Das Leben der Sephardim im Osmanischen Reich und ihre Rolle in der Gesellschaft


Seminararbeit, 2009

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Lage im Jahr 1492
1.1 Spanien
1.2 Osmanisches Reich

2. Die Vertreibung
2.1 Vertreibung aus Spanien
2.2 Aufnahme im Osmanischen Reich

3. Organisation und Leben der Juden im Osmanischen Reich
3.1 Organisation der Juden
3.2 Tätigkeiten der Juden in der Gesellschaft

4. Schluss

Literatur

Einleitung

Am 15.11.2009 veröffentlichte die türkisch-jüdische Zeitung Salom in ihrer Onlineausgabe einen Artikel, welcher den Anschlag auf eine jüdische Synagoge in Istanbul, das im Jahre 2003 verübt wurde, in die Gedächtnisse zurückrief. In diesem Artikel werden zwar die Geschehnisse wieder aufgerollt und den Opfern gedacht, doch wird nichts von den Motiven der türkischen Täter erwähnt und die Meinungen der jüdischen Familien außer Acht gelassen. Nur der Rabbi, welcher sich zu einigen Wörtern entschließt wird zitiert: „ An jenem Tag war die Bombe für uns bestimmt, für unsere Gemeinde…Es gibt keine Ausrede dafür hier heute nicht zu erscheinen…“1. Nicht immer waren die Beziehungen zwischen den jüdischen und den muslimischen Türken angeschlagen.

Hier spielt meines Erachtens die gemeinsame Geschichte beider Kulturen eine Rolle. Um es genauer anzusprechen, die Geschichte des Vorgängerstaates der Türkei, das Osmanische Reich, und die der Juden. Diese Arbeit befasst sich mit dem Leben der Juden im Osmanischen Reich, speziell mit dem der eingewanderten sephardischen Juden. Als Startpunkt wird hier das Jahr 1492 genommen, da zu dieser Zeit die Progrome in Spanien stattfanden. Als darauffolgend die osmanische Führung nach der Vertreibung dieser Gruppe aus Spanien seine Pforten geöffnet und diese willkommen geheißen hatte, stellt sich hier die Frage, ob mit dieser Aufnahme auch die Aufnahme in eine Gesellschaft stattfand, in der die Juden eine gleichberechtigte Stellung einnahmen. Zur Beantwortung dieser Frage gibt es glücklicherweise eine große Fülle von Monographien und Schriften, die sich mit diesem Thema befassen. Hier wäre das Werk „Die Geschichte der sephardischen Juden“ von Esther Benbassa und Aron Rodrigue zu erwähnen, welches sehr übersichtlich Strukturiert und informationsreich ist. Als weitere empfehlenswerte Bücher wären da Yusuf Besalels „Osmanli ve Türk Yahudileri“ aus der türkischen Geschichtswissenschaft, sowie Elli Kohens „History of the Turkish Jews and Sephardim“ anzugeben. Damit man einen Blick für die Organisation und das Rechtsleben der Juden im osmanischen Reich bekommt, ist man mit Sneschka Panovas „die Juden zwischen Toleranz und Völkerrecht im Osmanischen Reich“ gut beholfen.

Das Thema wird chronologisch bearbeitet, da man in dieser Weise einen besseren Blick für die Gründe der Einwanderung und die spätere Organisation im Reich bekommt.

1. Die Lage im Jahr 1492

1.1 Spanien

Die Geschichte der Juden in Spanien kann bis in das erste Jahrhundert verfolgt werden. Diese jüdische Bevölkerung in Spanien wird Als Sephardim angesehen. Diese Bezeichnung der Sepharden lässt sich vom hebräischen S´farad ableiten, das Wort für Spanien. Unzutreffend ist hier die Benutzung des Begriffs für die Mizrahim aus Nordafrika und dem Nahen Osten.2 Neben vereinzelten Legenden über die Ankunft der ersten Juden in Spanien weisen die ersten verlässlichen Quellen auf den Zuzug größerer jüdischer Gruppen 70 n. Chr. hin, nachdem ihr Tempel in Jerusalem zerstört wurde. Über die Mittelmeerküste gelangen die Juden schließlich auf die iberische Halbinsel. Sie lebten hier im Römischen Reich ohne erwähnenswerte Probleme und etablierten sich in diesem Lebensraum bis zur Auflösung des Römischen Reiches.

Die Situation änderte sich, als König Rekkared II. sich zum katholischen Glauben bekehrte. Hier begannen die ersten Verfolgungen der Juden und deren politische Erniedrigung. Im islamischen Spanien konnten die Juden noch in friedlicher Umgebung leben und es zu wirtschaftlichen Wohlhaben bringen. Als 711 die muslimische Herrschaft auf der iberischen Halbinsel begann, war dies für die jüdische Bevölkerung folglich eine Art Befreiung, sodass sie für die neuen Herren arbeiteten und in diversen Bereichen freiwillig ihre Dienste erwiesen.3

Unter der arabischen Herrschaft genossen die iberischen Juden ab 912 ein „goldenes Zeitalter“ und lebten ihre Kultur auf einer autonomischen Ebene für eine Gewisse „Kopfsteuer“ frei aus. Darauf folgten weitere jüdische Einwanderer, die sich ebenfalls im Laufe der Zeit etablierten.4 Der Wendepunkt begann mit dem ersten Sieg der Reconquista im Jahre 1085, als Toledo von den Christen eingenommen wurde.5

Durch den missionarischen Eifer und dem darauffolgenden Abbau der jüdischen Gemeindeautonomie verschlechterte sich die Lage der Juden in Spanien immer weiter. Die islamischen Eroberer verloren ihre Gebiete und ihre Macht, was sich folglich auch negativ auf die jüdische Bevölkerung auswirkte. Diverse Ereignisse wie die Wirtschaftskrise in den Achtziger Jahren des 14. Jahrhunderts steuerten ihren Teil dazu bei.6 Es begann eine Zeit antijüdischer Krawalle von 1391 bis 1492, die eine Verkleinerung bzw vollständige Auflösung von jüdischen Gemeinden (Aljamas) verursachten. Viele Juden konvertierten in dieser Zeit zum Christentum, während Teile ihrer Familie ihrem Glauben treu blieben. Viele Vorteile brachte das Konvertieren nicht, da mit der spanischen Inquisition 1478 auch zum Christentum konvertierte Juden verdächtigt wurden, weiterhin ihre jüdische Kultur auszuleben. Außerdem bezweifelten sie die „Reinheit des Blutes“.

Zwischen 1449 und 1492 häuften sich die Angriffe auf die Neuchristen, da sie wichtige Positionen in der Wirtschaft des Landes innehaten, während die Angreifer selbst von einer Wirtschaftskrise betroffen waren. 7

1478 wird Kastilien und Aragon durch Ferdinand II von Aragón und seiner Frau Isabella, Thronerbin Kastiliens, zu einem Königreich Spanien. Im selben Jahr wurde ein Vertreibungsdekret verabschiedet, welches das Ende der Sepharden auf Spanischem Boden einläutete.8 Diese Inquisition war einerseits religiös, andererseits aber auch politisch motiviert, da sie ihren königlichen Machtbereich erweitern wollten.9

1.2 Osmanisches Reich

Der osmanische Staat war im Jahre 1492 in ihren noch recht jungen Jahren. Die älteste bekannte Osmanische Urkunde datiert sich auf das Jahr 1324 und beinhaltet eine Landschenkung für eine Derwischklause.10 Der junge Staat, welches einer Familiendynastie entstammt, entwickelte sich rasch zu einer Großmacht. Das wohl wichtigste Ereignis während der osmanischen Herrschaft ist die Eroberung von Konstantinopel am 29. Mai 1453 durch Fatih Sultan Mehmed II.. 1460/61 eroberten die Osmanen die Pelopones und Trapezunt am Schwarzen Meer. 1478 Schuf der „Eroberer“ Mehmed II. ein Staatsgrundgesetz mit absolutistischen Tendenzen, so dass die Osmanische Führung die Kontrolle aller über alle wichtigen wirtschaftlichen Ressourcen hatte.11 Das Osmanische Reich schöpfte seine Legitimation aus dem Islam, der Sultan war auch Kalif, der über Recht (Sharia) und Ordung bestimmte. Ein Charakteristikum, das erwähnenswert wäre, ist das Nichtvorhandensein von einer Klasse der Großgrundbesitzern. Die Grundlage war eine freie Bauernschaft12.

Mehmet II. Nachfolger stand erst nach einem Bruderkrieg zwischen Bayezid II. und Cem, welchen Bayezid II für sich entscheiden konnte. Unter seiner Regierung wurden auch später die Sepharden im Osmanischen Reich aufgenommen.

Vor der Aufnahme der Sepharden lebten im kleinasiatischen Raum bereits Juden. Schon zu byzanthinischen Zeiten konnte man hier auf jüdische Gruppierungen treffen. So gibt es auch Quellen die bezeugen, dass es unter Seldschukischer Herrschaft im 11. Jahrhundert im heutigen Konya (mittleres Anatolien), Antalya (Mittelmeer), Milas (Südwest), Samsun und Sinop (Schwarzes Meer) jüdische Gemeinden vorhanden waren.13

Nach der Eroberung der Stadt Bursa von den Osmanen 1324 gewährte man den von hier geflüchteten Juden die Rückkehr. Sie bewohnten jüdische Wohnviertel und durften im ganzen Land Eigentum besitzen. Abgesehen von jüdischen Bürgern, die Staatsdienste bekleideten, bzw. Staatsdienste leisteten, mussten die Juden im Gegensatz zu anderen Einheimischen, Steuern zahlen.

Nachdem Mehmed II Konstantinopel eroberte, gewährte er den hier anwesenden Juden religiöse Freiheit und garantierte ihnen den Bau von Synagogen, auch während der Regierungszeit seiner Nachfolger. Im Gegenzug wollte er die Hilfe der Juden während der Einnahmeprozedur der Stadt. Er wollte Vorteile aus der Partnerschaft zu den Juden ziehen. Das Leben im Osmanischen Reich schien nun für die Juden so attraktiv, das Rabbi Sarfati die mitteleuropäischen Juden dazu aufrief, hier ihr Leben weiterzuführen.14

2. Die Vertreibung

2.1 Vertreibung aus Spanien

Im Jahr 1492 wurde Spanien von (schätzungsweise) dreihundert- bis achthunderttausend Menschen verlassen15. Als religiöses Motiv dieser Verbannung wird angegeben, dass die Monarchen befürchteten, die Juden verleiten die Neuchristen zur „Judaisierung“ und damit den Fortlauf der jüdischen Kultur auf der iberischen Halbinsel16. Mit dem Fall Granadas fiel auch das letzte nicht-spanische Gebiet in die Hände der Spanier.

[...]


1 Yannier http://www.salom.com.tr/news/detail/13542-Ne-cabuk-unuttuk.aspx 1

2 Rosenthal S. 141

3 Lacave S. 7

4 Benbassa/Rodrigue S.19ff.

5 Benbassa/Rodrigue S.24

6 Benbassa/Radrigue S. 30

7 Benbassa/Radrigue S. 33

8 Lacave S. 29

9 Benbassa/Rodrigue S. 35

10 Kreiser S. 19

11 Kreiser S. 24

12 Benbassa/Rodrigue S. 55

13 Besalel S. 22

14 Besalel S. 23

15 http://www.politische-bildung-brandenburg.de/juden/geschichte/iberische_halbinsel.htm

16 Benbassa/Rodrigue S. 40

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Leben der Sephardim im Osmanischen Reich und ihre Rolle in der Gesellschaft
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V146651
ISBN (eBook)
9783640575626
ISBN (Buch)
9783640575749
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Juden, Sepharden, Sephardim, Spanien, Mittelalter, Osmanisches Reich, Türkei, Diaspora, Gesellschaft, Wirtschaft
Arbeit zitieren
Cagdas Cicek (Autor), 2009, Das Leben der Sephardim im Osmanischen Reich und ihre Rolle in der Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146651

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