Kaum ein Medienprodukt unserer Zeit ist in Inhalt und Form auf so komplexe Weise mit der Gesellschaft der es entspringt verbunden, wie die Soap Opera.
Mögen aus einer nicht-wissenschaftlichen Perspektive die Storylines und Plots noch so simpel und trivial erscheinen, so liegen darunter hinsichtlich einer soziokulturellen Analyse ungemein reichhaltige, konzeptionelle Schichten und Strukturen, die in einem realtiv gesetzmäßigen, wechselseitigen Verhältnis mit dem gesellschaftlichen Diskurs stehen.
Die narrativen Ebenen, unterteilbar in micro-, meta- und macronarrative, und die narrativen Dimensionen trans- und hypernarrative eröffnen nicht nur ein Verständnis für den internen Aufbau des Medienproduktes, sondern lassen auch erahnen, warum die Soap das ist, was sie ist: Ein in seiner Langlebigkeit unglaublich erfolgreiches TV-Phänomen.
Dabei wird nicht nur auf internationale Soap- und Telenovela-Formate Bezug genommen werden, sondern eine recht konkrete Analyse der deutschen Daily Soap „Marienhof“ geliefert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ebenen der Narration
2.1. The micronarrative
2.2. The metanarrative
2.3. The macronarrative
3. Dimensionen der Narration
3.1. The transnarrative
3.2. The hypernarrative
4. Anwendung auf die Daily Soap „Marienhof“
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Ausrichtung
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das von Hugh O’Donnell entwickelte Narrations-Modell für Soap Operas darzustellen und dessen Anwendbarkeit durch eine exemplarische Analyse der deutschen Daily Soap „Marienhof“ zu überprüfen.
- Systematische Darstellung der drei narrativen Ebenen (micro-, meta- und macronarrative) nach O’Donnell.
- Erläuterung der narrativen Dimensionen (trans- und hypernarrative) als übergeordnete Strukturen.
- Analyse der Wechselwirkung zwischen Soap Opera und gesellschaftlichem Diskurs.
- Untersuchung von Strukturveränderungen in der Daily Soap „Marienhof“ anhand des theoretischen Modells.
Auszug aus dem Buch
2.2. The metanarrative
Die Meta-Ebene der Narration in Soaps ist ungleich komplexer. Während auf der Ebene der micronarrative unzählige Liebes- und Intrigengeschichten nebeneinander und aneinander gereiht werden, also in gewissem Sinne Wiederholung bzw. Zirkulation zelebriert wird, kann durch Variantionen auf der Meta-Ebene trotzdem simultan der Eindruck des stetig Neuen erzeugt werden.
Ist beispielsweise eine Liebesgeschichte zwischen einer jungen Frau und einem jungen Mann, mit allen ihren Problemen, Überraschungen, etc. die Haupt-Storyline einer Soap, könnte die exakt gleich aufgebaute Geschichte , allerdings mit einem homosexuellen Paar, direkt im Anschluss als völlig neu und der Produktion eine grundlegend andere Richtung gebend aufgefasst werden. Danach oder gleichzeitig könnte eine Romanze zwischen einer älteren Frau und einem älteren Mann erzählt werden, die beide langzeit-arbeitslos sind: Obwohl das Syntagma beibehalten wird, würde der Austausch der Paradimen für den Eindruck sorgen, die Soap verfüge über sich unentwegt erneuernde, aus dem Leben gegriffene, Erzählinien.
Um es mit den Worten O’Donnells zu sagen: „It is this level of narrative which allows us to account for the fact that endless products such as soap operas appear to be simultaneously repetitive and new“ (O’Donnell 1999, 22).
Wie diese Ebene eingesetzt wird, bzw. welche Themen in die Storyline eingeflochten werden, wird durch das Bestreben der Produzenten bestimmt, einen „thematic content“ zu finden, der „broadly in tune with the expectations of their mass audience“ (O’Donnell 1999, 23) ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Komplexität der Soap Opera als Medienprodukt und Darlegung des methodischen Vorgehens mittels O’Donnells Narrations-Modell.
2. Ebenen der Narration: Detaillierte theoretische Erläuterung der drei narrativen Erzählschichten (micro-, meta- und macronarrative) in Soap Operas.
3. Dimensionen der Narration: Beschreibung der übergeordneten narrativen Dimensionen, die als Synchronie (transnarrative) und Diachronie (hypernarrative) der Serie fungieren.
4. Anwendung auf die Daily Soap „Marienhof“: Praktische Anwendung der Theorie auf die Umstrukturierung der deutschen Serie „Marienhof“ und deren Auswirkung auf die Rezipienten.
5. Schlussbemerkung: Fazit zur Plausibilität des Erklärungsmodells und Ausblick auf dessen Übertragbarkeit auf andere Fernsehformate.
Schlüsselwörter
Soap Opera, Narration, Hugh O’Donnell, Marienhof, Medienwissenschaft, micronarrative, metanarrative, macronarrative, transnarrative, hypernarrative, Erzählstruktur, Daily Soap, Fernsehforschung, Gesellschaftsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die narrative Struktur von Soap Operas auf Basis des theoretischen Modells von Hugh O’Donnell und wendet dieses auf ein konkretes Beispiel an.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die narrative Zusammensetzung, die Schichtung von Erzählebenen sowie die zeitliche Dimension und deren Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Diskursen.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, O’Donnells theoretische Konzepte verständlich darzulegen und durch eine Analyse der deutschen Soap „Marienhof“ auf ihre praktische Relevanz zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Analyse, die ein bestehendes theoretisches Erklärungsmodell (O’Donnell) auf eine Fallstudie anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Erzählebenen und -dimensionen sowie eine fallbezogene Anwendung auf den „Marienhof“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Begriffe sind Soap Opera, Narration, Erzählebenen und die medienwissenschaftliche Kategorisierung nach O’Donnell.
Wie beeinflusst die hypernarrative Ebene den Erfolg von Serien?
Sie ermöglicht eine organische Entwicklung der Serie über lange Zeiträume, wobei unvorhersehbare Faktoren und das Verhältnis zum Publikum eine zentrale Rolle spielen.
Warum wurde „Marienhof“ als Anwendungsfall gewählt?
„Marienhof“ dient als Beispiel für eine bewusste Formatveränderung, die sich gut anhand der theoretischen Ebenen (insbesondere der Meta- und Hyper-Narration) nachvollziehen lässt.
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- M.A. Florian Rosenbauer (Author), 2003, Ebenen der Narration in der Soap Opera, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14642