Die Forschung um Mattium, eines wohl flächigen Heiligtums der Chatten im heutigen Nordhessen, ist ungemein interessant, da hier viele Bereiche und darunter auch sehr unterschiedlich geartete angesprochen werden und in den Folgerungen dann zusammenwirken. Sie findet schon seit über 200 Jahren, wenn auch mit Unterbrechungen, statt. Der Autor, der einen Überblick über die entsprechenden Diskussionen hat, beabsichtigt jetzt keineswegs diese systematisch schriftlich und zusammenfassend darzustellen. Das würde voraussichtlich in der Regel den Leser nur ermüden. Stattdessen geht er in der vorliegenden Studie der Frage nach, ob der heutige Odenberg in der Nähe des niederhessischen Städtchens Gudensberg der Ort dieses Mattiums gewesen sein kann. Dabei verwendet er Argumente aus der bisherigen öffentlichen Diskussion, aber auch eigene, die in der Vergangenheit noch nicht genannt worden sind. Er lässt keinen Zweifel daran, dass weitere diesbezügliche Forschungen am Odenberg erforderlich sind. Und nennt hierfür auch konkrete Beispiele.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der wissenschaftlichen Lokalisierung des durch Tacitus überlieferten Ortes "Mattium" auseinander. Ziel ist es, die Argumente für den Odenberg in Niederhessen als mögliches Stammeszentrum der Chatten zu prüfen und die bestehende Forschungsdebatte durch eine neue perspektivische Ausrichtung zu erweitern.
- Historische Analyse der Varusschlacht und ihrer Folgen für die germanischen Stämme.
- Untersuchung von Militärzügen unter Germanicus und der Zerstörung des chattischen Kerngebietes.
- Kritische Bewertung der Ortsnamenforschung und topografischer Gegebenheiten (Odenberg vs. Schlossberg).
- Interpretation der archäologischen Befunde an der ehemaligen Karlskirche am Odenberg.
- Diskussion über germanische Heiligtümer und die christianisierende Überprägung heidnischer Kultstätten.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Allgemein bekannt ist die Schlacht zwischen Germanen und Römern im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr.. Allerdings fand sie, wie mittlerweile erforscht, etwas weiter nördlich statt, nämlich bei dem heute dort liegenden Kalkriese. Hier musste sich das römische Heer unter Varus und bestehend aus drei Legionen und viel Tross in eine schmale Passage zwischen dem Wiehengebirge im Süden und dem Großen Moor im Norden zwängen. So entstand ein sehr langer und schmaler Zug von Menschen, Wagen und Tieren. Eine ideale Gelegenheit für die sonst im Kriegshandwerk nicht so hoch entwickelten Germanen, einen Überfall zu wagen. Arminius, ein Cheruskerfürst, hatte hier einen solchen sorgfältig vorbereitet, und zwar mit Angehörigen des eigenen Stammes aber auch anderer germanischer Stämme. Varus und sein Heer hatten sich bei den Cheruskern an der Weser aufgehalten und waren dann nach Westen gezogen. Warnungen, ihm könnte auf diesem Zug ein Unheil drohen, schlug Varus alle in den Wind. An der genannten Passage wurde er bereits von den germanischen Kriegern erwartet, die sich dort versteckt aufhielten. So war der Kampf zwischen den beiden Gruppen nicht mehr zu verhindern. Die an Ordnung gewöhnten Römer mussten jetzt viel Chaos hinnehmen. Ihre Reiterei suchte ihr Heil in der Flucht und konnte sich auf der linken Seite des Rheins in Sicherheit bringen. Die drei römischen Legionen wurden aber vollständig vernichtet. Varus gab sich noch auf dem Schlachtfeld selbst den Tod. Und Kaiser Augustus im fernen Süden soll verzweifelt gewesen sein, als ihm von der militärischen Katastrophe berichtet wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den historischen Kontext der Varusschlacht als Ausgangspunkt für die römischen Aktivitäten in Germanien.
2. Hauptteil: Analysiert die Feldzüge des Germanicus, untersucht die geografischen und namenkundlichen Argumente für den Odenberg als Stammeszentrum der Chatten und erörtert die Rolle der Karlskirche am Odenberg.
3. Fazit: Führt die zentralen Argumente zusammen und empfiehlt eine Neuausrichtung der Forschung, insbesondere durch archäologische Untersuchungen nach Relikten von Opferbrandplätzen.
Schlüsselwörter
Odenberg, Mattium, Chatten, Germanicus, Tacitus, Varusschlacht, Karlskirche, Gudensberg, Opferbrandplatz, Stammeszentrum, Archäologie, Namenforschung, Germanien, Wotan, Christliche Missionierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Identifikation des bei Tacitus erwähnten Ortes "Mattium" und prüft die Hypothese, dass der Odenberg in Niederhessen diesen historischen Ort repräsentiert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der germanischen Siedlungsgeschichte, der römisch-germanischen Interaktion sowie der kritischen Diskussion archäologischer und namenkundlicher Indizien.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das primäre Ziel besteht darin, eine neue Forschungsrichtung für den Odenberg zu etablieren, da die bisherige Zuordnung Mattiums zum Gudensberger Schlossberg methodisch hinterfragt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, der historische Quellenanalyse, Topografie, Namenforschung (Etymologie) und die Auswertung archäologischer Befunde sowie schriftlicher Überlieferungen kombiniert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Feldzügen des Germanicus, der Lage des chattischen Zentrums, der Bedeutung der ehemaligen Karlskirche am Odenberg und der Möglichkeit, dass dort ein germanisches Heiligtum existierte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die zentralen Begriffe umfassen Odenberg, Mattium, Chatten, Germanicus, Tacitus, archäologische Prospektion und Christianisierung germanischer Kultstätten.
Warum spielt die Karlskirche am Odenberg eine so wichtige Rolle für das Forschungsvorhaben?
Die Kirche ist aus Sicht des Autors von erheblicher Bedeutung, da ihre isolierte Lage und mögliche Vorgeschichte als heidnisches Heiligtum wichtige Hinweise auf die frühe religiöse und politische Struktur des Raumes geben.
Welche zukünftige Herangehensweise empfiehlt der Autor für die Mattium-Forschung?
Der Autor empfiehlt dringend eine gezielte archäologische Suche nach Relikten eines Opferbrandplatzes am Odenberg, unter Anwendung moderner Untersuchungsmethoden wie Phosphatuntersuchungen oder Probebohrungen.
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- Helmut Saehrendt (Author), 2024, Argumente für den Odenberg in Niederhessen, einst das von Tacitus genannte Mattium gewesen zu sein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1470264