Hilda Hewlett - Die erste britische Fliegerin


Fachbuch, 2010
15 Seiten

Leseprobe

Eine vielseitige britische Flugpionierin war Hilda Hewlett (1864-1943), geborene Herbert. Sie wurde die erste britische Fliegerin sowie zusammen mit einem Ge- schäftspartner die erste Gründerin und Chefin einer Flugschule in Großbritannien und die Chefin einer großen Flugzeug- fabrik.

Hilda Beatrice Herbert wurde am 17. Februar 1864 in Vauxhall (London) geboren. Ihr Vater George William Herbert war ein anglikanischer Vikar der „Church of England“. Ihre Mutter hieß Louisa Herbert, geborene Hopgood. Hilda hatte acht Geschwister.

Als junge Frau besuchte Hilda Herbert die „National Art Training School“ in South Kensington. Sie spezialisierte sich auf drei Fertigkeiten, die ihr später bei ihrer beruflichen Karriere noch sehr nützlich werden sollten: Arbeiten mit Holz und Metall sowie Handarbeiten. Die von ihr geschaffenen Kunstwerke waren gut genug, um in Ausstellungen präsentiert zu werden.

Mit ihren Eltern unternahm Hilda Herbert im Alter von 19 Jahren eine Reise nach Ägypten. Als 21-Jährige absolvierte sie in einem Krankenhaus in Berlin eine Ausbildung zur Krankenschwester. Zu ihren frühen Hobbies gehörten Rad- und Autofahren sowie Automobilrallyes.

Am 3. Januar 1888 schloss Hilda Herbert in der „St. Peter’s Church“ - der Kirche, an der ihr Vaters tätig war - in Vauxhall mit Maurice Henry Hewlett die Ehe. Ihr Gatte war ein bedeu- tender Dichter und Schriftsteller. Das Ehepaar bekam eine Tochter namens Pia und einen Sohn namens Francis. 1909 besuchte die damals 45-jährige Hilda Hewlett erstmals eine Flugveranstaltung - und zwar in Blackpool. Sie war fasziniert von der Fliegerei, wählte das Pseudonym „Grace Bird“ und reiste noch 1909 zum Flugplatz Mourmelon-le- Grand in Frankreich, um dort Luftfahrt zu studieren. Sie traf sich mit dem Luftfahrt-Ingenieur Gustav Blondeau (1871- 1965) und beide wurden Geschäftspartner.

Hilda Hewlett kehrte mit einem Fairman-Doppeldecker, den sie „Blue Bird“ („Blauer Vogel“) nannte, und Gustav Blondeau nach England zurück. Im Sommer 1910 eröffneten Hilda und Gustav an einer Rennstrecke in Brooklands (Surrey) die erste Flugschule in Großbritannien. Dort machten etliche Schüler und Schülerinnen ihre ersten Flugerfahrungen. Für den hohen Standard dieser Flugsschule spricht, dass es keine Unfälle gab. „Ich bin glücklich, wenn ich fliegen kann“, erklärte Hilda im Jahre 1910.

Am 29. August 1911 war für Hilda Hewlett ein großer Tag: Nach Abschluss der Flugprüfung in ihrem Fairman-Doppel- decker erhielt sie als erste Frau in Großbritannien den Pilo- tenschein (Lizenz Nr. 122) des „Royal Aero Club“. Anschließend brachte Hilda Hewlett auch ihrem Sohn Francis das Fliegen bei. Dieser bekam am 14. November 1911 seinen Pilotenschein, machte eine erfolgreiche Karriere in der Luftfahrt, wurde 1915 mit einem „Distinguished Service Order“ geehrt und stieg in den Rang eines Oberst auf. Die frischgebackene Pilotin Hilda Hewlett nahm an Flugtagen und Luftfahrt-Wettbewerben teil. Am 11. September 1911 flog sie mit ihrem Farman-Doppeldecker bei einer Airshow in Chelson Meadow (Plymouth). 1912 gewann sie bei einem so genannten „Quick-start aviation competition“ („Quick-Start- Luft-Wettbewerb“).

Die Geschäftspartner Hewlett und Blondeau gründeten eine Flugzeugfabrik namens „Hewlett & Blondeau Limited“, die von Hilda gemanagt wurde. In ihrer Firma wurden Flugzeuge von Farman, Caudron und Hanriot in Lizenz gebaut. Ihr Geschäft starteten sie zunächst in Brooklands, später zogen sie nach Clapham (London) und schließlich im Mai 1914 auf ein zehn Hektar (40.000 Quadratmeter) großes Areal nach Leagrave (Bedfordshire) um.

1914 trennte sich das Ehepaar Hewlett nach 26-jähriger Ehe. Maurice Hewlett war das Engagement seiner Frau Hilda für die Luftfahrt offenbar immer unsympathisch gewesen. Er behauptete allen Ernstes, Frauen würden niemals so erfolgreich in der Luftfahrt sein wie Männer. Sie hätten nicht die richtige Art von Nervenzellen.

Im August 1914 stellte „Hewlett & Blondeau Limited“ bereits zehn verschiedene Typen von Flugzeugen her. Während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) verließen mehr als 800 Militärflugzeuge die Fabrik, in der bis zu 700 Menschen arbeiteten. Die dort gebaute Maschine mit einem 90 PS starken Motor war für die britische Regierung besonders wichtig für den Krieg.

Hilda Hewlett wird als unermüdlicher Arbeiter, guter Organisator und kluge Geschäftsfrau geschildert. Sie trug die seltsamsten Kostüme, hatte einen kurzen Haarschnitt wie ein Mann und besaß einen sehr rötlichen Teint. Mit ihrem großen Auto fuhr sie immer sehr schnell. Auf dem Rücksitz saß stets eine Dogge, mit der sie gerne wanderte und die der Liebling der Belegschaft in der Flugzeugfabrik war.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Produktion der Fabrik auf landwirtschaftliche Geräte umgestellt. Doch Ende Oktober 1920 schloss die Firma ihre Tore, sie blieb bis 1926 unverkauft. Aus Anerkennung der Bedeutung der ehe- maligen Flugzeugfirma im Ersten Weltkrieg hat man eine Straße in Luton auf den Namen „Hewlett Road“ getauft.

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Details

Titel
Hilda Hewlett - Die erste britische Fliegerin
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V146201
ISBN (eBook)
9783640572670
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Hilda Hewlett, Ernst Probst, Fliegerin, Pilotin, Fliegerinnen, Pilotinnen, Fliegerei, Luftfahrt, Frauenbiografien, Biografien, Kurzbiografien
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2010, Hilda Hewlett - Die erste britische Fliegerin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146201

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