In der vorliegenden Arbeit soll zunächst eine theoretische Grundlage geschaffen werden, auf welcher die Arbeit inhaltlich aufbaut. Dafür wird erst das Konzept des Otherings erläutert, um in einem nächsten Schritt repräsentative Klassen- und Schichtmodelle zu skizzieren, die helfen, den Klassismus als Diskriminierungsform zu verstehen. Anschließend werden Pierre Bourdieus Kapitalsorten vorgestellt, die der Strukturierung und Veranschaulichung der Themen zur Beantwortung der Forschungsfrage dienen. In dem darauffolgenden analytischen Teil der Arbeit werden das Bildungssystem und anschließend die Familie sowie das soziale Umfeld kritisch untersucht. In einem abschließenden Resümee werden die daraus gewonnenen Erkenntnisse nochmal reflektiert und veranschaulicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlage
2.1 Othering
2.2 Klassen- und Schichtmodelle
2.3 Klassismus
3. Analyse
3.1 Kapitalsorten
3.2 Bildungssystem
3.3 Familie & soziales Umfeld
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für die geringe Durchlässigkeit des Bildungssystems und die damit verbundene Seltenheit des sozialen Aufstiegs aus der Unterschicht. Ziel ist es, durch die Analyse soziologischer Konzepte die Mechanismen von Klassismus und struktureller Benachteiligung zu beleuchten.
- Das Konzept des "Othering" als Mechanismus der gesellschaftlichen Ausgrenzung
- Klassen- und Schichtmodelle als theoretische Basis für soziale Ungleichheit
- Die Bedeutung von ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital nach Bourdieu
- Der Einfluss von Bildungssystem, Familie und sozialem Umfeld auf den Bildungserfolg
Auszug aus dem Buch
2.1 Othering
In „Der Westen und der Rest. Diskurs und Macht“ analysiert der Soziologe und Vertreter des Postkolonialismus Stuart Hall die dichotome Einteilung in „den Westen und den Rest“ und die damit verbundene diskursive Konstruktion des Westens (vgl. Hall 1994). So wurden von den Kolonialmächten Differenzen konstruiert, um den Kolonialismus und damit die Ausbeutung von Menschen zu legitimieren. Der Westen verstand sich als progressiv, zivilisiert und vor allem als überlegen gegenüber nicht-westlichen Gesellschaften. Diese wurden folglich als rückschrittlich, nicht zivilisiert und als dem Westen unterlegen charakterisiert – in Halls Worten:
„Zuerst ist die Welt symbolisch geteilt, in gut-böse, wir-sie, anziehend-abstoßend, zivilisiert-unzivilisiert, den Westen-den Rest. Alle anderen, viele Unterschiede zwischen ihnen und innerhalb dieser beiden Hälften sind zusammengebrochen, vereinfacht – d.h. stereotypisiert. Durch diese Strategie wird der Rest als etwas definiert, das der Westen nicht ist – sein Spiegelbild. Es wird als das absolute, wesenhafte, verschiedene andere repräsentiert – Der Andere.“ (Hall 1994, 167)
Diese hierarchisierte Differenzkonstruktion in „den Westen und den Rest“, welche das Denken der Kolonialzeit prägte und mit einer Stereotypisierung von Menschen einherging, lässt sich auf weitere gesellschaftliche Phänomene übertragen und hat unter dem Begriff Othering Einzug in die Soziologie gefunden. Der Begriff Othering leitet sich vom englischen Wort other („andersartig“) ab und beschreibt den Prozess, bei welchem sich Menschen von anderen abgrenzen und jene als andersartig oder fremd klassifiziert und stereotypisiert werden – mit anderen Worten: Menschen werden als die Anderen konstruiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die geringe soziale Mobilität in Deutschland und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Chancenungleichheit im Bildungssystem für Kinder aus Arbeiter:innenfamilien.
2. Theoretische Grundlage: Dieses Kapitel erläutert das Konzept des Othering, diskutiert verschiedene Klassen- und Schichtmodelle und definiert den Begriff Klassismus als Diskriminierungsform.
2.1 Othering: Es wird der Prozess der gesellschaftlichen Konstruktion des „Anderen“ und die damit verbundene hierarchisierende Stereotypisierung erläutert.
2.2 Klassen- und Schichtmodelle: Das Kapitel vergleicht klassische marxistische Klassenmodelle mit moderneren Schichtungsansätzen und deren Relevanz für soziale Ungleichheit.
2.3 Klassismus: Hier wird Klassismus als eine Form der Diskriminierung und Unterdrückung aufgrund der sozialen Herkunft definiert und analysiert.
3. Analyse: Im analytischen Teil wird das Zusammenspiel von institutionellen und familiären Faktoren untersucht, die den Bildungserfolg nachhaltig beeinflussen.
3.1 Kapitalsorten: Bourdieu's Theorie der Kapitalsorten (ökonomisches, kulturelles, soziales Kapital) wird als Analyseinstrument für soziale Herkunftsbedingungen vorgestellt.
3.2 Bildungssystem: Das Kapitel belegt durch Studien die strukturelle Ungleichbehandlung und Selektion, die den Aufstieg von Kindern aus benachteiligten Schichten erschweren.
3.3 Familie & soziales Umfeld: Der Einfluss des Milieus, der familiären Unterstützung und der habituellen Prägungen auf die schulische Laufbahn sowie der soziale Aufstieg werden kritisch beleuchtet.
4. Resümee: Das Resümee reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und betont, dass soziale Herkunft eine zentrale, benachteiligende Rolle im Bildungsprozess und im sozialen Aufstieg spielt.
Schlüsselwörter
Klassismus, soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, Othering, Bourdieus Kapitalsorten, Unterschicht, Habitus, soziale Schichtung, Diskriminierung, Bildungsaufstieg, Milieutheorie, soziale Benachteiligung, soziale Mobilität, Bildungssystem, strukturelle Exklusion
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundsätzliche Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Benachteiligung von Menschen aus der Unterschicht und untersucht die Ursachen, warum ein sozialer Aufstieg durch Bildung heute nur selten erfolgreich gelingt.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind das Konzept des Othering, die theoretische Einbettung in Klassen- und Schichtmodelle, die Rolle von Bourdieus Kapitalsorten sowie die Hürden innerhalb des Bildungssystems und des sozialen Umfelds.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die systematischen Strukturen und diskriminierenden Praxen aufzudecken, die Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien benachteiligen und ihre Bildungschancen im Vergleich zu Akademikerkindern signifikant verringern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse soziologischer Konzepte und verknüpft diese mit der Auswertung von Studien und statistischen Daten zur Bildungsbeteiligung in Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Bourdieus Kapitalsorten als Analysegrundlage verwendet, um nachfolgend die Selektionsprozesse in Grundschulen sowie den Einfluss des Familienmilieus und individueller Habitus-Prägungen kritisch zu hinterfragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe wie Klassismus, soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, Habitus und Bourdieus Kapitalsorten bilden das inhaltliche Fundament der Untersuchung.
Inwiefern beeinflusst das Bildungssystem den sozialen Aufstieg?
Das Bildungssystem wirkt durch frühzeitige Selektionen und subjektive Empfehlungen von Lehrkräften oft verstärkend auf bestehende soziale Disparitäten, wodurch Arbeiter:innenkinder trotz gleicher Leistungen seltener Gymnasialempfehlungen erhalten.
Welche Rolle spielt die Familie beim sozialen Aufstieg?
Die Familie vermittelt das für den Schulerfolg notwendige kulturelle Kapital und beeinflusst durch Erwartungshaltungen sowie die finanzielle Ausstattung die Bildungsentscheidungen, was im Falle von prekären Lebensverhältnissen oft zu einer Einschränkung der Mobilität führt.
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- Anonym (Author), Klassismus und Chancen des sozialen Aufstiegs aus der Unterschicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1470044