Kaschmir rückt immer dann in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit, wenn ein lokaler Konflikt in einen Krieg zweier Atommächte zu eskalieren droht - das letzte Mal nach
dem Terroranschlag auf das indische Zentralparlament am 13. Dezember 2001 durch militante Kaschmiris. Allerdings findet dieses Land seit nunmehr 13 Jahren keine Ruhe, „about 24,000 people have died in the decade-long insurgency“. Aber nicht nur
aus diesem Grund verdient Kaschmir mehr Aufmerksamkeit, sondern auch, weil sich dort neue Strukturen des Terrorismus schon seit längeren beobachten lassen und durch die „Hydra“ Terrorismus“ dieser Konflikt in Zukunft wohl nicht lokal beschränkt bleiben wird. Diese Arbeit wird sich aber nicht mit „dem Terrorismus“ als isolierten Phänomen beschäftigen, auch nicht den Terrorismus als isoliertes Netzwerk betrachten.
Vielmehr werden Terrorismus und Fundamentalismus zueinander in Beziehung gesetzt auch durch eine Abgrenzung der beiden Begriffe, die in der populären Diskussion
manchmal verschwimmt. Diese Beziehung von Terrorismus und Fundamentalismus wird mit Hilfe einer ökonomischen Theorie des Fundamentalismus untersucht und es
wird sich für Kaschmir aber auch darüber hinaus eine Art Arbeitsteilung feststellen lassen, die für beide Seiten von Vorteil ist. Um aber zu dieser These zu kommen, ist es
aber notwendig, einige Vorarbeiten zu leisten. Zuerst ist es notwendig, als Einführung in das Thema einen kurzen historischen Abriss über die Geschichte Kaschmirs zu
geben, wobei dieser nur sehr knapp gehalten ist und der Schwerpunkt auf der neueren und neuesten Geschichte liegt (Kapitel 2). Daran anschließend ist es notwendig, die
Begriffe des Fundamentalismus und des Terrorismus zumindest vorläufig zu definieren (Kapitel 3). Nach diesen relativ umfangreichen, aber notwendigen Vorarbeiten werden
Ursachen und Quellen des „Volksaufstandes“ und des „neuen“ Terrorismus in Kaschmir behandelt, sowie seine Charakteristika (Kapitel 4).
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und Fragestellung
2. Kaschmir: Happy Valley
2.1. Geschichte Kaschmirs und internationale Konflikte
2.2. Der kaschmirisch-muslimische Aufstand
2.3. Geographie und Bevölkerung Kaschmirs
3. Fundamentalismus und Terrorismus
3.1. Fundamentalismus als der Konflikt mit dem Außen
3.2. Terrorismus als gewalttätiger Fundamentalismus
3.3. Unterscheidung von Terrorismus und Fundamentalismus
4. Ursachen und Merkmale des Terrorismus in Kaschmir
4.1. Ursachen und Erscheinungsformen
4.2. Pakistans Rolle im Konflikt
5. Vom Volksaufstand zum Jihad: Das Problem des importierten Fundamentalismus
5.1. Die „feindliche Übernahme“ des Aufstandes
5.2. Terroristen als „mercenaries“
5.3. Das Klima des Fundamentalismus
5.4. Pakistans Principle-Agent-Problem
6. Zusammenfassung Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselverhältnis zwischen Terrorismus und Fundamentalismus am Beispiel des Kaschmir-Konflikts, wobei das zentrale Forschungsziel darin besteht, eine ökonomische Theorie des Fundamentalismus auf die dortigen Gegebenheiten anzuwenden und die Rolle externer Akteure wie Pakistan zu analysieren.
- Ökonomische Analyse fundamentalistischer Strukturen
- Differenzierung zwischen Terrorismus und Fundamentalismus
- Einfluss Pakistans und das Principal-Agent-Problem
- Wandel von einem regionalen Volksaufstand zum importierten Jihad
- Auswirkungen von Gewaltzyklen auf das gesellschaftliche Klima
Auszug aus dem Buch
3.1. Fundamentalismus als der Konflikt mit dem Außen
Fundamentalismus und auch Terrorismus wird oft in der alltäglichen Diskussion mit Irrationalität gleichgesetzt. Tatsächlich aber sind die Handlungen von Fundamentalisten mit einem weiten Rationalitätsbegriff mit Konsistenz von Werturteilen.(Keck 1999, S. 231.) nachvollziehbar, ein Modell unter der Annahme rationaler Individuen „fruitful“ (Iannaccone 1997, 103). Wie kann man aber eine rationale Theorie oder eben eine ökonomische Theorie des Fundamentalismus entwerfen? An dieser Stelle sei für ausführliche modelltheoretische Überlegungen und empirische Überprüfung an die Arbeiten von Iannaccone verwiesen17. Im Rahmen dieser Arbeit werden nur die Grundgedanken aus einem Aufsatz aufgegriffen, um diese auf Kaschmir anzuwenden.
Die Definition des Fundamentalismus wird in einer ökonomischen Theorie auf ein Kriterium verengt: die fundamentalisitische Gruppe verursacht für ihre Mitglieder „Kosten“. Fundamentalistische Gruppen unterscheiden sich von Religionen durch „the degree to which a group demands sacrifice and stigma, or equivalently, the degree to which it limits and thereby increases the cost of non-group activities, such as socializing with members of other religions or pursuing ‚secular’ pasttimes“ (Iannaccone 1997, 104) Die Konzentration auf das einzige Argument der Kosten ermöglicht eine klare Analyse, ist aber auch eine Vereinfachung, die der Komplexität der Welt nicht voll gerecht werden kann. Für die Zwecke dieser Arbeit aber diese Definition des Fundamentalismus, besser gesagt Sektierertums, wie es Iannaccone nennt18, ausreichend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung und Fragestellung: Diese Einleitung skizziert die Problematik des Kaschmir-Konflikts und definiert den theoretischen Rahmen sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Kaschmir: Happy Valley: Dieses Kapitel bietet einen historischen Abriss über Kaschmir und beleuchtet die geographischen sowie demographischen Gegebenheiten der Region.
3. Fundamentalismus und Terrorismus: Hier werden die Begriffe Terrorismus und Fundamentalismus theoretisch fundiert definiert und voneinander abgegrenzt.
4. Ursachen und Merkmale des Terrorismus in Kaschmir: Das Kapitel analysiert die Ursachen des Aufstandes ab 1989 und untersucht die strategische Rolle Pakistans in diesem Konflikt.
5. Vom Volksaufstand zum Jihad: Das Problem des importierten Fundamentalismus: Diese Untersuchung zeigt auf, wie der ursprüngliche Volksaufstand durch externe Einflüsse radikalisiert wurde und analysiert das daraus resultierende Principal-Agent-Problem Pakistans.
6. Zusammenfassung Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Thesen zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Region unter Berücksichtigung der untersuchten Zusammenhänge.
Schlüsselwörter
Kaschmir, Fundamentalismus, Terrorismus, Pakistan, Indien, Religionsgemeinschaften, Rational-Choice-Theorie, JKLF, Azad Kashmir, Aufstand, Jihad, Principal-Agent-Problem, Fundamentalistischer Terrorismus, Sicherheitskräfte, Konfliktforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen Fundamentalismus und Terrorismus im Kontext des Kaschmir-Konflikts und beleuchtet dabei insbesondere die Rolle externer Akteure.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die ökonomische Theorie des Fundamentalismus, die Entwicklung des Aufstandes in Kaschmir sowie die politische Strategie Pakistans.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, das dynamische Wechselverhältnis zwischen Terrorismus und Fundamentalismus auf Grundlage rationaler ökonomischer Modelle zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf einen Rational-Choice-Ansatz und eine ökonomische Theorie des Fundamentalismus, die auf die empirischen Daten des Kaschmir-Konflikts angewandt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse der Aufstandsentwicklung und die Untersuchung des Principal-Agent-Problems bei der Unterstützung terroristischer Gruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kaschmir, Fundamentalismus, Terrorismus, Jihad, Aufstand sowie die geopolitischen Beziehungen zwischen Pakistan und Indien.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Fundamentalisten und Terroristen?
Der Autor unterscheidet primär durch die politische Zielsetzung und die Organisation: Terrorismus wird als ein gewalttätiges Phänomen begriffen, das symbolische Akte nutzt, während Fundamentalismus sich über die Kosten definiert, die er seinen Anhängern auferlegt.
Welche Rolle spielt Pakistan bei der Entwicklung des Terrors in Kaschmir?
Pakistan wird als strategischer Akteur dargestellt, der versucht, durch Unterstützung islamistischer Gruppen nationale Interessen zu wahren, dabei jedoch mit einem Principal-Agent-Problem konfrontiert ist, da die Gruppen zunehmend eigenen, radikalen Agenden folgen.
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- Markus Roick (Author), 2002, Terrorismus und Fundamentalismus in Kashmir, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14630