Aggregative Koordinationsellipsen

Eine Psycholinguistische Untersuchung des Satzverständnisses bei aggregativen Koordinationsellipsen im Vergleich zu integrativen Koordinationsellipsen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

37 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 HAUPTTEIL
2.1 Theoretische Grundlagen
2.1.1 Definition nach der Dudengrammatik
2.1.2 Verschiedene Ellipsentypen
2.1.3 Koordinationsellipsen
2.2 Psycholinguistik und Textverstehen
2.2.1 Was ist Psycholinguistik?
2.2.2 Textverstehen aus psycholinguistischer Sicht
2.2.3 Psycholinguistische Methoden
2.3 Psycholinguistische Untersuchung
2.3.1 Methodische Absicht
2.3.2 Forschungspraktisches Vorgehen
2.3.2.1 Entwicklung des Fragebogens
2.3.2.2 Sampling
2.3.2.3 Durchführung der Befragung
2.3.2.4 Aufbereitung und Auswertung des Materials
2.3.3 Resultate
2.3.3.1 Vergleich des Verständnisses der Subtypen
2.3.3.2 Korrelationen und Auffälligkeiten

3 SCHLUSS

4 LITERATURVERZEICHNIS

5 ANHANG

1 EINLEITUNG

Die Telekom preist in ihrer Werbung ein „Komfort- und schnurloses Telefon Sinus 30“[1] an. Nach kurzer Irritation, weil man aufgrund der Konstruktion dieser Phrase zuerst an ein komfortloses und schnurloses Telefon denkt, wird beim zweiten oder dritten Lesen dann doch klar, dass hier ein schnurloses Komforttelefon gemeint ist, da sich das >Komfort-< auf das weiter hinten stehende >Telefon< bezieht und es sich nicht um eine Ellipse in Form einer Einsparung eines gleichen Wortteiles, nämlich des >-loses< handelt.

Diese Phrase ist ein Beispiel, bei dem der Leser relativ schnell hinter den eigentlich gemeinten Sinn kommt, aber geht das bei allen Ellipsen so einfach?

Ich möchte in der vorliegenden Arbeit untersuchen, ob es auch Sätze in elliptischer Form gibt, die weniger leicht verständlich sind und bei denen es nicht genügt sie ein zweites oder drittes Mal zu lesen. Hierfür muss zu erst geklärt werden, was eine Ellipse überhaupt ist und welche verschiedenen Ellipsenarten es gibt. Aus jenen soll eine Ellipsenart ausgewählt werden, anhand derer untersucht werden kann, ob sie vom Leser besser oder schlechter verstanden wird als eine andere Ellipsenart oder ein „vollständiger“ Satz. Dafür ist es notwendig auf die Psycholinguistik zurückzugreifen, die sich mit den kognitiven Vorgängen des Verstehens beschäftigt. Die Ziele dieser Disziplin sollen kurz angerissen werden und es gilt zu erörtern, wie Textverstehen hier definiert wird und welche Methoden geboten werden, mit denen man das Verstehen von Phrasen, Sätzen oder Texten untersuchen kann.

Im Anschluss an diesen ersten theoretischen Teil sollen in einem an der Empirie orientierten zweiten Teil eigene Beispielsätze entwickelt werden, die der zuvor ausgewählten zu untersuchenden Ellipsenart entsprechen. Mit Hilfe von Probanden und einer passenden Methode aus der Psycholinguistik soll das Verstehen dieser Sätze untersucht und mit Bezug auf andere Faktoren wie zum Beispiel Alter und Schulabschluss ausgewertet werden.

Ziel der Arbeit ist es, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob es Ellipsentypen gibt, die leichter zu verstehen sind als andere, und eine Vermutung dahingehend zu äußern, worauf die erhaltenen Ergebnisse zurückzuführen sind.

2 HAUPTTEIL

Die Arbeit ist in drei Abschnitte gegliedert. Zu erst werden die theoretischen Grundlagen im Rahmen einer Begriffsdefinition von Ellipse und der Darstellung verschiedener Ellipsentypen gelegt, um daraus den konkreten Untersuchungsgegenstand der Arbeit herzuleiten (2.1). Zweitens wird der Bereich einer rein sprachwissenschaftlichen Darstellung verlassen und zu praxisbezogenen Untersuchungsmethoden der Psycholinguistik bezüglich des Textverstehens gewechselt, damit adäquate Methoden für die eigenen Nachforschungen gefunden werden können (2.2). Drittens und letztens wird der Aufbau und die Durchführung der Untersuchung beschrieben und werden die erhaltenen Ergebnisse ausführlich dargestellt.

2.1 Theoretische Grundlagen

Das Kapitel über die theoretischen Grundlagen umfasst drei Ebenen: Als Einführung in das Thema soll zuerst der Begriff der Ellipse durch eine Begriffsbestimmung kurz umrissen werden, damit der Untersuchungsgegenstand der Arbeit definiert ist (2.1.1 – allgemeine Definition). Daraufhin wird der Begriff spezifiziert, indem eine knappe Übersicht über verschiedene Ellipsentypen mit Beispielen gegeben wird (2.1.2 – Spezifizierung). Dies dient dazu, die Entscheidung für eine dieser Ellipsenarten zu begründen, die in der Untersuchung analysiert werden soll. Der konkret gewählte Ellipsentyp wird anschließend genauer kategorisiert und in seinen Besonderheiten dargelegt, um eine Grundlage zu schaffen, auf Basis derer die in der Untersuchung zu verwendenden Beispielsätze ausgesucht werden können (2.1.3 – konkreter Gegenstand).

2.1.1 Definition nach der Dudengrammatik

„Die Ellipse ist ein Mittel, die Kommunikation von störender Redundanz zu entlasten. Der Fachausdruck geht auf ein altgriechisches Wort zurück, das mit ´Auslassung` übersetzt werden kann“[2], wobei Auslassung nicht normativ zu verstehen ist. Hier klingt an, dass die Ellipse als eigenständige Äußerung anerkannt wird, was mit der mittlerweile zu verzeichnenden Tendenz in Richtung einer Autonomietheorie übereinstimmt. Dem gegenüber war früher eher die Reduktionstheorie verbreitet, die Ellipsen nicht als eigenständige Einheiten, sondern als verstümmelte Sätze ansah. So grenzt z.B. Klein Ellipsen zu „syntaktisch vollständige[n]“[3] Äußerungen ab, was impliziert, dass Ellipsen seiner Meinung nach eben nicht vollständig sind und ihnen etwas fehlt.

Nun ist diese Definition immer noch sehr weit gefasst und kann viele verschiedene Arten von Ellipsen beinhalten. Im Folgenden soll ein kurzer Einblick in die Vielfalt der Ellipsentypen gegeben werden.

2.1.2 Verschiedene Ellipsentypen

Behr und Quentin teilen Ellipsen in kontextbezogene Ellipsen und nicht kontextbezogene Ellipsen ein. Zu ersteren gehören die Schlagzeile („Kanzler färbt Haare“), die Koordinationsellipse („Fritz saß auf [...] und Maria lag unter dem Bett[4]), die externe Prädikation („[Das ist] schade“) und der fragmentarische Satz (schließt semantisch an den Vorgänger- oder Nachfolgesatz an). Zu letzteren gehören die interne Prädikation („Das Leben [ist] ein Traum“), der dynamische Rhemasatz („zum Kiosk“) und der Existenzialsatz („Weniger Angst [existiert] am Arbeitsplatz“)[5].

Eine andere Einteilung von Ellipsen nimmt Klein vor. Er unterscheidet Ellipsen vorwiegend nach dem Kriterium des Grundes ihrer Formulierung oder auch nach der Situation, in der sie auftreten. So nennt er z.B. Textsortenellipsen (Telegrammstil), Handlungsellipsen (in vorstrukturierter Handlungssituation; „Bitte klopfen“), expressive Ausrufe („Wunderbar!“), lexikalische Ellipsen (referieren auf Weltwissen; „Wer hebt ab?“), verarbeitungsbedingte Ellipsen (entstehen im täglichen Sprachgebrauch, wenn Sätze wegen eines anderen Gedankens unterbrochen oder Äußerungen überflüssig werden), Adjazenzellipsen (z.B. Frage-Antwort Folgen; „Wer hat was getrunken?“ – „Arnim ein Bock“) und Koordinationsellipsen (Auslassungen identischer Teile in Reihungen; „Fritz saß auf [...] und Maria lag unter dem Bett“)[6].

Gallmann nennt wieder andere Ellipsentypen, die er nach Einsparungen gleicher Wortteile („Zimmer wände und [...]–decken“)[7], Einsparungen in gereihten Nominal- und Präpositionalphrasen („Das alte [...] und das neue Rathaus“)[8] und Einsparungen im zusammengezogenen Satz („Klaus liest ein Buch, Lutz [...] eine Zeitung“)[9] unterteilt. Diese drei Kategorien fasst er unter dem Begriff Ellipsen in Reihungen zusammen, wobei er Reihung mit Koordination gleichsetzt, was ein „mehrfache[s] Auftreten gleichartiger Elemente“[10] bedeutet und „(a) Einzelwörter [...] (b) Phrasen oder (c) ganze Sätze betreffen“[11] kann. Verbunden werden die gereihten Elemente mit oder ohne Konjunktion[12].

Bei all diesen unterschiedlichen Einteilungen von Ellipsen, findet sich eine signifikante Gemeinsamkeit bei den zitierten Autoren: Alle verwenden den Begriff der Koordinationsellipse und scheinen darunter ähnliche Phänomene zu verstehen. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass dieser Ellipsentyp im Sprachgebrauch häufig vorkommt, weshalb es als lohnenswert erscheint, diese Ellipsenart genauer zu betrachten. Dabei sollen Koordinationsellipsen auf Wort-, Phrasen- und Textebene vernachlässigt und nur diejenigen auf Satzebene betrachtet werden.

2.1.3 Koordinationsellipsen

Klein ordnet die Koordinationsellipsen in die Kategorie der kontextkontrollierten Ellipsen ein, welcher neben ihnen auch die Adjazenzellipsen angehören[13]. Die Gruppe der kontextkontrollierten Ellipsen zeichnet sich dadurch aus, dass sie „einen expliziten sprachlichen Kontext [verlangen], d.h. eine vorausgehende oder nachfolgende Struktur, von der jene der elliptischen Äußerung abhängt“[14]. Dabei unterliegen sie drei Arten von Beschränkungen, nämlich einer syntaktischen, einer semantischen und einer stilistischen[15], wobei letztere hier zu vernachlässigen ist. Zu der semantischen Beschränkung legt Klein fest:

„Das nicht Ausgedrückte, aber regelhaft Ergänzte muß irgendwo im engeren oder weiteren Kontext enthalten sein. Bei den `Kontextellipsen´ muß die entsprechende Bedeutung also im selben (koordinierten) Satz oder aber in der unmittelbar vorausgehenden Äußerung eingeführt werden“[16].

Er spricht hier bereits von dem „nicht Ausgedrückte[n], aber regelhaft Ergänzte[n]“, was sich auf die syntaktische Beschränkung bezieht, zu der er folgende Tilgungsregel formuliert:

„[...] müssen zwei bis auf eine Konstituente gleichen Typs identische Sätze koordiniert sein; die identischen Teile werden bei einem der beiden Vorkommen weggelassen“[17].

Ergänzend zu Klein nennt Hoffman als konkrete Bedingungen für das Weglassen dieser identischen Teile „die Identität des Redegegenstandes“, „die Parallelität der Position“ und „die Kasusidentität als Markierung einer kongruenten Argumentstelle“[18].

Demnach ist zu unterscheiden zwischen Ellipsen, die diese Bedingungen erfüllen, und Ellipsen, die diese Bedingungen nicht erfüllen. Hennig verwendet für die ersteren den Begriff der integrativen Koordinationsellipse und meint damit Sätze wie die o.g. Beispiele von Klein: „Fritz saß auf [...] und Maria lag unter dem Bett“ und Gallmann: „Klaus liest ein Buch, Lutz [...] eine Zeitung“. Kennzeichnend für die integrativen Koordinationsellipse ist, dass die nicht realisierte Konstituente im elliptischen Konjunkt und das realisierte Bezugselement im angrenzenden Konjunkt identisch sind.

Den zweiten Typ, bei dem die realisierte Konstituente mit der nicht-realisierten Konstituente nicht übereinstimmt und der Hoffmanns Bedingungen für das Auslassen der identischen Teile deshalb nicht erfüllt, bezeichnet Hennig als aggregative Koordinationsellipse. Hierfür liefert Gallmann ein Beispiel: „Ich gehe heute ins Theater, meine Frau [...] aber ins Konzert“[19]. Die fehlende Übereinstimmung drückt sich darin aus, dass die realisierte Konstituente, also das flektierte Verb „gehe“ in der ersten Person Singular steht, die nicht realisierte Konstituente aber die dritte Person Singular, nämlich „geht“ verlangt; d.h. die Verbformen unterscheiden sich in der Person.

Hennig schlägt aufgrund dieser Eigenschaft für aggregative Koordinationsellipsen folgende Definition vor:

„Bei einer aggregativen Koordination ist die im zweiten Konjunkt implizit gebliebene Kategorie nicht identisch mit der expliziten Kategorie im ersten Konjunkt“[20].

Mit Bezug auf die von Hoffman und Klein genannten verschiedenen Bedingungen bestimmt sie folgende Grundtypen aggregativer Koordinationsellipsen[21]:

1. Die kategoriale aggregative Koordinationsellipse (`kategoriale Aggregation´) als Abweichung von der Bedingung „Identität der Kategorien“ und „Konstituenten gleichen Typs“.
2. Die strukturelle aggregative Koordinationsellipse (`strukturelle Aggregation´) als Abweichung von der Bedingung „Parallelität der Position“ und „identische Sätze“.
3. Die referentielle aggregative Koordinationsellipse (`referentielle Aggregation´) als Abweichung von der Bedingung „Identität des Redegegenstandes“.

Wenn man also unterscheiden kann zwischen >perfekten< Ellipsen, welche die Tilgungsregeln befolgen (= integrative Koordinationsellipsen), und >fehlerhaften< Ellipsen, welche von der Tilgungsregel in einer der drei o.g. Bedingungen abweichen (= aggregative Koordinationsellipsen), stellt sich die Frage, ob beide Ellipsentypen denn vom Rezipienten gleich gut verstanden werden. Da der letztgenannte Typ von gängigen Regeln abweicht und deshalb nicht mehr dem häufig verwendeten Normalfall entspricht, lässt sich folgende Hypothese formulieren:

Ellipsentypen, welche die Tilgungsregel nicht befolgen, werden vom Rezipienten schwerer verstanden als Ellipsentypen, welche die Tilgungsregel befolgen.

Untersucht werden soll also das Satzverstehen bei diesen Ellipsenarten. Da dies jedoch einen praktischen Bezug im Sinne eines Experimentes zum Textverstehen erfordert, kann eine sprachwissenschaftliche Analyse von Ellipsentypen allein die aufgestellte Hypothese weder widerlegen noch bestätigen. Deshalb muss eine weitere Disziplin zu Rate gezogen werden, die sich mit eben jenem Thema beschäftigt: Die Psycholinguistik.

Sowohl auf sie als auch auf das breite Thema des Text-Verstehens soll im nächsten Kapitel genauer eingegangen werden.

2.2 Psycholinguistik und Textverstehen

Mit einer rein Sprachwissenschaftlichen Analyse der aggregativen Koordinationsellipse und ihren Unterarten ist der Frage danach, ob nun Ellipsentypen, die sich nicht an die Tilgungsregel halten, schwerer zu verstehen sind als Ellipsentypen, die das tun, nicht zu beantworten. Deshalb muss für die weiteren Untersuchungen eine andere Disziplin hinuzgezogen werden, die sich spezielle mit dem Thema der Textrezeption und des Textverstehens beschäftigt. Diese Disziplin soll im Falle dieser Arbeit die Psycholinguistik sein.

In diesem Kapitel soll zwecks eines allgemeinen Überblicks zuerst kurz umrissen werden, was Psycholinguistik überhaupt ist, wie sie entstand und mit welchen Fragestellungen und Phänomenen sie sich befasst (2.2.1). Daran anschließend werden einige Methoden vorgestellt, derer sie sich bedient (2.2.2), um ein Methodenrepertoire zur Verfügung zu haben, aus dem bei der Planung zur Durchführung der eigenen Untersuchungen geschöpft werden kann. Da in der zuvor aufgestellte These explizit auf das Text-/Satzverstehen abgehoben wird, soll zudem dargestellt werden, wie dieses Textverstehen aus psycholinguistischer Sicht betrachtet wird (2.2.3). Die gewonnen Erkenntnisse sollen dabei helfen, bei den eigenen Untersuchungen einen Blickwinkel zu finden, von dem aus sich das Thema sinnvoll bearbeiten lässt, und Parameter herauszuarbeiten, mit welchen man den Umfang des Textverstehens bei den selbst durchgeführten Tests bestimmen kann.

2.2.1 Was ist Psycholinguistik?

Bei der Psycholinguistik handelt es sich um eine interdisziplinäre Wissenschaft, die gewissermaßen Fachtermini, Beschreibungsaspekte und betrachtenswerte Phänomene aus der Linguistik mit empirischen Forschungsmethoden und Arbeitsweisen aus der Psychologie verschmilzt und dabei deren spezielle Ausrichtung in Bezug auf die Untersuchungsgegenstände – nämlich die Individuen in bestimmten Situationen mit ihrem Verhalten und subjektiven Erleben – beibehält[22]. Psycholinguistik ist damit eine empirische „Wissenschaft vom sprachlichen Verhalten und Erleben“[23], die untersucht, wie Menschen Sprache verwenden.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat die Psycholinguistik mehrere Entwicklungsphasen je nach Einfluss der zur jeweiligen Zeit vorherrschenden theoretischen Richtungen in Psychologie oder Linguistik (z.B. ein großer Einfluss des Behaviourismus in den 50er Jahren oder der Generativen Grammatik in den 60er Jahren) durchlaufen[24]. Eine genaue Darstellung der historischen Entwicklung ist an dieser Stelle nicht notwendig, da für den Gegenstand der Arbeit nicht von Bedeutung. Es sei lediglich darauf hingewiesen, dass erst seit der kognitiven Wende in den 70er Jahren vermehrt semantische Aspekte (und nicht mehr nur syntaktische) in das Blickfeld der Forschung gerieten und erkannt wurde, dass der Rezipient von einem Text stets mehr versteht, als dort eigentlich explizit geschrieben steht. Neuere Richtungen der Psycholinguistik beziehen mittlerweile sowohl die kognitiven Prozesse bei Produktion und Rezeption von Texten oder Sprache mit ein als auch die jeweilige Kommunikationssituation und die konnotativen Aspekte. Man versucht hier also Phänomene sprachlicher Äußerungen (in Sprache und Schrift) in ihrer ganzen Komplexität zu erfassen und zu untersuchen und das möglichst in der Form, wie sie im Alltag in der Realität auftreten[25]. Die Hauptuntersuchungsfelder sind dabei der Spracherwerb, die Sprachproduktion und die Sprachrezeption, wobei es hauptsächlich um das vorhandene Sprachwissen (im Sinne von Wissen über die Strukturen der Sprache) und die Sprachverarbeitung geht[26]. Ziel ist es, Hypothesen aus Theorien oder Alltagsphänomenen abzuleiten und durch Experimente und deren Beobachtung zu überprüfen[27]. Dafür bedient sich die Psycholinguistik verschiedener Methoden, welche die Psychologie und die Sozialwissenschaften anbieten. Diese sollen jedoch erst im übernächsten Kapitel angesprochen werden, da zunächst geklärt werden muss, was Textverstehen aus psycholinguistischer Sicht überhaupt ist und was bei diesem Phänomen (ebenfalls aus psycholinguistischer Sicht) `im Menschen passiert´. Denn erst wenn die beim Verstehen ablaufenden Mechanismen beschrieben worden sind, kann im Anschluss erörtert werden, welche psycholinguistischen Methoden für die Erforschung welcher Prozesse angewandt werden und sinnvoll sind.

[...]


[1] Aus dem Hohlspiegel: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-18204-8.html#backToArticle=456595.

[2] Gallmann (2005): 909f.

[3] Vgl. Klein (1985): 7f. Er unterscheidet hier Ellipsen von textuellen Inferenzen wie „Gestern gegen fünf kam ich in Nijmegen an. Es regnete“, die er als vollständige Sätze ansieht.

[4] Bei den Beispielen sind die Bezugselemente kursiv gesetzt und die Auslassungen mit [...] markiert.

[5] Beispiele stammen von Hennig (Seminarmaterialien).

[6] Vgl. Klein (1985): 3f.

[7] Vgl. Gallmann (2005): 919.

[8] Vgl. ebd.: 915-919.

[9] Vgl. ebd.: 912-915.

[10] Ebd..

[11] Ebd..

[12] Vgl. ebd..

[13] Vgl Klein (1985): 5 und Klein (1993): 768.

[14] Vgl. Klein (1993): 768. Alle anderen Ellipsentypen, die weder Adjazenz- noch Koordinationsellipsen sind, rechnet er zu den nicht-kontextkontrollierten Ellipsentypen und konstruiert damit eine äußerst dichotomen Darstellung in Bezug auf die Ellipsen.

[15] Vgl Klein (1985): 8ff.

[16] Klein (1985): 8.

[17] Klein (1993): 770. Vgl. auch: „Wenn in Reihungen gleichartige Bestandteile auftreten, werden diese oft nur einmal ausformuliert“ Gallmann (2005): 912.

[18] Hoffmann (1997): 574.

[19] Gallmann (2005): 913.

[20] Hennig (i. Dr.): 9.

[21] Vgl. ebd.: 11f.

[22] Vgl. Rickheit et al. (2004): 14.

[23] Ebd.: 13.

[24] Vgl. ebd.: 21-25.

[25] Vgl. ebd.: 25-28.

[26] Vgl. ebd.: 13ff.

[27] Vgl. ebd.: 48.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Aggregative Koordinationsellipsen
Untertitel
Eine Psycholinguistische Untersuchung des Satzverständnisses bei aggregativen Koordinationsellipsen im Vergleich zu integrativen Koordinationsellipsen
Hochschule
Universität Kassel  (FB2)
Veranstaltung
Ellipsen und Textverstehen
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
37
Katalognummer
V146857
ISBN (eBook)
9783640573042
ISBN (Buch)
9783640573332
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ellipsen, Koordinationsellipsen, Psycholinguistik
Arbeit zitieren
Anika Weller (Autor), 2009, Aggregative Koordinationsellipsen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146857

Kommentare

  • Anika Weller am 8.3.2010

    eine 2,0 wegen des Ausschlag gebenden theoretischen Teils; der Teil über die psycholinguistische Untersuchung sowie die Durchführung des Tests wurden mit 1,0 bewertet

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Titel: Aggregative Koordinationsellipsen



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