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Der Suizid in Spinozas Ethik

Nach Spinoza eine äußerste Schwächung von Trieb und Begierde

Title: Der Suizid in Spinozas Ethik

Seminar Paper , 2006 , 6 Pages , Grade: 1

Autor:in: Christoph Burger (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit ist in einem Philosophieseminar an der Universität Wien im Sommersemester 2006 entstanden. Es handelt sich um eine Reflexion darüber, wie Spinoza den Suizidbegriff in seiner "Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt" versteht. Um den Sachverhalt adäquat darstellen zu können, ist es erstmal notwendig die Begriffe „Trieb“ und „Begierde“ im spinozanischen Sinne zu definieren.
Die ursprünglichste aller Bewegursachen im Bereich der natürlichen Dinge ist deren Streben (conatus) nach Selbsterhaltung, der natürliche Selbsterhaltungstrieb (appetitus) lebendiger Wesen, der im Menschen unter den Bedingungen möglichen Bewusstseins die Form der natürlichen Begierde (cupiditas) annimmt. Der Conatus wird von Spinoza als die elementare Bestimmung eines jeden endlichen Dinges verstanden. Diese Bestimmung lautet: „Jedes Ding strebt, soviel in ihm ist, in seinem Sein zu verharren“ (LS 6, III). Conatus strebt das positive an, nämlich „zu sein, zu handeln und zu leben“ (LS 21, IV), in welcher Form dies auch immer gelingen oder auch mißlingen mag. Der Mensch begleitet den Conatus nicht nur mit Bewusstsein, sondern gestaltet ihn auch durch dieses. Begierde ist des Menschen Essenz selbst, insofern diese als von irgendeiner ihrer gegebenen Affektionen zu einem Handeln bestimmt begriffen wird. (D 1, III)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFERKLÄRUNG

3. AFFEKTE

4. ESSENZ DER DINGE

5. WIE IST SUIZID ÜBERHAUPT MÖGLICH?

6. SUIZID ALS ÄUßERSTE SCHWÄCHUNG VON TRIEB UND BEGIERDE

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die philosophische Perspektive von Baruch de Spinoza auf den Suizidbegriff, wie er in seinem Hauptwerk "Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt" dargelegt wird. Ziel der Reflexion ist es, aufzuzeigen, wie ein Akt, der der menschlichen Tendenz zum Selbsterhaltungstrieb widerspricht, innerhalb seines deterministischen Systems verstanden und begründet werden kann.

  • Grundlagen des Selbsterhaltungstriebs (Conatus)
  • Die Rolle der menschlichen Affekte und Leidenschaften
  • Das Verhältnis von Handlungsfähigkeit und adäquater Erkenntnis
  • Die Interpretation des Suizids als äußerste Schwächung der Begierde

Auszug aus dem Buch

6. Suizid als äußerste Schwächung von Trieb und Begierde

Wenn man all das oben Erörterte in Betracht zieht, müsste man zu dem Schluss kommen, dass die Schwächung des Conatus bzw. der Begierde ein direktes Resultat von Leidenschaften, die ja bekanntlich die Wirkungsmacht hemmen, bzw. ein indirektes Resultat von inadäquater Erkenntnis, der die adäquate Einsicht der Dinge fehlt und der Mensch somit ein verzerrtes, falsches Bild seiner Natur hat.

Reiner Wiehl bedient sich dazu eines Beispiels, das zwar nicht von Suizid selbst handelt, aber den Sachverhalt trotzdem sehr gut illustriert. Der Suizid wäre noch ein weiterer Schritt in Richtung Schwächung des Conatus:

Das erste Strukturelement einer reinen Unvernunft, die sich aller Vernunft widersetzt, findet ihre exemplarische Verwirklichung in all den Fällen, in denen ein Affekt vom Menschen so sehr Besitz ergreift, dass dieser zu nichts weiter fähig ist. Anstatt Herr zu sein über diesen Affekt – sei er Liebe, Hass, Reue oder Neid – wird er von dem Affekt beherrscht. Er scheint geradezu als ein Besessener, dessen Vernunft außer Kraft gesetzt und zu keiner Verhaltensmodifikation fähig ist. Ein Mensch, der auf diese Weise von einem einzelnen, mehr oder weniger komplexen Affekt, von ‚seinem’ Affekt vollständig beherrscht wird, ist ein Leidender, ein im Grunde unglücklicher Mensch. Er ist ein unfreier Mensch und leidet nicht nur an seinem affektiven Zustand, sondern auch daran, dass er diesen nicht aus eigener Kraft verändern kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung verortet das Thema im Rahmen eines Philosophieseminars und begründet die Notwendigkeit, zentrale Begriffe wie Trieb und Begierde bei Spinoza zu definieren.

2. BEGRIFFERKLÄRUNG: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Conatus als fundamentales Streben zur Selbsterhaltung, das bei Menschen als bewusste Begierde in Erscheinung tritt.

3. AFFEKTE: Hier werden Triebe und Begierden als menschliche Uraffekte charakterisiert, die entweder als Aktivität zur Machtsteigerung oder als Passivität zur Machthemmung wirken.

4. ESSENZ DER DINGE: Das Kapitel reflektiert Spinozas Lehrsatz, dass alles Sein auf Selbsterhaltung ausgerichtet ist, und wirft die Frage auf, wie Suizid in diesem System überhaupt denkbar ist.

5. WIE IST SUIZID ÜBERHAUPT MÖGLICH?: Die Untersuchung zeigt, dass der Mensch äußeren Kräften unterworfen ist und ein Mangel an adäquater Erkenntnis dazu führen kann, dass die eigene Handlungsmacht geschwächt wird.

6. SUIZID ALS ÄUßERSTE SCHWÄCHUNG VON TRIEB UND BEGIERDE: Das abschließende inhaltliche Kapitel interpretiert den Suizid als das Resultat einer durch Leidenschaften und inadäquate Erkenntnis verursachten totalen Schwächung des menschlichen Selbsterhaltungstriebs.

Schlüsselwörter

Spinoza, Ethik, Suizid, Conatus, Selbsterhaltungstrieb, Begierde, Affekte, Leidenschaften, Handlungsmacht, Vernunft, adäquate Erkenntnis, menschliche Natur, Philosophie, Unfreiheit, Existenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit reflektiert die philosophische Sichtweise von Baruch de Spinoza auf den Suizid, basierend auf seinem Hauptwerk "Ethik".

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Begriffe des Conatus (Selbsterhaltungstrieb), die Rolle der menschlichen Affekte sowie die Unterscheidung zwischen adäquater und inadäquater Erkenntnis.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Suizid, der dem Selbsterhaltungsprinzip widerspricht, innerhalb von Spinozas deterministischem System logisch einzuordnen und zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse und Interpretation, die sich auf Spinozas "Ethik" und ergänzende Sekundärliteratur stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung von menschlicher Handlungsfähigkeit, die Gefährdung dieser durch äußere Umstände und den Zustand der Unfreiheit durch Affektbeherrschung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Conatus, Begierde, Affekt, Selbsterhaltung und die Macht des menschlichen Handelns.

Warum stellt der Suizid laut der Arbeit eine "äußerste Schwächung" dar?

Weil der Suizid den vollständigen Verlust der Fähigkeit zur Selbsterhaltung bedeutet, was als das Extrem einer durch Leidenschaften verursachten Machtminderung verstanden wird.

Inwiefern spielt "adäquate Erkenntnis" für das Thema eine Rolle?

Adäquate Erkenntnis ist bei Spinoza der Schlüssel zur Tugend und zur eigenen Stärke; ihr Fehlen führt zu einem verzerrten Selbstbild und passiven Leiden, was letztlich den Selbsterhaltungstrieb untergraben kann.

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Details

Title
Der Suizid in Spinozas Ethik
Subtitle
Nach Spinoza eine äußerste Schwächung von Trieb und Begierde
College
University of Vienna  (Institut für Philosophie)
Grade
1
Author
Christoph Burger (Author)
Publication Year
2006
Pages
6
Catalog Number
V146610
ISBN (eBook)
9783640568055
Language
German
Tags
Conatus Schwächung Trieb Begierde Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt ethica ordine geometrico demonstrata cupiditas appetitus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Burger (Author), 2006, Der Suizid in Spinozas Ethik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146610
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