Als Anfang März des Jahres 1848 in den Staaten des Deutschen Bundes die Nachrichten der französische Februarrevolution bekannt gemacht wurde, begann die Neugestaltung, die Konservative und Reaktionäre seit Jahrzehnten beschworen hatten. Die bisherige Forschung zur Presseentwicklung auf deutschem Staatengebiet konzentriert sich überwiegend auf die Auswirkungen der Pressezensur auf die einzelstaatlichen Gegebenheiten vor allem im Vormärz. Forschungen mit zeitlicher, regionaler oder sachlicher Begrenzung können vorarbeiten zu einer neuen Gesamtinterpretation der Presseforschung zur Zeit der Revolution.
In diesem Zusammenhang muss auch die vorliegende Arbeit gesehen werden, die sich der Untersuchung des Einflusses der Revolution auf die deutsche Presse widmet. In dieser Arbeit ergeben sich folgende Fragen: Wie weit war die Entwicklung der deutschen Presse zum Beginn der Revolution fortgeschritten und welche Errungenschaften bereitete die Revolution für die Presse? Beeinflusste die Revolution die Presse derart, dass man im Sinne des Wirtschaftshistorikers Knut Borchardt von einer Kommunikationsrevolution sprechen kann? Mit dieser Arbeit soll ein Beitrag für die geistig politische Struktur der Revolutionszeit auf dem Gebiet der Kommunikation und zum Verständnis der Entwicklung der Presse und der Pressefreiheit geleistet werden. In der deutschen Geschichte vor der Revolution herrschte auf dem ganzen Bundesgebiet nie eine so uneingeschränkte Pressefreiheit, wie sie zur Zeit der Revolution existierte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
0.1 Problemstellung, Zielsetzung, Forschungsstand
0.2 Methode und Quellenlage
1. Die Bedingungen für die deutsche Presse vor der deutschen Revolution von 1848/49
1.1 Die Restaurationspolitik im Bezug auf die Presse
1.1.1 Der Deutsche Bund
1.1.2 Das Metternichsche System
1.1.3 Die Aussagen der Karlsbader Beschlüsse über die Pressezensur
1.2 Zensur- und Zeitungswesen
1.2.1 Zensurpraxis
1.2.2 Verschärfung der Zensur; die „Maßregeln zur Aufrechterhaltung der gesetzlichen Ordnung und Ruhe“ und die geheimen Wiener Beschlüsse
1.3 Zensurerleichterung und Politisierung der Presse
1.3.1 Regierungsantritt von Friedrich Wilhelm IV. als Beispiel für monarchisches Entgegenkommen
1.3.2 Der Einsatz von Eisenbahn und Telegraphie
1.3.3 „Aufstieg“ der Presse
2. Die deutsche Presse zur Zeit der deutschen Revolution von 1848/49
2.1 Die Proklamierung der Pressefreiheit
2.2 Das Neue an der Presse und die Pressefreiheit
2.2.1 Beispiele einer veränderten Pressearbeit
2.2.2 Tendenzpresse
2.2.3 „Kommunikationsfreiheit“
2.3 Die Bedeutung der Revolutions-Ereignisgeschichte für die Presse
2.4 Die Bedeutung der Presse für das Bildungsbürgertum und die Revolutionäre und die Presse nach der Revolution
3. Die Auswirkungen der deutschen Revolution der Jahre 1848/49 auf die Presse
3.1 „Kommunikationsrevolution“, Fazit, Forschungsperspektive
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der Revolution von 1848/49 auf die Entwicklung der deutschen Presse, um zu klären, ob die Ereignisse der Doppeljahre als „Kommunikationsrevolution“ bezeichnet werden können.
- Entwicklung der Pressebedingungen vor der Revolution unter Zensur und Restauration
- Rolle der Presse als Leitmedium während des Revolutionsgeschehens
- Veränderung der Pressearbeit zur Tendenzpresse und die Einführung der Pressefreiheit
- Bedeutung der Kommunikation und technischer Innovationen für die politische Mobilisierung
- Langfristige Auswirkungen der Revolution auf die Presse- und Meinungsfreiheit
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Beispiele für eine veränderte Pressearbeit
Mit dem Beginn der Revolution schnellten die Absatzzahlen für Zeitungen in die Höhe, allerorts fanden Treffen statt und verschiedenste Schichten fügten sich im Vereinswesen zusammen. „Die Kommunikation verdichtete sich hochgradig“.112 Die „Umwälzung auf dem Medienmarkt“113 ist an Werten zu belegen, die von Wolfram Siemann im Jahr 1985 erhoben wurden114. Die Zahl der politischen Zeitungen in Berlin stieg in der Zeit zwischen den Jahren 1824 und 1847 von 96 auf 118, allein in der Revolution auf 184 Zeitungen. Im gesamten österreichischen Kerngebiet stieg die Zahl sogar von 19 politischen Blättern vor der Revolution im Laufe des Jahres 1848 auf 306. Die Fokussierung der Bevölkerung auf die Presse war derart stark, dass sich Anfang des Jahres 1848 die Buchhändler beschwerten, „die Menschen gäben ihr Geld nur noch für die Tageslektüre, die Zeitungspresse, aus“.115 Auch die Höhe der Auflagen stieg in der Revolutionszeit enorm. Die „Deutsche Zeitung“. beispielsweise konnte die Zahl der Abonnements von 1.500 vor der Revolution auf 4.000 z.Z. der Revolution steigern. Das war aber kein Spitzenwert: Die „Kölnische Zeitung“ erreichte im Jahr 1848 eine Auflage von 17.000 Exemplaren, im Vorjahr waren es noch 9.000 Ausgaben pro Tag.
Zusammenfassung der Kapitel
0.1 Problemstellung, Zielsetzung, Forschungsstand: Einleitung in das Thema, Vorstellung der Forschungsfragen und Festlegung des Untersuchungsrahmens der Hausarbeit.
0.2 Methode und Quellenlage: Erläuterung des methodischen Vorgehens durch Vergleich historischer Thesen und Abwägung von Quellenevidenzen.
1. Die Bedingungen für die deutsche Presse vor der deutschen Revolution von 1848/49: Analyse der restriktiven Pressepolitik des Deutschen Bundes und der Zensurbestimmungen im Vormärz.
1.1 Die Restaurationspolitik im Bezug auf die Presse: Beschreibung der staatlichen Kontrollmechanismen, des Metternichschen Systems und der Auswirkungen der Karlsbader Beschlüsse.
1.2 Zensur- und Zeitungswesen: Untersuchung der praktischen Zensurmaßnahmen und der Verschärfungen nach 1832.
1.3 Zensurerleichterung und Politisierung der Presse: Darstellung der Entwicklungen in den 1840er Jahren, insbesondere des Einsatzes neuer Kommunikationsmittel und der steigenden Relevanz der Presse.
2. Die deutsche Presse zur Zeit der deutschen Revolution von 1848/49: Untersuchung der grundlegenden Veränderungen der Presselandschaft und der errungenen Pressefreiheit während der Revolution.
2.1 Die Proklamierung der Pressefreiheit: Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und der politischen Forderungen nach Meinungsfreiheit.
2.2 Das Neue an der Presse und die Pressefreiheit: Erörterung der veränderten Pressearbeit und der Entstehung einer parteipolitischen Tendenzpresse.
2.3 Die Bedeutung der Revolutions-Ereignisgeschichte für die Presse: Darstellung der engen Verknüpfung von politischer Vereinsbildung und publizistischem Engagement.
2.4 Die Bedeutung der Presse für das Bildungsbürgertum und die Revolutionäre und die Presse nach der Revolution: Nachbetrachtung der Repressionen nach 1849 und der dauerhaften gesellschaftlichen Wirkung des erfahrenen Wandels.
3. Die Auswirkungen der deutschen Revolution der Jahre 1848/49 auf die Presse: Kritische Würdigung der These einer „Kommunikationsrevolution“ und Zusammenfassung der Erkenntnisse.
3.1 „Kommunikationsrevolution“, Fazit, Forschungsperspektive: Abschließendes Urteil über die Bedeutung der Revolution für den Strukturwandel der Presse und Ausblick auf zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Deutsche Revolution 1848/49, Pressefreiheit, Zensur, Vormärz, Medienwandel, Kommunikationsrevolution, Politische Öffentlichkeit, Tendenzpresse, Zeitungsgeschichte, Bildungsbürgertum, Deutscher Bund, Metternich, Märzforderungen, Politisierung, Meinungsfreiheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der deutschen Presse während der Revolution von 1848/49 und analysiert, inwieweit die Revolution zu einer grundlegenden Veränderung der Kommunikation führte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Zensurpolitik des Vormärz, die Entstehung der Pressefreiheit während der Revolution, der Aufstieg der Tendenzpresse und die Bedeutung von Medien für die politische Partizipation.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, den Einfluss der Revolution auf die Presseentwicklung zu bestimmen und kritisch zu hinterfragen, ob der Begriff der „Kommunikationsrevolution“ für diesen Zeitraum zutreffend ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden methodischen Ansatz, bei dem verschiedene historiographische Thesen einander gegenübergestellt und anhand von Quellen abgewogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedingungen der Presse im Vormärz, die Veränderungen während des Revolutionsjahres 1848/49 und die Nachwirkungen der Restauration auf das Pressewesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wesentlichen Begriffe sind Pressefreiheit, Zensur, Vormärz, Politische Öffentlichkeit, Tendenzpresse, Medienwandel und Revolution von 1848/49.
Welche Rolle spielte die Technik, wie die Eisenbahn, für die Presse?
Die Eisenbahn und der Telegraph ermöglichten eine schnellere Informationsübertragung und überbrückten Distanzen, was zur Intensivierung der Kommunikation und einer beschleunigten politischen Mobilisierung beitrug.
Warum wird der Begriff „Kommunikationsrevolution“ vom Autor in Frage gestellt?
Der Autor argumentiert, dass die Entwicklung kein abrupter Umbruch war, da Pressefreiheit und das Bedürfnis nach politischer Teilhabe bereits im Vormärz als Forderungen existierten; er bevorzugt die Einordnung als „Strukturwandel“.
- Citation du texte
- David Otten (Auteur), 2009, Die deutsche Revolution von 1848/49 als "Kommunikationsrevolution", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146846