In den entwickelten Volkswirtschaften gehören Kreditinstitute neben Versicherungen zu den am stärksten regulierten Branchen. Der Grund hierfür liegt in der besonderen Stellung von Kreditinstituten innerhalb der Gesamtwirtschaft, da diese für private Haushalte sowie für Unternehmen diverse Dienstleistungen, wie die Annahme von Einlagen, die Vergabe von Krediten sowie das Abwickeln von Zahlungsaufträgen, erbringen. Des Weiteren sind Kreditinstitute auch untereinander vernetzt, d.h. sie stellen sich gegenseitig Liquidität zur Verfügung oder arbeiten in bestimmten Geschäftsfeldern (z.B. bei Konsortialkrediten , in der Zahlungsabwicklung usw.) zusammen. Die Schieflage einer Bank kann sich für eine Volkswirtschaft daher belastend auswirken, da nicht nur Kreditinstitute, die mit dem Not leidenden Kreditinstitut in Verbindung stehen, darunter leiden, sondern womöglich auch andere Wirtschaftszweige oder gar private Haushalte. Das Ziel einer Bankenaufsicht ist es somit, die Funktionsfähigkeit des Bankensystems zu wahren und Missstände zu bekämpfen.
Im Zuge der seit 2007 stattfindenden Finanzkrise stehen jedoch nicht nur das Management von Banken oder die Rating-Agenturen in der Kritik, sondern unter anderem auch die nationalen Aufsichtsbehörden für Kreditinstitute. Weder die von den Bankaufsichtsbehörden auferlegten Regeln, noch die laufende Überwachung der jeweiligen inländischen Kreditinstitute waren dazu in der Lage, Risiken frühzeitig zu erkennen oder zu kontrollieren bzw. zu eliminieren. In der wirtschaftspolitischen Diskussion wird daher verstärkt über die Kooperation der nationalen Regulierungs-behörden, als auch um die Qualität der Vorschriften und deren Ausweitung gesprochen.
Ziel dieser Seminararbeit ist, zunächst die allgemeinen Ziele der Bankenaufsicht zu erläutern, um daraufhin die Ausgestaltung der Regulierung in Deutschland darzustellen und deren Auswirkungen auf die Geschäftspolitik inländischer Banken zu diskutieren. Danach sollen die Defizite und Grenzen aufsichtsrechtlicher Regelungen, die durch die Finanzmarktkrise aufgedeckt wurden, angesprochen und mögliche Lösungswege präsentiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Notwendigkeit einer Bankenaufsicht
3. Die Ausgestaltung der Bankenaufsicht in Deutschland
4. Auswirkungen aufsichtsrechtlicher Regelungen auf die Geschäftspolitik von Banken
4.1 Regelungen zur Eigenkapitalausstattung
4.2 Regelungen zur Liquidität
5. Defizite der Bankenaufsicht
5.1 Rahmenbedingungen der europäischen Finanzaufsicht
5.2 Prozyklizität aufsichtsrechtlicher Regelungen auf die Gesamtwirtschaft
5.3 Innerbankliche Problemfelder
6. Herausforderungen der Bankenaufsicht
7. Grenzen der (internationalen) Bankenaufsicht
8. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Bankenaufsicht vor dem Hintergrund der Finanzkrise 2007. Ziel ist es, die Ziele der Aufsicht zu erläutern, deren Umsetzung in Deutschland zu analysieren sowie aktuelle Defizite und mögliche Lösungsansätze kritisch zu diskutieren.
- Grundlagen und Notwendigkeit einer Bankenaufsicht
- Strukturen der deutschen Bankenaufsicht und Auswirkungen auf die Geschäftspolitik
- Analyse systemischer Defizite in der europäischen Finanzaufsicht
- Prozyklische Effekte aufsichtsrechtlicher Vorschriften
- Herausforderungen und Grenzen einer (internationalen) Regulierung
Auszug aus dem Buch
4.2 Regelungen zur Liquidität
Eine weitere Möglichkeit der Insolvenz ist die Zahlungsunfähigkeit. Sie tritt ein, wenn ein Institut nicht mehr in der Lage ist, Auszahlungen auf fällige Verbindlichkeiten zu tätigen. Banken sind wegen ihres Geschäftsmodells der Fristentransformation in besonderer Weise von dieser Form der Insolvenz betroffen. Während sich Banken auf der Passivseite über Kundengelder und Spareinlagen überwiegend kurzfristig finanzieren, werden auf der Aktivseite zu einem Großteil längerfristige, illiquide Engagements in Form von Hypotheken oder Verbraucherkrediten getätigt, deren frühzeitiger Verkauf mit hohen Transaktionskosten oder Abschreibungen verbunden sein kann. Wegen der mangelnden Liquidierbarkeit der Anlagen auf der Aktivseite sind Kreditinstitute auf das Vertrauen der Gläubiger in deren Kreditwürdigkeit angewiesen, um sich jederzeit refinanzieren zu können.
Kreditinstitute können unter anderem über die Steuerung der Fristen auf der Aktiv- und Passivseite einen großen Einfluss auf ihre Ertragspotentiale nehmen. Der Hintergrund dafür ist die Zinsstrukturkurve, deren Zins am langen Ende in der Regel höher ist als am kurzen Ende. Die Gefahr für mögliche Liquiditätsprobleme ist jedoch umso größer, je weiter die Durchschnittslaufzeiten von Aktiv- und Passivseite voneinander entfernt sind, da zum Halten der Anlagen eine Vielzahl von Refinanzierungsrunden erfolgen müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Bedeutung der Bankenaufsicht zur Sicherung der Systemstabilität und benennt die Zielsetzung der Untersuchung im Kontext der Finanzkrise ab 2007.
2. Die Notwendigkeit einer Bankenaufsicht: Es wird dargelegt, dass Banken aufgrund ihrer hohen Fremdkapitalquote, ihrer Vernetzung und asymmetrischer Information gegenüber Kunden besonderen Regulierungsbedarf haben.
3. Die Ausgestaltung der Bankenaufsicht in Deutschland: Das Kapitel beschreibt das Zusammenspiel von BaFin und Bundesbank sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen durch das KWG.
4. Auswirkungen aufsichtsrechtlicher Regelungen auf die Geschäftspolitik von Banken: Hier werden die regulatorischen Eingriffe in die Eigenkapitalausstattung und Liquidität sowie deren Einfluss auf die Unternehmensstrategien untersucht.
5. Defizite der Bankenaufsicht: Das Kapitel analysiert Schwächen wie die mangelnde internationale Koordination, die Prozyklizität von Regelungen und spezifische innerbankliche Risikofaktoren.
6. Herausforderungen der Bankenaufsicht: Es werden Lösungsansätze zur institutionellen Anpassung der Aufsicht an die Internationalisierung der Institute diskutiert.
7. Grenzen der (internationalen) Bankenaufsicht: Hier wird thematisiert, warum eine supranationale Behörde politisch schwer durchsetzbar ist und welche Risiken mit noch strengeren Regulierungen verbunden sind.
8. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass Bankenaufsicht ein permanentes Spannungsfeld zwischen Stabilitätssicherung und der Aufrechterhaltung wirtschaftlicher Aktivität darstellt.
Schlüsselwörter
Bankenaufsicht, Finanzkrise, Basel II, Eigenkapital, Liquidität, Prozyklizität, KWG, BaFin, Fristentransformation, Finanzmarktintegration, Risikomanagement, Systemstabilität, Bankrun, Einlagensicherung, Bankenregulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Möglichkeiten und Grenzen der Bankenaufsicht und analysiert, warum die bestehenden Regelungen während der Finanzkrise 2007 ihre stabilisierende Wirkung nicht voll entfalten konnten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Notwendigkeit der Bankenregulierung, die deutsche Aufsichtsstruktur, die Auswirkungen von Eigenkapital- und Liquiditätsvorgaben sowie die Herausforderungen einer grenzüberschreitenden Finanzaufsicht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Ziele und die Ausgestaltung der Bankenaufsicht zu erläutern und Defizite aufzuzeigen, die durch die Finanzkrise deutlich wurden, um so mögliche Lösungswege zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Literaturanalyse, die auf einschlägigen Fachpublikationen, rechtlichen Grundlagen (KWG) und aktuellen Berichten zur Finanzmarktkrise basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Ausgestaltung der deutschen Aufsicht, den Wirkungen der Vorschriften auf die Geschäftspolitik, den Defiziten der europäischen Aufsicht und spezifischen Problemen wie prozyklischen Effekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Bankenaufsicht, Finanzkrise, Eigenkapitalunterlegung, Prozyklizität, Systemstabilität und internationale Finanzmarktintegration.
Warum ist eine rein nationale Bankenaufsicht laut der Arbeit problematisch?
Die Arbeit weist darauf hin, dass international tätige Bankkonzerne von einer Vielzahl nationaler Behörden beaufsichtigt werden, was zu ineffizienten Strukturen führt, da die Aufsicht keine konzernweite Perspektive einnehmen kann.
Warum stellt "strengere Regulierung" laut der Arbeit kein Allheilmittel dar?
Eine zu hohe Regelungsdichte und Eigenkapitalanforderungen können Innovationen hemmen und das Kreditangebot verknappen, was insbesondere in einer Rezessionsphase kontraproduktiv wirken und die Krise verschlimmern könnte.
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- Diplom-Ökonom Florian Becker (Author), 2009, Möglichkeiten und Grenzen der (internationalen) Bankenaufsicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147160