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Sexualmoral bei Frauen und Männern

Title: Sexualmoral bei Frauen und Männern

Seminar Paper , 1999 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Laura Dahm (Author)

Sociology - Relationships and Family
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Summary Excerpt Details

Um das Thema „Frauen - Männer - Sexualmoral“ einzugrenzen, bezieht sich die folgende Arbeit auf nur drei Aspekte dieses breiten Themenspektrums. Gemein ist ihnen der historische Hintergrund, denn sowohl die „...Weiblichen Erfahrungen um Körperlichkeit und Sexualität...“ (von Silke Göttsch), als auch „...Sexualmoral und Ehrenhändel...“ (von Carola Lipp) sowie der Rügebrauch in Form des Strohkranzes (von Hans Moser) werden im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Bedingungen des 17., 18. und 19. Jahrhunderts untersucht. Aus den Quellen von Brücheregister, Gerichtsprotokollen, Statistiken, Polizeiprotokollen, Gerichtsordnungen, Statutensammlungen, Polizei- oder Allgemeinen Dorfordnungen, Jahresabrechnungen (Strafeinnahmen), Stadt- und Marktkammerechnungen, herrschaftlichen Verordnungen und Befehlen, Kirchenbuchvermerken, aufklärerischer Reiseliteratur und Kopulationsbüchern lassen sich Informationen über damalige Lebensverhältnisse, Moralvorstellungen, Ehrbegriffe und Sanktionsmaßnahmen gewinnen. Insgesamt kann man ein Bild von Sexualmoral der letzten Jahrhunderte aus den Angaben extrahieren.
Insbesondere ledige Mütter stellen einen zentralen gesellschaftlichen Konfliktfall dar. Aber auch alle anderen Frauen der Unterschicht sind aggressiven und ritualisierten Formen sexueller Beziehungen ausgesetzt, wie es Göttsch für das Milieu ländlicher Dienstbotinnen belegt. In der Sicht auf den weiblichen Körper drücken sich soziale Verhältnisse aus (vgl. Lipp 1994, S. 325). Damit wird sich das erste Kapitel befassen.


Im zweiten Kapitel soll Sexualmoral und Ehrenhändel im Arbeitermilieu des 19. Jahrhunderts beschrieben werden. Ein Schwerpunkt liegt auf dem rechtlichen Aspekt der Heiratsbeschränkungen und deren Konsequenzen für die Frauen. Im dritten Kapitel schließlich geht es um den Rügebrauch des Strohkranztragens, von welchem nicht-jungfräuliche Bräute betroffen sind. Die Rüge dient als Mittel, „...andere wegen des Angriffs auf die Ehre zu tadeln...“ (Schempf, 1994, S. 364). Rügebräuche stellen dabei die selbständige Rechtsausübung einer Gruppe dar, ohne oder gar gegen die obrigkeitliche Justiz (vgl. Schempf 1994, S. 366).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. EINLEITUNG

1. WEIBLICHE ERFAHRUNGEN UM KÖRPERLICHKEIT UND SEXUALITÄT

1.1. DIE QUELLEN

1.2. DER BRAUCHTÜMLICHE KONTEXT

1.3. SITTLICHKEITSVORSTELLUNGEN UND MORALISCHER VERRUF

1.4. DIE SITUATIONEN

1.5. EHEVERSPRECHEN

1.6. DIE SOZIALEN VERHÄLTNISSE

2. SEXUALMORAL UND EHRENHÄNDEL IM ARBEITERMILIEU DES 19. JAHRHUNDERTS

2.1. NORMSYSTEM UND ALLTAGSVERHALTEN

2.2. EHRENKLAGEN UND UNZUCHT

2.3. HEIRATSBESCHRÄNKUNGEN UND WEIBLICHE LEBENSPERSPEKTIVEN

2.4. KONKUBINATE

3. JUNGFERNKRANZ UND STROHKRANZ

3.1. DIE ROLLE DES STROHKRANZES

3.2. ZUM BEGRIFF DES STROHKRANZES

3.3. VERSCHIEDENE ANWENDUNGEN DES STROHKRANZES

3.4. BESTRAFUNG VON UNZUCHT

3.5. HÄUFIGKEIT DER LEICHTFERTIGKEITSDELIKTE

3.6. DIE REFORMEN DER AUFKLÄRUNG

4. FAZIT

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Sexualmoral und die gesellschaftlichen Kontrollmechanismen gegenüber Frauen im Zeitraum vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, mit einem besonderen Fokus auf den Spannungsfeldern zwischen obrigkeitlichen Normen und den Lebensrealitäten der Unterschichten.

  • Historische Untersuchung von Sexualmoral und Ehrenbegriffen anhand volkskundlicher Quellen.
  • Analyse von Brauchhandlungen wie dem Strohkranztragen als Instrumente der sozialen Disziplinierung.
  • Untersuchung des Zusammenhangs von Ehebeschränkungen und unehelicher Sexualität im Arbeitermilieu.
  • Darstellung der geschlechtsspezifischen Doppelmoral und der sozialen Ausgrenzung lediger Mütter.
  • Evaluierung der Auswirkungen obrigkeitlicher Reformen und Kontrollen auf das Alltagsleben.

Auszug aus dem Buch

1.2. Der brauchtümliche Kontext

Viele Bräuche beziehen sich auf Sexualität, z.B. Fenstern, Spinnstuben, Rügebräuche. Träger dieser Bräuche waren häufig die jungen, ledigen Männer. Die sexuelle Komponente erscheint hier nicht als von gesellschaftlichen Bezügen abgekoppelte Aggressivität gegen Frauen. Der Brauch als gruppenspezifisches Handeln ist legitimiert.

Beispielhaft wird hier das Fenstern oder Nachtfreien herangezogen, das in Schleswig-Holstein für Nordfriesland und die Insel Fehrmarn häufig belegt ist. Während dieser Brauch von der Obrigkeit wiederholt verboten wurde, erfuhr er im Bürgertum eine frühe Folklorisierung, verstanden als naive Liebeserkärung und Brautwerbung, bei der der Mann an das Fenster „seines Liebchen“ klopft, damit dieses es öffnet. Unterläßt sie es, das Fenster zu öffnen, wirft er es ein. Dies verweist auf den Zusammenhang von Sitte und Sanktion. Das Einwerfen von Fenstern oder der Angriff auf die Tür gehören zu den Rügebräuchen und richteten sich gegen die Ehre des Hauses und seiner Bewohner. Das gewalttätige Eindringen zur Nachtzeit ist auch Gegenstand einer Verordnung von 1740, ein Hinweis darauf, das diese Form der Annäherung durchaus üblich war.

„Nachtfreien war also eine sehr direkte und offensive Form der Annäherung, die sicher nicht in allen Fällen zum Geschlechtsverkehr führte, aber ein in der Gesellschaft legitimiertes, wenn auch obrigkeitlich verbotenes Recht der Männer war, Kontakt zu Frauen aufzunehmen, und dem sich die Frauen nicht, ohne das Risiko einzugehen, sich Sanktionen auszusetzen, entziehen konnten“ (Göttsch 1988, S. 52).

Mit dem Brauch verbunden war Öffentlichkeitsherstellung. Die Mädchen kannten seine Bedeutung schon, bevor sie selbst Objekt des Fensterns wurden. Außerdem blieb auch eine Abweisung nicht verborgen. Der Angriff auf das Haus sollte die Ehre des Abgewiesenen wiederherstellen (vgl. Göttsch 1988, S. 50ff).

Zusammenfassung der Kapitel

0. EINLEITUNG: Die Einleitung definiert den Untersuchungsrahmen, benennt die verwendeten Quellenarten und erläutert den Fokus auf die historische Kontrolle weiblicher Sexualität.

1. WEIBLICHE ERFAHRUNGEN UM KÖRPERLICHKEIT UND SEXUALITÄT: Dieses Kapitel analysiert anhand historischer Quellen das Zusammenspiel von Brauchtum, Sittlichkeitsvorstellungen und den sozialen Lebensumständen von Frauen.

2. SEXUALMORAL UND EHRENHÄNDEL IM ARBEITERMILIEU DES 19. JAHRHUNDERTS: Der Fokus liegt hier auf den sozioökonomischen Bedingungen, Heiratsbeschränkungen und dem daraus resultierenden Konfliktpotenzial für ledige Mütter.

3. JUNGFERNKRANZ UND STROHKRANZ: Dieses Kapitel untersucht die symbolische und rechtliche Funktion von Brautkränzen als Instrumente der obrigkeitlichen Bestrafung und sozialen Diffamierung.

4. FAZIT: Das Fazit fasst die Diskrepanz zwischen obrigkeitlicher Moral und gelebter Realität zusammen und verdeutlicht die strukturelle Benachteiligung lediger Mütter.

Schlüsselwörter

Sexualmoral, Frauenforschung, Volkskunde, Strohkranz, Ehrenhändel, Heiratsbeschränkungen, Dienstmädchen, Sittlichkeit, soziale Kontrolle, uneheliche Geburten, Fabrikarbeiter, Rügebräuche, Geschlechterrollen, Rechtsprechung, Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Untersuchung der Sexualmoral und den damit verbundenen sozialen Kontrollmechanismen gegenüber Frauen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind der Wandel von Sittlichkeitsvorstellungen, die Funktion von Brauchhandlungen wie dem Strohkranztragen und der Einfluss obrigkeitlicher Gesetzgebung auf die Lebensperspektiven von Frauen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen den Lebensspielraum von Frauen einschränkten und wie diese auf Normverstöße reagierten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine volkskundliche Analyse historischer Quellen, darunter Gerichtsprotokolle, Brücheregister, polizeiliche Verordnungen und zeitgenössische Reiseliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der weiblichen Erfahrungen um Körperlichkeit, die Analyse der Sexualmoral im Arbeitermilieu des 19. Jahrhunderts sowie die Bedeutung des Strohkranzes als Sanktionsinstrument.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Sexualmoral, Frauenforschung, soziale Kontrolle, Heiratsbeschränkungen und Ehrenhändel.

Warum war der Strohkranz im 17. und 18. Jahrhundert von Bedeutung?

Er diente als Schandzeichen für nicht-jungfräuliche Bräute und als Instrument obrigkeitlicher Disziplinierung, um voreheliche Sexualität öffentlich zu brandmarken.

Welchen Einfluss hatten Heiratsbeschränkungen auf die betroffenen Frauen?

Die restriktive Handhabung von Zuzugs- und Heiratsrechten führte zu einer sozialen Ausgrenzung und zwang Frauen häufig in illegitime Lebensgemeinschaften, da eine legale Ehe aufgrund finanzieller und rechtlicher Hürden unmöglich war.

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Details

Title
Sexualmoral bei Frauen und Männern
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Inst. Kulturanthropologie)
Course
Frauenforschung
Grade
1,0
Author
Laura Dahm (Author)
Publication Year
1999
Pages
19
Catalog Number
V14711
ISBN (eBook)
9783638200318
ISBN (Book)
9783638777681
Language
German
Tags
Sexualmoral Frauen Männern Frauenforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Laura Dahm (Author), 1999, Sexualmoral bei Frauen und Männern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14711
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