproduktiv-materiellen Ebene, der sozial-kommunikativen Ebene und der Status- und Anerkennungsebene direkt spürbar und wirken sich subjektiv auch auf die arbeitsinhaltliche Ebene negativ aus.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung thematisiert den zunehmenden Trend zur Prekarisierung von Beschäftigungsverhältnissen und die damit verbundenen sozialen Herausforderungen im Kontext der Globalisierung.
1 Zentrale Begriffe und das Ziel dieser Arbeit: Dieses Kapitel definiert die Schlüsselbegriffe Flexibilisierung, Prekarität und bedingungsloses Bürgereinkommen und legt den Untersuchungsfokus der Arbeit fest.
2 Soziale Desintegration durch marktgetriebe Flexibilisierung: Hier wird analysiert, wie marktgetriebene Flexibilisierung zu einer Spaltung der Gesellschaft führt und den sozialen Frieden gefährdet.
3 Das bedingungslose Bürgereinkommen – Sozialer Frieden oder Gesellschaftlicher Untergang?: Dieses Kapitel diskutiert die Chancen und Risiken des Grundeinkommens als potenzielles Gegenmittel zu den beschriebenen Desintegrationsprozessen.
Schlüsselwörter
Prekarisierung, Flexibilisierung, Bedingungsloses Bürgereinkommen, Soziale Desintegration, Arbeitsmarktpolitik, Sozialer Frieden, Prekarität, Normalarbeitsverhältnis, Marktgetriebene Entwicklung, Gesellschaftliche Spaltung, Sozialstaat, Aktivierung, Existenzsicherung, Partizipation, Arbeitsgesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zunehmenden Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen und untersucht, ob das bedingungslose Bürgereinkommen eine Lösung für die daraus resultierenden sozialen Spannungen darstellen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel der Arbeitswelt durch Flexibilisierung, die sozialen Folgen von Prekarität sowie die Debatte um alternative sozialstaatliche Sicherungsinstrumente.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Prüfung, inwieweit ein Grundeinkommen den sozialen Frieden bewahren oder wiederherstellen kann, wenn traditionelle Sicherungssysteme durch die Prekarisierung der Erwerbsarbeit unter Druck geraten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Untersuchung, die soziologische Debatten und Typologien, insbesondere das Modell von Brinckmann et al. und Castels Zonenmodell, zur Analyse heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Ursachen und desintegrativen Folgen der Flexibilisierung (z.B. Zukunftsängste, Statusverlust) dargelegt, gefolgt von einer kritischen Abwägung der Argumente pro und kontra Grundeinkommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Prekarisierung, Soziale Desintegration, Bedingungsloses Bürgereinkommen und Gesellschaftliche Spaltung charakterisiert.
Warum wird im Dokument auf die "Hartz-Reformen" Bezug genommen?
Die Hartz-Reformen werden als beispielhafter Ausdruck der marktgetriebenen Umstrukturierung der Arbeitsmarktpolitik genannt, die den Prozess der Prekarisierung in Deutschland beschleunigt haben.
Welche Rolle spielt die "Zone der Prekarität" in der Argumentation?
Die "Zone der Prekarität" dient als Analysemodell, um den Übergangsbereich zwischen gesellschaftlicher Integration und Exklusion zu beschreiben, der durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse zunehmend wächst.
Wie bewertet der Autor den sozialen Frieden im Fazit?
Der Autor stellt fest, dass sich Befürworter und Kritiker unversöhnlich gegenüberstehen, betont jedoch die Notwendigkeit, über neue Konzepte nachzudenken, da das bisherige Modell der sozialen Sicherung durch Vollbeschäftigung zunehmend an seine Grenzen stößt.
- Citar trabajo
- Jan Kietzmann (Autor), 2009, Grundeinkommen und sozialer Frieden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146111