Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, den Psalm 121 auf seine Aussageabsicht hin mit den Instrumenten der historisch-kritischen Exegese zu untersuchen. Meine Arbeitshypothese ist, dass es sich bei diesem Psalm um ein Lied handelt, das Pilger dazu ermutigen sollte, in Nöten nicht auf andere Götter, sondern auf JHWH zu vertrauen.
Das Psalmenbuch ist mir als Ganzes seit ca. 2 Jahren sehr lieb geworden. Ich lese die Psalmen ziemlich regelmäßig, weil man sie zum einen gut beten kann und weil sie zum anderen in sich abgeschlossene, übersichtliche Perikopen sind, für die nicht viel Kontext notwendig ist. Der Psalm 121 war mir bis dato noch relativ unbekannt und ich nehme ihn auch jetzt noch als einen eher unscheinbaren Psalm wahr. Ich kannte ihn nur als einen der kurzen Psalmen, die sich an 119 anschließen. Mir war der Wortlaut des ersten Verses vertraut: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen… meine Hilfe kommt von JHWH." Die Auslegung, dass es sich bei den Bergen um Götterberge handle und dementgegen JHWH die einzige Hilfe sei, war mir bekannt. Einige Dinge fielen mir beim erstmaligen Lesen auf: 1. Mir erschließt sich auf den ersten Blick noch keine griffige Struktur des Psalms, außer, dass es zwischen V. 2 und V. 3 einen Einschnitt gibt. 2. Der Psalm wurde wahrscheinlich auf Wallfahrten gesungen. 3. Es scheint, dass sich der Psalmist in einem Zwiegespräch mit seiner Seele befindet. 4. Durch den gesamten Psalm zieht sich das Wortfeld "hüten". Entweder als Bezeichnung für JHWH oder als Verb für sein Handeln. 5. Was ist genau damit gemeint, dass der Mond einen bei Nacht nicht stechen wird? Ich hoffe, dass ich nach der Hausarbeit die einzelnen Punkte besser einordnen und derzeitige Fragen beantworten kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Ersteindruck
2. Übersetzungsvergleich
3. Untersuchungen zur Textgestaltung
3.1. Der literarische Zusammenhang
3.2. Gliederung
3.3. Sprachliche Analyse
3.3.1. Wort- und Satzebene
3.3.2. Textpragmatik und Funktion der Beobachtung
4. Untersuchungen zum prägenden Hintergrund (Kontext)
4.1. Form- und Gattungskritik
4.2. Traditionskritik
4.3. Religionsgeschichtlicher Vergleich
5. Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte
5.1. Literarkritik und Überlieferungskritik
5.2. Redaktions- und Kompositionskritik
6. Der historische Ort
6.1. Datierung
6.2. Historische Situation
7. Die Gesamtinterpretation als historische Sinnbestimmung
8. Bedeutungspotentiale für gegenwärtiges theologisches Nachdenken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den Psalm 121 mittels historisch-kritischer Exegese methodisch zu untersuchen, um die zentrale Aussage über JHWH als Hüter und Schöpfer sowie die Einbettung des Textes in das Wallfahrtspsalter und seine götterpolemische Dimension zu ergründen.
- Literarische Einordnung und strukturelle Gliederung des Psalms
- Sprachanalyse auf Wort- und Satzebene unter Berücksichtigung hebräischer Imperfektformen
- Gattungsbestimmung und der Sitz im Leben des Textes
- Religionsgeschichtlicher Kontext und Abgrenzung zu altorientalischen Vorstellungen
- Entstehungsgeschichte und theologische Relevanz für das gegenwärtige Nachdenken
Auszug aus dem Buch
3.2. Gliederung
Die Gliederung des Psalms 121 ist vor allem an zwei Stellen ziemlich offensichtlich: Zum einen gibt es einen klaren Einschnitt zwischen V. 1a und V. 1b, der die Überschrift des Psalms (שִׁיר לַמַּעֲלוֹת) vom restlichen Psalm trennt. Zum anderen gibt es einen deutlichen Einschnitt zwischen V. 2 und V. 3. Dieser Einschnitt wird daran deutlich, dass erstens ein Personenwechsel vorliegt: Während in V. 1-2 die 1. Singularform verwendet wird („Ich“), sprechen V. 3-8 ein „Du“ an. Zweitens wird der Einschnitt daran sichtbar, dass die Frage aus V. 1 („Woher kommt meine Hilfe?“) mit V. 2 nun beantwortet ist („Meine Hilfe kommt von JHWH“). Drittens fällt auf, dass in V. 3 das Wortfeld „hüten“ (שמר) zum Leitmotiv wird. Es kommt in den V. 3-8 insgesamt 6-mal entweder als substantivisch verwendetes Partizip für JHWH oder als Verb für sein Handeln vor. Damit ergibt sich vorläufig folgende Gliederung des Psalms:
1a: Überschrift
1b-2: Hilfe kommt von JHWH
3-8: JHWH als Hüter
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ersteindruck: Der Autor schildert seine persönliche Annäherung an den Psalm 121, reflektiert Unklarheiten beim ersten Lesen und formuliert seine Arbeitshypothese.
2. Übersetzungsvergleich: Es werden verschiedene Übersetzungen herangezogen, um textliche Besonderheiten in Bezug auf Zeitformen und Wortbedeutungen exegetisch zu prüfen.
3. Untersuchungen zur Textgestaltung: Dieses Kapitel analysiert den literarischen Ort im Psalmenbuch, die Gliederung und führt eine detaillierte sprachliche Untersuchung durch.
4. Untersuchungen zum prägenden Hintergrund (Kontext): Hier erfolgt die Einordnung in Gattung und Form sowie die kritische Reflexion des religionsgeschichtlichen Umfelds und der Traditionsgeschichte.
5. Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte: Der Abschnitt betrachtet die literarische Einheitlichkeit des Psalms sowie die Entstehungsgeschichte des Wallfahrtspsalters.
6. Der historische Ort: Dieser Teil befasst sich mit der Datierung und dem Versuch, eine konkrete historische Situation für die Entstehung des Psalms zu bestimmen.
7. Die Gesamtinterpretation als historische Sinnbestimmung: Hier fließen die Ergebnisse zusammen, um den Psalm als "Vertrauenspsalm" mit götterkritischer Tendenz einzuordnen.
8. Bedeutungspotentiale für gegenwärtiges theologisches Nachdenken: Der Autor reflektiert, welche Impulse der Text für moderne Menschen auf der Suche nach Halt geben kann.
Schlüsselwörter
Psalm 121, JHWH, Exegese, Wallfahrtspsalter, altes Testament, Gottvertrauen, Götterkritik, Schöpfer, Hüter, Schatten, Religionsgeschichte, Textanalyse, Zionstheologie, Psalmenbuch, Theologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine exegetische Untersuchung des Psalms 121 mit dem Schwerpunkt auf seiner strukturellen, literarischen und religionsgeschichtlichen Bedeutung.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Ziel ist es, die Aussageabsicht des Psalms zu klären, insbesondere die Darstellung JHWHs als individuellen Hüter und seine Abgrenzung zu anderen Göttervorstellungen des Alten Orients.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird die historisch-kritische Methode angewandt, ergänzt durch literarkritische, gattungskritische und traditionsgeschichtliche Analysen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind das Vertrauen zu Gott, die Einbettung in das Wallfahrtspsalter und die götterpolemische Abgrenzung gegenüber zeitgenössischen polytheistischen Vorstellungen.
Welche Rolle spielt die literarische Analyse?
Die literarische Analyse dient dazu, durch Gliederung und Sprachuntersuchung (wie die Bedeutung des Verbs „hüten“) die theologische Eigenart des Psalms herauszuarbeiten.
Wie lautet die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie der Psalm 121 verstanden werden kann, inwieweit er als götterpolemischer Text zu lesen ist und welche theologische Relevanz er als "Vertrauenspsalm" entfaltet.
Warum wird der Psalm als "götterkritisch" bezeichnet?
Der Autor argumentiert, dass der Psalm durch die Betonung, dass JHWH "nicht schlummert" oder "wacht", Kritik an der Vorstellung von Göttern übt, die ruhe- oder schlafbedürftig sind.
Welche besondere Bedeutung hat der Begriff "hüten" im Text?
Der Begriff "hüten" fungiert als Leitmotiv, das 6-mal auftaucht und die beständige und aktive Fürsorge JHWHs für den Menschen in verschiedenen Lebenssituationen unterstreicht.
- Citation du texte
- John Schröder (Auteur), 2024, Exegese zu Psalm 121. Aussageabsicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1466252