Als ein Naturalist in Cooks zweiter Weltseefahrt war Georg Forster auch ein Kolonist, was in seinem Reisebericht Reise um die Welt verdeutlicht wird. Sowohl als der Bote von europäischer Kultur die domestizierte Tiere wie Schweine und Hühner im neuentdeckten Land einbringen und vermehren ließ, als auch als der Naturforscher unter dem Befehl der britischen Admiralität wie sein Vorgänger Banks die neuen biologischen Spezies in Wunderland eingesammelt und abgezeichnet hatte. Beides zusammen gesehen erscheint der Prozess wie ein Artenaustausch, was von McNeill als Cook exchange definiert wurde, der aus Columbian Exchange entlehnt ist. Im Wesentlichen waren dies zwei Aspekte von der Kolonisation.
Aus postkolonialer Perspektive ist Aotearoa in Forsters Reisebericht insgesamt in vier Aspekte kolonial präsentiert worden: Rassismus; Sammlung neuer Pflanzen und Tiere, Einführung der Tiere und Transplantation der Pflanzen sowie Transfer der domestizierten Tiere und europäischen Pflanzen. In den folgenden Abschnitten werde ich mich mit den vier Aspekten jeweils durch die Textanalyse auseinandersetzen.
Autor:in dieser Arbeit ist kein(e) Deutsch-Muttersprachler:in. Bitte haben Sie Verständnis für grammatikalische Fehler und Uneinheitlichkeiten im Ausdruck.
Inhaltsverzeichnis
1. „unkultiviertes Land, Reich der biologischen Vielfalt“ — Forsters Naturentdeckung in Aotearoa Neuseeland
2. Fauna und Flora - imperiale nature histories
3. Flax und Baum, Robbenjagd und Walfang - Kolonialwirtschaft
4. Von Hund bis Schweine und Von Kumara bis Taro - ecological Imperialism
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht aus postkolonialer Perspektive, wie Georg Forsters Reiseberichte über Aotearoa Neuseeland zur kolonialen Expansion beitrugen. Sie analysiert, wie wissenschaftliche Naturkunde, wirtschaftliche Interessen und der Austausch von Flora und Fauna als Instrumente für koloniale Ansprüche dienten und welche Auswirkungen diese Prozesse auf die Maori-Bevölkerung und das Ökosystem hatten.
- Konstruktion von Aotearoa als „wilder Boden“ durch eurozentrische Wahrnehmung
- Die Rolle der Botanik und binären Nomenklatur als „Pflanzenspionage“ und Herrschaftsinstrument
- Transformation der Kolonialwirtschaft durch Ressourcennutzung (Flax und Holz) und Jagd (Robben und Wale)
- Ökologischer Imperialismus durch die Einführung eurasischer Tiere, Pflanzen und Krankheitserreger
Auszug aus dem Buch
2. Fauna und Flora - imperiale nature histories
Vater und Sohn Forsters dienten sich als Naturforscher für das Vereinigten Königreich. ,So sorgfältig hat die Natur jedem Thiere seinen Wohnplatz angewiesen!’ Eine große Heerden von See-Vögeln erheiterten Forster, als Revolution von der freundlichen Insel hin nach Totara-nui Charlotte Sound fuhr. Die Aufgabe der Natursammler war, die neue biologische Spezies möglicherweise mehr zu versammeln und abzuzeichnen. Von allem was in der Naturgeschichte neu war, wurden sogleich Zeichnungen und Beschreibungen gemacht, was unter dem Befehl von Georg III unterging.
If you find any Mines, Minerals or valuable stones, you are to bring home Specimens of each, and also of the Seeds of Trees, Shrubs, Plants, Fruits&Grains peculiar to the Country, as you may be able to collect, & to transmit them to our Secretary that we may cause proper Examination& Experiments to be made of them;
Wieso stellten das Vereinigte Königreich die Naturforscher in der Weltexpedition ein, um mehr neuen Pflanzen und Tiere zu erkennen? Zum einen ist die Bedeutung der Botanik zur kolonialen Expansion, zum anderen ist der biologischen Mangel in Großbritannien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. „unkultiviertes Land, Reich der biologischen Vielfalt“ — Forsters Naturentdeckung in Aotearoa Neuseeland: Die Einleitung beleuchtet Georg Forsters Rolle als Naturalist und Kolonist und führt die vier zentralen Analyseaspekte der Arbeit ein: Rassismus, Pflanzensammlung, Tiereinführung und Kulturtransfer.
2. Fauna und Flora - imperiale nature histories: Dieses Kapitel untersucht die botanische Erforschung Neuseelands durch Forster im Auftrag der britischen Krone und kritisiert die Anwendung der Linnéschen Nomenklatur als Instrument der akademischen und kolonialen Hegemonie.
3. Flax und Baum, Robbenjagd und Walfang - Kolonialwirtschaft: Hier wird der Zusammenhang zwischen dem britischen ökonomischen Interesse am Merkantilismus bzw. Liberalismus und der Ausbeutung neuseeländischer Ressourcen wie Flachs, Holz und Meeressäugern dargelegt.
4. Von Hund bis Schweine und Von Kumara bis Taro - ecological Imperialism: Das Kapitel thematisiert den ökologischen Imperialismus durch die Einführung fremder Arten und Krankheiten, die zu einem demografischen Wandel bei den Maori und einer nachhaltigen Veränderung des Ökosystems führten.
Schlüsselwörter
Georg Forster, Aotearoa, Neuseeland, Kolonialismus, Eurozentrismus, imperiale Naturkunde, Botanik, ökologischer Imperialismus, Maori, Kolonialwirtschaft, Pflanzenjäger, binäre Nomenklatur, transkulturelle Begegnung, Artenaustausch, Wissensgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Georg Forsters Reiseberichten während James Cooks Expeditionen und analysiert, wie seine naturerkundlichen Berichte die koloniale Erschließung Aotearoa Neuseelands legitimierten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Verflechtung von imperialen Naturwissenschaften, die koloniale Wirtschaftsausbeutung sowie die Auswirkungen der biologischen Invasion durch fremde Spezies auf die Maori-Kultur.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzudecken, wie die vermeintlich objektive naturwissenschaftliche Forschung als Werkzeug zur Manifestation europäischer Macht und Autorität in den überseeischen Gebieten genutzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine postkoloniale Perspektive und eine Textanalyse der Primärquellen (Forsters Reisebericht), ergänzt durch historische und wirtschaftsgeschichtliche Diskurse zum Kolonialismus.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die botanische Klassifikation, die sozioökonomischen Aspekte von Handel und Jagd sowie die ökologischen Folgen durch die Einfuhr europäischer Tiere und Pflanzen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem ökologischer Imperialismus, Eurozentrismus, koloniale Expansion, transkulturelle Begegnung und die Linnésche binäre Nomenklatur.
Inwiefern hat die "binäre Nomenklatur" nach Linné zur kolonialen Herrschaft beigetragen?
Sie führte laut Autor zu einer Decontextualization, bei der Pflanzen von ihrem jeweiligen regionalen und kulturellen Kontext getrennt wurden, um sie in ein europäisch dominiertes Ordnungssystem unterzuordnen.
Welche Bedeutung hatte die "Captain Cooker"-Schweine für das Ökosystem der Maori?
Die eingeführten Schweine passten sich ideal an das Klima an, vermehren sich wild und stellten eine neue Proteinquelle dar, brachten jedoch gleichzeitig europäische Krankheitserreger mit, gegen die die Isolation der Maori keine natürlichen Abwehrmechanismen bot.
Was beschreibt der Begriff des "Middle Ground" zwischen 1769 und 1840?
Dieser Begriff nach Vincent O’Malley charakterisiert den Zeitraum der transkulturellen Begegnung zwischen Maori und Europäern, in dem eine hybride Gruppe entstand, die zwar zwischen den Kulturen vermittelte, aber auch das kulturelle Erbe der Maori beeinflusste.
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- Fangfei Jing (Autor), 2023, "unkultiviertes Land, Reich der biologischen Vielfalt". Forsters Naturentdeckung in Aotearoa Neuseeland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1466195