Im Rahmen des Seminars "Migration und Kulturtransfer" werde ich in dieser Arbeit das Thema der deutschen Rückwanderung aus Amerika im 19. Jahrhundert behandeln. Dem weithin bekannten sowie gut erforschten Phänomen der Amerika-Auswanderung insbesondere im vorletzten Jahrhundert folgte in vielen Fällen nämlich auch eine Rückkehr nach Deutschland. Dieser Aspekt ist allerdings bei weitem nicht so populär geschweige denn systematisch erforscht.
Zum Aspekt der Auswanderung nach und dem Aufenthalt in Amerika werde ich nur die wichtigsten Tatsachen nennen, denn ohne eine Betrachtung der Vorgeschichte der Rückwanderung, d.h. der Auswanderung, kann diese nicht sinnvoll erklärt werden (vgl. Bade 1984c, S. 18f; Kortum 1981, S. 112). Die Massenauswanderung ist also Voraussetzung für und damit auch Einflußfaktor auf das Rückwanderungsgeschehen.
Nachdem hier jetzt schon einige Anmerkung zu Migration gemacht wurde, wird es im nächsten Kapitel um die deutsche Amerika-Auswanderung im 19. Jahrhundert gehen (1.). Unter 1.1. werden Ursachen, Verlauf und Ausmaß der Auswanderung beschrieben, während 1.2. die Auswirkungen der Auswanderung auf das Herkunftsland beinhaltet. Das zweite Kapitel befaßt sich mit der deutschen Rückwanderung aus Amerika unter theoretischen Gesichtspunkten, dem Forschungsstand und Angaben zum gesamtdeutschen Umfang und zu Motiven. Das dritte Kapitel erläutert die regionale Untersuchung von W. Folz. Als Volkskundler bezieht er sich auf alltagsweltliche Themen. Daher erschien mir seine Studie zur Pfälzer Rückwanderung am geeignetsten. Das Beispiel der ländlichen Rückwanderung behandelt die Rückkehr-Motive, meinen Schwerpunkt, sehr ausführlich. In jedem Kapitel stelle ich knapp einige Ergebnisse aus der Studie von K. Schniedewind (Bremer Rückwanderung) und von Kortum (Rückwanderung auf Amrum und Föhr) gegenüber.
Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG
1. DIE DEUTSCHE AMERIKA-AUSWANDERUNG IM 19. JAHRHUNDERT
1.1. AUSMAß, VERLAUF UND URSACHEN
1.2. AUSWIRKUNGEN AUF DAS HERKUNFTSLAND UND POLITISCHE BZW. ÖFFENTLICHE DISKUSSION
2. DIE DEUTSCHE RÜCKWANDERUNG AUS AMERIKA IM 19. JAHRHUNDERT
2.1. ZUM FORSCHUNGSSTAND
2.2. THEORETISCHER HINTERGRUND
2.3. UMFANG DER RÜCKWANDERUNG
2.4. MOTIVE FÜR DIE RÜCKWANDERUNG
3. DIE PFÄLZER RÜCKWANDERER AUS AMERIKA IM 19. JAHRHUNDERT
3.1. VORAUSSETZUNGEN DER RÜCKWANDERUNG: DIE AUSWANDERUNG AUS DER PFALZ NACH NORDAMERIKA
3.2. MOTIVE FÜR DIE RÜCKWANDERUNG
3.2.1. Gescheiterte Akkulturation
3.2.2. Rückwanderung aus wirtschaftlichen Motiven
3.2.3. Emotionale Motive
3.2.4. Die Anziehungskraft der alten Heimat
3.3. ZWISCHENFAZIT
4. KULTURTRANSFER
4.1. AUSWIRKUNGEN DER AUSWANDERUNG UND KULTURTRANSFER IN DEN AMERIKANISCHEN ZIELORTEN
4.2. AUSWIRKUNGEN DER RÜCKWANDERUNG UND KULTURTRANSFER IN DEUTSCHLAND
5. SCHLUßBETRACHTUNG
6. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der deutschen Rückwanderung aus Amerika im 19. Jahrhundert, das trotz der gut erforschten Amerika-Auswanderung lange vernachlässigt wurde. Das primäre Ziel ist es, die vielfältigen Motivationen für eine Rückkehr – von wirtschaftlichen Faktoren bis hin zu emotionalen Gründen wie Heimweh – zu analysieren und den möglichen Kulturtransfer in diesem Prozess zu beleuchten.
- Analyse der Beweggründe für die Rückkehr deutscher Auswanderer.
- Untersuchung des regionalen Beispiels der Pfälzer Rückwanderer.
- Theoretische Einordnung des Rückwanderungsgeschehens in die Migrationsforschung.
- Reflektion über Auswirkungen und den (möglichen) Kulturtransfer in den Herkunfts- und Zielgebieten.
Auszug aus dem Buch
3.2. Motive für die Rückwanderung
Folz betont das Zusammenwirken vieler Motive (wirtschaftlicher und persönlicher Art), wobei die Tatsache, daß viele Auswanderer im Bestreben eine neue Heimat zu finden, gescheitert waren, besonders tragisch ist. Ihnen war eine Assimilierung nicht gelungen. Es muß daher von einem Zusammenhang zwischen Rückkehrentschluß einerseits und Verweildauer, erfolgter Assimilation und vertikaler Mobilität anderseits ausgegangen werden, da die meisten nach der einschneidenden Entscheidung zur Auswanderung nicht eine Rückwanderung planten.
Als Pushes für Amerika erwiesen sich mangelnde Integration, das Fehlen von ökonomischen und sozialen Erfolgen sowie Abweisung. Als Pulls des Herkunftslandes sind die Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Lage, die patriotische Verbundenheit, die familiäre Bindungen, Investitionsmöglichkeiten und die Aussicht auf einen unbeschwerten Lebensabend zu nennen.
Zusammenfassung der Kapitel
0. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Rückwanderung als wenig erforschtes Gegenstück zur Massenauswanderung und Festlegung der Forschungsfragen.
1. DIE DEUTSCHE AMERIKA-AUSWANDERUNG IM 19. JAHRHUNDERT: Überblick über Ausmaß, Ursachen und sozioökonomische Hintergründe der Auswanderung sowie deren Auswirkungen auf Deutschland.
2. DIE DEUTSCHE RÜCKWANDERUNG AUS AMERIKA IM 19. JAHRHUNDERT: Theoretische Auseinandersetzung mit Rückwanderungsmotiven, dem Forschungsstand und dem gesamtdeutschen Umfang des Phänomens.
3. DIE PFÄLZER RÜCKWANDERER AUS AMERIKA IM 19. JAHRHUNDERT: Detaillierte regionale Untersuchung der Motive für Rückwanderer aus der Pfalz unter Berücksichtigung von Akkulturation, Wirtschaft und emotionalen Aspekten.
4. KULTURTRANSFER: Analyse, ob und wie durch die Migration und die Rückwanderung kulturelle Werte, Techniken und Einstellungen zwischen Deutschland und Amerika ausgetauscht wurden.
5. SCHLUßBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der Forschungsergebnisse, die die Bedeutung der Rückwanderung als Regressivvorgang betont und weiteren Forschungsbedarf aufzeigt.
6. LITERATURVERZEICHNIS: Aufstellung der für die Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Rückwanderung, Migration, Amerika-Auswanderung, Pfalz, Kulturtransfer, Akkulturation, Heimweh, Wirtschaftsgeschichte, Migrationsforschung, Re-Integration, 19. Jahrhundert, Deutschland, Einwanderung, Sozialgeschichte, Mobilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die oft übersehene deutsche Rückwanderung aus Amerika im 19. Jahrhundert als Ergänzung zum bekannteren Phänomen der Amerika-Auswanderung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Motiven der Rückwanderer, der regionalen Fallstudie pfälzischer Rückwanderer und der theoretischen Frage nach dem Kulturtransfer zwischen den beiden Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, welche Motivationen (wirtschaftlich oder emotional) eine Rückkehr bewirkten, welche Rolle die Integration in den USA spielte und ob ein messbarer Kulturtransfer nach Deutschland stattfand.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus der Auswertung vorhandener Statistiken, regionaler Studien (insbesondere von W. Folz) und einer interdisziplinären Sichtweise, die volkskundliche und historische Ansätze vereint.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die allgemeinen Ursachen der Aus- und Rückwanderung, analysiert intensiv die Pfälzer Rückwanderer nach Akkulturationsscheitern, wirtschaftlichen Krisen und emotionalen Gründen und diskutiert den Kulturtransfer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Migration, Rückwanderung, Pfalz, Akkulturation, Kulturtransfer, Heimweh und sozioökonomische Faktoren im 19. Jahrhundert.
Welche Rolle spielten "Pushes" und "Pulls" bei der Rückkehr?
Mangelnde Integration oder wirtschaftliche Erfolglosigkeit in den USA fungierten als "Pushes", während die Aussicht auf wirtschaftliche Besserung in der alten Heimat oder emotionale Bindungen als "Pulls" wirkten.
Gilt die Rückwanderung im 19. Jahrhundert als innovativer Prozess?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Rückwanderung eher als regressiver Vorgang einzustufen ist, da die Rückkehrer selten als Innovatoren wirkten und meist in traditionelle Strukturen zurückfielen.
- Quote paper
- Laura Dahm (Author), 2000, Die deutsche Rückwanderung aus Amerika im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14715