Der im Jahre 1886 erschienene Roman ,,Die Poggenpuhls" zeichnet sich unter anderem, wie auch andere Werke Theodor Fontanes, durch die fortwährende Präsenz der Thematiken des Essens und Trinkens aus. Fontane, nach dessen Theorie gerade das Alltägliche und Unspektakuläre in einem Roman seinen Platz finden sollte denn
schließlich könne der Leser nur so das Gefühl bekommen, im Gelesenen sein wirkliches Leben fortzusetzen schrieb des weiteren, dass nicht das ,,was", sondern vielmehr das ,,wie" sei in seinem kleinen, handlungsarmen Roman von Bedeutung sei.
Die Frage, die sich bei näherer Betrachtung des Textes diesbezüglich also stellt, ist, inwiefern sich letztere Aussage mit der Thematik des Essens und Trinkens vereinbaren lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Über das Essen und Trinken als Symbol in Theodor Fontanes Roman „Die Poggenpuhls“
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische Bedeutung von Essen und Trinken in Theodor Fontanes Roman „Die Poggenpuhls“ und hinterfragt dabei das Spannungsverhältnis zwischen Fontanes Romantheorie – die das „Wie“ gegenüber dem „Was“ priorisiert – und der tatsächlichen narrativen Funktion der kulinarischen Motive im Text.
- Analyse der ästhetischen und symbolischen Funktion von Mahlzeiten in Fontanes Prosa.
- Untersuchung der Spannung zwischen vergangenem Familienstatus und gegenwärtiger finanzieller Notlage am Beispiel des gedeckten Tisches.
- Charakterisierung der Romanfiguren, insbesondere Leo Pogge von Poggenpuhl, durch ihr Essverhalten und ihre Tischgespräche.
- Interpretation des Konsums als Indikator für den Lebenserhaltungsdrang und den sozialen Status der Familie.
- Kritische Reflexion der Fontane'schen Romantheorie hinsichtlich der Bedeutung der materiellen Ebene der Handlung.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Essens und Trinkens für die Charakterisierung der Familie
Insbesondere die Spannung zwischen der wohlwollenden Vergangenheit der Familie Poggenpuhl und der finanziell bescheidenen Gegenwartssituation wird hieran verdeutlicht. Die zum Geburtstag der Mutter – Frau Majorin Albertine Pogge von Poggenpuhl – aufgetischte und gleich mit zwei verschiedenen Füllungen versehene Ente lässt ihren Sohn Leo dann auch beinahe glauben, es sei alles Verstellung: „Ich glaube, ihr habt was, ihr seid gar nicht so arm.“ Der gedeckte Tisch mit Speisen und Getränken verdeutlicht somit eines der elementaren Probleme der Familie Poggenpuhl, nämlich dem, sich nicht vollständig von der Vergangenheit lösen zu können, die neue Familiensituation zu akzeptieren und das beste daraus zu machen.
Überhaupt lässt sich insbesondere die Figur des Leo Pogge von Poggenpuhl anhand der Gespräche bei Tisch, beim und vor allem über das Essen und Trinken sowie anhand seines durchweg vorhandenen Hungers charakterisieren. Er sieht „brillant aus und wundervoll genährt“, wie Onkel Eberhard bemerkt, und gibt seine An- und Absichten oft nur dann preis, wenn er übers Essen spricht. Ohne die Komödien, welche er beispielsweise beim Zerteilen der extra für ihn zubereiteten Entenleber spielt, würde sein wahres ich womöglich nicht derart gut erkannt werden von seiner Umwelt, insbesondere seiner Mutter. Ebenso werden auch einige seiner Charakteristika durch das Essen verdeutlicht, wie beispielsweise seine Habgier. Es geht ihm weniger um kulinarische Qualität als vielmehr um die reine Menge dessen, was er isst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Über das Essen und Trinken als Symbol in Theodor Fontanes Roman „Die Poggenpuhls“: Das einleitende Kapitel legt die theoretische Basis dar, indem es Fontanes Romantheorie mit der Beobachtung verknüpft, dass Essen und Trinken in diesem Werk eine weit über die bloße Alltagssituation hinausgehende, symbolische Bedeutung für die Charakterdarstellung und das Verständnis der sozialen Familiendynamik gewinnen.
Schlüsselwörter
Theodor Fontane, Die Poggenpuhls, Symbolik, Literaturwissenschaft, Kulinarik, Romananalyse, Romantheorie, Familiensoziologie, Alltagsdarstellung, Leo Pogge von Poggenpuhl, Repräsentation, Soziale Lage, Essen und Trinken, Motivik, Erzählstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Funktion der kulinarischen Motive – also das Essen und Trinken – als symbolisches Zeichensystem im Roman „Die Poggenpuhls“ von Theodor Fontane.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die soziale Situation der Familie Poggenpuhl, die Charakterisierung der Romanfiguren durch ihr Essverhalten und die theoretische Auseinandersetzung mit Fontanes Ansichten zur Romanästhetik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fontane durch die Darstellung von Speisen und Tischszenen soziale Spannungen und individuelle Charaktereigenschaften verdeutlicht, und dabei zu prüfen, ob dies mit seiner Theorie, dass das „Wie“ wichtiger als das „Was“ sei, harmoniert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf primärtextnaher Interpretation und dem Vergleich mit literaturtheoretischen Ansätzen (u.a. von Rolf Selbmann) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Schlüsselszenen, wie das Geburtstagsessen, die Rolle von Leo Pogge von Poggenpuhl und die Bedeutung von Onkel Eberhards Konsumverhalten für die Darstellung der familiären Vermögensverhältnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Symbolik, Motivik, Realismus, Fontanes Romantheorie, soziale Differenzierung und die narrative Bedeutung des Alltäglichen.
Inwiefern beeinflusst das Essen die Charakterisierung von Leo Pogge?
Leos Essverhalten und sein offenkundiger Hunger dienen als Spiegel seiner Habgier und seines Charakters; seine Tischgespräche fungieren als Medium, in dem er unbewusst seine wahren Absichten preisgibt.
Welches Fazit zieht der Autor zur Romantheorie Fontanes?
Der Autor stellt fest, dass Fontanes Theorie (das „Wie“ sei wichtiger als das „Was“) bei einer detaillierten Untersuchung des kulinarischen Aspekts in diesem Roman auf eine gewisse Grenze stößt, da das „Was“ der Nahrung hier maßgeblich zur Handlung beiträgt.
- Quote paper
- Jan A. (Author), 2009, Über das Essen und Trinken als Symbol in Theodor Fontanes Roman "Die Poggenpuhls", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146977