Selbstständigkeit in Kulturberufen. Gemeinsamkeit und Unterschiede zu anderen freien Berufen


Essay, 2010

6 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

„Kulturberufe"

Die Relevanz der Thematik „Kulturberufe" ist schnell erklärt, betrachtet man einige aktuelle Studien die d'accord postulieren, dass sich der Kulturbereich zu einem nicht zu vernachlässigenden Wirtschaftsfaktor entwickelt hat. Gerade die Selbständigen in freien Kulturberufen weisen überdurchschnittliche Zuwächse auf und stellen laut IFB mit 242.000 die größte Gruppe der insgesamt 1.003.000 Selbständigen in freien Berufen in Deutschland dar. Angesichts dieser Tatsachen ist es nun interessant zu hinterfragen, welche Gemeinsamkeiten es für alle Selbständigen in den freien Berufen gibt und ob es für Kulturberufe besondere Unterschiede gibt, die sich negativ oder positiv auf Existenzgründungen auswirken können und welche Schlussfolgerungen sich letztendlich daraus ziehen lassen. Hierzu soll nun zuerst versucht werden, die Kulturberufe möglichst klar von den anderen freien Berufen abzugrenzen, da sich nur so später Unterschiede feststellen lassen. In einem kurzen Fazit soll dann noch darauf eingegangen werden, welche Schlussfolgerungen sich hieraus vor allem für die institutionelle, aber auch für die individuelle Ebene im Bereich der Kulturberufe ergeben und wo eventuell Handlungsbedarf besteht.

Die Kulturberufe von anderen freien Berufen abzugrenzen, gestaltet sich nun leider recht schwierig, da hier laut Kräuter eine Vielzahl äußerst heterogener Berufsbilder zusammengefasst werden, die weder nach expliziten Tätigkeitsbereichen, Ausbildung oder Berufszugang und der Frage der Freiberuflichkeit von anderen Berufen abgegrenzt werden können. Da es in diesem Themenfeld keine allgemein gültigen Definitionen gibt, wird im Folgenden nur auf selbstständige Freiberufler innerhalb der Tätigkeitsfelder bildende Kunst/Design, darstellende Kunst, Musik und Wort Bezug genommen, wenn von Kulturberufen und den in diesen Feldern Tätigen gesprochen wird.

Dass diese Abgrenzung im Wesentlichen den Abgrenzungen der Künstlersozialkasse (KSK) entspricht, ist für die weitere Argumentation nicht unerheblich. Es soll nun nämlich zuerst auf formelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede wie beispielsweise den Versicherungsschutz eingegangen werden, bevor die oft weit wichtigeren informellen Gegebenheiten besondere Aufmerksamkeit finden sollen.

Im formellen Bereich ergeben sich einige gemeinsame Besonderheiten für alle freien Berufe. Hier ist beispielsweise die Befreiung von der gesetzlichen Gewerbesteuerpflicht zu nennen, die das BMWi besonders hervorhebt. Des Weiteren gibt es laut dieser Publikation auch noch verpflichtende Vorgaben zur Mitgliedschaft in Kammern für einen Teil der freien Berufe, unter denen auch einige Kulturberufe sind und die mit diesen Vorgaben einhergehenden speziellen Werbebeschränkungen. Außerdem können alle Freiberufler eine so genannte „Partnergesellschaft freier Berufe" gründen.

In einigen formellen Bereichen unterscheiden sich die Kulturberufe allerdings auch von den anderen freien Berufen. Hier ist beispielsweise das Urheberrecht zu nennen, welches den Künstlern und Publizisten die Verfügungsgewalt über ihre Werke und Texte sichern soll und welches neben einer Auflistung dieser auch Vorgaben für eine angemessene Vergütung enthält. Für die Einhaltung dieses Rechts sollen Verwertungsgesellschaften wie beispielsweise die GEMA sorgen. Neben dem Urheberrecht gibt es weiterhin zum besonderen Schutz der selbständigen Kulturberufler die oben bereits erwähnte Künstlersozialversicherung der KSK, welche eine entsprechende Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung beinhaltet. Diese Art der Versicherung soll entlastend wirken, da 50% der Beiträge vom BUND und durch die Künstlersozialabgabe finanziert werden, die von den Auftraggebern und „Verwertern" der kulturberuflich angebotenen Produkte und Dienstleistungen entrichtet werden muss. Diese Versicherung steht allerdings nicht allen Erwerbstätigen in den Kulturberufen zur Verfügung. Kräuter beschreibt als weiteren wesentlichen Unterschied noch, dass der Berufszugang in erheblichem Maße auf Begabungen und Neigungen begründet ist und keine festgelegten Ausbildungswege vorhanden sind. Wobei man hier meiner Meinung nach nicht so pauschal urteilen kann, da man durchaus eine Ausbildung zum Bildhauer, Maler oder Fotograf wählen kann.

Die oben aufgeführten Punkte sind nun die formellen, greifbaren Kernpunkte der Rahmenbedingungen, die für Unternehmensgründungen in den freien Kulturberufen gelten. Allerdings sind dies auch nur die offensichtlichen, konstituierten und starren Gegebenheiten, die bei Weitem noch nicht alle relevanten Einflüsse abdecken. Um das Gesamtbild erfassen zu können muss man unter die Oberfläche un]d in die Köpfe der Gründer hinein blicken. Auch hier gibt es wieder einerseits Gemeinsamkeiten und andererseits Unterschiede. Der Ausübung einer freiberuflichen Tätigkeit liegt im Allgemeinen eine besondere berufliche Qualifikation oder schöpferische Begabung zugrunde. Dies indiziert folglich die volle fachliche Entscheidungsfreiheit der Freiberufler, muss aber im Umkehrschluss auch die Eigenverantwortung für die Qualität der erbrachten Leistung beinhalten und soll somit nicht nur dem Interesse der Auftraggeber dienen, sondern auch dem der Allgemeinheit, wie bei Kräuter aus dem PartGG zitiert wird. Die Grundausrichtung der Tätigkeiten strebt somit zwar nach dem gleichen Ideal, allerdings sehen sich gerade Selbständige in den Kulturberufen zahlreichen Herausforderungen ausgesetzt, da sich die Wesenszüge der Auffassung von Arbeit und Beruf eklatant von denen anderer Berufe unterscheiden. Ein Großteil der Kulturberufler sieht, wie Kräuter schreibt, den Beruf viel mehr als Berufung und somit als eine selbst gewählte und auf Begabung beruhende Tätigkeit, die nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit ausgeübt wird und jeglichen Erwerbs- und Wettbewerbsgedanken kategorisch ablehnt. Diese Auffassung führt nun zu einem im künstlerischen Dasein immanenten, fast unüberwindlichen Konflikt, der von Kräuter als „die Diskrepanz zwischen künstlerischem Schaffen einerseits und Erwerbs- bzw. Markterfordernissen andererseits" bezeichnet wird. Dies führt weiterhin dazu, dass gerade unter Künstlern öfter als unter anderen Freiberuflern Mischformen aus selbständigen und abhängigen Tätigkeiten verbreitet sind, da diese nur so ihren Lebensunterhalt decken können.

Neben diesem Hauptproblem gibt es noch viele weitere Schwierigkeiten, die oftmals erst auf den zweiten Blick auffallen. Beispielsweise werden Gründer zwar grundsätzlich mit zahlreichen organisatorischen und bürokratischen Problemen konfrontiert, Allerdings spielt die Vorbereitung darauf gerade in Ausbildungen zu Kulturberufen eine noch wesentlich stärker vernachlässigte Rolle, was die Angst vor der Selbständigkeit weiter erhöht. Dieses Problem verstärkt sich noch dadurch, dass die meisten Kulturberufe im Vergleich zu anderen freien Berufen traditionell selbständig ausgeübt werden. Ein weiteres Problem ist, dass künstlerisches Schaffen oft eine Risikoproduktion darstellt, da nur die wenigsten freiberuflich geschaffenen Kunstwerke Auftragsarbeiten sind. Einnahmen sind somit noch schlechter kalkulierbar.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Selbstständigkeit in Kulturberufen. Gemeinsamkeit und Unterschiede zu anderen freien Berufen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Seminar Soziale Institutionen/Sozialer Wandel - Entrepreneurship
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
6
Katalognummer
V147137
ISBN (eBook)
9783640602469
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fragestellung: Selbstständigkeit im Dienstleistungsbereich – für alle Berufsgruppen ähnlich? Stellen Sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Selbstständigkeit in den Kulturberufen in Abgrenzung zu den Freien Berufen dar! Welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen?
Schlagworte
Kulturberufe
Arbeit zitieren
Robert Kriegisch (Autor), 2010, Selbstständigkeit in Kulturberufen. Gemeinsamkeit und Unterschiede zu anderen freien Berufen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147137

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