Die vorliegende Arbeit thematisiert diverse Beobachtungen in Bezug auf die Syntax des Deutschen im Allgemeinen und die Subjektlückenkonstruktion im Besonderen. Koordinationsspezifische Skopuseffekte, die Grundstruktur dieser besonders komplexen phrasalen Konstruktion sowie grundlegende Symmetrien und Asymmetrien, die entscheidend für die Derivation und Interpretation der Subjektlückenkonstruktion sind, werden dezidiert analysiert und betrachtet. Zu diesem Zweck wird das System des "Coordinate Feature Matching" vorgestellt und für weitere Analysen fruchtbar gemacht. So kann aufgezeigt werden, dass die Subjektlückenkonstruktion ausgenommen ihrer asymmetrischen Phrasenstruktur syntaktisch und semantisch symmetrisch aufgebaut ist. Weiterhin wird die immanente Grundfrage der wissenschaftlichen Forschung diskutiert, ob die einzelnen Konjunkte grundsätzlich koordiniert sind oder das zweite an das erste adjungiert ist.
Inhaltsverzeichnis
0. Abstract
1. Einleitung
2. Subjektlückenkonstruktion
2.1 Koordination und Subordination
2.2 Die Analyse der SLK von Büring & Hartmann
2.3 Die SLK nach te Velde
2.4 Zur Struktur der SLK
2.5 SLK und adverbialer Skopus
2.6 Coordinate Feature Matching (CFM)
3. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Subjektlückenkonstruktion (SLK) im Deutschen und hinterfragt die verbreitete These einer genuinen Asymmetrie in koordinierenden Strukturen. Ziel ist es, durch die Analyse skopusabhängiger Effekte und die Anwendung des Modells des "Coordinate Feature Matching" aufzuzeigen, dass SLK bei genauerer Betrachtung eine syntaktisch und semantisch symmetrische Phrasenstruktur aufweisen.
- Analyse der theoretischen Ansätze zu Koordination und Subordination
- Kritische Auseinandersetzung mit der "asymmetrischen Koordination" gemäß Büring & Hartmann
- Untersuchung der Syntax von Subjektlücken und deren Referenzverhältnissen
- Modellierung koordinativer Strukturen durch das "Coordinate Feature Matching" (CFM)
- Diskussion der Symmetrie versus Asymmetrie in Pünktlichkeits- und Rationalisierungs-Konstruktionen
Auszug aus dem Buch
2.4 Zur Struktur der SLK
Um die Struktur der SLK untersuchen und definieren zu können, muss erstens die genaue Position der Subjektlücke im zweiten Konjunkt ausfindig gemacht und zweitens ein Beleg für ihre Existenz gefunden werden, zu welchem Zweck zunächst die Beispielsätze (5) und (6) betrachtet werden:
(5) In Deutschland verlangt man Pünktlichkeit und hasst Unzuverlässigkeit.
(6) In Deutschland verlangen die Arbeitgeber Pünktlichkeit und die Arbeitnehmer hassen sie.
Laut te Velde kann für beide Konstruktionen prinzipiell dieselbe Grundstruktur angenommen werden, wie es in (7) und (8) zu ersehen ist:
(7) [CP In Deutschland verlangt [TP man; Pünktlichkeit und [TP e; hasst Unzuverlässigkeit]].].
(8) [CP In Deutschland verlangen [TP die Arbeitgeber Pünktlichkeit und [TP die Arbeitnehmer hassen sie]].].
Um die erkennbar präverbale Position der Subjektlücke erklärbar zu machen, muss auf die Markiertheitstheorie zurückgegriffen werden, deren Annahmen hier aus Platzgründen als bekannt vorausgesetzt werden. Ausgehend von der Hypothese, dass keiner dieser Sätze markierter ist als der andere, da beide eindeutig unmarkiert sind, kann zu weiteren, differenzierteren Beispielen übergegangen werden, wobei (9) gegenüber (10) markierter ist:
Zusammenfassung der Kapitel
0. Abstract: Eine kurze Übersicht über die Problemstellung der Syntax der deutschen Sprache und die Rolle der SLK innerhalb koordinativer Strukturen.
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Subjektlückenkonstruktion und Abgrenzung zu bestehenden theoretischen Analysen wie denen von Höhle sowie Büring & Hartmann.
2. Subjektlückenkonstruktion: Hauptteil, der die theoretischen Grundlagen der Koordination und Subordination legt und verschiedene Ansätze sowie das CFM-Modell methodisch anwendet.
2.1 Koordination und Subordination: Theoretische Definition der Grundbegriffe, um Unterschiede zwischen symmetrischer Parataxe und asymmetrischer Hypotaxe klar abzugrenzen.
2.2 Die Analyse der SLK von Büring & Hartmann: Darstellung und kritische Würdigung der These einer asymmetrischen Koordination in SLK.
2.3 Die SLK nach te Velde: Vorstellung einer alternativen Analyse, die SLK als symmetrische Koordination interpretiert.
2.4 Zur Struktur der SLK: Untersuchung der exakten Position der Subjektlücke und belegende Fallbeispiele basierend auf linguistischen Theorien.
2.5 SLK und adverbialer Skopus: Analyse, wie Adverbien und deren Reichweite die syntaktische Konstruktion einer SLK beeinflussen.
2.6 Coordinate Feature Matching (CFM): Einführung des Modells zur Erklärung der Merkmalsübereinstimmung innerhalb koordinierter Konjunkte.
3. Zusammenfassung und Ausblick: Synopse der gewonnenen Erkenntnisse und Fazit zur Symmetrie der SLK sowie offene Fragen für weitere linguistische Untersuchungen.
Schlüsselwörter
Subjektlückenkonstruktion, SLK, Koordination, Subordination, Asymmetrie, Symmetrie, Syntax, Deutsche Sprache, Coordinate Feature Matching, CFM, Skopus, Phrasenstruktur, Merkmalsübereinstimmung, Linguistik, Parataxe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der sogenannten Subjektlückenkonstruktion (SLK) im Deutschen und hinterfragt die Annahme, dass diese Strukturen auf einer inhärenten asymmetrischen Koordination basieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die theoretische Abgrenzung von Koordination und Subordination, die Analyse der syntaktischen Position von Subjektlücken und die Frage der Symmetrie bei koordinierten Satzteilen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass SLK entgegen früherer wissenschaftlicher Annahmen eine syntaktisch und semantisch symmetrische Grundstruktur besitzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor nutzt eine kontrastive Analyse linguistischer Modelle, insbesondere den Vergleich der Ansätze von Büring & Hartmann mit denen von te Velde, und wendet das "Coordinate Feature Matching" (CFM) Modell zur Erklärung der Merkmalsübereinstimmung an.
Welche Aspekte werden im Hauptteil speziell behandelt?
Im Hauptteil werden neben der Definition der Fachbegriffe insbesondere die Rolle des adverbialen Skopus sowie die Bedeutung des "Coordinate Feature Matching" für die Derivation und Interpretation komplexer Sätze erläutert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Subjektlückenkonstruktion, Symmetrie, Asymmetrie, Koordination, Syntax und Coordinate Feature Matching.
Wie erklärt die Arbeit das Phänomen der Subjektlücke im zweiten Konjunkt?
Die Arbeit argumentiert, dass die Subjektlückenkonstruktion eine Symmetrie aufweist, die beim CFM-Modell durch ein entsprechendes Matching der Merkmale (wie Kasus oder Theta-Rolle) zwischen den Konjunkten abgebildet werden kann.
Welche Bedeutung kommt dem adverbialen Skopus in dieser Analyse zu?
Der adverbiale Skopus dient als Indikator dafür, wie sich Modifikationen in einem Konjunkt auf die Gesamtkontur der Symmetrie auswirken und ob die syntaktische Position des Adverbs die Koordination blockieren oder bestätigen kann.
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- Mirko Krämer (Autor), 2011, Syntaktische Analyse der Subjektlückenkonstruktion im Deutschen. Skopuseffekte und Coordinate Feature Matching, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1461300