Im Rahmen dieser Arbeit werden vor allem kommunikative und
sprachliche Merkmale von Kurzmitteilungen untersucht.
Ziel ist es herauszufinden, wo Besonderheiten im Kommunikationsverhalten der Jugendlichen auftreten, wie und wodurch sie ihre Sprache an die Gegebenheiten der SMS-Kommunikation anpassen und variieren, und ob dabei regionale Unterschiede erkennbar sind.
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. ANALYSEGRUNDLAGEN
2.1 Forschungsstand
2.2 Empirische Untersuchung
2.3 Komplikationen bei der Durchführung der Umfrage
2.4 Der Fragebogen
2.5 Das SMS-Korpus
2.6 Repräsentativität der Umfrage
3. PROTOTYPISCHE KENNZEICHEN DER SMS- KOMMUNIKATION
3.1 SMS-Gespräche
3.2 Die SMS – Wichtigste Funktion des Handys
4. ADRESSATEN UND EMPFÄNGER DER KURZ- NACHRICHTEN
5. INHALTE DER KURZNACHRICHTEN
5.1 Inhalte der letzten empfangenen Kurznachrichten
5.2 Inhalte der letzten versendeten Kurznachrichten
5.3 Kurznachrichten zum Thema „Schule“
6. SPRACHLICHE ANALYSE DER SMS
6.1 Sprachliche Strukturen der SMS
6.1.1 Orthographie
6.1.2 Groß- und Kleinschreibung
6.1.2.1 Konsequente Großschreibung
6.1.2.2 Konsequente Kleinschreibung
6.1.3 Interpunktion
6.1.3.1 Keine Interpunktion
6.2 Anfang und Ende einer SMS
6.2.1 Anfang
6.2.2 Ende
6.3 Anzahl der Zeichen und Wörter
6.4 Graphostilistische Besonderheiten
6.5 Sprachlich-stilistische Merkmale der SMS
6.5.1 Das Zeichen ^^
6.5.2 Die drei Punkte
6.6 Darstellung der Gefühle
7. GESPRÄCHSANALYSE DER SMS
7.1 Gesprächseröffnung
7.2 Kernphase
7.3 Beendigungsphase
8. SMS UND ANDERE KOMMUNIKATIONSFORMEN
9. DIALEKTALE BESONDERHEITEN UND UNTERSCHIEDE
9.1 Sprachlicher Vergleich schwäbischer und hoch-deutscher SMS
9.1.1 Orthographie
9.1.1.1 Groß- und Kleinschreibung
9.1.1.2 Interpunktion
9.1.2 Anfang und Ende der schwäbischen Kurzmitteilungen
9.1.2.1 Anfang
9.1.2.2 Ende
9.2 SMS-Dialoge
10. TEXTSORTENANALYSE DER SMS
10.1 Klassifikation von Textsorten
10.2 Die fünf Textklassen
10.2.1 Informationstexte
10.2.2 Appelltexte
10.2.3 Obligationstexte
10.2.4 Kontakttexte
10.2.5 Deklarationstexte
11. NEGATIVE BEGLEITERSCHEINUNGEN DER SMS
12. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kommunikativen und sprachlichen Charakteristika der SMS-Kommunikation unter Jugendlichen, wobei ein besonderer Fokus auf altersspezifischen, geschlechtsspezifischen und regionalen Unterschieden liegt, um zu verstehen, wie diese Form der Kommunikation das soziale Verhalten und den Schreibstil beeinflusst.
- Analyse der sprachlichen Strukturen und der Orthographie von Kurznachrichten.
- Untersuchung der sozialen Funktionen der SMS-Kommunikation bei Jugendlichen.
- Vergleich von hochdeutschen und schwäbischen SMS-Texten.
- Klassifikation von SMS-Nachrichten in textlinguistische Kategorien nach Brinker.
Auszug aus dem Buch
6.5. Sprachlich-stilistische Merkmale der SMS
Was die sprachlich-stilistischen Merkmale der SMS-Schreiben betrifft, so werden diese im Kontinuum von Mündlichkeit und Schriftlichkeit weitgehend der konzeptionellen Mündlichkeit zugeordnet, so z.B. von Dürscheid (2002) und Dittmann (2007). Die folgenden Kennzeichen sprechen für diese Annahme:
1. Viele Sätze sind auf ein Minimum reduziert; sie stehen ohne Subjektpronomen, ohne Artikel, ohne Nebensätze: Franze vor-abi-klausur wiederbekommen: zwei minus!!
2. Oft treten umgangssprachliche Ausdrücke und Dialektismen auf: Servus mei bruder kann uns um 23.30 uhr in schuppa fahren
3. Gerade in SMS-Texten Jugendlicher und junger Erwachsener zeigen sich interessante sprachliche Varietäten, z.B. das so genannte „Kanacken-Deutsch“, bzw. „Türkendeutsch“. Darunter versteht man grammatisch fehlerhafte Konstruktionen, die vom Schreiber bewusst eingesetzt werden: Was machen? Kommen du gleich raus, was trinken mit…? Schreib zurück! Oft tun sie dies „just for fun“ oder aber um aufzufallen, zu provozieren, oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu signalisieren.
4. In SMS-Schreiben treten sprechsprachliche Mittel auf. Dazu zählen Gesprächspartikeln: „ts ts“ Interjektionen: „Boa ich will hier weg. Freu mich auf Freitag :-* lieb dich“ oder Reduktionsformen: „Heute 7 uhr vorm kino? Mb hdl“ und Assimilationsformen: „Haii. Kannste machen“
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORWORT: Einführende Betrachtung zur Entwicklung der SMS-Kommunikation als modernes Massenphänomen und dessen Einfluss auf den Alltag.
2. ANALYSEGRUNDLAGEN: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, der Zusammensetzung des SMS-Korpus und des Forschungsstandes.
3. PROTOTYPISCHE KENNZEICHEN DER SMS- KOMMUNIKATION: Erörterung der grundlegenden technischen und situativen Merkmale sowie der Vorlieben Jugendlicher bei der Handynutzung.
4. ADRESSATEN UND EMPFÄNGER DER KURZ- NACHRICHTEN: Analyse darüber, wem Jugendliche bevorzugt Kurznachrichten schreiben und wie häufig die Kontakte sind.
5. INHALTE DER KURZNACHRICHTEN: Untersuchung der Themenfelder und Anlässe für den SMS-Versand bei den befragten Jugendlichen.
6. SPRACHLICHE ANALYSE DER SMS: Eingehende Betrachtung von Orthographie, Interpunktion, Stilistik und den Besonderheiten der grafischen Darstellung (wie Inflektive).
7. GESPRÄCHSANALYSE DER SMS: Untersuchung ritueller Abläufe in SMS-Dialogen, unterteilt in Gesprächseröffnung, Kernphase und Beendigungsphase.
8. SMS UND ANDERE KOMMUNIKATIONSFORMEN: Erläuterung der Verdrängung des Briefverkehrs durch moderne elektronische Kommunikationsmittel.
9. DIALEKTALE BESONDERHEITEN UND UNTERSCHIEDE: Regionale Gegenüberstellung von schwäbischen und hochdeutschen SMS-Besonderheiten.
10. TEXTSORTENANALYSE DER SMS: Einordnung der SMS-Nachrichten in die fünf grundlegenden Textklassen nach Brinker.
11. NEGATIVE BEGLEITERSCHEINUNGEN DER SMS: Kritische Reflexion über psychologische und soziale Risiken durch die SMS-Kommunikation, wie etwa das Ausweichen vor Konflikten.
12. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Reflexion über die Konstanz menschlicher Sprachkreativität über die Jahrhunderte.
Schlüsselwörter
SMS-Kommunikation, Jugendliche, Handynutzung, Sprachwandel, Konzeptionelle Mündlichkeit, Inflektiv, Textsortenanalyse, Sprachliche Varietäten, Schwäbischer Dialekt, Orthographie, Mediale Ökonomisierung, Soziale Interaktion, Kurzmitteilungen, Schreibverhalten, Jugendliche Alltagswelt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen und soziologischen Untersuchung der SMS-Kommunikation unter Jugendlichen, analysiert deren sprachliche Besonderheiten und vergleicht diese regional sowie nach Alter und Geschlecht.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen das Schreibverhalten, die Themen der Kurznachrichten, die Einordnung in Textsorten, die Rolle des Handys im Alltag und die Auswirkungen auf andere Kommunikationsformen wie den Briefwechsel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Merkmale des Kommunikationsverhaltens der Jugendlichen zu identifizieren, Anpassungsprozesse der Sprache an die Gegebenheiten des Handys zu verstehen und regionale Unterschiede aufzudecken.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es wurde eine eigene empirische Umfrage unter 199 Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg durchgeführt, um ein Korpus von 355 authentischen SMS für die sprachwissenschaftliche Analyse zu erhalten.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der sprachlichen Strukturen, der Gesprächsanalyse von SMS-Dialogen, der dialektalen Unterschiede und einer textlinguistischen Klassifizierung.
Was kennzeichnet die Sprache in SMS besonders?
Besonders prägend sind die konzeptionelle Mündlichkeit, der Einsatz von Inflektiven, bewusste Rechtschreibabweichungen zur Zeichenersparnis, die Verwendung von Smileys und die Bildung eigener "Geheimsprachen".
Welche Rolle spielt der Dialekt bei den Ergebnissen?
Die Arbeit zeigt, dass Schüler aus Baden-Württemberg häufiger dialektal gefärbte SMS verfassen, wobei hier interessante Unterschiede zwischen den Altersgruppen bestehen.
Gibt es auch negative Aspekte bei der SMS-Nutzung?
Die Autorin diskutiert kritisch, dass die SMS-Kommunikation Jugendlichen dazu dient, schwierigen direkten Konfrontationen oder Konflikten im Alltag auszuweichen.
Wie verändert die SMS den klassischen Briefverkehr?
Durch die Bequemlichkeit und Schnelligkeit der SMS scheint die seit Jahrhunderten praktizierte Kultur des Briefschreibens unter Jugendlichen zunehmend verloren zu gehen.
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- Isabel May (Author), 2008, SMS-Kommunikation unter Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147058