Lawrence A. Blum - Freundschaft als moralisches Phänomen


Referat (Ausarbeitung), 2004

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

1. Vorwort

2. Hauptthesen des Textes

3. Konzeptionen von Freundschaft
3.1 Freundschaft als „Naturprozess“
3.2 Ausdehnung des Selbst
3.3 Egoismus

4. „bedingter Altruismus“

5. Nachwort

Quellenverzeichnis

1. Vorwort

Lawrence A. Blum ist ein zeitgenössischer Philosoph der Moralphilosophie. Er unterrichtet als Dozent an der Universität Boston, Massachusetts. Hauptsächlich hat er Werke und Schriften über die Phänomenologie der Facetten von Moralität in heutigen Gesellschaftsstrukturen verfasst, wie beispielsweise „Moral Perception and Particularity“, Cambridge University press, 1994.

Im Folgenden wird das Kapitel „Freundschaft als moralisches Phänomen“ aus seinem Buch Friendship, Altruism and Morality“ (London /Boston/Melbourne, Henley-on-Thames Routledge & Kegan Paul, 1980) untersucht.

Auffällig an diesem Text ist, dass Blum zur Untermauerung seiner Thesen ein Frauenbeispiel nutzte, was im Gegensatz zur Tradition steht, denn von den meisten Philosophen wurden für die Darlegung von Freundschaft nur Männerbeispiele verwendet, da sie Freundschaften zwischen Frauen als unwichtig und für wissenschaftliche Zwecke irrelevant empfanden. Blum beschreibt das Vorhandene und nicht das ideale in der Freundschaft, wie auch Aristoteles es schon getan hat. Er gilt unter anderem auch wegen der Verwendung plausibler Beispiele von Frauenfreundschaften, die sich mit der Erfahrung decken, als Vorreiter für die feministische Ethik.

In dieser Arbeit werden seine Thesen zur Moralität von Freundschaft und seine Abgrenzungen, zum Beispiel zu Kant's Konzeption von Freundschaft und zu Kierkegaards Universalismus und seine Bezugnahme auf die traditionelle Konzeption bzw. Teile der Konzeption von Aristoteles aufgezeigt.

2. Hauptthesen des Textes

Blum analysiert die Existenz von Freundschaft als eigenständiges moralisches Phänomen. Auch Aristoteles hat die Freundschaft als moralisches Phänomen angesehen, und ihr als integralen Bestandteil einer Ethik einen hohen stellenwert angerechnet. sören Kierkegaard hingegen hat ihr keine volle ethische Bedeutung zugestanden hat, sondern sie fällt seiner Auffassung nach vielmehr unter ästhetische Bestimmungen. Denn: „Wer die Freundschaft ethisch betrachtet, sieht sie also als eine Pflicht.“1

Jedoch gibt er auch zu, dass in der Freundschaft etwas ethisches sein muss, denn: „[...] die Freundschaft trage dazu bei, dass man ethisch die Wirklichkeit gewinnt.“2

Blum stellt zwei Thesen auf, die deutlich machen, dass freundschaftliches Handeln nicht nur gut oder angemessen, sondern auch moralisch gut, wenn nicht sogar moralisch vorzüglich sein kann.

Die erste These stellt dar, dass Akte der Freundschaft dementsprechend gut sind, wenn dieses Handeln mit Rücksicht auf eine andere Person um seinetwillen geschieht. Damit soll nicht ausgedrückt werden, dass jede altruistische Handlung moralisch vortrefflich sei. Einige Handlungen, wie Rücksichtnahme, Anteilnahme und eine gewisse Fürsorge werden in einer Freundschaft vorausgesetzt und das Nicht-Handeln einer der Personen würde ein moralisches Versagen darstellen.

Die zweite These Blums besagt, je tiefer und stärker die Sorge um den Freund und somit je stärker der Wunsch und die Bereitschaft ist, zum Wohl des Freundes zu handeln, desto höher ist der moralische Wert. Eine Freundschaft mit einem hohen Grad moralischer Vorzüglichkeit zeichnet sich durch folgende Merkmale aus: Anteilnahme, Fürsorge, Sympathie und die Bereitschaft mehr von sich zu geben als gemeinhin üblich ist bzw. erwartet wird.

Die Fürsorge beruht auf der Kenntnis des anderen, auf Vertrauen und Vertraulichkeit, was nur allmählich entstehen kann. Es kommt oft zu einer starken Identifizierung mit dem Wohl des anderen und man gibt uneigennützig viel von sich selbst. Wobei man dies nicht als Opfer betrachtet und sich der Unterschiedenheit des jeweils anderen bewusst ist.

Blum nutzt für die Darstellung einer solchen Freundschaft ein Beispiel von zwei sehr verschiedenen Frauen. In diesem Beispiel zeigt er auf, dass man aufgrund der Fürsorge sehr offen zueinander sein kann. Denn das Wissen um die Fürsorglichkeit der anderen Person hat immer Bestand, auch wenn manche Reaktionen in praktischer Hinsicht manchmal nicht hilfreich sind. Das Niveau der einzelnen Merkmale ist gegenüber Nicht­Freunden im allgemeinen weitaus niedriger und besitzt zudem einen anderen Charakter, besonders im Hinblick auf die Identifizierung mit dem Wohl des anderen. Blum bezeichnet die Summe dieser moralisch hoch bedeutsamem Merkmale von Freundschaft als „innige Fürsorge für den anderen und Identifizierung mit seinem Wohl“3.

Weiterhin grenzt Blum diese Merkmale von Freundschaft von der Norm der „romantischen Leidenschaft“ ab. Die „romantische Leidenschaft“ enthält zwar ähnliche Formen der Hingabe, die auch moralisch verdienstvoll sind, wie die Freundschaft. Doch diese dienen in den meisten Fällen der Selbstaufgabe, da in solchen Fällen das Handeln für den anderen um dessentwillen meist oberflächlich, wenn auch sehr intensiv ist. Somit ist die Kenntnis der eigenen und anderen Unterschiedenheit nicht gegeben.

Er folgt hier der Freundschaftskonzeption des Aristoteles, denn auch dieser hat philia von eros getrennt, denn in der Nutzen- und Lustfreundschaft ist es oft der Fall, dass man sie nicht um des Freundes willen eingeht, sondern um selbst einen besonderen Nutzen zu erlangen. Viele andere Philosophen haben dies nicht getan, sondern eher beschrieben, dass die Freundschaft und die „romantische Liebe“ sich gleichen und sogar auseinander entstehen bzw. sich auch einander ausschließen (Vgl. Sören Kierkegaard, „Freundschaft und das Ethische“ in Philosophie der Freundschaft, S. 140; „[...], dass die Freundschaft ganz und gar verbleicht, wenn die Liebe anhebt, sich geltend zu machen.; [...] Sie ließen also die Liebe fahren, [...]. Sie wählten nunmehr die Freundschaft.“).

3. Konzeptionen von Freundschaft

Im weiteren Verlauf des Textes wendet sich Blum einigen Konzeptionen zu, die die moralische Bedeutsamkeit von Freundschaft leugnen. Die Gegenargumente Blums machen deutlich, dass diese Konzeptionen für das heutige Verständnis von Freundschaft nicht richtig sein können.

3.1. Freundschaft als „Naturprozess“

In der ersten Konzeption, die unter anderem von Bernard Mayo vertreten wird, wird Freundschaft als eine Art Naturprozess dargestellt, als etwas, dass einem "einfach' nur widerfährt. Der Verlauf der Freundschaft ist als natürlicher Bestandteil des menschlichen Lebens den jeweiligen Gefühlen unterworfen und daher nicht steuerbar. Somit kann Freundschaft nicht moralisch vorzüglich sein.

Blum bringt gegen diese Konzeption von Freundschaft zwei Argumente an. Zum einen ist der Grad der Fürsorge und Selbsthingabe bei jedem Menschen und zudem bei jeder Freundschaft vollkommen unterschiedlich, was moralisch bedeutsam seine kann.

[...]


1 Sören Kierkegaard „Freundschaft und das Ethische in: Philosophie der Freundschaft, Hg.: Klaus-Dieter Eichler, Reclam Leipzig 2000, S. 146

2 Sören Kierkegaard „Freundschaft und das Ethische in: Philosophie der Freundschaft, Hg.: Klaus-Dieter Eichler, Reclam Leipzig 2000, S. 146

3 L.A. Blum „Freundschaft als moralisches Phänomen in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 45, 1997, S. 217­233, Kapitel I, S.: 219

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Lawrence A. Blum - Freundschaft als moralisches Phänomen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Philosophie der Freundschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V146809
ISBN (eBook)
9783640568390
ISBN (Buch)
9783640568222
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Egoismus, Altruismus, Aristoteles, Kierkegaard, Ethik, Naturprozess, Vertrauen, philia, Fürsorge
Arbeit zitieren
M.A. Ulrike Hammer (Autor:in), 2004, Lawrence A. Blum - Freundschaft als moralisches Phänomen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146809

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