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Südtirol und die verwehrte Selbstbestimmung?

Titre: Südtirol und die verwehrte Selbstbestimmung?

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2009 , 19 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Stefan Wagner (Auteur)

Politique - Région: Europe de l'Ouest
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Résumé Extrait Résumé des informations

„Selten ist ein Recht so papieren geblieben wie das Selbstbestimmungsrecht, weil seine Ausübung in kritischer Lage schwieriger ist, als sich zu ihm zu bekennen.“

(...)

Eines dieser eben beschriebenen zerfallenen Großreiche auf dem europäischen Kontinent war auch das eben erwähnte Österreich-Ungarn, in geografisch nahezu unmittelbarer Nähe, aus dem sich nach häufigen Unruhen an der Peripherie in Ostmittel- und Südeuropa eine Vielzahl von Staaten bereits nach dem ersten Weltkrieg bildeten. Doch ein Gebiet ist seit je her umstritten, lange Zeit auch gewalttätig umkämpft und selbst bis heute nicht vollständig zur Ruhe gebracht – nämlich Südtirol. Dieses Gebiet, während des ersten Weltkrieges Italien für den Eintritt in den Krieg auf alliierter Seite versprochen, wurde alsbald dessen Herrschaft unterstellt und nie wieder aus dieser entlassen, trotz aller Akzeptanz des Selbstbestimmungsrechtes und Stattgebung teils nur formeller Autonomiesatzungen. Dort wurde und wird der mehrheitlich deutschen Bevölkerung, die das Selbstbestimmungsrecht der Völker als „absolute[s] Recht der Völker und Volksteile, im Zweifelsfalle mittels geordneter und geschützter demokratischer Abstimmung selbst zu entscheiden, welchem Staatsverband sie mit ihrem angestammten Siedlungsgebiet angehören wollen“ 2 interpretieren, gerade dieses Recht verweigert. Dies scheint auf den ersten Blick sehr verwunderlich, da es viel weniger entwickelten Staaten weltweit und bis heute auch in Europa zugesprochen wird und so gilt es zu untersuchen, weshalb es sich hier im Zentrum der Entwicklung, Manifestierung und Verwirklichung dieser Ideen eben nicht verwirklichte bzw. abgewiesen wurde und ein nicht annähernd oder vollständig befriedigtes Verlangen bis heute besteht. Deshalb soll hier, über 60 Jahre später, noch einmal Winston Churchills bereits 1946 gestellte Frage: „Warum wird den Bewohnern dieses gebirgigen und schönen Landes Andreas Hofers, nicht erlaubt, ein Wort über ihre eigene Zukunft für sich selbst zu sprechen? Warum kann es dort nicht ein faires und freies Plebiszit unter Aufsicht der großen Mächte geben?“ (Zitat nach „Times“, London, 06.06.1946) 3 , welches man insofern fortsetzen könnte: „wie es anderswo zuhauf geschah“; aufgegriffen und versucht beantwortet oder zumindest bearbeitet zu werden.

...

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Selbstbestimmungsrecht und Autonomie im Völkerrecht

3 Geschichtliche Betrachtung des Gebietes Südtirol

4 Die Beruhigung der Situation nach dem zweiten Autonomiestatut und aktuelle Entwicklungstendenzen

5 Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Fragen der Autonomie unter besonderer Berücksichtigung des politisch umstrittenen und später befriedeten Gebiets Südtirol, um die Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch und historischer Umsetzung zu analysieren.

  • Grundlagen des Selbstbestimmungsrechts und der Autonomie im Völkerrecht
  • Geschichtliche Entwicklung Südtirols nach dem Ersten Weltkrieg
  • Analyse des "Südtirol-Pakets" und des zweiten Autonomiestatuts
  • Die Rolle der "Kulturnation" in Autonomiebestrebungen
  • Aktuelle Entwicklungstendenzen in einem entgrenzten Europa

Auszug aus dem Buch

3. Geschichtliche Betrachtung des Gebietes Südtirol

Die Geschichte Südtirols getrennt vom restlichen Land Tirol oder Österreich zu betrachten ist erst ab November 1918 sinnvoll, doch soll hier noch kurz die vorhergehende Entwicklung grob aufgezeigt werden. Das Gebiet an den Flüssen Etsch, Eisack und Rienz ist seit der mittleren Steinzeit besiedelt. In der Jungsteinzeit dann wurden die fruchtbaren Mittelgebirgsterrassen entlang der Haupttäler bevölkert und, hauptsächlich wegen des Kupferbergbaus begann der wirtschaftliche Aufschwung der Region in der Bronzezeit.

Zwischen dem sechsten und neunten Jahrhundert wurde es nach langer Zugehörigkeit zum römischen Imperium von Bajuwaren besiedelt, welche dort auf die Langobarden und die romanisierten Ureinwohner stießen. Später, als Teil das Frankenreiches und dann des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, erlangte das Gebiet strategische Bedeutung, da seine Straßen nach Italien führten. Im weiteren Verlauf brachten dann die Grafen von Tirol das Gebiet unter ihre Herrschaft und so wurde es mit den nördlich des Brenners gelegenen Gebieten Teil des Kronlandes Tirol, welches nach 1363 an die Habsburger Monarchie überging und von dieser durchgehend bis 1918 regiert wurde.

Auslöser des Endes dieser sehr langen Periode deutscher oder zumindest deutschstämmiger Herrschaft über die mehrheitlich deutsche Bevölkerung war der erste Weltkrieg. Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts brachte nämlich mit sich, dass Italien – ursprünglich auf Seiten der Mittelmächte angesiedelt – aufgrund der bereits 1915 aussichtslosen Kriegslage, die Seiten wechselte, zu den alliierten Mächten überlief, dies allerdings nicht ganz freiwillig und unbelohnt tun wollte, sondern bereits während des Krieges von den Alliierten das Gebiet Südtirols als Prämie versprochen bekam.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Selbstbestimmungsrechts der Völker ein und skizziert den Fokus der Arbeit auf das Gebiet Südtirol.

2 Selbstbestimmungsrecht und Autonomie im Völkerrecht: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der zentralen Begriffe erläutert und deren Anwendung sowie Missachtung im völkerrechtlichen Kontext dargestellt.

3 Geschichtliche Betrachtung des Gebietes Südtirol: Dieser Abschnitt bietet einen geschichtlichen Abriss über Südtirol, mit besonderem Augenmerk auf die Zäsur von 1918, die faschistische Italianisierung und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

4 Die Beruhigung der Situation nach dem zweiten Autonomiestatut und aktuelle Entwicklungstendenzen: Hier wird die Phase nach der Umsetzung des zweiten Autonomiestatuts analysiert und der aktuelle politische Status sowie die Rolle der Autonomie in der heutigen Zeit bewertet.

5 Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtung bilanziert die theoretischen Konstrukte wie die "Kulturnation" und setzt die Ergebnisse in den Kontext des modernen, europäischen Integrationsprozesses.

Schlüsselwörter

Südtirol, Selbstbestimmungsrecht, Autonomie, Völkerrecht, Italianisierung, Autonomiestatut, Kulturnation, Tirol, Minderheitenrechte, Geschichte, Europäische Union, Gruber-de-Gasperi-Abkommen, Südtiroler Volkspartei, Volksgruppe, Grenzregion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der völkerrechtlichen Problematik des Selbstbestimmungsrechts der Völker und dem Konzept der Autonomie, exemplifiziert am historischen und politischen Fallbeispiel Südtirol.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Geschichte Südtirols, die rechtlichen Aspekte von Autonomie, die faschistische Italianisierungspolitik sowie die Transformation von Minderheitenkonflikten durch Autonomielösungen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu untersuchen, warum das Selbstbestimmungsrecht im Fall Südtirols historisch verwehrt blieb und wie sich die heutige Autonomiesituation innerhalb eines entgrenzten Europas darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, gestützt auf Fachliteratur, völkerrechtliche Dokumente und historische Quellen, um die Entwicklung der Autonomie Südtirols zu beleuchten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Begriffe Selbstbestimmung und Autonomie, eine historische Aufarbeitung der Region Südtirol sowie eine Analyse der Beruhigung des Konflikts durch das Autonomiestatut.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Südtirol, Selbstbestimmungsrecht, Autonomie, Italianisierung, Minderheitenrechte und die Rolle der Schutzmacht Österreich.

Welche Rolle spielt die "Kulturnation" für die Argumentation des Autors?

Der Autor verwendet das Konstrukt der Kulturnation als theoretische Basis, um zu erklären, wie nationale Identitäten trotz staatlicher Grenzen bestehen bleiben und den Wunsch nach Selbstbestimmung motivieren.

Wie bewertet der Autor den aktuellen Status von Südtirol?

Der Autor schlussfolgert, dass die Autonomie zwar zu einem friedlichen Nebeneinander geführt hat, aber ein echtes, harmonisches Miteinander weiterhin von Spannungen und dem Erbe der Vergangenheit beeinflusst wird.

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Résumé des informations

Titre
Südtirol und die verwehrte Selbstbestimmung?
Université
University of Leipzig
Note
1,0
Auteur
Stefan Wagner (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
19
N° de catalogue
V146659
ISBN (ebook)
9783640575633
ISBN (Livre)
9783640575787
Langue
allemand
mots-clé
Südtirol Selbstbestimmung
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Stefan Wagner (Auteur), 2009, Südtirol und die verwehrte Selbstbestimmung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146659
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Extrait de  19  pages
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