Die vorliegende Hausarbeit „Neugablonz-Ein Beispiel für die Integration der Vertriebenen in der frühen BRD?“ soll sich mit der Integration der deutschen Heimatvertriebenen aus den östlichen Reichsgebieten in der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg befassen. Als Beispiel wird die Arbeit hauptsächlich die Vertriebenensiedlung Neugablonz, einen heutigen Stadtteil Kaufbeurens im bayrischen Schwaben, betrachten, welche seit ihrer Errichtung für ihre Schmuckherstellung bekannt ist.
Da im Zuge der deutschen Expansion viele osteuropäische Staaten eingenommen wurden, planten noch während des Krieges die Exilregierungen der besetzten Staaten für die Wiederrichtung ihrer Nation die Umsiedlung der ethnischen Deutschen. Auf der Potsdamer Konferenz 1945 beschloss man nach der Kapitulation Deutschlands, dessen Grenzen nach Westen zu verschieben. So waren die Deutschen aus einem Großteil der deutschen Ostgebiete gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die Flucht und die Vertreibungen waren gekennzeichnet von Leid und Verbrechen und auch die Aufnahme im besetzten Deutschland brachte viele Komplikationen mit sich. Die Integration der neuen Bevölkerung bedurfte trotz der kulturellen Gemeinsamkeiten mehrerer Jahrzehnte.
Durch die genauere Reflexion der dazugehörigen Zusammenhänge soll geprüft werden, ob Neugablonz als ein Musterbeispiel für die Integration der Vertriebenen in den frühen Jahren der Bundesrepublik gesehen werden kann.
Die Geschichte der Vertreibungen der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg wird in zahlreichen Monografien und Sammelbänden thematisiert, die für diese Hausarbeit verwendet wurden. Auch von der Vertriebenensiedlung Neugablonz handeln einige Kapitel. Im Internet lassen sich viele Artikel in Zeitschriften finden und auch die Website der Stadt Kaufbeuren enthält einige Informationen über das Thema. Des Weiteren habe ich die Stadt Kaufbeuren kontaktiert und auf diese Weise zusätzliches Material erhalten.
Im ersten Kapitel des Hauptteils „Die Vertriebenen in der frühen Bundesrepublik“ wird ein allgemeiner Überblick über die Ankunft und Integration der Vertrieben in den Anfangsjahren der Bundesrepublik gegeben und die damit verbundenen Umstände und Ereignisse werden beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Neugablonz
Ein Beispiel für die Integration der Vertriebenen in der frühen BRD?
2.1 Die Vertriebenen in der frühen Bundesrepublik
2.2 Neugablonz-Eine Vertriebenengemeinde
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Beispiels der Vertriebenensiedlung Neugablonz in Kaufbeuren, ob diese als Musterbeispiel für die Integration von Heimatvertriebenen aus den östlichen Reichsgebieten in der frühen Bundesrepublik Deutschland gelten kann.
- Integration von Heimatvertriebenen nach 1945
- Entstehung und Entwicklung der Siedlung Neugablonz
- Sozioökonomische Faktoren des Integrationsprozesses
- Politisches Verhalten der Vertriebenen in der frühen BRD
- Verhältnis zwischen Vertriebenen und Einheimischen
Auszug aus dem Buch
2.2 Neugablonz - Eine Vetriebenengemeinde
Der heutige Stadtteil „Neugablonz“ des bayrischen Kaufbeuren ist der zentrale Ort der Schmuckherstellung in Deutschland und erlangte unter den Vertriebenensiedlungen in der neugegründeten Bundesrepublik besondere Bekanntheit. Von vertriebenen Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, ist sie die einzige Siedlung, die nach einer ehemaligen deutschen Stadt, nämlich dem böhmischen Gablonz, benannt wurde.
Nach dem Kriegsende 1945 wurden um die drei Millionen Sudetendeutschen aus den an Tschechien fallenden Gebieten Böhmen, Mähren und Schlesien vertrieben. Davon betroffen war auch die Stadt Gablonz im Landkreis Gablonz an der Neiße in Nordböhmen, die bekannt für ihre Glas- und Schmuckindustrie war. Im Juni 1945 begann man auch dort mit der Vertreibung der ungefähr 100.000 Volksdeutschen aus dem Landkreis. Die von den Amerikanern besetzte ehemalige Reichsstadt Kaufbeuren im heutigen bayrischen Schwaben sollte für viele der Sudetendeutschen aus Gablonz die neue Heimat werden. Schon bald begann der Gablonzer Ingenieur Erich Huschka mit der Planung, die Industrie aus seinem Heimatgebiet in das bisher agrarisch geprägte Schwaben zu versetzen. Neugründungen von Betrieben aus Industriezweigen, die in den jeweiligen Gebieten nicht oder nur schwach verbreitet waren, stellten zu der Zeit keine Seltenheit dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Hausarbeit ein, definiert das Fallbeispiel Neugablonz und beschreibt die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Forschung.
2. Neugablonz: Dieses Kapitel analysiert die großflächige Migration der Vertriebenen in die Bundesrepublik sowie die spezifische Gründung und Entwicklung der Siedlung Neugablonz als Wirtschaftszentrum.
2.1 Die Vertriebenen in der frühen Bundesrepublik: Hier wird der allgemeine Prozess der Ansiedlung von Millionen Vertriebenen, die damit verbundenen sozialen Herausforderungen und die erste politische und gesetzliche Eingliederung diskutiert.
2.2 Neugablonz-Eine Vertriebenengemeinde: Dieser Abschnitt beschreibt die konkrete Entstehungsgeschichte der Siedlung Neugablonz durch sudetendeutsche Experten und Unternehmer sowie die soziale Dynamik vor Ort.
3. Schluss: Das Fazit beurteilt auf Basis der soziologischen Integrationstheorie, dass Neugablonz aufgrund der kulturellen und sozialen Abgrenzung kein klassisches Integrationsmusterbeispiel darstellt.
Schlüsselwörter
Neugablonz, Vertriebene, Integration, Bundesrepublik Deutschland, Nachkriegsgeschichte, Kaufbeuren, Sudetendeutsche, Vertriebenensiedlung, Wirtschaftswunder, Sozialgeschichte, Heimatvertriebene, Identitätsbewahrung, Integrationstheorie, Kommunalpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die historische Untersuchung der Integration von Vertriebenen in der frühen Bundesrepublik Deutschland am Beispiel der Siedlung Neugablonz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen Flucht und Vertreibung, die wirtschaftliche Eingliederung durch Industrieansiedlungen sowie die soziokulturelle Interaktion zwischen Vertriebenen und der einheimischen Bevölkerung.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt, ob Neugablonz als Musterbeispiel für eine erfolgreiche Integration der Vertriebenen in den frühen Jahren der Bundesrepublik betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Arbeit verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Literaturanalyse, die einschlägige Monografien, Fachartikel, städtische Informationen und soziologische Definitionen von Integration auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen allgemeinen Überblick über die Situation der Vertriebenen in Westdeutschland nach 1950 und eine detaillierte Fallstudie zur Entstehung und sozialen Entwicklung von Neugablonz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?
Wichtige Begriffe sind Neugablonz, Vertriebenensiedlung, Integration, Sudetendeutsche und Nachkriegsgeschichte.
Warum wird Neugablonz in der Arbeit als Sonderfall bezeichnet?
Neugablonz gilt als Sonderfall, weil die Vertriebenen dort einen geschlossenen "Mikrokosmos" mit starken Bezügen zur alten Heimat und eigener Industrie schufen, statt sich vollständig in die einheimische Bevölkerung zu assimilieren.
Wie bewertet der Autor den Integrationserfolg von Neugablonz im Schlussteil?
Der Autor kommt zum Ergebnis, dass trotz der wirtschaftlichen Modernisierung keine vollständige soziale Integration stattfand, weshalb die Bezeichnung als klassisches "Musterbeispiel" aus soziologischer Sicht abgelehnt wird.
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- Anonym (Autor), 2018, Neugablonz. Ein Beispiel für die Integration der Vertriebenen in der frühen BRD?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1465967