Religiöse Kunst - Lob oder Leugnung Gottes?


Essay, 2009

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problembegegnung

2. Der Mensch als göttliches Kunstwerk aus schöpfungstheologischer Perspektive

3. Die Verherrlichung Gottes in der Kunst des Mittelalters

4. Der Mensch als „göttlicher“ Künstler in der Renaissance

5. Die Verknüpfung zwischen dem Lobe Gottes und der menschlich-künstlerischen Tätigkeit sowie ihre religionspädagogischen Herausforderungen

6. Literaturverzeichnis

1. Problembegegnung

Es gibt gewisse Momente in unserem Leben, in denen wir mit Dingen und Situationen konfrontiert werden, die einen bleiben Eindruck in uns hinterlassen. Besondere Erfahrungen, die besser als Erlebnisse bezeichnet werden, da sie uns den Geschmack des Lebens in einer ganz besonderen Duftnote, Süße oder Farbnuance offenbaren können.

Dieses können Erlebnisse wie z. B. die erste große Liebe, besondere Feste wie Geburtstage, die Konfirmation oder die Verlobung / Hochzeit als besondere Abschnitte auf dem Lebensweg sein. Aber auch so manch andere, „kleinere“ und unvorhergesehene Alltagserlebnisse sind in diesem Zusammenhang zu nennen: die Versöhnung nach einem längeren Streit, die plötzliche Lösung eines schon länger andauernden Problems, evtl. auch das Genießen des sonntäglichen Frühstücks auf der Terrasse, ein langes Gespräch unter Freunden bei einer guten Flasche Wein oder der Genuss wohlklingender Musik. - Kurz gesagt: Es sind Momente, welche meines Erachtens nach mit dem Begriff der „Schönheit“ umschrieben werden können.

Ein für mich in dieser Hinsicht „schönes“ Erlebnis war ein einwöchiger Aufenthalt während des diesjährigen Pfingstfestes in der „ewigen“ Stadt Rom. Mit der „Schönheit“ als solche wurde ich hier in den unterschiedlichsten Formen konfrontiert - ein Ausweichen war unmöglich! Hierzu zeichnete sich neben der italienischen Küche und der Mentalität der Italiener natürlich vor allem die Kunst in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen verantwortlich.

Doch die Leichtigkeit der Musik, die Lebendigkeit der Malerei und die förmliche Grenzenlosigkeit der römischen Architektur ließen mich nicht nur erstaunen, sondern bei anschließender nüchterner Reflektion des Erlebten auch die Frage nach den Gründen für ein solch enormes menschliches Schaffen in mir aufkommen: Was „zwingt“ uns Menschen sich in diesem Maße künstlerisch zu betätigen, zu extrahieren, zu transformieren (Rein rational betrachtet, erscheint Kunst ja oft als etwas „Funktionsloses“)? - Und ich fragte mich weiter, worum es gerade in der christlich-religiösen Kunst, von der man in Rom scheinbar gerade als evangelischer Christ „erschlagen“ wird, wirklich geht? Wer oder was wird augenscheinlich dargestellt und „angebetet“? Ist wirklich immer der transzendente „Gott“ das „Göttliche“ der Kunst? Ist er / sie es, der durch die Kunst gelobt wird oder tritt der jüdisch-christliche Schöpfergott hinter einen Künstler, welcher sich eher in der Rolle eines Schöpfers mit scheinbar göttlichen Fähigkeiten befindet?

Anhand der Betrachtung zweier künstlerisch-religiöser Epochen sowie einiger vorangehender theologischer Überlegungen, möchte ich versuchen, diesen Fragestellungen ein Wenig nachzugehen und ihre Relevanz für das religionspädagogische Handeln speziell in der Arbeit mit Jugendlichen zu durchleuchten.

2. Der Mensch als göttliches Kunstwerk aus schöpfungstheologischer Perspektive

So vielfältig das gesamte künstlerische Werk der Menschheit bis zum heutigen Tage ist und sich auch mit einem jedem weiteren vermehrt und aufblüht, so differenziert scheinen auch die möglichen Antworten hinsichtlich des „Göttlichen“ in der religiösen Kunst zu sein. Um an einer Stelle einen Anfang zu versuchen, nähere ich mich diesem Thema zuerst von der theologischen Schiene.

Nach christlichem Verständnis handelt es sich bei dem Wesen Gottes um nichts anderes als die vollkommene Liebe. In dieser Weise erklärt sich das „mysterium magnum“ - das größte aller nur vorstellbaren Geheimnisse: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt der bleibt in Gott und Gott in ihm.“[1]. Dieser Gott, diese Liebe, ist der Schöpfungsgrund, der Sinn und das Ziel des Universums und seiner Geschichte. Denn wahre und vollkommene Liebe, welche Gott ist, kann niemals für sich selbst existieren. Eine Liebe, welche nicht selbstlos ist, nicht das Gegenüber sucht, bleibt egozentrisch und somit wertlos. Gemeinschaft, Kommunikation und Partizipation sind somit wichtige Eigenschaften dieser schaffenden Liebe. Folglich wäre meine Theorie, dass mit dem ersten uns vorstellbaren Moment, an dem Gott, die Liebe, bereits als Sinn existierte[2], diese Macht sofort begann durch ihr Wort „es werde“ zu schaffen. Einzig darin begründet, dass diese Kraft nicht für sich selbst existieren kann. Dieser Logos ist, wie Papst Benedikt XVI. es ausdrückte, die Ur-Vernunft der Schöpfung.[3]

Der Mensch, welcher als Geschöpf Gottes nach seinem Bilde geschaffen wurde[4], bildet somit die notwendig gewordene und gewollte Veräußerung der vollkommenen göttlichen Liebe. Wir Menschen - in all unserer Unterschiedlichkeit - sind als ein Abbild der absoluten Schönheit - der Liebe - somit auch als vollkommene und unbezahlbare Kunstwerke Gottes zu bestaunen.[5]

[...]


[1] Vgl.: 1. Joh. 4, 16.

[2] Vgl.: 1. Mose 1, 2.

[3] Siehe: Benedikt XVI.: Enzyklika “Deus caritas est”; Augsburg 2006; S. 24.

[4] Vgl.: 1. Mose 1, 27.

[5] Interessant ist hier ebenfalls die Wortbedeutung des altgriechischen Wortes für „Welt“, Kosmos, aus dem sich ebenfalls der Begriff „Kosmetik“ ableitet. Schönheit und Welt liegen also auch im griechischen Denken eng beieinander!

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Religiöse Kunst - Lob oder Leugnung Gottes?
Hochschule
Fachhochschschule für Religionspädagogik und Gemeindediakonie Moritzburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V146917
ISBN (eBook)
9783640569915
ISBN (Buch)
9783640570485
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religiöse, Kunst, Leugnung, Gottes, Theologie, Religionspädagogik
Arbeit zitieren
Tobias Knöller (Autor), 2009, Religiöse Kunst - Lob oder Leugnung Gottes?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146917

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