Der Mensch ist ein „zweibeiniges Tier ohne Federn“ und „ vernunftbegabt“. Er ist „Ebenbild Gottes“, auch ein „kleiner Gott“. Das menschliche Wesen ist ein „Tier, das sich selbst vervollkommnen kann“, denn es ist „das Wesen, welches will“.
(Quelle: www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/philo/anthro/anthrop3.htm)
Die oberen Aussagen aus verschiedenen Jahrhunderten stammen von Philosophen und Dichtern Europas: Platon, Aristoteles, Augustinus, Leibniz, Kant, Schiller. Auch wenn sie die unterschiedlichsten Epochen europäischer Kultur repräsentieren, haben sie eines gemeinsam: Sie zeigen, dass sich der Mensch seiner Sonderstellung in der Welt bewusst ist. Warum? Hat der Mensch eine besondere Aufgabe und deshalb besondere Fähigkeiten? Ist es ihm vorbestimmt, andere Lebewesen zu regieren, wie es in der Bibel steht?
Warum ist der Mensch, wie er ist? Warum ist er überhaupt? Diese Fragen bewegen die Menschen unseres Erdteiles schon lange.
Mein Interesse für die alten Kulturen Amerikas bewegte mich zu erforschen, wie z.B. mesoamerikanische Hochkulturen, wie die Azteken, ihre Welt und sich selbst sahen. Die Suche nach geeignetem Material führte mich zu der Erkenntnis, dass uns die Azteken selbst kaum verwertbares Material hinterlassen haben. Wenige Geistliche und Mexikopioniere haben versucht, bald nach der Eroberung Gebräuche, Kulthandlungen und Mythen von den überlebenden Mexica selbst aufzunehmen. Vor allem Bernardino de Sahagun, Bernal Diaz del Castillo und Fray Diego Duran hinterließen Aufzeichnungen, die ein reales Bild der indianischen Lebensweise und Weltsicht entstehen lassen. Meine Überlegungen stützen sich vor allem auf ihre Berichte und die von ihnen notierten Legenden.
Auf der einen Seite registriert der Rezipient große Fertigkeiten in der Baukunst, Tempel so groß wie die Cheops- Pyramide, ein durchdachtes Kalenderwesen; andererseits wird von der Schlachtung vieler Opfer berichtet, die nur Unverständnis hervorruft.
Wie entsteht ein solch widersprüchliches Bild von den alten Mexica? Welchen Wert hatte ein Menschenleben für sie? Welches Weltbild/ Götterbild/ Menschenbild leitete sie?
Diese Fragen werde ich versuchen zu beantworten, indem ich auch naturwissenschaftliche sowie kultur- und sozialanthropologische Aspekte einbeziehe.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemfindung
2 Herkunft der Azteken
2.1 Wissenschaftliche Recherche
2.2 Mythologie
3 Der Mensch im Aztekenreich
3.1 Soziale Ordnung
3.2 Religion
3.2.1 Mensch- Natur- Götter
3.2.2 Huitzilopochtli und der Krieg
3.2.3 Schicksalhaftigkeit und Jenseitsvorstellungen
4 Gesamteindruck und Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Welt- und Menschenbild der Azteken sowie deren tiefgreifende religiöse Verflechtungen. Dabei wird insbesondere analysiert, wie diese kulturellen und spirituellen Grundsätze den Alltag, die soziale Struktur sowie das kriegerische Handeln des Volkes prägten und zur Vorherrschaft des Glaubens an Opferrituale führten.
- Analyse der aztekischen Ursprungsgeschichte und Mythologie
- Strukturelle Untersuchung der sozialen Schichtung und Ordnung
- Die Rolle der Götterwelt als Grundlage für das aztekische Weltbild
- Bedeutung des Opferkults als existenzsichernde Maßnahme
- Kritische Reflexion der historischen Wahrnehmung europäischer und indigener Perspektiven
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Mensch- Natur- Götter
Das Welt- und Menschenbild der Azteken erschließt sich über ihre Religion.
Während man sich im Europa der Renaissance antiker Sichtweisen erinnerte, nach denen der Mensch das Maß aller Dinge sein musste, kann für die Azteken eindeutig gesagt werden: „Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge“.(11) Bereits zu Beginn der Wanderung betrachteten sie sich als ein auserwähltes Volk. Ihr Führer war der mächtige Gott Huitzilopochtli. Die neue Heimat war gottgegeben, ebenso die soziale Ordnung, das Wertesystem und letztlich auch der Herrscher selbst. Der tlatoani blieb aber ein weltlicher Fürst, ein Mensch, der nicht mit den Göttern gleichgesetzt wurde. Dies strebte erst Montezuma II. ab 1502 an. Ein Herrscher verkündete eine göttliche Rechtsordnung, die keinen Widerspruch duldete. Schwere Strafen unterdrückten jeden Widerstand rechtzeitig. Ab 1440 wurde das Volk allerdings allmählich von der Wahl des neuen Königs ausgeschlossen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemfindung: Der Autor erläutert die philosophische Ausgangslage der Arbeit und führt in die Thematik der Anthropologie ein.
2 Herkunft der Azteken: Dieses Kapitel behandelt die Wanderungsgeschichte der Stämme, ihre historische Einordnung und die Entstehung der aztekischen Mythen.
3 Der Mensch im Aztekenreich: Hier wird die soziale Struktur und die religiöse Weltanschauung als Basis für das gesellschaftliche Leben analysiert.
4 Gesamteindruck und Schlusswort: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die historische Einseitigkeit der Europäer gegenüber der aztekischen Kultur ab.
Schlüsselwörter
Azteken, Huitzilopochtli, Menschenopfer, Tenochtitlan, Religion, Schicksal, Jenseits, Soziale Ordnung, Mythologie, Weltbild, Kultur, Mesoamerika, Opferkult, Herrschaft, Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet das komplexe Geflecht aus Religion, Weltbild und sozialer Ordnung im Aztekenreich.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Schwerpunkte sind die mythologischen Ursprünge der Azteken, ihre strenge Gesellschaftsstruktur und die zentrale Rolle der Götter sowie des Opferkultes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Handeln der Azteken aus ihrem eigenen religiösen Kontext heraus zu verstehen und eine einseitige, eurozentrische Sichtweise zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literatur- und quellenbasierte Analyse, die historische Berichte und ethnologische Aspekte miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der sozialen Schichtung, der Rolle der Götter, insbesondere Huitzilopochtli, sowie der Schicksals- und Jenseitsvorstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Azteken, Religion, Opferkult, soziale Schichtung und Weltbild.
Warum spielt die Religion eine so große Rolle bei den Azteken?
Die Religion war für die Azteken die Grundlage ihrer Existenzsicherung; sie half, Naturphänomene zu erklären und den Fortbestand der Welt zu garantieren.
War das Schicksal der Azteken vollständig vorbestimmt?
Obwohl es durch Kalender und Konstellationen gedeutet wurde, galt das Schicksal als bedingt manipulierbar, was die Menschen unter hohen Leistungsdruck setzte.
- Citar trabajo
- Karin Fritzsche (Autor), 2002, Azteken - Eine anthropologische und religionsethnologische Untersuchung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146617