„Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten –, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“
…und genauso geschah es auch. Die nationalsozialistische Pressepropaganda war ein wichtiges Mittel zur Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie und der Manipulation der deutschen Bevölkerung.
In der vorliegenden Arbeit sollen propagandistische sprachliche Mittel der Nationalsozialisten in der Zeit des Dritten Reiches dargelegt werden. Dazu werde ich zunächst einige wichtige Begriffe klären und sprachliche Mittel anhand einiger Ausgaben des „Völkischen Beobachters“, welche im Anhang zu finden sind, erläutern. Eine vorherige Erklärung dieser Mittel erfolgt nicht, es wird alles im Analyseteil genau erläutert. Eine Frage, die ich dabei klären möchte, ist unter anderem, ob und wie sich die nationalsozialistische Propaganda im Laufe der Jahre, d.h. vor Machtantritt Hitlers, die Jahre der Kriegsvorbereitung sowie die Jahre des Zweiten Weltkrieges verändert hat. Allerdings soll dies nicht Hauptaspekt der Arbeit sein und lediglich im Schlussteil noch einmal aufgegriffen werden. Viel spannender ist die Frage, wie es die Nationalsozialisten durch die Presse geschafft haben, so viele Menschen in ihre Richtung zu ziehen und sie von der nationalsozialistischen Ideologie zu überzeugen. Diesem Thema werde ich mich nun mit dieser Arbeit zum größten Teil widmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Vorgehensweise
2. Propaganda
2.1 Propaganda – eine Definition
2.2 Propaganda, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit
2.3 Nationalsozialistische Propaganda
3. Die Presse im Nationalsozialismus
3.1 Die Stellung der Presse im Nationalsozialismus
3.2 Die Organisation der Presse im Nationalsozialismus
4. Der „Völkische Beobachter“
4.1 Geschichtlicher Abriss
4.2 Aufbau und Form
4.3 Inhaltliche Aspekte
5. Analyse der propagandistischen Mittel im „Völkischen Beobachter“
5.1 Der „Völkische Beobachter“ 1925-1933
5.1.1 26. Februar 1925: Aufruf an die ehemaligen Angehörigen der NSDAP
5.1.2 19. Januar 1926: Artikel zu einem jüdischen Bordell
5.1.3 15. Mai 1928: Wahlaufruf der NSDAP
5.1.4 17. August 1932: Die Ablehnung des Vizekanzleramts
5.2 Der „Völkische Beobachter“ 1933-1939
5.2.1 22. März 1933: Hitler in der Garnisonkirche in Potsdam
5.2.2 29. März 1933: Aufruf der Parteileitung der NSDAP
5.2.3 05. August 1938 und 13. August 1938: Lügen bezüglich der Sudetenfrage
5.3 Der „Völkische Beobachter“ 1939-1945
5.3.1 19. Februar 1943: Der totale Krieg
5.3.2 29. April 1945: Die vorletzte Ausgabe des „Völkischen Beobachters“
6. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die propagandistischen sprachlichen Mittel der Nationalsozialisten während der Zeit des Dritten Reiches. Ziel ist es, anhand ausgewählter Ausgaben des Parteiorgans „Völkischer Beobachter“ zu analysieren, wie durch den gezielten Einsatz von Sprache Manipulation betrieben wurde und wie sich diese Propagandatechniken in verschiedenen Phasen – von der Machtübernahme bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs – veränderten.
- Grundlagen und Definitionen von Propaganda, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit
- Die Rolle und Organisation der Presse im nationalsozialistischen Staat
- Historischer Überblick und Aufbau des „Völkischen Beobachters“
- Analyse spezifischer propagandistischer Merkmale anhand prägnanter Artikelbeispiele
- Untersuchung der sprachlichen Mittel zur Manipulation der Volksmeinung
Auszug aus dem Buch
5.1.1 26. Februar 1925: Aufruf an die ehemaligen Angehörigen der NSDAP
Die erste Ausgabe der wiederbegründeten Zeitung „Völkischer Beobachter“ vom 26. Februar 1925 enthält auf der Titelseite einen Artikel mit der Überschrift „Aufruf an die ehemaligen Angehörigen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“ (verfasst von Adolf Hitler), welchem ich mich bzgl. der Sprache als erstes widmen möchte. Schon im ersten Satz des Artikels wird eine Verherrlichung der NSDAP mit den Worten „unserer jungen, herrlichen Bewegung“ vorgenommen. Die Partei wird später im Artikel ebenso noch als „Kampfgemeinschaft“ bezeichnet. Schon hier werden propagandistische Merkmale der Zeitung klar: eine Verherrlichung der Bewegung, welche keine andere Meinung darüber zulässt. In gewisser Weise könnte man das Wort „herrlich“ im Nachhinein auch auf „Herrschaft“ zurückführen, da es im Nationalsozialismus schließlich einen Herrscher gab, den Führer Adolf Hitler. Ein weiteres Merkmal wird mit der Konzentration auf einen Gegner „Juden und Verführte“ deutlich. Es sollte damit bezweckt werden, dass, wie Hitler schon in „Mein Kampf“ schrieb „Selbst auseinanderliegende Gegner immer zu einer Kategorie gehörend erscheinen zu lassen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Vorgehensweise: Diese Einleitung erläutert die Relevanz der Untersuchung nationalsozialistischer Sprache als Manipulationsmittel und steckt den methodischen Rahmen ab.
2. Propaganda: Hier werden theoretische Grundlagen definiert, um Propaganda von Werbung und PR abzugrenzen, und die spezifische Ausrichtung auf das Volk bei den Nationalsozialisten dargelegt.
3. Die Presse im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel behandelt die Instrumentalisierung der Presse durch Gleichschaltung und deren organisatorische Einbindung in das Propagandaministerium.
4. Der „Völkische Beobachter“: Es wird der geschichtliche Kontext sowie der formale Aufbau und die inhaltliche Ausrichtung des zentralen Parteiorgans der NSDAP beschrieben.
5. Analyse der propagandistischen Mittel im „Völkischen Beobachter“: In diesem Hauptteil werden anhand chronologisch ausgewählter Artikelbeispiele die propagandistischen Techniken der Sprache in verschiedenen politischen Epochen detailliert analysiert.
6. Schlussteil: Das Fazit fasst zusammen, dass die gezielte Manipulation durch Sprache als Kerninstrument der nationalsozialistischen Herrschaft erfolgreich eingesetzt wurde.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Völkischer Beobachter, Propaganda, Manipulation, Presse, Sprachanalyse, NSDAP, Ideologie, Propaganda-Mittel, Volk, Machtübernahme, Kriegspropaganda, Gleichschaltung, Kampfblatt, Manipulationsfunktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Nationalsozialisten die Sprache als Mittel zur Propaganda und zur Manipulation des deutschen Volkes im „Völkischen Beobachter“ einsetzten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Differenzierung von Propaganda, die Kontrolle der Presse durch die Nationalsozialisten sowie die Analyse spezifischer Sprachmuster in den Ausgaben des „Völkischen Beobachters“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin möchte klären, wie die Nationalsozialisten durch die Presse Menschen für ihre Ideologie gewannen und wie sich diese propagandistische Sprache im Verlauf der Jahre und politischer Ereignisse veränderte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse ausgewählter Ausgaben des „Völkischen Beobachters“, um propagandistische Merkmale und sprachliche Strategien wie Verherrlichung, Feindbildkonstruktion und Appelle an das „gesamte Volk“ herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Zeitabschnitte: die Zeit vor der Machtergreifung (1925–1933), die Zeit nach der Machtergreifung bis zum Kriegsausbruch (1933–1939) und die Zeit des Zweiten Weltkriegs (1939–1945).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Völkischer Beobachter, Propaganda, Manipulation, Presse, Ideologie und Gleichschaltung.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Werbung, PR und Propaganda?
Während Werbung auf Überredung und PR auf Überzeugung setzt, wird Propaganda als gezielte Manipulation durch einen Fremdreferenten definiert, die dem Adressaten keine Freiheitsgrade lässt.
Welche Rolle spielte der „Völkische Beobachter“ für die NSDAP?
Die Zeitung fungierte primär als Parteiorgan zur Verbreitung der NS-Ideologie und zur Manipulation der Bevölkerung, wobei sie sich selbst als „Kampfblatt“ verstand.
Wie veränderte sich die Propaganda in der vorletzten Ausgabe von 1945?
Die Analyse zeigt, dass in der Ausgabe vom 29. April 1945 die großen propagandistischen Überschriften und Aufhänger fehlten, was die Autorin als Zeichen der bevorstehenden Kapitulation interpretiert.
- Citation du texte
- Monique Wicklein (Auteur), 2010, Analyse der Sprache als Mittel der Propaganda im Dritten Reich anhand der Zeitschrift "Völkischer Beobachter", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146896