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Die Konstitution des Heros im Nibelungenlied

Title: Die Konstitution des Heros im Nibelungenlied

Seminar Paper , 2009 , 24 Pages , Grade: 1,00

Autor:in: Daniel Bohnert (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Die heroic ages sind in der Regel Zeiten des gesellschaftlichen Wandels, welche Helden eine Bühne offerieren. Die heroische Überlieferung knüpft an fiktive historische Ereignisse, welchen eine fundamentale Bedeutung für die Genese einer Gemeinschaft zugesprochen werden oder einmal wurden, reduziert diese auf elementare menschliche Konflikte und Affekte und überführt sie in traditionelle Erzählschemata. Das Essentielle ist, dass Heldensage auf die kollektiven Erinnerungen einer Gemeinschaft rekurriert und damit die formative Funktion erfüllt, Identität zu stiften. Daraus ergibt sich die Frage nach dem Verhältnis zwischen Held und Kollektiv. Dient der Heros verbindlichen gesellschaftlichen Regulativen? Oder ist er gerade keinem ethischen Normen- und Wertesystem verpflichtet? Die eingangs dargestellte Situation am Wormser Königshof verweist bereits auf einen rücksichtslosen, ungebundenen und selbstmächtigen Helden. Hingegen scheint es den Burgunden zu gelingen den übermütigen Siegfried zunächst innerhalb der höfischen Welt zu zähmen. In diesem Zuge ist die Signifikanz des bereits angedeuteten Antagonismus zwischen heroischem und höfischem Diskurs zu untersuchen. Welche Spannungen erzeugt dieser Chiasmus? Welche Bedeutung haben die offensichtlichen Brüche innerhalb des Epos? Und schließlich bleibt zu klären, inwiefern die Konstitution des Heroischen im Nibelungenlied im Zusammenhang mit dem “entsetzlichen Untergang” steht.

Excerpt


Struktur der wissenschaftlichen Arbeit

1. Einführung: Diskrepanzen innerhalb der höfisch-idealisierten Ordnung

2. Gratwanderungen: Ein Blick in die Forschungsgeschichte

3. Der Antagonismus zwischen Heros und höfischer Ordnung

4. “diese degene müezen verliesen den lîp.”: Die Aporie des Heroischen

5. Konkretisierung der Heldenkonzeption im Nibelungenlied

6. Resümee: Die Degeneration der höfisch-idealisierten Gesellschaft

Zielsetzung & Themen der Untersuchung

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstitution des Heroischen im Nibelungenlied und analysiert dabei das Spannungsverhältnis zwischen heldenepischen Mustern und der höfisch-idealisierten Gesellschaftsordnung. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern die Figur des Helden – insbesondere Siegfried und Hagen von Tronje – als destruktive Kraft fungiert, die kollektive Ordnungsmechanismen unterwandert und den Untergang der burgundischen Gemeinschaft determiniert.

  • Die antagonistische Verschränkung von heroischem Ethos und höfischer Minne- bzw. Hofkultur.
  • Die Analyse des Heldenbegriffs in Abgrenzung zur wissenschaftlichen Forschungsgeschichte.
  • Die Rolle von Hagen von Tronje als „Regisseur“ des Untergangs und dessen subjektive Gesetzlichkeit.
  • Die Dekonstruktion der höfischen Welt durch die Einwirkung archaisch-mythischer Heldenkonzepte.

Auszug aus dem Buch

4. “diese degene müezen verliesen den lîp.”: Die Aporie des Heroischen

Hagen von Tronje verkörpert neben Siegfried in eindrucksvoller Weise das Heroische im Nibelungenlied und symbolisiert darüber hinaus die irrationale Logik des Untergangs. Die Racheabsichten Kriemhilds gären unter der Oberfläche scheinbarer Versöhnung: den argen willen niemen an der küneginne ervant. (1399, 4) Intendiert ist nicht die allgemeine Katastrophe, vielmehr persönliche Rache an Hagen. Hagen, das wurde bereits expliziert, denkt alleine im heroischen Muster. So kritisiert er mehrfach und vehement, der Einladung in König Etzels Land zu folgen: “ir habt iu selben widerseit.” (1458, 4) Hagens Reaktion auf die Provokation Giselhers, der ihm seine Schuld vor Augen führt und Angst unterstellt, offenbart ein typisches Merkmal des Heldischen im Nibelungenlied: Dô begonde zürnen von Tronege der degen (1464, 1). Dieser Aussage begegnet der Heros mit Zorn, mehr noch, sie offeriert ihm die Möglichkeit seine exorbitanten Eigenschaften unter Beweis zu stellen und Hagen nimmt sie als Herausforderung an: “sît ir niht welt erwinden, ich sol iu wol erzeigen daz. Hagen denkt und handelt explizit heroisch, indem er in dem Bewusstsein, dass dieses Unternehmen zum Untergang bestimmt ist, die Aufgabe, die Burgunden zu führen an sich reißt. Damit ist der ethische Wendepunkt bereits eingeleitet, das Heroische entfesselt. So ist es schließlich auch Hagen, welcher erreicht, dass die Burgunden bewaffnet reisen (1471). Im weiteren Verlauf avanciert Hagen zum Regisseur des Unternehmens. Am Fluss sucht er nach Fährleuten, welche die Nibelungen übersetzen sollen. An einer Quelle erblickt der Held wîsiu wîp und folgt ihnen heimlich. Als diese ihn bemerken, versuchen sie zu fliehen, doch Hagen nimmt ihnen ihre Kleider. Sie bieten ihm zum Tausch an, den Ausgang der Reise vorauszusagen. Die erste Meerfrau belügt Hagen, der die Kleidung daraufhin zurückgibt. Sieglinde, die zweite Meerfrau prophezeite jedoch.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Diskrepanzen innerhalb der höfisch-idealisierten Ordnung: Das Kapitel thematisiert den gewaltsamen Einbruch des heroischen Siegfried in die höfische Ordnung und führt in die theoretische Problematik des Heldenbildes ein.

2. Gratwanderungen: Ein Blick in die Forschungsgeschichte: Hier erfolgt eine kritische Einordnung der Forschungsliteratur, insbesondere der Kontroverse zwischen Heusler und Haug zur Genese des Sagenstoffes.

3. Der Antagonismus zwischen Heros und höfischer Ordnung: Die Untersuchung konzentriert sich auf die Verschränkung von heroischen Taten und höfischen Lebensentwürfen sowie die Rolle des Betrugs als strukturelles Element.

4. “diese degene müezen verliesen den lîp.”: Die Aporie des Heroischen: Dieses Kapitel analysiert Hagen von Tronje als Figur, die konsequent dem heroischen Untergangsmuster folgt und damit die höfische Moral aushebelt.

5. Konkretisierung der Heldenkonzeption im Nibelungenlied: Es findet eine theoretische Zusammenführung der erarbeiteten Heldenbegriffe statt, um die Destruktivität des heroischen Selbstbehauptungswillens zu bilanzieren.

6. Resümee: Die Degeneration der höfisch-idealisierten Gesellschaft: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Unvereinbarkeit von archaischer Heroik und höfischem Regelwerk zwangsläufig zur Katastrophe führt.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, Heroik, Siegfried, Hagen von Tronje, höfische Ordnung, Untergang, Heldensage, Diskurs, Destruktivität, Aporie, Heldendichtung, Triuwe, Minne, Mittelalter, Interdependenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Konstruktion des Heldenbildes im Nibelungenlied und untersucht, wie dieses heroische Selbstverständnis mit den normativen Regeln der höfischen Gesellschaft kollidiert.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Widersprüche zwischen heroischem Handeln, höfischen Erwartungshaltungen sowie die Rolle von Verrat und Untergang als konstitutive Elemente des Epos.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Nibelungenlied durch die antagonistische Verschränkung von archaischer Heldenethik und höfischen Diskursen die Zerstörung des kollektiven Gefüges herbeiführt.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es wird ein literarhistorischer Ansatz verfolgt, der im Sinne von Walter Haug das Epos als dynamische Formulierung historischer Erfahrung auf Basis bereitstehender Motivationsmuster betrachtet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine forschungsgeschichtliche Einordnung, die Untersuchung des Antagonismus zwischen Siegfried/Hagen und der Hofgesellschaft sowie die Analyse des Untergangsszenarios.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Die Analyse wird maßgeblich durch Konzepte wie „exorbitantes Heldentum“, „Aporie“, „Synthetischer Held“ und die „Degeneration der höfischen Gesellschaft“ geprägt.

Warum wird Hagen von Tronje als Regisseur des Untergangs bezeichnet?

Hagen verkörpert die irrationale Logik des Untergangs, indem er sich bewusst über rechtliche und ethische Normen hinwegsetzt und die Ereignisse gezielt auf den verhängnisvollen Ausgang bei den Hunnen zutreibt.

Welche Bedeutung kommt der Rolle von Siegfried zu?

Siegfried fungiert als „synthetischer Held“, dessen mythische Vergangenheit in die höfische Gegenwart hineinwirkt, was ihn einerseits zur Integration befähigt, ihn aber letztlich durch sein Potenzial zur Bedrohung für das Kollektiv eliminiert.

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Details

Title
Die Konstitution des Heros im Nibelungenlied
College
University of Frankfurt (Main)
Grade
1,00
Author
Daniel Bohnert (Author)
Publication Year
2009
Pages
24
Catalog Number
V146960
ISBN (eBook)
9783640592401
ISBN (Book)
9783640592234
Language
German
Tags
Konstitution Heros Nibelungenlied
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Bohnert (Author), 2009, Die Konstitution des Heros im Nibelungenlied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146960
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