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Handlung und Pluralität

Hannah Arendts Theorie des Sozialen

Title: Handlung und Pluralität

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 22 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Vera Ohlendorf (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Die zeitgenössische Sozialphilosophie analytischer Prägung erklärt kollektive Handlungen und die Konstitution gemeinschaftlicher Institutionen auf Basis individueller Intentionen und Handlungen. Margaret Gilbert führt gemeinsame Handlungen (joint actions) von Menschen auf „joint commitments“ zurück, die die Mitglieder einer Gruppe verpflichten, ein gemeinsames Ziel gemeinschaftlich zu verfolgen.
Hannah Arendt ergründet in ihrem Werk „Vita Activa“, was es heißt, dass Menschen gemeinsam handeln. Dabei reduziert sie diese in Abgrenzung von Gilbert nicht auf individualistische Atome, sondern beschreibt Handeln als spezifisch menschliche Eigenschaft, die der Grundbedingung der Pluralität des menschlichen Lebens entspricht und die Einzigartigkeit einer Person in Interaktion mit der Mitwelt hervorbringt. Sie betont, dass Handeln im öffentlichen Bereich der Gemeinschaft stattfindet und den politischen Raum konstituiert, der gerade nur dort bestehen kann, wo Viele in der Vielfalt ihrer Perspektiven gemeinsame Angelegenheiten miteinander aushandeln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 MENSCHLICHE BEDINGTHEIT, DINGWELT UND DAS BEZUGSGEWEBE MENSCHLICHER ANGELEGENHEITEN

2 MACHT, GEWALT UND FREIHEIT

3 VERZEIHEN UND VERSPRECHEN

4 DIE MASSENGESELLSCHAFT

5 JOINT ACTIONS UND DAS HANDELN IM BEZUGSGEWEBE MENSCHLICHER ANGELEGENHEITEN

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Konzept des Handelns im Kontext der Sozialphilosophie, wobei sie Margaret Gilberts Theorie der "joint actions" kritisch der politischen Philosophie von Hannah Arendt gegenüberstellt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Arendts Verständnis von Handeln als konstitutiver Akt der menschlichen Pluralität eine Alternative zur Reduktion auf rein zweckgerichtete kollektive Intentionen bietet.

  • Die Konstitution kollektiven Handelns und politischer Gemeinschaften.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der Vertragskonzeption "joint commitments".
  • Die Bedeutung von Pluralität, Natalität und dem öffentlichen Erscheinungsraum.
  • Die Abgrenzung von Handeln, Arbeiten und Herstellen im Rahmen der "Vita Activa".
  • Die Rolle von Verzeihen und Versprechen zur Überwindung der Aporien menschlichen Handelns.

Auszug aus dem Buch

Menschliche Bedingtheit, Dingwelt und das Bezugsgewebe menschlicher Angelegenheiten

Mit starkem Bezug auf die Philosophie der griechischen Antike unterteilt Arendt die ursprüngliche Gesamtheit menschlicher Tätigkeiten, die Vita Activa, in Arbeiten, Herstellen und Handeln. Arbeit wird als lebensnotwendige Grundtätigkeit definiert, die dem biologischen Selbsterhaltungsprozess des Individuums und der Gattung entspricht. Die Grundbedingung der Arbeit ist das Leben selbst.

Durch Herstellen wird eine künstliche, objektive Dingwelt erschaffen, die der Natur entgegensteht. Durch ihre Beständigkeit überdauert sie das Leben des einzelnen Individuums und gibt dem Menschen eine spezifisch menschliche Heimat. Die Grundbedingung des Herstellens ist die Weltlichkeit. Die menschliche Existenz ist auf deren Gegenständlichkeit und Objektivität angewiesen. Handeln stellt die höchste und im eigentlichen Sinn menschlichste Tätigkeit dar. Sie spielt sich ohne die Vermittlung von Material und Dingen direkt zwischen Menschen ab. Die Grundbedingung des Handelns ist die Pluralität.

Der Mensch ist ein bedingtes Wesen. Die allgemeinen natürlichen Grundbedingungen seines Lebens sind zunächst die Geburt in und der Tod aus der Welt. Die condition humaine umfasst jedoch noch wesentlich mehr als diese Grundbedingungen des Lebens: alles, womit der Mensch in Kontakt kommt, wird zur Bedingung seiner Existenz. Bedingt durch die Natalität errichtet er eine objektive Dingwelt, die er durch Herstellen selbst hervorbringt und die ihm wiederum zur Bedingung wird. Auch die Anwesenheit anderer wird zur Bedingung seiner spezifisch menschlichen Existenz. Alle Dinge, die in der Welt erscheinen, haben die gleiche bedingende Kraft wie die natürlichen Grundbedingungen des Lebens. Der Mensch lebt somit in einer Umgebung, die stets direkt oder indirekt (in den durch Herstellen hervorgebrachten Dingen) durch die Anwesenheit anderer gekennzeichnet ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 MENSCHLICHE BEDINGTHEIT, DINGWELT UND DAS BEZUGSGEWEBE MENSCHLICHER ANGELEGENHEITEN: Einführung in Arendts Einteilung der Vita Activa und Erläuterung der Grundbedingungen des menschlichen Daseins durch Pluralität und Dingwelt.

2 MACHT, GEWALT UND FREIHEIT: Analyse des politischen Handelns als Machtquelle und Abgrenzung gegenüber Gewalt als instrumentaler Tätigkeit sowie Definition von Freiheit als Autonomie.

3 VERZEIHEN UND VERSPRECHEN: Untersuchung der Möglichkeiten, die Unabsehbarkeit menschlichen Handelns durch die Modi des Verzeihens und Versprechens innerhalb der Gemeinschaft zu bewältigen.

4 DIE MASSENGESELLSCHAFT: Historische Herleitung des Paradigmenwechsels hin zur Arbeits- und Konsumgesellschaft, die den öffentlichen politischen Raum und die Pluralität verdrängt.

5 JOINT ACTIONS UND DAS HANDELN IM BEZUGSGEWEBE MENSCHLICHER ANGELEGENHEITEN: Synthese und abschließender Vergleich zwischen Gilberts atomistischer Theorie kollektiver Handlungen und Arendts intersubjektivem Verständnis von politischer Existenz.

Schlüsselwörter

Handlung, Pluralität, Vita Activa, Joint Action, Bezugsgewebe, Natalität, Politische Sphäre, Macht, Freiheit, Konsumgesellschaft, Intersubjektivität, Hannah Arendt, Margaret Gilbert, öffentliche Raum, Autonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen menschlichen Handelns und vergleicht dabei die analytische Theorie der "joint actions" von Margaret Gilbert mit Hannah Arendts politischer Philosophie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Bedingungen menschlicher Existenz (Vita Activa), die Konstitution von Gemeinschaft durch Handeln, das Wesen von Macht gegenüber Gewalt sowie die Problematik moderner Konsumgesellschaften.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, inwieweit das menschliche Handeln in der Pluralität verwurzelt ist und warum eine Reduktion auf individuelle Intentionen für das Verständnis des Politischen nicht ausreicht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine vergleichende philosophiegeschichtliche und systematische Analyse, um Konzepte zu kontrastieren und die Angemessenheit verschiedener Theorien in Bezug auf die menschliche Bedingtheit zu prüfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Vita Activa, die Bestimmung von Macht, Freiheit und Gewalt, die Rolle von Verzeihen und Versprechen sowie die Kritik an der modernen Massengesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Handeln, Pluralität, Vita Activa, Joint Action, Bezugsgewebe und öffentliche Raum sind die tragenden Begriffe der Analyse.

Wie unterscheidet sich Arendts Handlungsbegriff von Gilberts Konzept der "joint actions"?

Während bei Gilbert Handeln auf individuellen Intentionen und einem "joint commitment" als zweckgerichtetem Vertrag basiert, versteht Arendt Handeln als intersubjektiven, zweckfreien und die Identität konstituierenden Akt innerhalb der Pluralität.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen "Arbeiten", "Herstellen" und "Handeln" eine zentrale Rolle?

Arendt zeigt damit, dass die moderne Degradierung des Handelns zugunsten der Arbeit und des Konsums den politischen Raum sowie die spezifisch menschliche Einzigartigkeit bedroht.

Was versteht Arendt unter der "Unabsehbarkeit des Handelns"?

Da jede Handlung eine Kette von unvorhersehbaren Folgen auslöst, ist das Handeln prinzipiell begrenzt. Verzeihen und Versprechen sind die menschlichen Fähigkeiten, die diese Aporie abmildern, ohne die Freiheit zu untergraben.

Welche Rolle spielt die "Dingwelt" bei Arendt?

Die Dingwelt bildet den beständigen Rahmen, der den Menschen eine gemeinsame Heimat bietet und erst durch die Objektivierung von Handeln und Sprechen Kontinuität in der menschlichen Welt ermöglicht.

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Details

Title
Handlung und Pluralität
Subtitle
Hannah Arendts Theorie des Sozialen
College
University of Leipzig
Grade
2,0
Author
Vera Ohlendorf (Author)
Publication Year
2008
Pages
22
Catalog Number
V146294
ISBN (eBook)
9783640568888
Language
German
Tags
Margaret Gilbert Sozialität Pluralität Arendt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vera Ohlendorf (Author), 2008, Handlung und Pluralität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146294
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