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Wahre Ethik. Der Wahrheitsstatus Erster Prinzipien in der Nikomachischen Ethik

Title: Wahre Ethik. Der Wahrheitsstatus Erster Prinzipien in der Nikomachischen Ethik

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Markus Roick (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Ethik ist anders als eine Naturwissenschaft keine „exakte“ Wissenschaft und ethische Aussagen sind nicht objektiv: das ist die heute verbreitete allgemeine Anschauung. Allerdings ist dies naturgemäß umstritten. Sucht man nach einem exponierten Vertreter der Gegenthese stößt man beispielsweise auf Aristoteles: für ihn ist die Objektivität der Ethik keine Frage, ebenso wenig, ob ethische Aussagen wahr sein können.

Genauso wie man von einer Säge sprechen kann, dass sie „gut“ ist in dem Sinne, dass sie gut schneiden könne, kann man von einer Handlung sagen, dass sie gut sei. Dieser Anspruch erscheint heutzutage aber eher fremd und keinesfalls selbstverständlich. Wie aber kann Aristoteles begründet davon sprechen, dass ethische Prinzipien „wahr“ bzw. „objektiv“ sind?

Dieser Frage wird in eher begrenztem Rahmen nachgegangen. Zum einen wird nicht die aristotelische Methode an sich untersucht, sondern speziell die der Nikomachische Ethik. Nur ergänzend werden andere Schriften herangezogen. Zum anderen ist das Ziel der Arbeit nicht, eine aktuelle oder grundsätzliche Diskussion über Wahrheit in der Ethik zu führen. Ziel ist vielmehr ein eingehendes Verständnis der Methode, wie sie Aristoteles selbst verstanden hat und somit tendenziell eine philosophiegeschichtliche Untersuchung.

Trotz dieser Beschränkungen soll die Arbeit in zweierlei Hinsicht über ihre konkreten Ziele hinausweisen: zum einen eröffnet sich über eine Diskussion der Methode ein grundlegenderes Verständnis der Inhalte der Nikomachischen Ethik. Zum anderen ist vor allem durch das sechste Kapitel mittelbar ein grundlegenderer Blick auf die ethischen Fragen unserer Zeit möglich.

Bevor man sich aber der Methode und der Untersuchung zuwendet, ist ein klärendes Wort notwendig, das vor allem der Abgrenzung zu den „objektiven“ Naturwissenschaften dient.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung und Fragestellung

Die Aporie der Selbstliebe

Ethische „Fakten“

Dialektik und die Ersten Prinzipien

Ein Prinzip der Freundschaft

Der ontologische Status erster Prinzipien

Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wahrheitsstatus sowie die methodische Herleitung der ersten Prinzipien in der Nikomachischen Ethik des Aristoteles. Dabei wird insbesondere geklärt, ob diese Prinzipien als objektiv wahr betrachtet werden können und welche Rolle die dialektische Methode im Prozess ihrer Gewinnung spielt.

  • Methodologische Untersuchung der Nikomachischen Ethik
  • Verhältnis von Dialektik zu wissenschaftlichem Schließen
  • Interpretation der Begriffe Phainomena und Endoxa
  • Metaphysischer vs. internalistischer Realismus in der Ethik
  • Die Funktion der Selbstliebe und Freundschaft als exemplarische Fälle

Auszug aus dem Buch

Die Aporie der Selbstliebe

In den Büchern über die Freundschaft ist eine zentrale Frage das Verhältnis von Freundschaft mit anderen zu der mit sich selbst, also der Konflikt zwischen Altruismus und Egoismus. Dieses Problem thematisiert Aristoteles im achten Kapitel des neunten Buches (9.8.1168a27-1169b2). Sein Vorgehen ist dabei ähnlich wie die Diskussion der akrasia exemplarisch für die ethische Methode. Zuerst umreißt er die „Phänomene“. Demnach tadelt „man“ denjenigen, der „sich selbst am meisten [schätzt]...“ (9.8.1168a28-29) und der „nichts tue, was nicht in seinem Interesse sei“ (9.8.1168a31). Der Tugendhafte hingegen wird gelobt, weil er „das Seinige vernachlässigt“ und „um des Freundes willen“ (9.8.1168a33-34) handelt. Diese Darstellung der allgemeinen Meinung deckt sich im Prinzip mit den heute gängigen unreflektierten Vorstellungen von Freundschaft und wirkt insofern unproblematisch. Deshalb wirkt der folgende Satz unverständlich: „Diesen Erwägungen widersprechen aber die Tatsachen [!], und dies aus verständlichen Gründen.“ (9.8.1168a35-b19).

Welche Tatsachen widersprechen dem intuitiven Verhältnis von Selbstliebe und Freundschaft? Hier greift Aristoteles auf eine Untersuchung im vierten Kapitel zurück, wo er vier (bzw. fünf) Kriterien nennt, die „man“ der Freundschaft zuschreibt. Ein Beispiel ist etwa, dass der Freund „das Gute oder gut Erscheinende um des andern selbst willen wünscht“ (9.4.1166a3-4). Dieses Kriterium trifft aber ebenso wie die anderen bei dem Tugendhaften im Verhältnis zu sich selbst zu. Aus diesem Grund ist der Tugendhafte sein eigener Freund: er liebt sich selbst. Damit ist das zweite phainomenon eigentlich eine Folgerung aus einer vorangegangen Untersuchung, dass wird sich aber im Verlauf der Untersuchung als nicht problematisch herausstellen. Was sind nun die Schwierigkeiten (Aporien)? Eigentlich sind diese offensichtlich und bedürfen keiner besonderen Offenlegung: die eine Vorstellung sagt, dass ein Freund selbstlos handeln soll, die andere Ansicht hingegen betont, dass ein Freund sich selbst lieben solle. Ein Freund soll also zugleich selbstlos und eigenliebend sein. Da beides aber nicht möglich scheint, sind die beiden phainomena miteinander im Widerstreit.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung und Fragestellung: Die Arbeit erläutert die methodische Herangehensweise an die Nikomachische Ethik und stellt die Forschungsfrage nach dem Wahrheitsstatus ethischer Prinzipien.

Die Aporie der Selbstliebe: Anhand des Konflikts zwischen Altruismus und Eigenliebe in der Freundschaftslehre wird die methodische Aporie und die Notwendigkeit ihrer Auflösung dargestellt.

Ethische „Fakten“: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Phainomena und Endoxa und grenzt sie vom modernen Verständnis naturwissenschaftlicher Fakten ab.

Dialektik und die Ersten Prinzipien: Es wird die dialektische Methode als Erkenntnisweg zu den ersten Prinzipien von der wissenschaftlichen Demonstration unterschieden.

Ein Prinzip der Freundschaft: Hier wird der Versuch unternommen, für das Thema der Freundschaft ein erstes Prinzip dialektisch zu bestimmen.

Der ontologische Status erster Prinzipien: Dieses Kapitel diskutiert unter Rückgriff auf zeitgenössische Philosophen die Frage, ob Aristoteles ein metaphysischer oder internalistischer Realist war.

Schlussbemerkungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass Aristoteles ethische Prinzipien als wahr betrachtet, wobei ihre methodische Gewinnung in der modernen Interpretation unterschiedliche Lesarten zulässt.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Nikomachische Ethik, erste Prinzipien, Dialektik, Phainomena, Endoxa, Selbstliebe, Freundschaft, Wahrheit, ethische Objektivität, metaphysischer Realismus, internalistischer Realismus, praktische Philosophie, Erkenntnistheorie, Handlungstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das aristotelische Verständnis von Wahrheit in der Ethik und die methodische Herleitung erster Prinzipien innerhalb der Nikomachischen Ethik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die dialektische Methode, die philosophische Bedeutung von Meinungen (Endoxa) und Erscheinungen (Phainomena) sowie die ontologische Einordnung der Ethik bei Aristoteles.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, wie Aristoteles begründet, dass ethische Prinzipien „wahr“ oder „objektiv“ sein können, ohne dabei den Anforderungen exakter Naturwissenschaften zu genügen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philosophiegeschichtliche Analyse, um die aristotelische Methode der Dialektik zu dekonstruieren und mit modernen meta-theoretischen Positionen wie dem Realismus zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Struktur aristotelischer Argumentation, insbesondere am Beispiel der Aporie der Selbstliebe, und beleuchtet die Debatte zwischen metaphysischem und internalistischem Realismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Aristoteles, Dialektik, erste Prinzipien, ethische Wahrheit und Realismus charakterisiert.

Inwiefern spielt die Unterscheidung von Metaphysik und Ethik eine Rolle für die Dialektik?

Die Arbeit zeigt, dass die Dialektik eine Brückenfunktion einnimmt, um von subjektiven Überzeugungen oder Meinungen zu objektiv wahren ersten Prinzipien zu gelangen, die für eine Wissenschaft unerlässlich sind.

Warum ist die internalistische Interpretation der aristotelischen Ethik für den Autor wichtig?

Die internalistische Interpretation erlaubt es, die kulturelle Gebundenheit der ethischen Prinzipien zu erklären, ohne dabei in einen reinen Relativismus abzugleiten, was die Argumentationsstärke gegenüber modernen Herausforderungen erhöht.

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Details

Title
Wahre Ethik. Der Wahrheitsstatus Erster Prinzipien in der Nikomachischen Ethik
College
University of Potsdam  (Institut für Philosophie)
Course
Das gute Leben und die Moral
Grade
1,0
Author
Markus Roick (Author)
Publication Year
2003
Pages
29
Catalog Number
V14628
ISBN (eBook)
9783638199766
ISBN (Book)
9783656834496
Language
German
Tags
Wahre Ethik Wahrheitsstatus Erster Prinzipien Nikomachischen Leben Moral
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Roick (Author), 2003, Wahre Ethik. Der Wahrheitsstatus Erster Prinzipien in der Nikomachischen Ethik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14628
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