Zum Menschenbild in den Tragödien des Sophokles


Studienarbeit, 2005
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Hauptteil
A) Das Umfeld (Lebenswirklichkeit)
B) Der Mythos
C) Tragödie: Verbindung von Mythos und Logos
D) Was ist der Mensch?

III. Schluss: Konsequenzen für unsere Zeit

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Ein echtes Kunstwerk bleibt, wie ein Naturwerk, für unsern Verstand immer unendlich; es wird angeschaut, empfunden; es wirkt, es kann aber nicht eigentlich erkannt, viel weniger sein Wesen, sein Verdienst mit Worten ausgesprochen werden.“[1]

Die griechische Tragödie ist unbestritten ein großes Kunstwerk. Als eigentlicher Schöpfer dieser Kunstform galt in der Antike Thespis, der im 6.Jahrhundert v.Chr. dem Chor einen Schauspieler mit Sprechversen gegenübertreten ließ. Mit der griechischen Tragödie sind untrennbar die Namen Aischylos, Euripides und Sophokles verbunden, Aristoteles bezeichnet in seiner Abhandlung De Poetika, sogar Euripides als den tragischsten aller Dichter.

Tragödie heißt wörtlich übersetzt Bockgesang. Die Mehrheit der Philologen verstehen darunter einen „Gesang zu den Böcken“, einen Gesang von Schauspielern welche sich als Satyrn verkleidet haben. Als die Tragödie zum ersten Mal in der Geschichte zum Vorschein tritt, war sie schon fest in den dionysischen Kult, der in Frühjahr von den Athenern gefeiert wurde, eingebunden.

Bei dem hier gesagten möchte ich es belassen. Es gibt viele Theorien über die Entstehung und die Wirkung der griechischen Tragödie. Wie wir oben von Goethe schon gehört haben, ist ein Kunstwerk für unseren Verstand eigentlich nicht erkenntlich und gerade darin liegt das Kunstvolle eines Kunstwerkes, das Unendliche mit endlichen Mitteln darzustellen. Dies soll aber nicht heißen, dass man sich überhaupt nicht mit der Analyse eines Kunstwerks beschäftigen soll.

Ich möchte mich in diesem Aufsatz mit der Anthropologie oder besser gesagt, mit dem Menschenbild in den Tragödien des Dichters Sophokles beschäftigen. Die drei großen griechischen Dramatiker, Aischylos, Euripides und Sophokles überschneiden sich oft mit den Themen und auch ihre Schaffenszeiten, jedoch finde ich, kann man einige Unterschiede im Detail ausmachen, vor allem, wenn es um die Fragen nach dem Menschenbild in ihren Tragödien geht.

Hier soll nun der Frage nach der Anthropologie von Sophokles nachgegangen werden. Sophokles hat, nach Lesky, in seinen Tragödien mit die tragischsten Gestalten der attischen Bühne geschaffen.

Wie sieht Sophokles den Menschen in seinen Tragödien?

II. Hauptteil

A) Das Umfeld (Lebenswirklichkeit)

In De Poetika schreib Aristoteles, dass es in der Tragödie um Nachahmung von Handlungen geht, „die notwendigerweise wegen ihres Charakters und ihrer Erkenntnisfähigkeit eine bestimmte Beschaffenheit haben. ( …) Denn die Tragödie ist nicht Nachahmung von Menschen, sondern von Handlung und von Lebenswirklichkeit.“[2]

Wenn wir nun die Tragödien von Sophokles zu untersuchen haben, dann sollten wir zuerst die Lebenswirklichkeit von Sophokles untersuchen.

Sophokles lebte im fünften Jahrhundert vor Christus. Er stammte aus einer vornehmen Familie aus Athen. Dort bekleidete er hohe politische Ämter und war in das Leben der Polis fest eingebunden. Seine Heimat, Athen, liebte er über alles. Athen ist zu dieser Zeit auf den Höhepunkt seiner Macht. Es begannen sich Umrisse eines attischen Reiches abzuzeichnen. „Da Sophokles reifer Mann ist, beginnt man damit, Athens Burg, den Götterberg mit Werken zu schmücken, die griechische Kunst auf ihre Höhe führen, und in Perikles’ Staatsleitung scheint die Demokratie dauernd gültige Formen gewonnen zu haben.“[3] Doch die Entwicklung war gefährlich. Je höher man aufstieg umso tiefer konnte man auch wieder fallen. Durch Bürgertugenden baute man diese Polis auf; somit versuchten neue Theorien schon das Weltbild ohne die Götter darzustellen. Doch wie sehr diese Staatsform von einer Person, deren Führer, abhing, bekam man schon gleich nach dessen Abgang zu spüren. Destruktive Kräfte waren unmittelbar am Werk, dann war da noch die Auseinandersetzung mit der zweiten griechischen Großmacht, mit Sparta.

„Dieses Leben, voll Größe und Gefahr, das noch immer trotz aller äußerer Machterweiterung in den festen Bindungen der Polis blieb, hat Sophokles mitgelebt, und seine Werke zeugen davon, daß er um beide Seiten wußte: um die stolze Unbedingtheit menschlichen Wollens und um die Mächte, die seiner Unbändigkeit die Vernichtung bereithalten. So allein erklärt es sich, wie derselbe Mann, dessen Glück in Athen sprichwörtlich war, (…), in seinem Werke furchtbarstes Leid zu schildern wußte, wie kein andere, und die tragischsten Gestalten der attischen Bühne schuf.“[4]

Die Person Sophokles wurzelt in der Tradition, jedoch kann man auch den kritischen, hinterfragenden Geist seiner Zeit in ihm erkennen. Er hatte eine enge Verbindung zum Kult seiner Heimat, die ihren Ausdruck in der Bekleidung des Priestertums für den attischen Heildämon Halon hatte.

[...]


[1] Goethe: Über Laokoon, S. 2. Digitale Bibliothek Band 2: Philosophie, S. 44654; (vgl. Goethe-BA Bd. 19, S. 129)

[2] Aristoteles, De Poetika, S.6.

[3] Albin Lesky, Die griechische Tragödie, S.125f.

[4] Albin Lesky, Die griechische Tragödie, S.126

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zum Menschenbild in den Tragödien des Sophokles
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V146936
ISBN (eBook)
9783640573677
ISBN (Buch)
9783640573486
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
griechische Tragödie, Sophokles, Menschenbild
Arbeit zitieren
Thomas Bauer (Autor), 2005, Zum Menschenbild in den Tragödien des Sophokles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146936

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