Die Arbeit thematisiert einen potentiellen Einfluss des Standortes professioneller Fußballunternehmen auf deren Erfolg. Vor diesem Hintergrund werden die wirtschaftlichen Zusammenhänge im Profifußball und der Produktionsprozess von Fußballunternehmen in einen standorttheoretischen Kontext gebracht und daraus Hypothesen hinsichtlich potentieller Standortfaktoren abgeleitet. Diese Hypothesen werden schließlich mittels statistischer Methoden auf Basis empirischer Daten auf ihre Gültigkeit hin überprüft.
Die Vergabe der olympischen Spiele im Jahre 1972 war nicht nur ein Glücksfall für die Stadt München, sondern auch für den FC Bayern München. Denn die Errichtung des Olympiastadions als moderne Arena, wo fortan die Heimspiele des Vereins ausgetragen wurden, gilt als einer der entscheidenden Faktoren, der die nationale wirtschaftliche und sportliche Dominanz im Profifußball in den folgenden Jahrzehnten ermöglichte.
Aber spätestens seit der Ausrichtung der WM 2006, ist die moderne Fußballarena eines Profivereins in Deutschland kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Daher stellt sich die Frage worauf der Erfolg der Vereine der letzten Jahre basiert. Denn dies ist aufgrund der Entwicklung, die den Fußball mit aktuellen Saisonumsätzen von über 1,5 Mrd.€ zur Wirtschaftskraft gemacht hat, nicht mehr nur von Interesse für die Vereine.
In welcher Stadt oder Region und aufgrund welcher lokalen Faktoren sich ein Profiverein wirklich etablieren kann, wurde bisher jedoch kaum untersucht. Doch gerade vor dem Hintergrund der seit 1998 erlaubten Umwandlung der Lizenzspielerabteilungen in Kapitalgesellschaften, stellt sich für Vereine und ihre Kapitalgeber zwangsläufig die Frage nach den wirtschaftlichen Erfolgsaussichten am Standort. Die dafür notwendige wirtschaftliche Betrachtungsweise setzt eine Standortanalyse und damit die Überprüfung der lokalen Bedingungen auf die jeweilige Zielsetzung voraus. Der Standort stellt somit durch zunehmende Kapitalisierung und Investitionen im Profifußball nicht mehr länger nur eine hinzunehmende Gegebenheit für den Verein dar. Er kann vielmehr, vergleichbar dem US-amerikanischen Franchise-System, durch seine Voraussetzungen die Entscheidung von Investoren und die daraus resultierende finanziellen Rahmenbedingungen beeinflussen und demzufolge das Erreichen des Ziels langfristigen Profifußballs mitbestimmen.
Inhaltsverzeichnis
A. Problemstellung & Gang der Untersuchung
I. Problemstellung
II. Gang der Untersuchung
B. Terminologische und systematisierende Grundlagen
I. Wirtschaftsgeographie
I.1. Gliederung der Wirtschaftsgeographie
I.1.1. Paradigmen der Wirtschaftsgeographie
I.1.1.1. Raumwirtschaftlicher Ansatz
I.1.1.2. Akteursgruppenansatz
I.1.1.3. “New Economic Geography”
I.1.2. Dienstleistungsgeographie
I.2. Standortforschung
I.2.1. Standorttheorien
I.2.2. Standortanalyse mittels Standortfaktoren
I.2.2.1. Standortfaktorenkataloge
I.2.2.2. Standortfaktorensystem nach Kulke
I.2.2.3. Weiche Standortfaktoren
I.3.Zusammenfassung
II. Dienstleistungen
II.1. Der Dienstleistungsbegriff
II.1.1.Definitionen
II.1.1.1. Volkswirtschaftliche Klassifizierung
II.1.1.2. Statistische Klassifizierung
II.1.1.3. Betriebswirtschaftliche Klassifizierung
II.1.2.Einordnung in der Gütersystematik
II.1.3. Systematisierung von Dienstleistungen
II.2. Dienstleistungsproduktion
II.2.1. Produktionsfaktorensystematik
II.2.2. Die 2-Phasen-Produktion
II.3. Zusammenfassung
C. Profifußball als Wirtschaftsunternehmung
I. Profifußball - Eine Dienstleistung?
I.1. Dienstleistungscharakter
I.2. Die Produktion von professionellem Fußball
I.2.1. Wertschöpfungskette und Produktionsprozess
I.2.1.1. Vorkombination
I.2.1.2. Endkombination
I.2.2. Produktionsfaktorensystem
II. Profifußballunternehmen im betriebswirtschaftlichen Fokus
II.1. Organisationsform & Unternehmensziele im professionellen Fußball
II.1.1. Die Rechtsform und ihre Folgen für die Unternehmensziele
II.1.2. Anspruchsgruppen und ihre Einflüsse auf Unternehmensziele
II.2. Absatzmärkte – Die fünf Säulen der Einnahmen
II.2.1. Vermarktung des sportlichen Outputs
II.2.1.1. Ticketing
II.2.1.2. Mediale Verwertungsrechte
II.2.1.3. Sponsoring
II.2.2. Merchandising
II.2.3. Sonstige Einnahmequellen
II.3. Wettbewerb der Fußballunternehmen
II.4. Nachfragedeterminanten für das Gut Profifußball
II.5. Erfolgsgrößen
III. Zusammenfassung
D. Profifußball im standorttheoretischen Kontext
I. Begriffsabgrenzungen
II. Überlegungen zur Standortabhängigkeit
II.1.Standortabhängige Produktionsfaktoren
II.2. Standortabhängigkeit der Einnahmequellen
II.2.1. Ticketing
II.2.2. Verwertung medialer Rechte
II.2.3. Sponsoring
II.2.4. Merchandising & andere Einnahmequellen
II.3.Einfluss des Standortes auf Nachfragedeterminanten & Wettbewerb
II.4. Das „5-S-Modell“
III. Hypothesen zum Zusammenhang zwischen Standort und Erfolg
IV. Potenzielle Standortfaktoren für professionelle Fußballunternehmen
IV.1.Selektion
IV.1.1. Amateursport
IV.1.2. Marktpotenzial
IV.1.3. Historie
IV.1.4. Konsumpotenzial
IV.1.5. Wirtschaftsunternehmen
IV.1.6. Stadion
IV.1.7. Konkurrenz
IV.1.8. Sozialstruktur
IV.2. Standortfaktoren-Set für Fußballunternehmen
E. Datenerhebung & Untersuchung
I. Vorüberlegungen: Art und Ablauf der Datenerhebung
I.1. Untersuchungszeitraum
I.2. Untersuchungssample
I.3. Ablauf der Datenerhebung
II. Operationalisierung von Erfolg und Standortmerkmalen
II.1. Daten der Erfolgsmessung
II.1.1. Sportlicher Erfolg
II.1.2. Wirtschaftlicher Erfolg
II.2. Standortabhängige Variablen
II.2.1. Population
II.2.2. Konsumpotenzial – Die Kaufkraft
II.2.3. Konkurrenzsituation
II.2.4. Amateursport
II.2.5. Potenzielle Sponsoren – Unternehmensansiedlungen
III. Eingesetzte Verfahren der Datenanalyse
F. Ergebnisse der empirischen Untersuchung
I. Prüfung der Hypothesen
II. Interpretation und kritische Würdigung
G. Schlussbetrachtung & Implikationen
I. Fazit
II. Implikationen für die Forschung
III. Implikationen für die Praxis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Zusammenhang zwischen dem Erfolg von professionellen Fußballunternehmen und den standortspezifischen Gegebenheiten zu untersuchen, um daraus relevante Standortfaktoren für die Branche zu identifizieren.
- Analyse des Profifußballs als spezifische Dienstleistung
- Untersuchung von Wertschöpfungsketten und Produktionsprozessen im Fußball
- Ableitung und empirische Prüfung potenzieller Standortfaktoren
- Anwendung des "5-S-Modells" im Kontext von Fußballunternehmen
- Evaluation des Einflusses von standortbezogenen Variablen wie Bevölkerungsdichte, Kaufkraft und Konkurrenzsituation
Auszug aus dem Buch
I.2.1.1. Vorkombination
Die Beschaffung in Fußballunternehmen beinhaltet, wie aus der oben dargestellten Wertschöpfungskette zu entnehmen ist, alle aus der Literatur bekannten disponierbaren Objekte. Die jeweiligen branchenspezifischen Ausprägungen sind in der folgenden Abbildung dargestellt:
Besonders hervorzuheben sind unter den Punkten Personal und Sachanlagen die Posten Spieler und Stadion. Während der Posten Spieler aufgrund seines hohen Kostenanteils von knapp 40% (Saison 2006/07 in der 1. Bundesliga) auffällt, ist der Posten Stadion eindeutig als wichtigste Sachanlage, in der das Gut Profifußball hergestellt und abgesetzt wird, zu sehen. Somit ist die Existenz eines wettbewerbstauglichen Stadions der erste zentrale Punkt, der hinsichtlich der Herstellung der Leistungsbereitschaft erfüllt sein muss. Auf seinen Einfluss auf sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg der Fußballunternehmen wird, genau wie auf den der noch folgenden Bestandteile der Wertschöpfungskette im späteren Verlauf der Untersuchung näher eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Problemstellung & Gang der Untersuchung: Diese Einleitung skizziert die ökonomische Relevanz des Profifußballs und definiert das Ziel der Arbeit, den Einfluss des Standorts auf den Unternehmenserfolg zu untersuchen.
B. Terminologische und systematisierende Grundlagen: Hier werden theoretische Grundlagen aus der Wirtschaftsgeographie, Standortforschung und Dienstleistungslehre geschaffen, um den Standortbegriff und Produktionsprozesse theoretisch zu fundieren.
C. Profifußball als Wirtschaftsunternehmung: Dieses Kapitel analysiert Fußballvereine als Dienstleistungsunternehmen und entwickelt ein spezifisches Produktionsfaktorensystem sowie Ziel- und Erfolgsgrößen.
D. Profifußball im standorttheoretischen Kontext: Dieser Abschnitt kombiniert die theoretischen Grundlagen mit der spezifischen Branche, leitet Hypothesen ab und definiert potenzielle Standortfaktoren.
E. Datenerhebung & Untersuchung: Der methodische Teil beschreibt das Design der empirischen Untersuchung, die Datenbasis sowie die Operationalisierung der Variablen und die eingesetzten statistischen Verfahren.
F. Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der statistischen Tests der Hypothesen und bietet eine kritische Interpretation der Befunde.
G. Schlussbetrachtung & Implikationen: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und leitet Implikationen für die zukünftige Forschung sowie die unternehmerische Praxis ab.
Schlüsselwörter
Profifußball, Standortforschung, Dienstleistungsmanagement, Standortfaktoren, Wertschöpfungskette, Wirtschaftliche Erfolgsfaktoren, Standortanforderungen, 5-S-Modell, Standortpolitik, Konsumpotenzial, Wettbewerb, Finanzielle Stabilität, Ligazugehörigkeit, Sportökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Dissertation untersucht, inwiefern der Standort eines professionellen Fußballunternehmens als Erfolgsfaktor für dessen sportliche und wirtschaftliche Performance fungiert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wirtschaftsgeographie, der Dienstleistungstheorie im Kontext des Fußballs, der Analyse von Einnahmequellen sowie der empirischen Untersuchung von Standortfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Identifikation von standortspezifischen Faktoren, die für den Erfolg von Fußballunternehmen entscheidend sind, und deren statistische Überprüfung.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es werden eine theoretische Herleitung auf Basis existierender Literatur sowie eine empirische Untersuchung mittels Regressionsanalysen (Logit-Modell und lineare Regression) durchgeführt.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Fußball als Dienstleistung, der Erstellung eines Produktionsfaktorensystems und der Ableitung wirtschaftlicher Zielgrößen für Fußballvereine.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Studie?
Die Studie lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Standortfaktoren, Profifußball als Dienstleistung, Wertschöpfungskette und empirische Erfolgsanalyse definieren.
Welche Rolle spielt der Standort bei Fußballvereinen im Vergleich zu anderen Wirtschaftsunternehmen?
Der Standort wird als historisch gewachsen und weitgehend starr betrachtet, wobei die Möglichkeiten zur optimalen Nutzung des regionalen Umfelds anstatt einer Standortwahl im Vordergrund stehen.
Welche Bedeutung kommt der "50+1-Regel" in dieser Arbeit zu?
Die "50+1-Regel" wird als zentraler Rahmenfaktor diskutiert, der die Standortflexibilität und die Einflussnahme durch externe Investoren im deutschen Profifußball maßgeblich prägt.
- Citation du texte
- Tobias Schelter (Auteur), 2010, Der Standort als Erfolgsfaktor für professionelle Fußballunternehmen. Eine Standortfaktorenanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146215