Der Suizid in Spinozas Ethik

Nach Spinoza eine äußerste Schwächung von Trieb und Begierde


Seminararbeit, 2006

10 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFERKLÄRUNG

3. AFFEKTE

4. ESSENZ DER DINGE

5. WIE IST SUIZID ÜBERHAUPT MÖGLICH?

6. SUIZID ALS ÄUßERSTE SCHWÄCHUNG VON TRIEB UND BEGIERDE

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Diese Arbeit ist in einem Philosophieseminar an der Universität Wien im Sommersemester 2006 entstanden. Es handelt sich um eine Reflexion darüber, wie Spinoza den Suizidbegriff in seiner "Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt" versteht. Um den Sachverhalt adäquat darstellen zu können, ist es erstmal notwendig die Begriffe „Trieb“ und „Begierde“ im spinozanischen Sinne zu definieren.

2. Begrifferklärung

Die ursprünglichste aller Bewegursachen im Bereich der natürlichen Dinge ist deren Streben (conatus) nach Selbsterhaltung, der natürliche Selbsterhaltungs trieb (appetitus) lebendiger Wesen, der im Menschen unter den Bedingungen möglichen Bewusstseins die Form der natürlichen Begierde (cupiditas) annimmt.1 Der Conatus wird von Spinoza als die elementare Bestimmung eines jeden endlichen Dinges verstanden. Diese Bestimmung lautet: „Jedes Ding strebt, soviel in ihm ist, in seinem Sein zu verharren“ (LS 6, III).2 Conatus strebt das positive an, nämlich „zu sein, zu handeln und zu leben“ (LS 21, IV), in welcher Form dies auch immer gelingen oder auch mißlingen mag.3 Der Mensch begleitet den Conatus nicht nur mit Bewusstsein, sondern gestaltet ihn auch durch dieses.4 Begierde ist des Menschen Essenz selbst, insofern diese als von irgendeiner ihrer gegebenen Affektionen zu einem Handeln bestimmt begriffen wird. (D 1, III)5

3. Affekte

Trieb bzw. Begierde, sowie Liebe und Hass bilden die menschlichen Uraffekte. Affekte beschreibt Spinoza in seiner Ethik als ‚natürliche Dinge’, die wie alles Natürliche an der allgemeinen Gesetzmäßigkeit der Natur teilhaben.6 Die Gesetzmäßigkeit, der diese Entitäten unterliegen, vermag einen wesentlichen Beitrag zur Erklärung menschlichen Verhaltens zu liefern. Umgekehrt ist ohne Rekurs auf diese Gesetzmäßigkeit eine zureichende Erklärung menschlichen Verhaltens unmöglich.7 Manche Affekte stehen für Passivität (Leidenschaften) und hemmen die (Wirkungs)Macht eines Menschen, andere wiederum stehen für Aktivität und erhöhen diese.

4. Essenz der Dinge

Spinoza betont und wiederholt immer wieder (LS 4, III; LS 7, III; LS 9, III) dass die Essenz jedes Dinges ist, in seinem Sein zu verharren. Kein Ding hat etwas in sich, von dem es zerstört werden könne oder seine Existenz aufhöbe (LS 6, III). Nach der Betrachtung dieser Lehrsätze ist es durchaus legitim zu fragen, wie es dann möglich ist, dass Menschen (die ja auch endliche Einzeldinge sind) überhaupt Suizid begehen können, wen sie gar nicht dazu in der Lage sind, ihre Existenz aufzuheben.

5. Wie ist Suizid überhaupt möglich?

Die Antwort darauf ist, dass sich die von der Selbsterhaltung erstrebte eigene Macht der Einzeldinge nur im Streben selbst artikuliert und nicht unabhängig davon noch etwas anderes darstellt. Das zu Erhaltende ist also vom Conatus nicht verschieden, sondern die in ihm begründete Aktivität. Die Entfaltung dieser Aktivität ist aber durch Äußeres gefährdet.8 Außerdem - so konstatiert Spinoza - ist die Kraft, mit der der Mensch im Existieren verharrt, begrenzt, und wird von der Macht äußerer Umstände unendlich übertroffen (LS 3, IV). Somit wird klar, dass aus dem bloßen Tatbestand der Aktivität des Conatus noch nichts hinsichtlich dessen Gelingens gefolgert werden kann. Vielmehr sind mit dem auf Steigerung bedachten Streben eines Individuums sowohl Mehrung wie Minderung der eigenen Handlungsmacht verträglich und folglich auch ein unterschiedliches Ausmaß von Handeln (aktiv) und Leiden (passiv). 9

[...]


1 Wiehl, Reiner, Die Vernunft in der menschlichen Unvernunft. Das Problem der Rationalität in Spinozas Affektenlehre, Hamburg 1983. 17

2 Bartuschat, Wolfgang, Baruch de Spinoza. Denker. Beck 1996, 106

3 Bartuschat, Wolfgang, Baruch de Spinoza. Denker. Beck 1996, 107

4 Bartuschat, Wolfgang, Baruch de Spinoza. Denker. Beck 1996, 109

6 Wiehl, Reiner, Die Vernunft in der menschlichen Unvernunft. Das Problem der Rationalität in Spinozas Affektenlehre, Hamburg 1983. 12

7 Wiehl, Reiner, Die Vernunft in der menschlichen Unvernunft. Das Problem der Rationalität in Spinozas Affektenlehre, Hamburg 1983. 13

8 Bartuschat, Wolfgang, Baruch de Spinoza. Denker. Beck 1996, 106

9 Bartuschat, Wolfgang, Baruch de Spinoza. Denker. Beck 1996, 106

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Suizid in Spinozas Ethik
Untertitel
Nach Spinoza eine äußerste Schwächung von Trieb und Begierde
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Philosophie)
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
10
Katalognummer
V146610
ISBN (eBook)
9783640568055
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Conatus, Schwächung, Trieb, Begierde, Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt, ethica ordine geometrico demonstrata, cupiditas, appetitus
Arbeit zitieren
Christoph Burger (Autor), 2006, Der Suizid in Spinozas Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146610

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Suizid in Spinozas Ethik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden