„Deutsche sind Reiseweltmeister“ (www.handelsblatt.com). Dieses Zitat geisterte in den letzten Jahren durch fast alle großen Deutschen Zeitungen und Zeitschriften. Auch im Jahr 2007 haben die Bundesbürger wieder mehr Geld in Fernreisen investiert. Laut dem Deutschen Reise Verband (DRV) haben die Deutschen in jenem Jahr 500 Millionen Euro mehr ausgegeben als 2006. Damit steigen die Ausgaben laut einer Berechnung der Dresdner Bank auf insgesamt rund 61 Milliarden Euro. Außerdem arbeiten 73.399 Personen in Reisebüros oder für Reiseveranstalter.
Diese Zahlen zeigen, wie wichtig das Thema Urlaub in Deutschland ist. Der Tourismus zählt in Deutschland zu den bedeutsamsten Wirtschaftsfaktoren mit einem solch hohen Finanzvolumen und einer ebenso hohen Beschäftigungszahl. Deutschland hat aber nicht nur viele potentielle Touristen, es ist auch als Reiseziel sehr beliebt. So konnte auch das Reiseland Deutschland seine Einnahmen Euro im letzten Jahr auf ein Volumen von rund 26,5 Milliarden enorm steigern.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass dieses Thema auch in der Deutschen Kulturanthropologie viel Aufsehen erregt und sich eine große Zahl von Forschern mit dieser Materie auseinandersetzen. Oder wie es Burkhart Lauterbach 1992 in seinem Text „, Von den Einwohnern’ Alltagsdarstellungen im Spiegel des Reiseführers“ formuliert: „der Tourismus ist weltweit immer noch eine der Wachstumsbranchen überhaupt, was (…) nichts anderes bedeutet als: immer mehr Menschen reisen immer öfter, zu nahen wie auch zu entfernten Zielen“.
In Proseminar „ ,Voyage, voyage’ – Reisen aus kulturwissenschaftlicher Sicht“ wurden verschiedene Texten von Wissenschaftlern bearbeitet, die sich mit diesem Thema kritisch auseinandergesetzt haben. Zu Beginn wurden sowohl der Tourismus als auch dessen Folgen auf die Gesellschaft kritisch beurteilt. Anschließend folgte die Aufarbeitung der Entwicklung des Tourismus von seinen Wurzeln her bis ins einundzwanzigste Jahrhundert hinein. Dies geschah immer mit Blick auf die Gesellschaft, der Zeit und den Folgen der Entwicklungen, die sich vollzogen haben.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BESCHAFFUNG EMPIRISCHEN DATENMATERIALS
3. GENERELLE EMPIRISCHE ERKENNTNISSE
4. THESENAUSWAHL
5. ÜBERPRÜFUNG DER THESEN
6. FAZIT
7. LITERATURVERZEICHNIS
8. TABELLENVERZEICHNIS
9. TABELLEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Urlaubsverhalten und die Reisegewohnheiten im Kontext moderner kulturwissenschaftlicher Perspektiven. Ziel ist es, durch eine empirische Erhebung zu prüfen, inwieweit aktuelle wissenschaftliche Thesen über den modernen Touristen – insbesondere im Hinblick auf den Trend zum Individualurlaub sowie das Bedürfnis nach Action und neuen Kontakten – in der heutigen Gesellschaft Gültigkeit besitzen.
- Analyse des Einflusses des Internets auf die Reiseplanung und Buchungsentscheidungen.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Bildungsstand und Präferenz für Individualreisen.
- Evaluation des modernen Touristentyps hinsichtlich seiner Erwartungen an Action, Spaß und soziale Interaktion.
- Überprüfung der Bedeutung von Reiseführern und deren Nutzungsmustern bei Reisenden.
- Kritische Reflexion der Bedeutung des Preis-Leistungs-Verhältnisses für die aktuelle Urlaubsgestaltung.
Auszug aus dem Buch
These 1: Gebildete Personen bevorzugen einen Individualurlaub, sowie einige Annahmen die die Gestaltung eines Individualurlaubs betreffen.
Viele der Texte befassen sich damit, dass die Individualreise dem Massentourismus immer mehr weichen muss und dass ein gewisses Bildungsniveau die Individualreise voraussetzt. Henning formuliert es „Authentizität“ und meint damit: „Aufgeklärte Reisende suchen, echte’ Erlebnisse. Sie meiden die arrangierten Touristenspektakel“ (Henning 1997: 38)
Man erfährt weiter von ihm, dass der Gebildete Mensch auf der Suche nach dem Authentischen seine Reise selbst gestaltet, da er nur so dem arrangierten Touristenspektakel entgehen kann. Denn nur die Individualreise bietet ihm die letzte Realität.
Ein Vorteil des Massentourismus ist natürlich der niedrige Preis, der durch die Vorteile der Serienproduktion der Reiseveranstalter gegeben ist. Ein Fakt der gegen die Entwicklung, vor allem in der Jüngeren Bevölkerung spricht, ist die Aussage der BITKOM und des Verbands Internet Reisevertriebs (VIR): „15 Millionen Deutsche haben bereits eine Reise oder einen Teil davon online gebucht - das ist jeder Vierte über 14 Jahren. 71 Prozent der Deutschen über 14 Jahren mit Internet-Zugang haben vor der Buchung das Internet für Preisvergleiche genutzt.“ Dies deckt sich mit unserer Erkenntnis, dass laut Tabelle 4 über 35% der Befragten ihre Reise im Internet gebucht haben. Wenn man dann noch diese Frage mit der Frage 7: „Wie haben sie ihren Urlaub gestaltet?“ kreuzt, erhält man als Resultat, dass etwa jeder vierte seine Reise individuell im Internet gestaltet hat (Tabelle 40). Somit zeigt sich welch große Bedeutung das Internet bei der Reisegestaltung hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Dieses Kapitel stellt die wirtschaftliche Relevanz des Tourismus in Deutschland dar und führt in die kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Reisegeschehen ein.
2. BESCHAFFUNG EMPIRISCHEN DATENMATERIALS: Hier wird der Prozess der quantitativen Datenerhebung mittels eines Fragebogens am Mainzer Hauptbahnhof beschrieben und die Struktur der einzelnen Themenblöcke erläutert.
3. GENERELLE EMPIRISCHE ERKENNTNISSE: Dieser Abschnitt wertet die erhobenen Daten statistisch aus und charakterisiert die Zusammensetzung der befragten Gruppe anhand von Demografie und Bildungsstand.
4. THESENAUSWAHL: Hier werden die zwei zentralen Untersuchungsschwerpunkte der Arbeit festgelegt, die auf den empirischen Beobachtungen basieren.
5. ÜBERPRÜFUNG DER THESEN: In diesem Kapitel erfolgt die wissenschaftliche Diskussion der aufgestellten Thesen im Abgleich mit den Studienergebnissen und der Fachliteratur.
6. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, reflektiert die methodischen Grenzen der kleinen Stichprobe und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Tourismus.
7. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
8. TABELLENVERZEICHNIS: Aufstellung aller in der Arbeit enthaltenen tabellarischen Auswertungen.
9. TABELLEN: Detaillierte Darstellung der statistischen Rohdaten aus der empirischen Erhebung.
Schlüsselwörter
Tourismus, Individualurlaub, Massentourismus, Kulturanthropologie, empirische Erhebung, Reiseverhalten, Internet, Reiseführer, Authentizität, Bildungsstand, Urlaubsgestaltung, Aktivabenteuer, Action, Sozialkontakt, Reisemarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das moderne Reiseverhalten aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive mittels einer empirischen Datenerhebung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Individualisierung des Urlaubs, dem Einfluss digitaler Medien auf die Reiseplanung sowie dem Bedürfnis moderner Touristen nach Erlebnisorientierung.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist die Überprüfung der Aussagekraft und Gültigkeit wissenschaftlicher Thesen über den modernen Touristen anhand selbst erhobener Daten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Der Autor nutzte einen quantitativen Fragebogen, um Daten von Passanten am Mainzer Hauptbahnhof zu erheben, die anschließend statistisch ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung der Datenerhebung, die statistische Auswertung der demografischen Daten sowie die theoretische und empirische Überprüfung der aufgestellten Thesen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Tourismus, Individualisierung, Konsumverhalten, Authentizität, empirische Forschung und Reiseplanung.
Warum spielt das Internet eine so große Rolle in der Untersuchung?
Das Internet wird als zentrales Instrument für Preisvergleiche und die individuelle Reisegestaltung identifiziert, was sich in den hohen Nutzerzahlen in der Befragung widerspiegelt.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich des Einflusses des Bildungsstands?
Der Autor stellt fest, dass die Stichprobe überwiegend gebildete Personen umfasst, wodurch Aussagen über diesen Personenkreis möglich sind, während Gruppen mit niedrigerem Bildungsstand unterrepräsentiert bleiben.
Gibt es einen Trend bei der Urlaubsgestaltung, der besonders hervorgehoben wird?
Ja, der Trend zum "Aktivabenteuer" und das Bedürfnis nach "Fun und Action" werden als zentrale Motive moderner Reisender, insbesondere bei jüngeren Altersgruppen, identifiziert.
Wie bewertet der Autor die Aussagekraft der Studie?
Der Autor weist selbstkritisch darauf hin, dass die geringe Fallzahl der Befragten eine Einschränkung für die Allgemeingültigkeit der Ergebnisse darstellt und empfiehlt bei Wiederholungen eine größere Stichprobe.
- Arbeit zitieren
- Daniel Hamann (Autor:in), 2008, Eine empirische Erhebung zum Tourismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146471